vonhausblog 04.01.2016

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Die taz für Berlin kann nicht mehr in Berlin gedruckt werden. Eine schwierige Angelegenheit

Die taz-Ausgabe vom 2. Januar war, zumindest in Berlin und weiten Teilen Ostdeutschlands, eine besondere Zeitung – auch wenn man ihr es vielleicht nicht ansah oder -fühlte. Es war die erste Ausgabe der Berliner taz, die in Wittenburg bei Schwerin gedruckt wurde, bei der Druckerei Prima. Sie markiert den Beginn einer neuen Zeitrechnung. Im doppelten Sinne.

Die taz wird, um sie in ganz Deutschland pünktlich verteilen zu können, an drei Standorten gedruckt: in Gießen, in Pinneberg und seit 1989 in Berlin, bei der Druckerei Henke. Doch zum 31. Dezember 2015 hat Inhaber Rolf-Friedrich Henke seine Firma geschlossen. Es lohne sich nicht mehr, begründete er dies. Es war das Ende einer langen und guten Zusammenarbeit – und für die langjährigen Mitarbeiter der Druckerei meist der Schritt in die Arbeitslosigkeit.

Das Drucken etwa 200 Kilometer nordwestlich von Berlin hat auch Auswirkungen auf die journalistische Arbeit der
taz.berlin-Redaktion

Nun wird die Berliner taz nicht mehr in der Stadt gedruckt: Es existiert hier und im nahen Umland keine Druckerei mehr, die ausgerechnet das sogenannte Berliner Format, in dem die taz schon immer erscheint, in der nötigen Qualität herstellen kann. Die neue Druckerei in Wittenburg liegt gut zwei Autobahnstunden entfernt. Die Ausgaben müssen nach der Herstellung wieder nach Berlin transportiert werden, damit die nicht für das Stadtgebiet Berlin bestimmten Ausgaben alle LeserInnen und Kioske rechtzeitig erreichen. Denn über Berlin läuft der Vertrieb für Ostdeutschland, wo die Berliner Ausgabe vertrieben wird.

Das Drucken etwa 200 Kilometer nordwestlich von Berlin hat auch Auswirkungen auf die journalistische Arbeit der taz.berlin-Redaktion: Die erste Auflage des Berlin-Teils muss unter der Woche knapp zweieinhalb Stunden früher als bisher fertig sein; viele aktuelle Nachrichten und Texte werden deswegen eher auf taz.de stehen als in der Printausgabe. Anders als ein Großteil der zweiten Berliner Auflage – mit einem Redaktionsschluss, der sogar etwas später liegt als bisher.

Für die Berlin-Redaktion bedeuten die neuen Redaktionsschlüsse: umdenken, überdenken, kreativ sein. Zum Glück war das schon immer eine der taz-Stärken. Und so wird sich vor allem die Werktagsausgabe des Berlin-Teils verändern: Mehr gut erzählte Geschichten, analytische Interviews, prägnante Analysen – und einige tazzige Überraschungen – werden dort künftig ihren Platz finden.

Die taz wird auch künftig alle wichtigen politischen Informationen aus Berlin transportieren und sie noch stärker einordnen. Und damit ihren Beitrag leisten, diese spannende, laute, verwirrende, begeisternde Stadt zu verstehen.

Bert Schulz leitet das Berlin-Ressort der taz.

Titelbild: dpa

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https://blogs.taz.de/hausblog/neue-druckerei-200-kilometer-120-minuten/

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kommentare

    • Ja, das kann man. Auch um genau diesen abendlichen Handverkauf zu ermöglichen, haben wir uns beim Druckereiwechsel schließlich für das Modell der zwei Andrucke entschieden. Sie erhalten dann die taz des ersten Andrucks.

  • Dass die überregionale taz in ihrer Produktion nun noch überregionaler geworden ist, bringt meiner Meinung nach nicht nur Probleme mit sich. Die dezentrale Produktion passt zur Zeitung.

  • So. Und wer bekommt die erste Auflage der Berliner Ausgabe und wer „den Großteil“ der zweiten? Und wer den kleinen Teil (= Rest) der zweiten? Und ist der wiederum identisch zu der ersten Auflage? Welche Auflage enthält das PDF? Und welche die App? Fragen über Fragen. Ich wäre für eine Präzisierung dankbar.

    • Lieber Herr Klostermeier,

      der Berlin-Teil erscheint in etwa 15tsd Exemplaren der taz.

      Der ersten Andruck „für Berlin“ (ca. 5000 Exemplare) wird an den Vertrieb in Ostdeutschland (MVP, BRB ( inkl. Potsdam), SAH, S, TH) und auf die abendlichen Handverkäufer in Berlin verteilt. Der zweite Andruck (ca. 10tsd Exemplare) versorgt den Berliner Kioskverkauf und die AbonnentInnen in der Stadt.

      Der Unterschied zwischen erstem und zweitem Andruck besteht in der Berlin-Seite 2. Diese beinhaltete bisher die zeitkritischen und nachrichtlichen Texte aus Berlin. Dies ist auch weiterhin so der Fall, allerdings nur noch im zweiten Andruck (der seit der Umstellung sogar noch etwas später erfolgt als bisher).

      Aufgrund des arg frühen Abgabetermins für den ersten Andruck kann die aktuell arbeitenden Berlin-Redaktion diese Seite nun nicht mehr oder nur noch in Ausnahmefällen bestücken. Die KollegInnen konzentrieren sich auf die Abgabe zum zweiten Andruck, der mehr BerlinerInnen erreicht.

      Die Berlin-Seite 2 des ersten Andrucks wird zukünftig neuen taz-Formaten vorbehalten bleiben, die ein kürzlich konstituiertes neues Redaktionsteam derzeit entwickelt. Bis es soweit ist, bieten wir auf dieser Seite Eigenanzeigen des taz Shops, der Genossenschaft und der taz Panter Stiftung eine Bühne.

      Die Berlin-Seiten 1, 3 und 4 (mit Essay/Reportage/Interview, Berlin-Sport und Berlin-Kultur) sind im Regelfall bei beiden Auflagen identisch. Theoretisch bestünde jedoch die Möglichkeit, diese Seiten für den zweiten Andruck noch einmal zu aktualisieren – für Wahlen etc.

      Im ePaper (und damit auch im pdf) finden sich stets die letzgültigen Versionen der taz, da diese erst generiert werden, wenn der letzte Andrucktermin in allen drei Druckereien (Pinneberg, Wittenburg, Gießen) verstrichen ist.

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