vonhausblog 23.05.2016

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Zum 100. Katholikentag in Leipzig bringt die taz eine vierseitige Sonderbeilage, die Katholiken-taz. Muss das sein? Wir finden schon.

Ja, der Papst, ist kein schlechter Mensch, kümmert sich um Flüchtlinge, schimpft auf Donald Trump und fordert mehr Klimaschutz – mit dem kann man leben. Aber sonst: eine vierseitige Beilage der taz zum 100. Katholikentag in Leipzig? Sozusagen eine religiöse Extrabehandlung durch eine Zeitung, die sich zu allen Glaubensrichtung gleich fern und nah hält?

Da müssen wir uns fragen: Ist das nicht etwas übertrieben? Wir glauben: Nein. Das kann und das sollte man machen. Denn in Leipzig trifft sich vom 25. bis 29. Mai eben nicht eine abgehobene Amtskirche, sondern etwa 30.000 katholische Gläubige von nebenan, Leute, die neben dem Beten, Singen und Feiern etwas machen, was dringend nötig ist: Sie reden über das, was schief läuft in unserer Gesellschaft – und was man, etwa durch Hilfe für Geflüchtete, dagegen tun kann. Und, alles in allem: Was ein gutes Leben sein kann!

Die taz will dazu eine Anregung geben durch Themen, die uns besonders interessieren: Wie steht es mit dem Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen? Welche Sünden muss sie da beichten? Kann etwas Sünde sein, das sich doch um Liebe dreht? Wie überlebt man ein katholisches Leben in Bayern – trotz aller Lügen?

Und wie ist das, wenn man mitten in der ostdeutschen Provinz, in Pasewalk, als Pfarrer den katholischen Glauben hoch halten soll: mit anderen engagiert gegen die Nazis von nebenan, aber doch auf ganz schon verlorenem Posten?

Zum Katholikentag die Katholiken-taz – wir sind gespannt, was Sie davon halten, was ihr davon haltet.

Zu den Seiten selbst: Miterdacht haben diese Ausgabe viele Mitglieder der taz-Redaktion, gefertigt haben sie außerdem Philipp Adolphs, taz-Hospitant und aktuell Volontär des Kirchenboten Osnabrück, sowie Andreas Rüttenauer, taz-Zukunftswerkstatt. Das Zeitungslayout besorgte Nadine Fischer, die Fotografien suchte taz-Fotoredakteurin Petra Schrott aus.

Und, ja: Ist diese Katholiken-taz nicht allzu männlich? Fehlt es nicht an Weiblichem? Wir empfinden: Alles ist, alles sei in uns, das Männliche wie das Weibliche und alles dazwischen. Vier Sonderseiten Katholiken-taz – am 25. Mai am Kiosk, als ePaper und in ausgewählten Texten auf taz.de.

PHILIPP GESSLER und JAN FEDDERSEN, Mitglieder des taz-Ressorts Glauben und Nichtglauben

Titelbild: Kommt nicht zum Katholikentag nach Leipzig: Papst Franziskus. Katholiken bleiben trotzdem behütet: Gauck kommt. | (c) Foto: dpa

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https://blogs.taz.de/hausblog/katholiken-taz-am-25-mai-muss-das-sein/

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kommentare

  • Seid Ihr noch sauber? Welcher Religion gehörten Franko, Mussolini und Hitler an? Wer hat mein Recht auf Selbsttötung wenn ich mir nicht mehr selbst helfen kann genommen? Wer segnet Panzer? Wer lässt unseren Staat seine Vereinsbeiträge einziehen und zockt uns bis Heute ab weil vor 200 Jahren angeblich mal was war? Wer stand in München während der gesamten Fastenzeit von Früh bis Spät mit Plastikföten vor Pro Familia um den hart errungenen Kompromiss des §218 zu kippen?
    Vielen Dank für die Info. Kündigung folgt.

  • Katholiken-taz – find‘ ich gut und richtig, auch wenn ich noch nicht weiss, über was vom Katholiken-Tag berichtet wird.

    Auf Grund der beiden ablehnenden Kommentare von „Anderer Max“ und „Der Sizilianer“ füge ich noch schnell an: Nein, ich gehöre nicht der katholischen Kirche an, auch keiner anderen, sondern bin seit meinem Austritt aus der rö.-kath. Kirche 1980 klnfessionslos.

  • Die heutige Linke ist auch nicht mehr das, was sie mal war…

    In der Rheinischen Post, dem Rheinischen Merkur, von mir aus noch in der FAZ.

    Aber in der TAZ? Na gut, wenn Ihr meint, dass das eure Klientel wünscht.

    Viel Glück…

  • „Ist das nicht etwas übertrieben? Wir glauben: Nein. Das kann und das sollte man machen. “
    Die Begründung für die Katholiken-taz lautet also: Is so. Weil wir Glauben.

    Aber dann kommt die Offenbarung:
    „Denn in Leipzig trifft sich (…) etwa 30.000 katholische Gläubige (…).“
    Also doch Auflage – Sehr profan für Glauben.

    Hier noch eine Auflistung aller rhetorischen Fragen in diesem Beitrag:
    – Muss das sein?
    – eine vierseitige Beilage der „taz“ zum 100. Katholikentag in Leipzig?
    – eine religiöse Extrabehandlung durch eine Zeitung, die sich zu allen Glaubensrichtung gleich fern und nah hält?
    – Ist das nicht etwas übertrieben?
    – Wie steht es mit dem Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen?
    – Welche Sünden muss sie da beichten?
    – Kann etwas Sünde sein, das sich doch um Liebe dreht?
    – Wie überlebt man ein katholisches Leben in Bayern – trotz aller Lügen?
    – Und wie ist das, wenn man mitten in der ostdeutschen Provinz, in Pasewalk, als Pfarrer den katholischen Glauben hoch halten soll?
    – Ist diese Katholiken.taz nicht allzu männlich?
    – Fehlt es nicht an Weiblichem?

    Zu guter Letzt frage ich mich: Ist das Satire, liebe taz?
    Wir glauben: Nein.

  • Diese Katholik_innen mögen in Leipzig darüber reden, „was schief läuft in unserer Gesellschaft“ – aber ob sie auch angemessen darüber reden, was schief läuft in ihrer Kirche???

    Ich zweifele daran. Zehntausenden Kindern wurden (und werden) unter dem Deckmäntelchen der katholischen Kirche überall auf der Welt massive Gewalt angetan – und die Kirche hat bis in die höchsten Ebenen der Kirchenhierarchie hinein eine Menge dafür getan, dies jahrzehntelang zu vertuschen. Wo bleibt der innerkirchliche Aufschrei dieser ach so kritischen und menschenfreundlichen Basis – wo die Forderungen und Petitionen z. B. an die jeweiligen Bischöfe, diese Vertuschungspraxis vollständig zu beenden und beispielsweise den Staatsanwaltschaften von sich aus alle kirchlichen Archive zu öffnen? Wo die hartnäckige Forderung nach schonungsloser Aufklärung, nach echten Wiedergutmachungsbemühungen, nach umfassender, strukturell verankerter Prävention?

    Ich habe stattdessen den deutlichen Eindruck: Die katholische Basis verhält sich im Bezug auf dieses Thema lieber wie die frommen Schäfchen. Schickt ihre Kinder unbeeindruckt weiterhin in kirchliche Kitas, Schulen, Jugendeinrichtungen. Obwohl doch bei näherem darüber Nachdenken klar sein müßte: Pädosexuelle Kriminelle dürften sich von dieser Art des Umgangs mit ihren Verbrechen innerhalb der katholischen Kirche geradezu ermutigt fühlen, auch in Zukunft nach Jobs und Ämtern in solchen katholischen Einrichtungen zu streben. Aber dieses Risiko wird offensichtlich von der übergroßen Mehrheit ausgeblendet.

    Liebe taz – lasst es bitte bleiben. Hört auf, das Katholikentum schön zu reden. Weder die katholische Kirche als Institution noch ihre an der Basis organisierten „Schäfchen“ taugen als Projektionsfläche für wilde Wunschträume nach progessiven gesellschaftlichen Entwicklungen. Sie bleiben bei allen positiven Aspekten im Einzelnen insgesamt doch ein Armutszeugnis und eine Enttäuschung für Demokratie und Zivilcourage.

    Wäre es anders – der Umgang gerade der katholischen Basis mit diesem Thema müsste ein ganz ganz anderer sein.

    Liebe Katholik_innen – es ist EUER Sch…-Verein. IHR seit dort Mitglied. IHR seit also mitverantwortlich. Also bitte: Gebt das gerade auch von Eurer Kirche mit antrainierte Schäfchen-Dasein endlich auf!

    • Ich bin Katholik und Mitglied dieses Vereins. Aber ich fühle mich nicht als Schaf, sondern kann sehr wohl selbstbewusst für eine bessere Welt kämpfen. Sie bauen Ihren ganzen Leserbrief auf die Pädophilen-Geschichte auf. Dabei hat der Berliner Jesuit Mertes damit begonnen, für Aufklärung zu sorgen. Von der Odenwaldschule kam erst danach und mit vielen Versuchen des Abwimmelns eine halbwegs klare Aufarbeitung. Ich halte es für sehr gefährlich, wenn Probleme so einfach auf eine Gruppe abgeschoben werden. Das versucht z.B. gerade die AfD mit dem Islam. Jahrzehnte vorher wurden die Juden zu Sündenböcken erklärt. Besuchen Sie in den nächsten Tagen Leipzig. Sie werden sehen, in welcher Vielfalt sich Engagement dort darstellt. Ich finde die Idee der „Katholiken.Taz“ gut.

      • Ihr Kommentar ist bezeichnend: Ich rede von der „übergroßen Mehrheit“ der ca. 24 Millionen Katholik_innen in Deutschland sowie der etwa 1,1 Milliarden Katholik_innen weltweit – und Sie kontern mit einem (!) Jesuitenpater (!).

        Ja – es gibt in der katholischen Kirche Einzelpersonen, die sich gegen die sexualisierte Gewalt an Kindern innerhalb der katholischen Institutionen stark machen. Es gibt sogar Gemeinden, die sich um ernsthafte Aufarbeitung und Prävention bemühen. Aber was ändert das daran, dass die „übergroße Mehrheit“ sich gerade bei diesem Thema wie die frommen, duldsamen Schafe verhält? Wo gibt es Katholik_innen, die ihrem Pastor oder Bischof Druck machen, Aufklärung, Wiedergutmachung und Prävention in der katholischen Kirche und in ihren Institutionen voranzutreiben?

        Ich behaupte: Die gibt es so gut wie nicht. Und ich behaupte: Auch der Katholikentag in Leipzig wird nichts dergleichen unternehmen.

        Katholik_innen lernen in ihrer religiösen Erziehung und Sozialisation i. d. R. nicht, etwas von ihrer Kirche zu fordern – sie lernen, dass es eine klare und strikte Hierarchie gibt, in die sie sich als fromme Schafe widerspruchslos einzufügen haben. Gemeckert wird vielleicht hier und da – klar, Schafe meckern auch schon mal. Aber gefordert wird nicht.

        Und natürlich findet sich systematische sexualisierte Gewalt an Kindern auch in anderen gesellschaftlichen Institutionen. Die sind aber doch nicht das Thema hier – hier geht es um das Projekt einer „Katholiken.taz“ und was daran zu kritisieren ist. Es geht mir also auch nicht darum, dieses Problem allein auf eine gesellschaftliche Gruppe „abzuschieben“, wie Sie behaupten. Ich denke, da handelt es sich um eine faule Ausrede, mit der sich so manche Katholik_innen vor der Frage drücken, was denn genau in IHRER Institution so dermaßen falsch läuft, dass es über Jahrzehnte zu abertausenden und abertausenden von Gewalttaten kommen konnte (und wohl immer noch kommt!) – die auf allen Ebenen verschwiegen und vertuscht wurden (und werden!). Und gerade auch diese Weigerung der übergroßen Mehrheit innerhalb der katholischen Basis, sich wirklich ernsthaft mit dieser Frage auseinanderzusetzen – und daraus dann Konsequenzen zu ziehen – diese Weigerung trägt enorm dazu bei, dass es wieder und wieder und wieder passieren wird.

        By the way: Kritik an den realen katholischen Verhältnissen zum Anlass zu nehmen, um die katholische Kirche als armes, armes Opfer einer neuen, quasi-faschistischen Verfolgung zu inszenieren – das ist ein argumentativer Griff ins Klo, nichts anderes.

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