vonhausblog 06.06.2019

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Ab dem 6. Juni 2019 werden Anzeigen der Bundeswehr auf taz.de ausgespielt. Die Entscheidung der Geschäftsführung, diese Anzeigen zuzulassen, hat in der Redaktion und im Verlag heftige Debatten ausgelöst. Die taz war und ist keine Zeitung wie jede andere. Eine intensive Auseinandersetzung nicht nur mit dem redaktionellen Teil der Zeitung, sondern auch mit den Werbeanzeigen gehört zur taz seit ihrer Gründung.

In der gedruckten taz erscheinen in unregelmäßigen Abständen seit 1998 Anzeigen des Verteidigungsministeriums (Kommentar des Redakteurs Stefan Reineke vom 14.03.1998). Die taz ist in der Hand ihrer Leser*innen. Es gab zu den gedruckten Anzeigen immer wieder zahlreiche kritische Kommentare, Abo-Kündigungen und Kündigungen der Genossenschaftsanteile. 2015 haben wir deshalb unsere Eigentümer*innen – die Genoss*nnen der taz – um ihre Meinung gebeten.

Über 700 Mitglieder haben sich innerhalb kurzer Zeit bei uns gemeldet. 50 Prozent der Umfrageteilnehmer*innen haben mit den Anzeigen kein Problem, etwa 30 Prozent lehnen sie strikt ab, 20 Prozent sind unentschlossen, loben aber, dass wir uns so stark mit der Veröffentlichung auseinandersetzen. Die taz ist pluralistisch, keine Zeitung, die sich an eine bestimmte Linie hält, sondern Unabhängigkeit als wichtigstes Attribut wirklich ernst nimmt.

Zitat einer Print-Leserin: „Sagt mal liebe Tazler: Gehts noch? Welcher Geist hat euch bei der Veröffentlichung dieser Werbung heimgesucht?”

Mitarbeiter*innen aus Verlag und Redaktion haben sich im Vorfeld der Veröffentlichung der digitalen Anzeigen, die nun erstmals geschaltet werden, gegen ein solches Geschäft ausgesprochen. Es gab hitzige Diskussionen. Das Internet vergisst nichts, verzeiht nichts und ist wesentlich unmittelbarer und dadurch auch härter als eine gedruckte Zeitung und darauffolgende Leser*innenbriefe. Ein Shitstorm kann ungeahnte Ausmaße annehmen und benötigt hohe personelle Kapazitäten.

Nichtsdestotrotz hat sich die Geschäftsführung gemeinsam mit der Abteilungsleitung der Anzeigen für die Ausspielung der Banner entschieden.

Die taz ist in ihrer journalistischen Meinung vielfältig, ihre Mitarbeiter*innen haben unterschiedliche Auffassungen und seltenst werden Entscheidungen zur Zufriedenheit aller getroffen. So ist es auch in diesem Fall, und wir freuen uns über einen regen Austausch mit unseren Leser*innen.

Meinungen aus der taz:

„… das Schalten von Bundeswehranzeigen [hat] die taz vermutlich mehr gekostet, als es ihr eingebracht hat – nämlich massenhaft Kündigungen.”

„Länder haben Armeen, das ist nunmal so. gewöhnt euch dran oder zieht auf den Mond, da gibts keine. Und in der globalen Rangliste von Bösewichten, was Armeen angeht, steht die Bundeswehr sehr weit unten.”

„Wer Anzeigen der Bundeswehr bei uns verhindern will, blockiert damit einen Weg, dass die angeblich ja nur rechtsdumpfe Bundeswehr auch gezielt bei Leuten aus dem linkeren Spektrum werben kann und möglicherweise sogar den einen oder anderen zu sich zieht. Was ja sinnig wäre für das Spektrum an Meinungen in der Bundeswehr.”

„… das ist doch das Vortäuschen einer Debatte. Seit Jahren laufen viele KollegInnen mit vielen guten Argumenten gegen die Wand. Es scheint absolut keine Chance zu geben, daran etwas zu ändern.”

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https://blogs.taz.de/hausblog/gehts-noch/

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kommentare

  • Die Bundeswehr hat ein Rekrutierungsproblem und bedient sich einer steuergeldmillionenschweren Werbekampagne. Solange wir ja wohl in der jetzigen Zeit noch nicht ohne Armee auskommen können und solange kein Politiker an die Idee eines Pflichtjahres gemeinnütziger Arbeit für Schulabsolventen (Wehrdienst als Option) ran will, werden wir mit ähnlichen bizarren Formen der Bundeswehrwerbung vermutlich weiter leben müssen.
    Ich hatte mich im März letzten Jahres bereits in einem (von Euch zum Brief des Tages gekürten) Leserbrief zum arroganten und diskriminierenden Slogan „mach, was wirklich zählt !“ geäußert. Jeder Jugendliche, der Arzt, Tischler oder Feuerwehrmann werden will, jeder aus gesundheitlichen Gründen Ausgemusterte, jeder junge Mensch mit Behinderung, jeder Leistungssportler, der nicht in den Genuss der (leider) an die Bundeswehr gekoppelten Sportförderung kommt, muss frustriert diese Werbung ertragen.
    Die wirtschaftlichen Zwänge einer Zeitung sind verständlich, es muss aber ein Mitspracherecht zum Inhalt gegenüber dem Anzeigenden geben.
    Lieber wäre mir in diesem Fall eine wirksame Attacke gegen die Agentur, die diesen zuvor genannten Haupt- Slogan erfunden hat (und einen fetten PR- Preis abgesahnt hat) und davon nicht lassen.
    Mit der neuen Serie von Sprüchen begibt sich die Kampagne vermutlich auf das derzeitige IQ- Niveau der Bundeswehr. (Bspl. „Lieber Mats Hummels, wir suchen noch ein paar gute Verteidiger….. mach was wirklich zählt.de …“, oder „Hier bist du wehr“ oder „Grünzeug ist auch gesund für deine Karriere“…. man könnte fast lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

  • Anzeigen der Bundeswehr harmonieren doch erstaunlich gut mit der olivgrünen Ausrichtung, die die taz seit Jahren eingeschlagen hat. Insofern ist die Entscheidung der Geschäftsführung nur konsequent.

  • Ich habe die Anzeige der BW auch nicht gesehen, wundert mich aber auch nicht, da mein „pi-hole“ daas alles wegfiltert. Als Ausgleich zahle ich regelmäßig bei #tazzahlich ;)

  • Liebe Leute,

    heute ist der 6. Juni. Ich habe wirklich gesucht, aber keine Anzeige der Bundeswehr entdecken können. Vielleicht habe ich die falschen Cookies? Vielleicht sind die Anzeigen gut verborgen? Sind Sie am Ende überhaupt nicht geschaltet worden? Woran auch immer es liegt, ich konnte sie nicht finden. Und vermute daher: Die taz kann diese Anzeigen gut verkraften und sich weiterhin zu Gute halten, ein wirklich pluralistisches Medium zu sein, das zwar ihr eher „fremde“ Anzeigen zulässt, aber wirtschaftlich niemals von ihnen abhängig sein wird!

  • „Wer Anzeigen der Bundeswehr bei uns verhindern will, blockiert damit einen Weg, dass die angeblich ja nur rechtsdumpfe Bundeswehr auch gezielt bei Leuten aus dem linkeren Spektrum werben kann und möglicherweise sogar den einen oder anderen zu sich zieht. Was ja sinnig wäre für das Spektrum an Meinungen in der Bundeswehr.”
    Das st ein Zitat von weiter oben.
    Es ist genau meine Meinung

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