vontazlab 14.04.2012

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Von Sarah Alberti

Einerseits ist alles ganz einfach. Wenn nur andererseits nicht wäre. Mein Handy kann Fotos machen, hat aber kein Internet. Ich interviewe Emanuel für die Printausgabe der taz für Montag. Ein kleines Portrait über seinen Besuch beim tazlab, das ist zwischendurch schnell gemacht. Ein Foto soll mit dabei sein. Schlicht und einfach mit dem Handy geschossen. Das kann ich. Klick. Gemacht. So.

Wie kommt das Foto nun auf den taz-Rechner? Für mein Handy bräuchte ich ein spezielles Datenkabel, das habe ich natürlich nicht dabei. Komisch: Irgendwie können die Handys meiner Kollegen auch keine MMS empfangen, entweder sie sind zu alt oder zu jung. Also, die Handys. Aber mein Gerät besitzt eine Minispeicherkarte. Hat jemand ein Kartenlesegerät? Ja, wow, die taz ist gut ausgestattet. Aber irgendwie sind diese Schlitze größer als die Karte. Es steht drauf, dass 35 Kartengrößen reinpassen. Journalisten habe die Eigenschaft, ungeduldig zu sein. Also rein mit dem Ding. Schön, passt sehr gut. So gut, dass sie nicht wieder raus geht und der PC die Karte auch nicht lesen kann. Taschenmesser? Mhm, könnte der Karte gefährlich werden. Die Karte ist mir eigentlich egal, die Musik auch noch woanders gespeichert. Aber dieses Foto. Dieses Foto von Emanuel aus München. Der Text ist schon geschrieben. Es fehlt nur das Foto. Und ohne Foto kann der Text nicht erscheinen. Und das Foto steckt im Kartenlesegerät. Mit viel Kraft bekommt ein Mitarbeiter der taz-EDV-Abteilung die Karte aus dem Gerät geklopft.

Ich habe inzwischen Plan B: Die Karte kommt wieder ins Handy und dann schicke ich das Foto per MMS an einen Freund zu Hause, der hat ein MMS- wie internetfähiges Gerät. Dazu sind Freunde ja da. Die Karte geht zwar wieder ins Handy, aber das Handy mag die Karte jetzt nicht mehr. Dreimal die gleiche Prozedur. Wie gesagt: Journalisten sind ungeduldig. Ich muss da wirklich an mir arbeiten, denn schwupps: Zu viel Gewalt angewendet. Die Karte steckt fest. Richtig fest. Es geht nicht vor, nicht zurück. Pinzette. Eine Pinzette wäre gut. Auf zur Bar im Backstagebereich. Im Erste-Hilfe-Kasten ist keine Pinzette. Ich versuche es mit Zahnstocher und Taschenmesser. Erfolglos. Die Karte hat sich so verkantet, dass auch mein Akku nicht zurück ins Handy passt. Panik. Ich allein in Berlin ohne Handy. Auf zum Pförtner. Der probiert es mit einer Schere, am Stand der taz-Genossenschaft lege ich die Sache in zarte Frauenhände. Erfolglos. Auf zum Büro des Hauses der Kulturen der Welt. Wieder ein Erste-Hilfe-Kasten. Wieder keine Pinzette. Ich bin schon etwas weinerlich und sehe nach einem schwer wichtigen Problem aus.

Letzter Versuch: Die Veranstaltungstechniker vor Ort. Der Chef erkennt sofort den Ernst der Lage und schickt mich zum Lichttechniker. Der will mein Handy mitnehmen, aber ich bestehe darauf, mitzukommen. Es geht ins Hinterland, nur eine Tür trennt den Kongress vom technischen OP. Der Patient liegt einsam und allein in den Händen des Chirurgen. Der lacht noch und sagt, wenn es gar nicht geht, muss ich in die Charité. Die hätten zumindest eine Pinzette. Er hat keine. Ich empfehle ihm die zarteste Zange der Werkbank und entferne zur Sicherheit noch die SIM-Karte. Falls was schief geht. Dann mache ich die Augen zu.

Blub. Speicherkarte draußen, leicht geknickt. Wieder ein letzter Versuch: Karte rein. Passt noch. Nur mein Handy mag den geknickten Fremdkörper jetzt nicht mehr. Das Bild ist verloren.

Also ein neues Foto von Emanuel. Ich lasse ihn über Lautsprecher ausrufen, er kommt nicht. Mir fällt ein, dass ich versucht hatte, das Bild per MMS zu versenden. Dann müsste es noch im Gesendete-Ordner liegen. Tut es. So, dann jetzt weiterleiten an besagten Freund, zwei Minuten später habe ich die E-Mail von ihm. Mit dem Foto von Emanuel im Anhang. Als ich es weiterleiten will, fällt das Internet aus. Also auf den Stick ziehen. Es klappt. Das Bild ist auf dem taz-Rechner. Ich atme auf. Anderthalb Stunden für dieses Bild.

Der taz-Redakteur öffnet die Datei. Die Auflösung ist zu klein. Einen verpixelten Emanuel will kein taz-Leser sehen.

Jetzt hilft nur noch eins: Noch einmal Emanuel suchen und ein neues Bild machen. Ich laufe drei Meter aus dem Backstagebereich heraus und da steht er. Einfach so. Er hat er einen Film geguckt. Deshalb hat er auch die Lautsprecherdurchsage nicht gehört und ich habe ihn nirgendwo gesehen.

Emanuel kommt mit in den Backstagebereich und wird von allen freudig begrüßt. Mit dem iPhone machen wir in der Sonne ein Foto. Am Montag erscheint es in der taz. Und ich werde mir eine neue Speicherkarte zulegen. Eigentlich wollte ich ja heute Nachmittag auch noch einen Text schreiben. Der Titel der Veranstaltung: „Teilen, Tauschen, Schenken“.

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https://blogs.taz.de/hausblog/operation-speicherkarte/

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kommentare

  • Schade um die Bits und Bytes. Der ganze Text ist überflüssig wie nur was.
    Wenn die Autorin schon unbedingt mit ihrer technischen Unfähigkeit hausieren gehen muss, wäre es fein, wenn sie sich woanders einen Kummerkasten suchen würde.
    Sabine hat mir ihrer Kritik sehr recht – armes kleines Mädel holt sich Hilfe bei großen starken Männern. Ganz toll.
    Ein merkwürdiges, beschämendes Bild, das die Autorin von sich zeichnet.
    Zum Glück sagt das noch nciht allzuviel über ihre journalistische Kompetenz aus. Vielleicht ist da ja noch was zu holen.

  • zu ergänzen wäre die frage:
    brauchen wir mehr (in diesem fall zwei) frauen,
    die eine groteske
    ‚oh goodness, ich und technik – der alptraum‘
    haltung zu rechtfertigen suchen, während die „lösung“
    technischer probleme scheinbar in Form männlicher
    expertise und !autorität! stets griffbereit ist:
    einfach den „mitarbeiter“, „Veranstaltungstechniker“,
    den „Chef“ den „Lichttechniker“ „taz-redakteur“ oder den
    „Chirurgen“ bitten. Was ist das für eine Vorstellung?!
    warum wird sie verbreitet (kleine journalistische Fragestellung im kontext der veröffentlichung von ideen, die auch darauf hindeutet, dass dieses bild, dass hier entworfen wird eine gewisse WIRKUNG besitzt)
    -keine positive, keine nützliche

  • Brauechen wir artikel, in denen steht:
    „(…) omg, ist das alles schwer, blabla,
    bla…blabla.blup:
    wie gut das es große firmen gibt,
    die uns erlösen (…)“
    iPhones werden von menschen gemacht,
    die 35cents pro stunde „verdienen“
    wenn sie drei euro bekämen, wäre iHype
    trotzdem slaveHype. goodforyou

  • Oh je, der technische Alptraum … kommt mir sehr bekannt vor: man hat diverse kabel und lesegeräte aber genau die dann benötigte kombination fehlt natürlich ….

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