von 04.07.2013

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Vor etlichen Wochen kam Chefredakteurin Ines Pohl von einer Tagung im Göttinger Waldschlösschen zurück und regte in der Strategierunde der taz an: Wir sollten eine homotaz machen. Klar, sie wusste, dass diese Zeitung vier monothematische Ausgaben zu queeren Weltsichten, Perspektiven und Aussichten bereits veröffentlicht hat. Die erste im Jahre 1994 – zuletzt aber 1997 durch die KollegInnen Ulrike Fokken und Jan Feddersen.

Die Anregung von Kollegin Pohl nahm dankbarerweise der Kollege Deniz Yücel auf – der Anfang Mai mit den Planungen für die Ausgaben zum Berliner CSD begann. Er war wie prädestiniert für diesen Aufgabe, nicht unähnlich der eines Dompteurs. Würde man wieder eine Ausgabe wollen, die noch und nöchter und aufs Neue und Alte die alten Histörchen um Recht und Rechthabereien wälzt? Würde es wieder pure Selbstbespiegelung sein – angereichert und dominiert von Haltungen, die darauf beharren, dass in den vermeintlich politisch seligen Siebzigern alles so rosa radikal war?

Nein, Yücel und die schwulen wie lesbischen KollegInnen aller Ressorts und Abteilungen entschieden sich, typisch, auf das Heiterste für die beste Variante: Nix Homobauchnabelmäßiges allein. Wusste doch jedeR: Die taz-Leserschaft ist libertär gesinnt – aber in der Mehrheit dann doch heterosexuell. Das hieß als Arbeitsvoraussetzung, dass die homotaz, die am heutigen Donnerstag erscheint, über die Horizonte der sexuellen Orientierungen hinaus gucken muss. Was also könnte der rote Faden sein, der in dieser Welt der Aufstände und Proteste reißfest ist?

Eben – Freundschaft. Die Beziehungen, die weder eheliche noch anonyme sind, die aus Überzeugung gewirkt sind, aus Lust und Leidenschaft, aus Nähe und angemessener Distanz, das sind solche der Freundschaftlichkeit. So plante das Team – allerdings für die meisten Wochen, die folgen sollten, ohne Deniz Yücel, denn denn musste nach Istanbul, in das Land seiner Vorfahren, um die Freiheitsbewegung am Gezi-Platz für die taz journalistisch zu beobachten. Gut so für die homotaz – denn die Mitglieder des engeren Teams, Enrico Ippolito, Paul Wrusch, Waltraud Schwab, Martin Reichert, Jan Feddersen und Ines Pohl wussten doch, dass Deniz Yücel, Freund aller Dissidenten, Kritiker aller Wohlfeilheit, vom Bosporus auch queere Geschichten mitbringen würde.

Ja, so geschah’s. Am Ende des gestrigen Tages, als die Ausgabe fertig produziert war, ließ sich das bilanzieren: Mit angemessener, nachgerade queer grundierter Hysterie hat das Team mit liebevoll-respektierlicher Unterstützung der gesamten taz eine Ausgabe zusammengezimmert, die womöglich vielen, sehr vielen Menschen, LeserInnen der taz, Freude bereiten wird – es sind rührende Geschichten, anmutige Histörchen, Berichte, Analysen und Exkursionen in die Welt der befreiten Queerzonen.

Im fünften Stock der taz roch es schließlich um 17 Uhr nach Schweiß und Freudentränen, außerdem nach sehr viel Eau d’Issey von Issey Miyake. Auf den Schreibtischen fanden sich weiters Krümel über Krümel vom Schokoladenbröselkuchen aus dem taz.café. Und sehr viel Kaffee wurde getrunken, aber das, wie man erwarten musste, in bester Laune.

Das Team der homotaz, zu dem am letzten Tag wie eine menschliche Fügung der Grazie und Robustheit Deniz Yücel hinzustieß, wollte vor allem dies: Der heterosexuellen LeserInnenschaft ein Geschenk machen. Ein Angebot formulieren auf das Andere, auf die Anderen. Dass das Geschenk uns selbst freut, versteht sich von allein.

Wie ließe sich sagen: Nach der Homotaz 2013 ist vor der Homotaz 2014.

Die Homotaz gibt es heute an jedem gutsortierten Kiosk oder digital in unserem eKiosk.

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https://blogs.taz.de/hausblog/homotaz-wie-es-wurde-was-es-ist/

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kommentare

  • Ich habe im letzten Eintrag das Wort „auseinanderdividieren“ falsch verwendet. Denn das heißt ja „trennen“. Was ich sagen wollte, war „auseinander halten“.
    Ich rede jetzt noch mal einfach ins Blaue hinein: M.E. müssten Staatsgäste der BRD, so wie Merkel in Russland oder China das tut, deutlich machen, dass Deutschland Menschenrechte u.a. achten muss und zwar bei Behinderten und Prostituierten (dazu: Spiegel, „Bordell Deutschland“).
    Dann ist es so, dass das „Zusammenschmeißen“ auch bei Behinderten praktiziert wird (eine taz am WoE schrieb in „taz nord“ über ein Haus in Kiel, wo auch solche Wohngruppe drin war); diese dürfen nicht bürgerlich leben sondern nur in Wohngruppen z.B. im Rahmen eines Heims. Das Ganze spielt sich schon nicht mal mehr in einer rechtlichen „Grauzone“ ab, sondern das ist Verfassungsbruch und Bruch auch weiterer Normen.
    Dann störe ich mich nach wie vor am Schwarztragen ohne erkennbaren Grund bei Teilnehmern des öffentlichen Lebens; dazu zählen auch Nachrichtensprecher, womöglich spielt ein Sich-Verwahren gegen das Gerücht, schwul zu sein, eine Rolle.

    (Absatz mit personenbezogenen Daten gelöscht – Sebastian Heiser)

    Gruß

  • Habe die homotaz gekauft und gelesen. Einmal, da haben Sie geschrieben, Regenbogenfamilie sei, wenn mindestens ein Elternteil homosexuell sei. Das ist ja so wie damals: Der Schwule oder die Lesbe wird nicht gefragt, sondern heiratet hetero und hat dann Kinder. Demzufolge wäre solche Regenbogen-Familie schon immer existent gewesen. Ist das dann modern ? Oder ist das eher ekelhaft. Weil, das Zusammenschmeißen aller in einen Topf und dann umzurühren, das ist, was die alte bürgerliche oder auch katholische Daseinsform war. Wir wollen ja die präzise auseinanderdividierte Vielfalt und nicht das Zusammenschmeißen.
    Weiterer Kommentar, auch zu taz am wochenende: Also, das ist genial. Es sind hochwertige Informationen drin, gerade auch bei den Netzthemen.

  • Bitte noch mal am Layout arbeiten.

    Größerer Zeilenabstand wäre z.B. schön.

    Kommentare sind diesbezüglich noch schlimmer als das Posting selbst.
    Nutzt ihr eigentlich keine Testingtools für alle möglichen Browser, bevor ihr mit neuen Versionen, Layouts, etc… live geht?

    Unglaublich, jeder x-beliebige pisselige Privatblog sieht besser aus.

  • Schweiss-ist jemand zu schnell die Treppe hochgelaufen-aber ich werd mit das sicher untern Nagel reissen-soviel schlaue Köpfe, das muss einfach gut sein!

  • Die Kommentare im Hausblog sind nicht lesbar (Firefox). Der Satz der Blogtexte ist auch anstrengend. Der Satz der Blogtexte ist auch anstrengend. Was passiert? Alle in den Sommerferien? Sonst sieht das Neue interessant aus.

  • Hallo TAZ-Redaktion!
    Was soll der abfällige Spruch über „Homobauchnabelmäßiges“?
    Jedesmal, wenn ich den Fernseher einschalte, bekomme ich zu 99.9% nur Heterobauchnabelmäßiges zu sehen! In fast jedem Hollywood-Film bekomme ich sogar heterosexuellen Geschlechtsverkehr gratis dazu (ob ich’s will oder nicht)!
    Da aber laut Freud „alle Menschen der gleichgeschlechtlichen Objektwahl fähig sind und dieselbe auch im Unbewußten vollzogen haben“ und „das ausschließliche sexuelle Interesse des Mannes für das Weib ein der Aufklärung bedürftiges Problem und keine Selbstverständlichkeit, der eine im Grunde chemische Anziehung zu unterlegen ist“, wage ich Ihre Behauptung zu bezweifeln, die Mehrheit Ihrer Leserschaft sei heterosexuell.
    Wärmstens,
    Dean

  • Ich fand die Homotaz enttäuschend. Schwules, schwules und noch mal Schwules. 4 Redakteure, 1 Redakteurin. Bei der nächsten Ausgabe möchte bitte ich zum Mitmachen angefragt werden! :-)

  • Das ist eine super Ausgabe! Ich musste sie gleich gestern fertiglesen und verschlief dadurch meine normale Aufstehzeit. Konsequenz Früh-Hektik mit Abendprogramm. Macht aber nüscht. Leben dreht sich ja um Leben und nicht um zwanghaftes Einhalten von Zeitplänen. Bitte mehr von solcher taz!

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