vonHans-Peter Martin 13.06.2019

Game Over

Hans-Peter Martin bloggt über die globale Titanic der Politik und Wirtschaft – und wie es doch ein „New Game“ geben kann. Krieg oder Frieden.

Mehr über diesen Blog

Der Öltanker „Front Altair“, im Besitz des norwegischen Milliardärs John Frederiksender und Teil der größten Tankerflotte der Welt, wurde heute morgen im Golf von Oman ebenso getroffen wie die „Kokuka Courageous“ von der deutschen Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM). Der Tanker war vor drei Tagen aus dem saudi-arabischen Hafen Al-Jubail ausgelaufen und auf dem Weg nach Singapur. Unverzüglich richtete sich der Verdacht für die Sabotageangriffe auf den Iran.

Doch wem nützen diese aktuellen Ereignisse? Verdeckt nicht all das Poltern des US-Präsidenten Donald Trump gegen den Iran ein ausgeklügeltes strategisches Vorgehen? Erst als Trump im Frühjahr 2018 eine eigene Gesprächsbasis mit Diktator Kim Jong-un geschaffen hatte und somit nicht mehr von Vermittlungsbemühungen der chinesischen Führung im Nuklearwaffenkonflikt mit Nordkorea abhängig war, wagte er sich in den Handelsstreit mit China. Erst als er mit Israel und Saudi-Arabien die Beziehungen intensiviert hatte, ließ er das Nuklearabkommen mit dem Iran platzen. Immer hat der US-Präsident dabei den Ölpreis im Auge. Steigt er, wird die heimische Ölgewinnung durch Fracking, das er durch die Preisgabe von Umweltvorschriften erleichtert hat, wieder rentabler. Das wiederum befördert sein Versprechen, Jobs in den USA zu schaffen. Und keineswegs nebenbei freuen sich große Player: die US-Ölindustrie, das US-Militär und auch Finanzakteure, welche die scheinbar so erratischen, also schlingerkursartigen politischen Manöver Trumps zu deuten wissen und zeitgerecht auf Investitionsprojekte mit den Saudis und auf steigende Rohölpreise gesetzt haben. Der US-Dollar als Weltreservewährung bewährt sich dabei als Waffe.

Ein Kollateralschaden trifft Kanada, das sich aus Saudi-Sicht zu sehr für Menschenrechte eingesetzt und deshalb brüsk zurechtgewiesen wurde. Aus der neuen US-Sicht ist der Konflikt nicht unerwünscht, da Trump den nördlichen Nachbarn sowohl handelspolitisch als auch als Verfechter liberaler Werte ablehnt.

Da fügt sich doch eines zum anderen. „America first“, und wie. Ist es vielleicht grundfalsch, Trump und vor allem seine Unterstützer zu unterschätzen?

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/gameover/schiffle-versenken-nutzniesser-trump/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.