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vonhausblog 11.09.2023

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Pünktlich zum „Tag des offenen Denkmals“ am 10. September wurde in Bremen das „Mahnmal zu Erinnerung an die massenhafte Beraubung europäischer Jüdinnen und Juden durch das NS-Regime und die Beteiligung bremischer Unternehmen, Behörden und Bürgerinnen und Bürger“ – so der offizielle Titel – eingeweiht. Rund 300 Personen nahmen an der feierlichen Eröffnung des neuen Mahnmals am Westufer in Bremen teil. Das ursprünglich von der taz initiierte „Arisierungs“-Mahnmal an der innerstädtischen Weserpromenade wurde acht Jahre nach den ersten Bemühungen, gegen starke Widerstände des Firmenpatriarchen Klaus-Michael Kühne und trotz eines langen Ringens um den „richtigen“ Standort in Bremen realisiert.

Am Festakt beteiligten sich die Jüdische Gemeinde, Schulklassen, Abgeordnete und Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). Auch die taz war prominent vertreten. Frank Bajohr, Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte (IfZ) München, ordnete in einem Vortrag die historische Bedeutung ein. Das Mahnmal fülle eine „Leerstelle in der deutschen Erinnerungskultur“, so Bajohr.

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Bremen hatte als Hafen- und Logistikstadt einen besonderen Anteil an der »Verwertung« des beweglichen Hab und Guts der jüdischen Bevölkerung. Die größte Bremer Spedition, Kühne+Nagel, nahm eine zentrale Rolle beim Abtransport jüdischen Eigentums aus ganz Westeuropa ein.

Als Ehrengästin kam Barbara Maass. Die fast 70-Jährige ist die Enkelin des einstigen jüdischen Teilhabers von Kühne+Nagel, Adolf Maass, der von dem Nazi-Vater des Milliardärs Klaus-Michael Kühne während des NS aus der Firma gedrängt wurde. Adolf Maass wurde 1945 in Auschwitz ermordet. Barbara Maass kam für die Mahnmal-Eröffnung eigens aus Kanada nach Bremen.

Massenhafte Aneignung jüdischen Besitzes

Nach dem Entwurf von Evin Oettingshausen wurde das Mahnmal in einen engen Schacht in der Weser-Kaimauer eingelassen. An den Wänden sind schemenhaft die Schatten von Möbelstücken zu sehen, die dort einmal gestanden haben könnten – an einer Straße praktisch zu Füßen des Stammsitzes von Kühne+Nagel, der heute weltweit drittgrößten Spedition.

Foto: Juliane Sonntag, dpa

Henning Bleyl, Initiator des Mahnmals und ehemaliger taz-Redakteur in Bremen, zeichnete bei der Eröffnung noch einmal nach, wie K+N selbst unfreiwillig den Anstoß gegeben hatte: Mit seiner opulenten 125-Jahr-Feier unter völliger Ausblendung der Jahre 1933–45. „Kühne + Nagel hat die Bühne selbst bereitet, wir haben sie nur betreten.“

Bremens Bürgermeister Bovenschulte mahnte: „Das NS-Regime war keine Diktatur, die nur auf Druck und Gewalt beruhte, und auch nicht nur auf ideologischer Verblendung, sondern die Zustimmung zum Regime kam wesentlich auch durch die ökonomischen Vorteile zustande, die jeder einzelne durch die Aneignung jüdischen Besitzes haben konnte.“

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