vonmanuelschubert 03.07.2015

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Am Freitagvormittag verkündete Ines Pohl, die sechs Jahre lang die Chefredaktion der taz inne hatte, in einer außerordentlichen Redaktionskonferenz ihren Wechsel zum Sender Deutsche Welle und ihren Weggang nach Washington D.C., von wo aus sie für die DW tätig sein wird.

taz interne Geschehnisse (stellvertretend erinnert sei an die Kontroverse um Fördergelder für den taz.Neubau) lassen stets die medialen Wogen höher schlagen, so auch in dieser Sache.

Die Welt schreibt in ihrem sehr fairen und lesenswerten Artikel u.a.:

„Die Chefredakteurin der taz, Ines Pohl, verlässt das Land. Sie wechselt ins Washington-Büro der Deutschen Welle. Zum Neustart loben sich die Journalistin und ihr neuer Arbeitgeber gegenseitig. Intern kommt der Wechsel nicht vollkommen überraschend.“

SPIEGEL online meldet derweil:

„Im Impressum der taz stand sie schon seit dem 1. Juli nicht mehr als Verantwortliche im Sinne des Pressegesetzes, nun ist es offiziell: Ines Pohl ist von dem Posten als Chefredakteurin der überregionalen Tageszeitung zurückgetreten.“

Die FAZ notiert in ihrer Meldung:

„Die Chefredakteurin der ‚tageszeitung‘ (taz), Ines Pohl, wechselt zur Deutschen Welle (DW). Pohl werde ab Ende 2015 das Team im DW-Studio Washington verstärken.“

In der Süddeutschen Zeitung zitiert man noch eine Stimme aus der Deutschen Welle:

„Ihr Wechsel zur DW ist ein echter Zugewinn und wird unsere USA-Berichterstattung gerade im kommenden Wahlkampf stärken.“

Der Mediendienst Kress lässt in seinem Bericht Ines Pohl zu Wort kommen:

„Die Möglichkeit, bei der DW Journalismus in seiner ganzen digitalen und interaktiven Bandbreite zu machen, ist für mich reizvoll.“

Auch MEEDIA hat die Sache natürlich aufgegriffen:

„Pohl begründet den Wechsel mit persönlichen Motiven: ‚Es wird Zeit für etwas Neues‘.“

Bei der Berliner Zeitung zitiert man wiederum eine taz-Mitarbeiterin:

„In der Redaktion sei man ’sehr geplättet’“.

Die Deutsche Welle selbst twitterte am Freitag:

Was wiederum radioeins-Medienredakteur Jörg Wagner (der auf der Jahreskonferenz des Netzwerk Recherche weilte) kommentierend weiter twitterte:

Das Medienmagazin von radioeins berichtet ebenfalls (ab Minute ’24) über den Weggang von Ines Pohl. Redakteur Jörg Wagner sprach dazu beim Jahrestreffen des Netzwerk Recherche mit taz Wirtschaftskorrespondentin Ulrike Herrmann:

„Der Schock war nicht groß, aber es ist trotzdem schade.“

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtet in ihrem Artikel [->Achtung: Paywall] unter Anderem von Ines Pohls Rede während der Releaseparty des taz.panterbräu:

„(…) Pohl sprach von der Paradoxie einer linken Sehnsucht nach Führung bei gleichzeitiger Unfähigkeit, Entscheidungen zu akzeptieren, die eigenen Vorstellungen nicht entsprechen.“

Desweiteren schreibt die HAZ:

„Von Anfang an gab es Streit. 2014 wäre ihr Vertrag fast nicht verlängert worden. Sie musste akzeptieren, nicht mehr allein an der Spitze zu stehen. Seitdem gab es mit Andreas Rüttenauer einen zweiten Chefredakteur. (…) Die inhaltliche Leere beklagte die Redaktion weiterhin, mit der Führungssituation hatte sie sich aber zu arrangieren gelernt. (…) Kaum war Pohls Wechsel 2009 offiziell, kam es zum ersten Konflikt. In einem Interview hatte Pohl gesagt, die „taz“ müsse wieder linker und frecher werden. Außerdem sehe sie ihren Arbeitsplatz in der Redaktion statt auf öffentlichen Bühnen. Vorgängerin Bascha Mika würdigte Pohl daraufhin bei ihrem Ausstand keines Blickes. (…) In ihrer Rede am Freitag sagte Pohl: Sie sei für Beiträge von Kollegen heftig beschimpft worden. Interner Kritik habe sie versucht, mit wachem Verstand, hohem Einsatz und großem Herzen zu begegnen.“

Und was schreiben wir selbst als taz, jenseits unserer Pressemitteilung? Unter anderem das hier:

„In der taz, muss man dazu wissen, bedarf es einer gewissen Leidensfähigkeit im Zwischenmenschlichen. So egalitär das Menschenbild ihrer Redaktionsmitglieder ist, so hart kann das Ringen um linke Überzeugungen ausfallen. Wer auch immer Ines Pohl nachfolgt, wird das auszuhalten haben. Ihr Co-Chefredakteur Andreas Rüttenauer wird nun die Geschäfte weiterführen.“

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