vonHans-Peter Martin 27.06.2020

Game Over

Hans-Peter Martin bloggt über die globale Titanic der Politik und Wirtschaft – und wie es doch ein „New Game“ geben kann. Krieg oder Frieden.

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In wenigen Tagen übernimmt Deutschland die Ratspräsidentschaft in der Europäischen Union. Das Thema hinter allen Themen wird der Umgang mit Italien werden. Der sogenannte „Wiederaufbau“ nach Corona wird vor allem südlich des Alpenhauptkammes gelingen müssen. 170 Milliarden Euro sollen nach Italien fließen, doch es kommt entscheidend darauf an, zu welchen Bedingungen und was noch folgen wird.

Ansonsten wird die Europäische Union scheitern, der Euro sowieso. Dazu muss aber Grundsätzliches verstanden und in Taten umgesetzt werden.

Große Teile der Bevölkerung in Deutschland, Österreich und in anderen Nordländern haben noch nicht verstanden, was da alles auf dem Spiel steht. Viele halten an einer falsch verstandenen Sparsamkeitsdoktrin fest, allen voran der neue Nationalchauvinist Sebastian Kurz. Das ist unverantwortlich, und ja, ein großes Wort: Die Geschichte wird es zeigen.

Mit vielen anderen Zeitgenossen aus Wirtschaft und Politik möchte ich laut schreien: Aufwachen! Checkt doch endlich, worum es geht! Dieser Appell richtet sich gerade auch an Kollegen in den Medien. „Game Over“ ist nicht nur ein Schlagwort. Wir leben in hochgefährlichen Zeiten und befinden uns mitten in einer ökonomischen und politischen Crashspirale! Corona ist da nur ein Brandbeschleuniger!

So viele Rufzeichen habe ich noch nie in einem Artikel gesetzt. Nicht wenige kritische Pro-Europäer wie ich haben schon vieles geschrieben und gesagt. Genügt hat es bislang nicht.

Jetzt ein neuer Versuch, eine Art feinsinniger Aufschrei. Ein Lebensfreund vermittelte mir auf meiner italienischen ein Gespräch mit Piero Bassetti. Selbst sehr kluge, enorm erfolgreiche Italiener halten diesen Mann für einen der klügsten, belesensten und anregendsten Landsleute.

Bassetti ist eine intellektuelle Legende. Er war schon vieles: Politiker, Unternehmer, Universitätsprofessor, aber vor allem Vordenker. Nicht wenigen wurde er zum herausragenden Mentor.

Auf dem Weg zu ihm streife ich durch das Stadtzentrum von Mailand, der Hauptstadt der Lombardei, mithin noch immer eine rote Zone in Corona-Zeiten.

Die norditalienische Metropole ist cool, von Touristen (glücklicherweise) völlig unterschätzt, geschätzt hingegen von jenen, die Wirtschaftskraft und guten Geschmack nicht für Gegensätze halten.

Die falschen Einschätzungen gründen sich auf Mailands schlechte Luft. Als meine Eltern 1967 erstmals mit mir von Vorarlberg aus ans Meer fuhren, mieden sie Mailand wie die Pest. Die Smogwolke schreckte und beeindruckte alle Vorbeifahrenden.

Mit Corona ist alles anders. Der Himmel ist blau, der Stadtpark eine Oase.

In der Modemetropole herrscht auch auf den Straßen weiterhin Schutzmaskenpflicht. Pfiffige Straßenhändler personalisieren sie gerne, mit Schriftzügen, Emblemen, Botschaften.

Bassettis Büro liegt im Gründerzeitviertel, von dessen Existenz auch so manche Italienkenner nichts wissen. Mehr als pünktlich empfängt er mich. Wenn man geistig und physisch so fit ist wie er mit inzwischen 92 Jahren, möchte man gerne so alt werden.Meine erste Frage an ihn: „So nahe an Bergamo, mitten in einem Epidemiezentrum, in dem so viele ältere Menschen am Corona-Virus starben, müssten Sie doch auch tot sein. Warum leben Sie noch?“

Seine Antwort kommt spontan: „Ich bin so lebendig wie nie. Wir leben doch in hochspannenden Zeiten. Ja, es ist revolutionär. Der Kapitalismus in seiner bisherigen Form ist am Ende. Da ging es die möglichst effiziente Produktion von Waren. Jetzt liegt die Macht im Wissen.“

Inwiefern? „im Wissen um die Transformation der Mobilität. Das ist die große Chance in Europa. Bislang hat man Kriege doch durch Waffen und Aktivitäten gewonnen. Unsere Waffe, in Zeiten, in denen Mobilität doch fast alles bedeutet, war und ist gegen das Corona-Virus der Stillstand.“

Paradox, bemerke ich. Bassetti holt aus: „Ja und nein.“

Der Text wird fortlaufend ergänzt.

Hier der erste Teil des Gesprächs als Tonbandaufnahme:

Die Daten werden am Sonntag, 27.6.2020, hochgeladen

Hier der zweite Teil des Gesprächs als Video:

Die Daten werden am Sonntag, 27.6.2020, hochgeladen

 

 

 

 

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