vonSabine Schiffner 06.10.2026

fremdeln

Sabine Schiffner dichtet und denkt über sich und andere nach.

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Das Dorf Jaunpils, in dem sich die Burg Jaunpils befindet, hat nur ungefähr 800 Einwohner. Von diesen Einwohnern sieht man aber kaum jemanden, die Häuser im Dorf liegen so weit auseinander, dass wohl die meisten Menschen die Wege per Auto zurücklegen. Dabei gibt es hier genug Fußwege. Zwischen den Häusern sind oft Freiflächen, die von den Dorfbewohnern als Beete genutzt werden. Dort pflanzen sie Gemüse, Obst, Kartoffeln, Erdbeeren und manchmal sind dort auch einfach nur Blumen. Die Blumen blühen hier jetzt im Oktober noch prächtig. Kalte Winter gibt es wohl kaum noch in Lettland, erfuhr ich gestern. Die Felder außerhalb des Dorfes und auch die vielen kleineren Gemüsebeete (ich würde ihre Größe auf ca. 6 x 20qm schätzen) sind alle nicht von Zäunen umgeben. Das haben wir hier in Lettland nicht, Zäune, wir wissen, was unser ist und streiten uns nicht, erzählte man mir. Blumen sind auch eines der für emotionale Verstärkung dienenden visuellen Hauptelemente des baltendeutschen Dichters Eduard von Keyserling, dem ich hier hinterherreise. Besonders gerne spricht er über die die Vergänglichkeit und den Herbst einläutenden Dahlien, die er immer mit ihrem altmodischen Namen Georginen bezeichnet.

Dafür dass Jaunpils so gut in Schuss ist, war ein Mann verantwortlich, dem man ein Denkmal gesetzt hat, eine kleine Kuh, die über den See hinweg in Richtung der Burg guckt. Am meisten lieben wir Letten Kühe, sagt mir mein lettischer Mitstipendiat, mit dem ich an den Beeten vorüber ging. Er erzählte mir, dass in Lettland alle Kühe einen Namen haben. Das fand ich ganz bezaubernd. Er sagte, sie heißen oft entweder Ruth oder Gauja, welches der Name des größten lettischen Flusses ist. Mir war schon beim letzten Besuch in Lettland aufgefallen, wie gut die Milch hier schmeckt.

In Lettland wird viel Fleisch gegessen. Es fällt schwer, auf den Karten der Restaurants etwas Vegetarisches zu finden. Sehr gerne mögen sie auch Hunde. Die einzigen Spaziergänger im Dorf haben meist einen Hund dabei. Besonders beliebt sind kleine Schoßhunde und Huskies. Die Letten sind zu fremden Hunden ebenso lieb wie zu Kindern.

Es gibt nur eine Schule hier im Dorf. Jugendliche und Kinder langweilen sich zuweilen tagsüber. Sie fahren manchmal zu mehreren ziellos mit Fahrrädern umher. Obwohl es nur so wenige Häuser gibt, gibt es zwei gar nicht so kleine Lebensmittelgeschäfte, die sich an der Hauptstraße genau gegenüber liegen. In einem der Märkte ist ein kleines Restaurant. In den Geschäften kann man seit drei Jahren seine Pfandflaschen zurückbringen, das ist etwas neues hier in Lettland. Ich beneide die Letten darum, dass es etwas Neues ist. Bei uns in Deutschland ist es inzwischen ja schon etwas Altes, aber richtig überzeugt bin ich deshalb auch nicht davon.

Außerdem gibt es in Jaunpils ein Käse und Milchgeschäft, das an eine ziemlich große Käse- und Milchfabrik angeschlossen ist, die schon zu Sowjetzeiten eröffnete. Es gibt in den Außenbezirken des Dorfes einige versteckte Wohnblöcke, die auch an Sowjetzeiten erinnern. Vor diesen Wohnblöcken stehen meist ziemlich teuer aussehende Autos, ich sah viele Audis und BMWs.

An allen Supermärkten und auch am Gemeindehaus sind Getränkeautomaten, an denen es eine sehr große Auswahl von Kaffees und Schokoladen gibt. Außerdem kann man sich Deckel mitnehmen und Holzstäbchen zum Umrühren. Ein Blumengeschäft gibt es auch und auch eine Apotheke, über der der Arzt des Ortes wohnt.

Das Dorf ist sehr sauber, die Straßen sind gepflegt. Das vielleicht schönste aber an diesem Dorf sind die Beete und die Hochbeete, die über und über mit blühenden Blumen gefüllt sind und sehr gepflegt wirken. Die Menschen hier wollen, dass das Dorf schön aussieht und das ist in eigentlich allen Dörfern hier in Lettland so, erzählte mir mein Mitstipendiat. Auch der Hof der Burg, in der wir wohnen, ist immer wunderschön mit Blumen und Früchten geschmückt. Daran hat man hier viel Freude. Ich mag die Ruhe, die das Dorf ausstrahlt.

 

jaunpils

 

eine kleine alte bank am rande der

baumlosen felder

eine holzbank vor dem holzpferd

mit blick auf den weiher

die weiße bank neben dem automaten

mit irischer schokolade

eine bank an der bushaltestelle für

diejenigen die hin- und zurückfahren

eine bank mit zwei sofakissen im

hof von der alten ritterburg

eine bank vor dem rathaus zum

beruhigen für streitende parteien

eine bank vor dem spielplatz darauf zwei

alte menschen beim betrachten der schaukeln

eine bank in der birken

lichtung mit blick in die ferne

eine bank an der straße mit zugwind

von den laut polternden last wagen

eine bank dient immer für verliebte momente

für zwei die sich an den händen halten

eine bank ist da für nichts als darauf sitzen zu bleiben

eine bank zum runterkommen zum unnützes tun

die alte verwitterte bank

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