vonhausblog 29.04.2010

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Eine Woche lang haben junge Mitarbeiter die taz geleitet – und viel im Blatt geändert. Dazu haben sich viele der taz-Eigentümer bei uns gemeldet. Uns freut ganz besonders, wie detailliert sich viele Genossenschaftsmitglieder mit unseren Ausgaben auseinandergesetzt haben. Eine Reihe von Änderungen sind überwiegend gut angekommen. Besonders stark haben viele Leser dagegen in der Woche die Satire- und Witzelemente vermisst. Das Experiment zeigt uns auch, dass die Zeitungslektüre viel mit Gewohnheiten zu tun hat und dass wir unsere Leser in dieser Hinsicht in unserer Woche ganz schön strapaziert haben – auch das war eine sehr lehrreiche Erfahrung für uns. Gleichzeitig haben unsere Leser die taz sehr für ihre Experimentierfreude gelobt – und das zeigt wiederum die Experimentierfreude unserer Leser!

Sebastian Heiser (31) war eine Woche lang stellvertretender Chefredakteur der taz und ist jetzt wieder Redakteur für Landespolitik im Berlin-Ressort.

Maria Dietzfelbinger:

Die Idee, das ganze Projekt finde ich prima. Ein Generationenprojekt in der taz, von dem sicher alle übers reine Arbeiten hinaus profitieren werden – z.B. für die Jungen: wie finde ich das eigentlich, was die Alten machen – vielleicht ist das eine oder andere ganz gut dran, was ich gar nicht gedacht hätte? – z.B. für die Alten: eines Tages werde ich es ganz aus der Hand geben und loslassen (müssen oder dürfen).

Was mir fehlt – das ist TOM. Ohne TOM beginnt der Tag nicht gut. Das ist wie mit Kopfschmerzen aus dem Haus gehen… Das Layout ist – man verzeihe einer „älteren Dame“ – irgendwie schlampig, jedenfalls uneinheitlich und nicht gut zu lesen. Auch Junge können prima Design. Und heute war der Druck hundsmiserabel – keine Ahnung, ob es an der Druckerei oder der Vorlage lag! Manche Änderung scheint mir ein bisschen erzwungen und um der Änderung willen geschehen, denn (und das ist jetzt volles Lob): die journalistische Qualität ist einwandfrei. Da merkt man – es schreiben nicht Ältere für Ältere und Jüngere für Jüngere. Sondern es wird verantwortlich und klug überlegt journalistisch gearbeitet.

Jürgen Plewka:

Als ich von der Aktion las, war ich spontan begeistert – was für eine pfiffige und auch mutige Idee. Echt taz-like. Die ersten Ausgaben haben mich dann arg enttäuscht. „verboten“ und die Wahrheit abgeschafft – das blüht uns taz-Lesern also in der Zukunft????? Die härteste Kritik: die ersten beiden ausgaben waren langweilig. Und störend fand ich die Dauerverweise auf taz.de. taz.de sollte immer nur Zusatzmöglichkeit bleiben, beim Lesen kriegte ich manchmal das Gefühl, als solle der Internetauftritt zur Hauptsache werden.

Axel Linnewerth:

Die etwas andere Artikelausrichtung und Struktur sind zwar gewöhnungsbedürftig aber ok. Die Boulevardseiten (tazzwei) vermisse ich überhaupt nicht. Aber eine taz ohne Wahrheit geht gar nicht. Der Verweis auf das Onlineangebot ersetzt die Wahrheit in keinster Weise. die Hemmschwelle morgens am Frühstückstisch den Rechner anzuschmeissen um den Tag durch die tägliche Dosis Tee und Wahrheit erträglich zu machen, ist zu hoch. Die Wahrheit mit Tom gehört zum technikfreien Start in den Tag einfach dazu… Alles andere ist inakzeptabel.

Peter Dobrindt:

Einerseits habe ich nicht den Eindruck, dass bei der taz „verkrustete Strukturen“ aufgebrochen werden müssten, andererseits ist es eine spannende Sache, wenn junge Mitglieder des Teams nicht nur ihre Meinung in der Redaktion frei äußern dürfen, sondern ihre Vorstellungen verantwortlich umsetzen müssen.

Weshalb ich die taz gern lese:
– hohe Informationsdichte und -tiefe zu politischen und gesellschaftlichen Themen
– bewusst kontroverse und zum Teil auch provozierende Diskussionen aktueller Themen
– weitgehend intelligente und vertiefende LeserInnenbriefe (würde auch zwei Spalten akzeptieren)
– auch wegen des kreativen Nonsens und der Gedichte und der Eulenspiegeleien ….

An diesen Dingen hat sich durch die „Übernahme“ Gott sei Dank nicht viel geändert. Der engeren Verknüpfung mit taz.de stehe ich etwas skeptisch gegenüber. Ich möchte die taz weiterhin als allein ausreichendes Informationsmedium nutzen können, nicht als Inhaltsverzeichnis für taz.de (übertrieben gesagt). Ich weiß allerdings, dass viele jüngere Menschen zuerst das Internet und dann die Zeitung als Informationsquelle nutzen. (Halte das allerdings längerfristig nicht für zukunftsfähig). Die Übersichtlichkeit ist nicht besser geworden. Ich hatte mich gut an die „alten“ Strukturen gewöhnt.

Nichts gegen das Experiment, aber ich freue mich schon auf die „alte“ taz in der nächsten Woche.

Ralph Kooistra:

Gefällt mir gut, seit der freundlichen Übernahme (jedoch nicht so gut wie bisher).

Was ich gut finde:
– Sehr gut finde ich das Layout. Wirkt irgendwie moderner.
– Mehr Internet & „Computer“-Themen. (ich weiß, ist nicht die „c’t“, jedoch könnte es ein bisschen mehr sein.)
– Überschrift des 3. Teils „Gesellschaft, Kultur & Medien“
– Nachrichten-Ticker

Was ich nicht so gut finde:
– Weniger Provokation… Ich ärger mich irgendwie weniger!
– taz 2
– das Comic…?!
– Die Titelseite (Layout gefällt mir, jedoch für eine Titelseite zu wenig Info)

Helga Heise:

Gratulation zu diesem neuen Layout. Die Aufteilung tut sehr gut – alles aufregend übersichtlich gestaltet. Headlines wohltuend augenfällig. Ich kann nur sagen: Unbedingt weiter so, vor allem in der thematischen Vielfalt. TUSCH!!

Marion Fingerle-Weinert:

bisher finde ich die taz unter junger Regie irgendwie erfrischend und sehr gut übersichtlich. Bitte einen Teil davon beibehalten… Und: Eine Woche ohne Tom ist schon zu verkraften.

Joachim Habeck:

Grundsätzlich finde ich es sehr gut, wenn etwas gegen den Strich gebürstet wird. Es ergeben sich immer viele gute Ideen und Kräfte bei den Jungen und Einsichten bei den Alten. Weiter so! Rotationen können in verschiedene Richtungen erfolgen.

PS: Infolge meines hohen Alters vermisse ich Tradition wie Tom und Fernsehempfehlungen. Die Layoutänderungen haben mit nicht so gut gefallen. Das Bessere ist der Feind des Guten. Man muss aber etwas testen!

Thomas Braun:

Ich finde das Projekt spannend. Die taz ist informativ wie eh und jeh. Und welches andere Blatt mit bundesweitem Anspruch (FAZ, FR, SZ, Welt etc.) würde ein solches Experiment eingehen? Die taz ist Vorreiter und unabhängig. Das macht es letztlich aus. Man muß als Leser aber auch als GenossIn nicht mit allem einverstanden sein, aber alleine die Möglichkeiten und die Vielfalt machen die taz letztlich aus und einzigartig. Bravo und weiter so, auch wenn der Spruch an einen alten CDU-Slogan erinnert, hier ist es richtig angebracht. Also mutig und unabhängig gute Recherchen mit gutem Journalismus verbinden und heraus kommt die taz. Ein Kritikpunkt sei erlaubt. Der Druck ist derzeit miserabel, bitte nicht an Tinte sparen.

Thomas Keller:

1) Zeitung lesen ist auch eine Sache der Gewöhnung. Kaum einer kann eine ganze Zeitung ganz durchlesen, das geht im Urlaub oder bei Arbeits-/Auftragslosigkeit. Da ist es wichtig, die Dinge, die interessieren schnell zu finden, deswegen sind Layoutänderungen nur selten sofort gut, sondern nerven ältere Abonnenten… Dito zur Rubrikenzusammenlegung: nicht gut im Sinne von Zurechtfinden. Theater lese ich nie, Fernsehen meist, Medien meist usw. Ich fand das bisherige Layout, was ja auch noch nicht so alt ist, gut – so lassen.

2) Wichtig: Ich will die Linien wieder, auch auf der Titelseite! Linien zwischen den Meldungen/Artikeln finde ich aber immer besser als diese neue Luftigkeit, Zeitung muss nicht vor allem schön aussehen, sondern gut lesbar sein (s.o.) Ist so unruhig, unübersichtlich.

3) Tom wegzulassen ist nicht tragbar

4) die Comics überdies schrecklich!! (Ich habe mich nie getraut, manche inhaltlich durchaus guten Ideen, irgendwem als Comic anzubieten, weil das Zeichnen nicht so perfekt klappte. Ich hätte es tun sollen…

5) Netzlinks: immer gut und vor allem: sie funktionieren auch in der PDF-online-taz – na jedenfalls manchmal

6) eine ganze Seite für ein Foto: finde ich Verschwendung, darf man in einer Zeitung mit Geldproblemen nur selten machen

7) ich merke erst jetzt, die Gewichtung scheint sich ja nicht verschoben zu haben, dass das die Kulturseiten (Gesellschaft, Kultur & Medien) schon immer zuviele waren gegenüber Wirtschaft und realen Problemen. Die Fragen rund um z.B. Armut, Arbeitslosigkeit, Hartz, Leiharbeit, Abo-Abzocke usw. sind tendenziell wichtiger als der Bürgermeister vom Schrottplatz usw. Hier wäre ebenso eine Seite = eine interessante Geschichte pro Ausgabe nicht verkehrt. Hat aber nix mit der freundlichen Übernahme zu tun.

8) verboten: naja … aber irgend so eine Tradition ist auch nicht verkehrt. Nimmt wenig Platz weg, also ruhig bleiben lassen

9) Meldungen: man kann nicht davon ausgehen, dass ein Leser die ganze Zeit Zeit oder Gelegenheit hat, sich im Netz vorab zu informieren oder Radio zu hören. Die Zusammenfassungsfunktion auch gerade mit Kurzmeldungen wird eine Tageszeitung für viele immer haben – was anderes wäre eine „Zeit“ oder so. Man darf die abgegrenzte Funktion einer Tageszeitung nicht verändern. Als Leser lese ich sicher nicht alles, s.o. aber ich kann gerade auch durch eine klare Gestaltung das selektieren, dass mich interessiert.

10) Das Aussehen der Meldungen ist egal, Flattersatz ist auch egal, wenn Linien da sind… Aber nicht gut ist es, wenn Artikel nicht mehr so kompakt sind: einer mehr quer, dann viele untereinander, ein ganz langer zwischendrin (S. 8 vom 21.4.) ist unübersichtlicher. War bisher auch oft so, ist aber jetzt ohne Linien auffälliger.

11) Wahrheit: naja. Aber wer nicht alles liest/lesen kann muss auch nicht alles mögen. Es gibt Wahrheit-Fans und das ist auch ein Alleinstellungsmerkmal der taz: lassen.

12) Gurke des Tages: Haben zwar viele andere auch, will ich auch behalten!

13) Unterschiedliches Logo: ab und zu ok, ansonsten muss ein CI erkennbar bleiben

14) Titelseiten: da ist eigentlich alles erlaubt, was Aufmerksamkeit weckt.

Günther Seitz

Liebe tazler!

– super Aktion
– spürbar jüngere Schreibe
– Montagstaz kam erst am Dienstag. Auch ok. Wie früher
– interessantes Interview gestern über unsere Art zu lernen

weiter so, aber bitte: Ich halte es nicht ohne meine tägliche Feierabend-Einstimmung mit Tom aus!

Rainer Möllering

Obwohl (meine Frau und) ich beide jeder mehr als doppelt so alt sind/bin wie die taz, sind/bin wir/ich beeindruckt von den Änderungen. Mit dem Comic können wir ebenso wenig anfangen wie mit der alten Seite „Wahrheit“, wir legen auch keinen Wert auf Touché, auch weniger auf Layout-Fragen; aber dass die Artikel länger und intensiver sind (inkl. Zusatzmaterial im Internet), dass Fragen aufgegriffen werden, die bisher zu kurz kamen, dass es grundsätzlicher zugeht, dass finden wir gut! Wir begrüßen die neue Experimentierbereitschaft und können ihr viel abgewinnen. Erwartet/befürchtet hatten wir eine Abflachung. Uns überrascht das Gegenteil. Wir sind gespannt auf die weiteren Ausgaben der Youngsters! Danach werde ich mich dezidierter äußern. Also nur Mut, auch für die alte Crew!

Jürgen Recknagel

Einerseits erinnern die beiden ersten Ausgaben eher an die Frühzeit der taz mit etwas ungewöhnlicheren Themen und langen Artikeln (fast schon sympathisch). Andererseits finde ich die Zeitung weniger stringent, insbesondere den ehemaligen tazzwei-Teil mit dem jetzt schrecklich langen Namen, dem riesigen Foto (wo ich etwas Zweifel habe, ob da nicht zu viel Platz/Inhalt geopfert wird), dem riesigen Comic (der mir zu anstrengend ist) anstelle von Wahrheit und Tom (die ich beide vermisse) … erinnert z.T. an manche der taz-Aktions-Beilagen, insgesamt eher weniger prickelnd. Aber vielleicht fand ich heute auch den aschgrauen Titel mit dem nicht ganz so aktuellen Terror-Aufmacher etwas trist… Mal sehen, was morgen kommt!

S. Hesse:

Mir gefällt die taz diese Woche ganz besonders gut. Ich bemerke es daran, dass ich viel mehr Texte lese als sonst, und darob mehr Zeit brauche. Es liegt an den Themen ebenso wie an der „Schreibe“. Weiter so!

Volker K. Weber

Guten Abend! Bisher bin ich mit den Jungen zufrieden. Mir kommt das Layout schlichter vor, was mir als fast Blindem entgegenkommt. Inhaltlich sind neue Elemente aufgetaucht, die realer auf mich wirken als sonst, wo abgeklärter Pessimismus als Unterton oft einfließt. Seltsamerweise fühle ich mich derzeit weniger alt (67 Jahre) als sonst. Vielleicht müssen die Redakteure sonst beweisen, dass sie up to date geblieben sind. Insgesamt wieder ein gelungener Coup. Weiter so!

Kristine Trabant:

Solche Aktionen und die sonstige Förderung journalistischer Newcomer sind ein wichtiger Grund, die taz zu abonnieren und den Genossenschaftsanteil zu halten! Viel Spaß diese Woche und weiterhin viel Erfolg!

Jutta Bolduan:

Positiv:

– weiß nicht, ob’s der „Übernahme“ geschuldet ist oder nicht, aber heute gefiel mir das Titelbild besonders gut
– schlau finde ich die Neugestaltung der Kästen, die auf taz-Internetseiten hinweisen
– gut gefallen hat mir auch, dass auf der Titelseite mehr als nur drei Themen aus dem Inhalt „angerissen“ wurden
– Spielkram, aber ein netter: der anders als sonst hinterlegte Schriftzug „die tageszeitung“ auf dem Titel…
– die Benennung „Gesellschaft, Kultur & Medien“ gefällt mir gut; schränkt den Inhalt nur wenig ein, gibt aber einen Eindruck, womit der Teil der Zeitung sich beschäftigt

Negativ:

– wie – kein Tom???
– die dezentere Gestaltung der Untertitel zu den Themen des Tages (die zwei großen >> am Anfang, dann nur Text); finde ich ein bisschen zu wenig, die vorherige Variante aber recht dominant … vielleicht eine Mischung aus beidem?
– finde den Ausdruck „Leibesübungen“ doch deutlich neckischer als nur „Sport“

Schick, dass die taz immer wieder auf solche Ideen kommt. Da weiß man, was man hat. Und auch wieder nicht…

Jan-Hinrich Fessel:

Ich find das ganz schick. Nicht nur, weil mal die „Anfänger“ mal ran dürfen, sondern, weil Sie es gut machen. Es ist immer noch meine taz, aber irgendwie anders. Was wir alle ganz schlecht finden ist die letzte Seite. Kein Touché, das geht gar nicht. Und die Comics mögen ja auch schön für andere sein, aber ich muss mich jedes mal zwingen, sie zu lesen, und so dolle ist die Aussage denn auch nicht, das ich dafür eine ganze Seite bezahlen möchte.

Roswitha Rauch:

Spontan:
– „Flimmern und Rauschen“ muss bleiben!
– „Gesellschaft, Kultur & Medien“ gehört in die „Zeit“ oder so… da wünschte ich mir eine andere Formulierung – Küppersbusch soll nicht mehr aus seiner Jugend erzählen.
– das Fernsehprogramm hätte endlich eine andere reihenfolge erhalten sollen, nämlich: Arte, 3 Sat, ARD, 3. Programme der ARD, dann (stöhn) ZDF und die Restlichen…
– gut finde ich den Comic als festen Bestandteil

Arnd Schwendy, Abonennt der 1. Stunde:

Der Start war schon mal sehr vielversprechend. Sehr professionell. Hatte schon Rückfall in die Chaoszeit der ersten taz-Jahre befürchtet. Weiter so. Seite 1 ist übrigens gut gelungen, der Rest auch sehr vielversprechend. Bin gespannt, wie es weitergeht.

Karin Haug:

Peinlich, peinlich. Mir war das Ganze natürlich erst aufgefallen, als ich die „Letzte Seite“ nicht finden konnte – kann man mal sehen, wie so eine Zeitung gelesen wird. Im Prinzip halte ich allerdings das Experiment für gelungen.

Christoph Melzer:

Mutig und frisch kommt die junge taz daher! Die wechselnden, popigen Titel gefallen mir, nur muss natürlich das Cooperate-Design erkennbar bleiben (die Farbe Rot sollte den Titel-Balken dominieren). Die taz ist leichter/flüssiger zu lesen, das Layout kommt leichter daher. Das Titel-Layout der 1. „frischen“ TAZ-Ausgabe fand ich überraschend und aufmerksamkeiteregend (könnte vielleicht öfter Anwendung finden, z.B. zur Verdeutlichung von Pro- und Contra-Positionen). Inhaltlich habe ich zum Glück keinen Verlust an substanzieller Info festgestellt. Ich bin gespannt, ob etwas des jungen, kreativen Potentials in der Zukunfts-taz erhalten bleibt. An Strukturen zu rütteln kann viel Neues zu Tage fördern, achtet es und fördert es weiter!

Noch eine kritische Anmerkung: die „altbackene“ letzte Seite mit Touche/Tom gefällt mir viel besser, als die „Schülerzeitungs“-Comic-Seite der u-31-TAZ.

Gerd Grözinger:

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ‚weniger‘ (mehr Zwischenraum?) Artikel erschienen sind, das fände ich dann schade. Die mir etwas willkürlich erscheinende Themenschwerpunktsetzung erinnert mich eher an ein Wochenblatt als an eine Tageszeitung, ist auch nicht so mein Ding für die Frühstückslektüre (aber eventuell bin ich mit 57 mittlerweile auch einfach strukturkonservativ gepolt + jüngere sehen das anders). Und im Prinzip finde ich solche gelegentlichen internen Revolutionen völlig richtig!

Claus Fesel:

Ausnahmsweise finde ich mal etwas ganz schrecklich – nämlich diese Übernahme. Ich abonniere die taz ja nicht nur zum Spaß… Effiziente Informationsafnahme und -verarbeitung sowie die Rezeption längerer essayistischer Artikel und Reflektionen haben auch etwas mit bekannter Struktur und linguistischer Aufmachung zu tun. Die übernommene taz würde Umlernen erfordern – und das will ich nicht, schon gar nicht für eine Woche. Und dann fehlt auch noch der wichtigste Grund fürs Abo – mein täglicher Tom Touché. Beim nächsten Mal unterbreche ich die Lieferung für eine Woche und lese Süddeutsche…

Peter Kubitz:

Meine Kinder – und ich auch – schreien nach Touché by Tom. Mir fehlt „verboten“.

Reinhilde Böhm:

Meine ersten Eindrücke:
– Randspalten besser als am Ende der Seiten
– zu viele große inhaltsarme Fotos
– taz-Schriftzug in schwarz sehr unerfreulich
– Tom fehlt, Karikaturen (wie ähnlich auch in der Monde Diplomatique) sind uninteressant und viel zu lang
– wenn noch mehr Hinweise auf Internettexte kommen, ist die taz in Papierform bald nichts mehr wert. Ich möchte aber eine Zeitung lesen.

Felix Kolb:

Ich fand die Idee der Übernahme ganz nett. Wobei ich die Frage spannend fände, ob und was sich nach der Woche etwas ändert. Denn wenn die es einen Missstand gibt, hilft es ja wenig, diesen für eine Woche zu beheben. Ansonsten bin ich ein Gewohnheitsleser. Jede Umstellung im Layout, Aufbau, etc. finde ich als störend und erst recht für eine Woche.

Andreas Schulze:

Nach zwei Ausgaben nach diesem Strickmuster bin ich eigentlich etwas enttäuscht. Dazu hat sicherlich in erster Linie der Wegfall der Wahrheitseite beigetragen. Das, was dort unter der Überschrift „Comic“ erschienen ist, möchte ich eigentlich nicht kommentieren. Ohne grob zu werden kann ich dazu nur schreiben, dass das sowohl vom inhaltlichen Thema als auch von der illustrativen Ästhetik her nicht das ist, was man m.E. als Comic bezeichnen sollte (da gibt jede Schülerzeitung Besseres her)… geliebte Witzbildchen, seufz…

Sonst scheinen mir einige Artikel etwas oberflächlicher als sonst. Vielleicht liegt es auch daran, dass plötzlich Dinge mehr Raum einnehmen, denen ich weniger Bedeutung zumesse. Zum Schluß ein Lob zur Idee der Titelseitengestaltung. Auch wenn ich den Nadelstreifen heute etwas trist fand, ist diese Variationsidee sehr vielversprechend. Das macht Spaß, jeden Tag ein neues Motiv vorzufinden, vor allem wenn es gut gestaltet ist.

Harald Gesterkamp:

Liebe tazler, manches mag interessant sein, aber leider muss ich mir in dieser Woche wieder eine andere Zeitung zusätzlich kaufen. Dabei dachte ich, die Zeiten, in denen die taz nur Zweitzeitung ist, sind vorbei. Und das Layout ist auch wenig originell. Fazit: Ich freue mich, wenn die alte Chefradaktion wieder an die Arbeit darf.

Peter Kleinschmidt:

Boah, da merkt man erst, wie alt man ist: Kein Tom, buhuhuhu! Früher immer erst der Blick auf die Schlagzeile, dann die letzte Seite und dann langsam von hinten nach vorne vorarbeiten. Jetzt dagegen, das Cartoon auf der letzten Seite macht mich schon optisch nicht an. Eine ganze seite mit einem Bild? Wäre manchmal o.k., aber täglich… Überhaupt scheint mir der Nachwuchs (glücklicherweise) vor allem formal gearbeitet zu haben und da gefiel mir die „alte“ taz doch ein ganzes Stück besser. Ein versuch war es wert, aber ich freu mich auf die nächste Woche.

Günther Sippl:

Liebe taz, leider fällt mein Kommentar zur „Freundlichen Übernahme“ nicht besonders gut aus: Ich habe den Eindruck, dass es der Redaktion an Ideen fehlt, die Zeitung täglich mit Wichtigem zu füllen. Wozu verschwendet man am Dienstag die ganze Seite 13 mit einem unscharfen und nichtssagenden Bild? Wozu auf Seite 14 den ebenso nichtssagenden „Grubauer“ ohne Zusammenhang, wozu auf Seite 15 eine halbe für eine Überschrift und diese furchtbar öden Comics – übrigens auch am Montag – auf der letzten Seite. Schade um die „Wahrheit“!

Kein Wort über die AKW-Aktionen am 24. 04.! Biblis fehlt völlig in der Taz! (Die Taz hatte mal Zeiten mit Demo-Kalendern, Kontakten usw.)

– die Titelseite irritiert mit ihrer Leere um das viel zu klotzige Bild

– die Seite 05 über Indien mit aussagelosem Foto von leeren Sitzreihen in einem Cricketstadion in Lahore (das allerdings in Pakistan liegt)

– Lichtblick ist wieder mal der klare Kommentar von Ulrike Winkelmann auf Seite 12.

Fazit: Lasst die Profis die „Jungen“ unter die Fittiche nehmen und so weiterhin eine pointierte und parteiische taz machen. So verliert sie zu viele Leser!

K. Montellano:

Tja, mir ist die Zeitung fremd. „Verboten“ ist weg, Wahrheitsseite ist weg; keine Alliterationen bei den Titeln; keine witzig-scharfsinnige Formulierung bei den Titeln; Kommentar erschien mir belanglos. Ganz pragmatisch gesehen: Häufig hatte ich längere Artikel (Recherchen, Reportagen etc.) mir morgens beim Durchblättern herausgerissen, um sie abends in Ruhe zu lesen. Jetzt ging das Durchblättern schneller, ich habe nichts herausreißen müssen. Ich hab die taz gleich auf den Zeitungsmüllberg gelegt.

Genossenschaftler werde ich sicher bleiben, aber ob ich die taz noch abonnieren möchte? Es muss auch möglich sein, ein inneres Vergnügen an scharfsinnigen Analysen, an sprachlich witzigen Formulierungen zu entwickeln, denn ansonsten ist die Papierausgabe der Zeitung in der Tat so nötig wie „eine Armbanduhr“ (Zitat von ?). Man braucht sie nicht wirklich, aber man hat sich an sie gewöhnt, und es fehlt etwas, wenn sie nicht da ist. Allerdings wechselt man eben auch nicht ständig Gehäuse, Zeiger, Ziffernblatt o.ä.

Angelika Thurow und Ursula Schweer:

Die Wahrheitsseite und Tom fehlen ganz heftig. Mit der Comic-Seite sind wir nicht glücklich. Vielleicht sind wir zu alt dazu. Der Zeitungskopf mit wechselnden Farben und Mustern trifft hingegen sehr unseren Geschmack, auch der Nadelstreifen war sehr schön. Der alte Farbton Rot hat uns nie richtig gefallen. Ganzseitige Bilder und halbseitige Überschriften sind in unseren Augen Platzverschwendung. Die Rubrikenüberschrift „Gesellschaft, Medien, Kultur“ ist nicht schlecht. Wobei uns „Flimmern und Rauschen“ aber auch immer gut gefallen hat. Die Fernsehempfehlungen vermissen wir auch. Der starke Internetbezug muss nicht sein, wir sind Print- und nicht Bildschirmleser. Ob die Kurzmitteilungen links, rechts, oben oder unten stehen, ist egal. Dass die taz am Montag im gesamten Raum, der von der Frankfurter Druckerei beliefert wird, nicht ausgeliefert wurde, hätte einer Erwähnung in einer der folgenden Ausgaben bedurft. So denkt jeder, die „Jungen“ haben es nicht geschafft, rechtzeitig zu liefern.

Gratulation an die Jungen, sie haben sich bislang wacker geschlagen. Es war und ist für sie eine große Verantwortung, aber sicher auch ein großes Erlebnis.

Norbert Grote:

Das vorab: Besser ist für mich nichts geworden!

Entsetzt bin ich über den täglichen Farbwechsel auf der ersten Seite. Nahezu chamäleonartig wechselt jetzt die taz ihre Farbe – nach dem Wind??? Oder herrscht jetzt das Spaß-Prinzip unserer Gesellschaft vor? Heute so, morgen so. Hoffentlich nicht. Zur taz gehört die Signal-Farbe ROT, schon mindestens um dem Produkt mit den vier Buchstaben Paroli zu bieten – wenn’s geht leuchtender. Ich finde auf einmal vieles schwärzer. Ich vermisse die Seiten FLIMMERN UND RAUSCHEN und LEIBESÜBUNGEN (heute, Mittwoch, ist zumindest die Seite LEIBESÜBUNG wieder da). Darin lag für mich immer eine kritische, ja fast ironische Distanz und darum habe ich die taz abonniert – nicht nur deswegen. Was sind dagegen: Medien und Sport. Die Seite haben sie alle. Und dann die Comic-Seite – eine ganze Seite, die ich rein grafisch schon gar nicht lesen kann. Ein furchtbares Schriftbild, nichts für Brillenträger. Und wo ist die GURKE DES TAGES und VERBOTEN??? Das waren doch die kleinen Freuden des Lesers. Muss ich jetzt mein Abo überdenken? Zeitungsleser lieben ihre Zeitung mit all den liebgewordenen Gewohnheiten. Als die FR ihr Layout wegschmiss, habe ich sie gekündigt.

Karin König:

Mir gefällt die ganze Seite mit dem Comic nicht besonders gut. So etwas möchte ich nicht gerne in meiner täglichen taz haben(außer mal versehentlich). Ansonsten ist der mir so liebe Stil der Berichterstattung und die Themenauswahl im Hauptteil doch ähnlich wie bei den „Großen“. Daraus kann bestimmt etwas werden… Im hinteren Teil war es mir dann heute zu exotisch (jung) bis auf die Nord-Taz. Aber mal schauen, wie es morgen ist.

Hermann v. Wrangell:

Die Idee der „Freundlichen Übernahme“ finde ich großartig. Wann bekommt man eine solche Gelegenheit und von wem? Ich hoffe nur sehr, dass die Geschichte auch irgendeine Fortsetzung hat und nicht ein isoliertes Highlight bleibt. Ich vermisse selbstverständlich „verboten“ und die Wahrheitsseite. Zwar lese ich sie nicht zuerst, freue mich aber schon darauf beim Durchlesen der Zeitung. Die Aufmachung der Zeitung ist eine ganz andere. Auch meine ich, dass die Beiträge etwas pointierter und schärfer sind, aber das ist zunächst eine Vermutung. Weiter so!

Daniel Notthoff:

Ich finde die Veränderungen wirklich toll und gelungen! Mit meinen 32 Jahren übertreffe ich zwar gerade eben dass Höchstalter in dieser Woche, aber dennoch bin ich im Herzen voll dabei… Inhaltlich war die taz noch nie verstaubt oder altbacken, aber die Veränderungen in dieser Woche sorgen auch optisch noch mal für eine freche Verjüngungskur. Ich würde mich freuen, wenn einiges aus dieser Woche zukünftig beibehalten und übernommen wird. Da dürfen wir wohl gespannt sein. Neue Erkenntnisse für die taz und vielleicht sogar neue Leser (die aus Neugierde ins Blatt reinschauen) – ich denke diese Aktion war ein voller Erfolg. Obendrein ist das Aufsprengen alter Sitten nie verkehrt. Zu keiner Zeit…

Roland:

Seit Montag ärgere ich mich echt doll. Da werde ich als Leser doch von Internetfreaks gezwungen, meine geliebte Papier-taz wegzulegen, um mich vor dem Bildschirm des Computers zu setzen – den ich nicht habe – um die taz weiter zu lesen. Ich zahle gutes Geld für die Papierversion und werde gelinde verarscht, weil ich die taz dann am Bildschirm für umsonst lesen soll und kann. In der Papiertaz ist nur noch Werbung für die taz.de – inhaltsschwache Ankündigungen für Texte auf der Internetseite.

Und die größte Frechheit seit Montag: Touché gibt es nur im Internet. ich habe ja nichts dagegen, dass eine taz auch eine gute Internetseite hat und dafür bin ich ja auch Kommanditist. Doch dass ich als Abozahler und Genosse von der Papierversion auf das Internet gezwungen werde, um überhaupt Artikel lzu lesen oder touché zu sehen, das finde ich doch eine Unverschämtheit. Das hat nicht mit Jung sein zu tun oder Verantwortung unter dreißig ist anders, sondern das ist einen bodenlose Respektlosigkeit. Mangelnde Achtung vor Menschen, die keinen Computer zu Hause haben und auf der Arbeit keine Möglichkeit haben, den PC zu nutzen. Diese E-Mail schreibe ich mit Einverständnis meines Arbeitgebers auf der Arbeit, während der Arbeitszeit.

Die Idee, statt der Wahrheit einen Comic zu bringen ist ebenfalls nicht so dolle, kann aber die andere Form der Satire sein, die Jugendliche mehr anspricht. Was aber inhaltlich gar nicht geht, sind unausgegorene Artikel. Beispiele: In vielen Berichten zur Einstellung des Flugverkehrs wurden ungefragt und unkommentiert die Horrorzahlen des wirtschaftlichen Schadens übernommen. Erst heute – Donnerstag – kamen auch Experten zu Wort, die diese Zahlen bezweifelten.

Im Nachruf von dpa zum Tode Samaranch wurde die faschistische Vergangenheit mit dem Franco-Regime und dem Reichtum, den er da machte, gar nicht erwähnt und von den Verantwortlichen der taz auch nicht eingefügt. Hat da die Jugend kein Interesse mehr an den „alten Kamellen“? Darauf wurde sogar in meiner konservativen Lokalzeitung hingewiesen. Da gab es in der Woche noch mehr solcher Schnitzer – schade.

Besonders ärgerlich war es für mich am Montag, da war die taz gar nicht im Briefkasten. So habe ich zusätzlich ein Exemplar am Kiosk gekauft für teure 1,60 Euro und somit zweimal für eine taz ohne Wahrheit und touché bezahlt. Dummheit eines treuen Lesers muss halt bestraft werden.

Jetzt will ich meinen Arbeitgeber nicht länger in Anspruch nehmen und freue mich auf Montag, wo diese unsägliche Feindliche Übernahme aufhört. Dann werde ich als Leser nicht mehr fremdbestimmt – gehe doch ins Internet.

R. Kurzweil:

Ich bin seit über 20 Jahre taz-Leser. Vor allem in den ersten taz-Jahren hat mir die taz sehr gut gefallen, unkonventionell, Hintergrundberichte über Sachen, die man in den anderen Zeitungen nicht findet, täglich für ne Überraschung gut. Daneben natürlich auch viel Mist, aber auch nicht mehr als in anderen Zeitungen wie SZ und FAZ.

In den letzten Jahren wurde die taz immer gleichmäßiger, das Layout wurde und ist langweilig, die Artikel immer braver (auch der Mist wurde immer braver), weniger Kontroversen, das seht Ihr ja selber an den Leserbriefen. Und viel langweiliger (ich male hier in schwarzweiß, das = in natura natürlich nicht so extrem). Und seit dieser Woche ein geändertes Erscheinungsbild, ohne Rubriken, die zum Standard gehörten wie Tagesschau oder die Wahrheit, die zwar hin + da ganz gut, aber wie aller erzwungener Humor doch meist langweilig sind. Und mehr gute Artikel über brisante Themen als sonst. Halt nicht mehr so brav. Das erinnert mich wieder an die frühere TAZ, die ich sehr genossen habe, mehr als das heutige Routineblatt. Also, auch wenn diese Woche vorbei =, macht dennoch weiter so, die Alten sollen halt wieder kreativer sein.

Irene Fröhlich

Die taz vom 20. April liegt hier auf meinem Schreibtisch stellvertretend für die anderen. Gleich vorweg: ich bin enttäuscht, der Morgen ist um einiges Lächeln, Schmunzeln, Lachen – auch ins Fäustchen – ärmer geworden. verboten fehlt, auch wenn es für mich längst nicht mehr „verboten“ heißen müßte, in der Debatte damals habe ich mich nicht zu Wort gemeldet, fand sie aber etwas albern.

Die Wahrheitsseite fehlt, nicht nur Tom sondern auch die gelegentlichen Gedichte und zwar schmerzlich. Was läßt die jungen Leute glauben, daß wir auf das Lachen verzichten können? Immerhin gibt es die wunderbare Silke Burmeitser noch, ein Lichtblick!

Grandios überflüssig und ärgerlich fand ich den Kommentar von Kristina Pezzei auf der immerhin erhalten gebliebenen Seite „Meinung und Diskussion“ aber der Kommentar ist reine Zeitverschwendung, wer soll sich denn um die Details kümmern, träumen können wir selber, dazu brauche ich als Stadtverordnete der GRÜNEN in Husum meine taz nicht und schon gar nicht derart gouvernantenhaft. Die Karikaturen waren bisher nur blöd, entschuldigt die Flapsigkeit und die seltsamen und schwer zu lesenden und zu verstehenden Comics gehören wieder in die Kategorie Zeitverschwendung. Ihr müßt wissen, daß ich jeden Tag auch noch das Husumer Blättchen lesen muß und eigentlich bis 11 Uhr damit durch sein muß, bisher kein Problem, bis halb elf taz und dann noch schnell die Husumer Nachrichten, da reicht oft schon eine Viertelstunde, wenn Ihr so weiter macht, dann rückt der Zeitaufwand meiner taz an die der ungeliebten HN, dann wird sie überflüssig und was das heißt, das wißt Ihr selber am besten.

Mein Alltag ist sehr real, da bleibt die Zeit für die virtuellen Realitäten knapp, an einer online-taz bin ich nicht interessiert, auch wenn es noch so rückständig ist. Aber zwischen Garten, Freundinnen, Essenkochen, telefonieren, Sitzungen von Bauausschuß bis Weltladen ist keine Zeit für das Internet, außer wie hier E-Mail. Nichts für ungut, ich bin ja bloß eine Alt-68erin, gehe am Samstag mit meinen Freundinnen zur Menschenkette, versorge meine Kinder und Enkel mit Interessantem aus meinem täglichen Bildungsprogramm namens taz, gehöre nicht zur Generation der flotten TräumerInnen und OnlineritterInnen, die mehr und mehr den Ton angeben werden. Bin gespannt, was Ihr draus machen werdet.

Undine von Rönn

Leider haben mir die Übernahme-Ausgaben nicht sonderlich gefallen: zu viel Weißraum, zu viele große Fotos, der Comic war mir völlig unverständlich (verschenkter Raum) etc., kurzum, die Lektüre war eher ein Durchblättern. Sollte es noch weitere Projekte in der Richtung geben, werde ich darüber nachdenken, das Abo zu kündigen – nach langer Zeit!!

Christof Windeck

Ich finde die „Kindertaz“ größtenteils misslungen. Die positiven Seiten aber zuerst: Ja, es kommen offenbar mal ein paar frischere Themen aufs Tapet und für die alten Recken/Reckinnen ist eine „Durchlüftung“ bestimmt auch sehr erfrischend und motivierend. Die Traktorenfotos finde ich auch klasse. Mit dem Tom-Entzug kann ich für eine Woche auch leben, obwohl ich die Comic-Styles der nachfolgenden Generationen (bin 45) oft zu „absichtlich cool“ finde. Aber das mag Altherrengeschwätz sein.

Nun zu den Pannen. Das Schlimmste finde ich die viel zu großen und holzhammerigen Verweise auf taz.de/irgendwas. Zwei Sachen dazu: Manchmal finde ich taz.de lahm (OK, beim Test gerade klappte es flott, aber das Archiv ist oft krötenlahm). Das wesentliche und schlimme Problem aber ist der Medienbruch in vielerlei Sinn. Ich zahle (seit Jahren, absichtlich und gerne) für ein Printmedium und will *darin* das Wichtige lesen. Nicht falsch verstehen: Ich arbeite beruflich den ganzen Tag am PC und bin extrem viel im Web unterwegs, aber ich will von euch eine handwerklich gute Druckzeitung! Wenn ich dann mal ein iPad habe irgendwann, dann will ich vielleicht auch eine gute Online-taz — aber auf Papier will ich die Info da drin und keinen „Link“, der nicht geht. Medienbruch 1 also: Seitenfläche, für dich ich „bezahlt“ zu haben empfinde, wird mit einem zu großen Link-Symbol zugemalt, welche 2. nicht funktioniert, sondern mich auf einen Mangel hinweist. Medienbruch 3: Bezahlt/unbezahlt. Etwas, für das ich gerne zahle, verschwendet Platz für etwas, das ich auch und sowieso kostenlos bekäme. Ist wohl eher ein Kulturbruch: Bezahlkultur/Umsonstkultur.

Was mich sehr ärgert, sind zu große Bilder auf schlechtem Papier. Jaja, Bebilderung ist wichtig, aber eine ganze Seite wirkt verschwendet, wenn (1) die Bildqualität nun mal nicht optimal sein *kann* und (2) ich mich darüber ärgern muss, dass eure taz-Kinder die Hausaufgaben nicht gemacht haben (dazu unten mehr). Ich finde die Fotos in der taz von ihrer jeweiligen fotografischen Qualität her ultraklasse, aber genau das ist es: Ihr kompensiert Format und Druckqualität durch künstlerische Qualität. Einfach nur Motive „cool“ aufblasen auf gerastertem Zeitungslappen, das ist es einfach nicht.

Nun zu den Hausaufgaben. Wie schon angemerkt: Ich lese sehr viel online, Spiegel Online, faz.net, tagesschau.de, sueddeutsche.de und einige US-Medien. So ist das nunmal heutzutage — ihr konkurriert auch als Print mit Online. Da darf es einfach nicht passieren, dass etwa in der taz vom 20. April praktisch noch nix steht zur Kabinettsumbildung in Niedersachsen, die am 19. April um 13.00 Uhr überall Online war. Am Dienstag (20.4.) finde ich in meiner taz eine äußerst knappe Meldung samt ärgerlichem Riesenverweis auf „taz.de“ und weiter vorne ein Porträt von Frau Özkan — im Regionalteil Nord noch gar nix! Erst am Mittwoch bequemt sich jemand, im Regionalteil 2 der 4 neuen MinisterInnen vorzustellen, und das trotz Lokalredaktion, obwohl Heister-Neumann extrem umstritten war und obwohl die 38-jährige Aygül Özkan die erste türkischstämmige Ministerin Deutschlands ist *und* obwohl Wanka die erste Ossa-Ministerin in einem Wessi-Land ist — das sind doch Riesenthemen für die taz, lauter Steilvorlagen — und *NICHTS* am Tag danach. Kinder, so etwas darf, darf, darf nicht passieren, sonst habt ihr auch Online keine Chance.

Journalismus ist leider sehr harte Arbeit. Ihr klickt doch auch dahin, wo’s zuerst steht — demnächst auch auf dem iPad. Klar, so etwas kann in der Volo-taz mal passieren, aber dass es am Tag 2+x noch nicht ausgebügelt ist, ist peinlich. Außerdem ist mir auch die Print-taz der Erwachsenen schon oft zu lahm.

Layout: Die Schrifttypen-Zusammenstellung ist grauslich, finde ich. Gerade das Layout der Jungen Wilden zeigt, dass man am Layout nur sehr, sehr behutsam oder sehr, sehr durchdacht etwas zum Positiven ändern kann.

So, nun mal Ende: es hört sich wie Auskotzen an, aber eigentlich zeigt mir die „Übernahme“, wie gut die „richtige“ taz schon ist.

Jürgen D. Müller:

Meine erste Reaktion war: Hm, was soll das. Mir sind diverse Veränderungen aufgefallen und viele hängen damit zusammen, dass Elemente, die mich beim Frühstück Lächeln lassen, fehlen. Verboten aus Seite ist nicht immer gelungen, aber oftmals ein guter Start und nach der Schlagzeile das zweite Element, dass ich noch auf der Treppe auf den Rückweg vom Briefkasten zur Wohnung lese. Tja, und eine taz ohne Wahrheit und vor allem ohne TOM ist nicht meine taz. OK alte TOM Cartoon sind in der Internetausgabe zu finden, was mich gleich zu einer weiteren Kritik führt. die Penetranz mit der dem Leser der Papierausgabe gesagt wird, dass es im Internet noch viel mehr Information auf den Seiten der taz zum Thema zu finden ist. Ich lese Zeitung, weil ich Zeitung lesen will und mir nicht notieren möchte, was ich mir danach noch einmal auf taz.de nachschlagen kann.

Der Anteil der Artikel, der mich überhaupt nicht interessiert (männlich, 47 Jahre) hat deutlich zugenommen. Die taz reicht nicht mehr zum Frühstück. Sonst bleiben stets 1-2 Seiten, die am Abend gelesen werden können, die junge taz ist nach weniger als 60 Minuten ausgelesen.

Peter Jepsen:

Es ist gewöhnungsbedürftig. Die farbliche Aufmachung der ersten Seite finde ich nicht so gut wie die alte. Am meisten entbehre ich die Wahrheit-Seite. Mit dem Comic an Stelle dessen kann ich nicht so sehr viel anfangen. Gut und absolut lobenswert finde ich den Mut, alles Alte und Gewohnte einmal über Bord zu werfen, alle vorher gesetzten Regeln außer Kraft zu setzen und die Aufmachung jungen Leuten zu überlassen – Hut ab!!

Vielleicht bleibt die eine oder andere Veränderung doch bestehen, weil sich viele taz-Leser/innen das wünschen. Viel Glück und weiterhin Mut zu unkonventionellen Maßnahmen!!

Sibylle Sterzer:

Die „freundliche Übernahme“ ist auf jeden Fall ein spannendes Projekt und ich habe mich auf das Ergebnis gefreut. Da die taz diese Woche jeden Tag anders aussieht, darf ich auch noch weiter gespannt sein… Selten habe ich die taz so akribisch von vorne nach hinten durchgelesen… Das Ganze erscheint mir eindeutig jünger, chaotischer, gewagter – aber mehr optisch und thematisch als inhaltlich. Am Montag schockten mich neben dem lila-roten Teppich-Header noch drei (!) Seiten Sport (!). Ich war kurz davor mein Abo zu kündigen, als mir einfiel, dass das wahrscheinlich nächste Woche wieder anders sein und vor allem Leibesübungen heißen wird (daran hänge ich wirklich). Heute gibt es dafür einen merkwürdigen thematischen Schwerpunkt Girls Day im Inland und gleichzeitig im Berlin-Teil… war das so abgesprochen? Die Titelseite und Seite 2 erinnern an brand eins… blättere ich auch mal ganz gern durch. Insgesamt: Experimente (Feindes-taz, Zukunfts-taz und auch dieses) definitiv ja, aber dann bitte wieder, vor allem inhaltlich, zurück zur „alten“ taz. Ein paar Layout-Ideen könnte man allerdings durchaus übernehmen. Danke für das Experiment!

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https://blogs.taz.de/hausblog/meine_kinder_-_und_ich_auch_-_schreien_nach_touch_by_tom/

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kommentare

  • Denke nicht, dass es nur um Gewohnheiten geht.
    Sondern schlicht um Eigenschaften, die dem Produkt taz gefehlt haben. Und das eine Woche lang.

    Die Süddeutsche etwa lese ich wegen des Streiflichts und der Seite 3.
    Würde beides eingestellt, gäbe es keinen Grund mehr für mich, diese Zeitung zu lesen.
    Das hat aber genauso wenig mit Gewohnheit zu tun wie es das bei der taz hat, wenn man sie allem beraubt, was sie ausmacht.
    Was sich natürlich nicht nur auf Tom, Wahrheit und verboten beschränkt.

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