von 20.04.2013

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Von Madeleine Hofmann

Shitstorms und Öffentlichkeit: Feddersen, Gaus, Gerhardt (v.l.n.r.), Foto: David Oliveira

Das Internet hat viele Vorteile: Man kommt schneller an Informationen, kann sich mit der ganzen Welt vernetzen und zu allen möglichen Themen unzensiert seine Meinung äußern. Wolle man die Bedeutung des Internets für die Gesellschaft veranschaulichen, könne man es mit Errungenschaften wie dem Rad oder dem Buchdruck vergleichen, meint taz-Redakteurin Bettina Gaus in der Diskussionsrunde „Grenzen der demokratischen Öffentlichkeit“. Der Unterschied: Das Internet bringt mehr Schattenseiten mit sich, als es Fahrzeuge oder Bücher tun. Diese Ansicht teilt auch Volker Gerhardt, Professor für Philosophie an der HU Berlin.

Besonders kritisch sei die Enthüllungsplattform WikiLeaks zu sehen. Laut Volker Gerhardt ist WikiLeaks zwar nicht die Zukunft, sondern vielmehr eine Entwicklungsphase, die „Pubertät“ des digitalen Zeitalters. Bettina Gaus mahnt trotzdem zur Vorsicht und sieht in der Vorgehensweise der Enthüller von WikiLeaks, anonyme Dokumente von hoher politischer Brisanz zu veröffentlichen, ein grundsätzliches Problem des Internets: „Es wird vieles öffentlich gemacht, ohne dass die Konsequenzen bedacht werden.“ Durch die Veröffentlichung geheimer politischer Dokumente könne die Funktionalität bestehender Institutionen eingeschränkt werden.

Viel gefährlicher wird es jedoch noch, wenn in die Privatsphäre des Einzelnen eingegriffen wird. „Durch das Internet kann ich öffentlich werden, obwohl ich es gar nicht will“, beklagt Bettina Gaus. Leitlinien, an die man sich zum Beispiel im Journalismus hält, um die Privatsphäre anderer zu schützen, existieren im Netz nicht. Die Freiheit, die als Segen des Internets gefeiert wird, wird hier zum Fluch.

Besonders Shitstorms seien ein Problem, vor dem sich der Einzelne nicht schützen kann, findet auch Volker Gerhardt. „Um solche Persönlichkeitsverletzungen zu verhindern, müssen dringend institutionelle Veränderungen vorgenommen werden“, fordert der Philosoph, „Ich bin sehr optimistisch, dass das in Zukunft passieren wird.“ Bis es so weit ist, zähle vorallem der eigene Umgang mit dem Netz.  Niemand dürfe Inhalte veröffentlichen, die andere Personen bloßstellen oder verletzen. Das Internet muss endlich erwachsen werden.

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