von 18.04.2009

taz Hausblog

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Eine Teilnehmerin auf der taz-Akademie fragte mich heute: Macht ihr eigentlich auch verdeckte Recherchen bei der taz? Diese Recherchemethode, die Günter Wallraff in Deutschland einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht hat, findet sie besonders aufregend. Ich empfahl ihr ein Praktikum in der taz. Eine Praktikantin hat am Mittwoch in der taz das Ergebnis so einer Recherche veröffenltich. Bei den sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften in Berlin hatte sie mit mir jeweils einen Wohnungsbesichtigungstermin gemacht. Ein Wochenende lang ging es dann quer durch Berlin – von Charlottenburg bis Hohenschönhausen. Wir gaben uns als Wohnungssuchende aus und fragten auch nach dem Energieausweis. Seit Januar müssen alle Vermieter für alle Wohnungen so einen Ausweis haben und jedem potenziellen Mieter den Ausweis zeigen. Der soll so vergleichen können, wie gut die Wohnungen gedämmt sind, für die er sich interessiert – ob also später eher mit hohen oder niedrigen Heizungskosten zu rechnen ist. Eigentlich hätten wir am Ende der Recherche also sechs Energieausweise hätten sehen müssen. Doch die Vermieter hatten zwar oft viele Papiere dabei, der Energieausweis war aber nicht darunter.recherche

Die Vermieter erzählten auch viel Falsches über den Ausweis: Der sei nur für Wohnungskäufer, er sei erst ab nächstem Jahr Pflicht, und für den Mieter sowieso „irrelevant“. Nur in einem Fall lief alles so, wie es sollte. Alexandra schrieb in der taz auch noch die Hintergründe zum Energieausweis auf. Etwa, dass das Land Berlin im Bundesrat zusammen mit anderen Bundesländern verhindert hat, dass die Vermieter den Wohnungssuchenden auf Wunsch eine Kopie des Energieausweises in die Hand drücken oder ihnen das Papier unkompliziert zumailen müssen. Jetzt reicht es aus, wenn die Vermieter den Wohnungssuchenden zu einem Extra-Termin in die Verwaltung bestellen und den Ausweis vorzeigen – die darauf stehenden Daten muss sich dann jeder selbst abschreiben. Hier die ganze Seite als PDF.

So kann man sich um ein taz-Praktikum bewerben – schickt eure Unterlagen an:
die tageszeitung
Doris Benjack
Rudi-Dutschke-Straße 23
10969 Berlin

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kommentare

  • Interessanter beitrag, der im Wesentlichen auch meine Erfahrungen aus der Praxis bestätigt. Ich glaube nicht mal, dass die Eigentümer in der Mehrheit böswillig handeln, es herrscht einfach unglaubliches Unwissen, was mit Sicherheit auch an dem unüberschaubaren Wirrwarr von Einführungsfristen liegt.

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