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von 03.01.2014

taz Hausblog

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Von Frauke Böger

Die Zukunft des Journalismus soll ja in Gefahr sein, hört man. Das scheint die Zukunft des Journalismus aber nicht zu jucken. Jedenfalls sind da draußen haufenweise junge Menschen, die sich nichts anderes wünschen, als den Beruf des Journalisten zu ergreifen. Nicht einfach als Selbstbehauptung, sondern so richtig mit Ausbildung und so.

Auf unsere Ausschreibung für ein Volontariat mit Schwerpunkt Online haben sich gut 150 Menschen beworben. Mindestens zwei Drittel von ihnen hätten wir sofort nehmen können. Was man mit Mitte 20 schon alles hinter sich gebracht haben kann, ist durchaus beachtlich: Drei Fremdsprachen sind mittlerweile normal (und Spanisch ist keine besondere Sprache mehr), Studium ist keine Frage (die klassischen Laberfächer), gut organisierte Auslandsaufenthalte auch nicht – und dann natürlich ein Praktikum nach dem nächsten.

Vielleicht kratzt es die Zukunft auch nicht, dass niemand weiß, wie lange sich echter Journalismus nach klassischem Papiermuster noch finanzieren lässt, weil sie sonst keine Idee hat, was sie machen will? Könnte ja sein. In allen anderen Bereichen, in denen Geisteswissenschaftler wirken könnten, sieht es ja auch nicht so super aus mit unbefristeten Stellen und Altersvorsorge. Denn das ist ihr bestimmt wichtig, dieser Zukunft. Sie macht es ordentlich: kaum Brüche im Lebenslauf, geradeaus auf das Volontariat zu und schon die Frage auf den Lippen, ob man denn danach auch übernommen wird.

Man würde dieser Zukunft gerne sagen: Mach dich locker, fahr doch mal raus, verfahr dich und schau, wie du zurückkommst – wenn du dann noch zurück willst. Aber das wäre furchtbar altklug, und die jungen Leute würden es wohl nicht annehmen, sie sind viel zu entschieden. Oder zu unsicher? Das lässt sich nicht so richtig rauslesen aus den hübschen Lebensläufen. Diese sehen übrigens noch immer sehr klassisch aus, auch die Anschreiben haben diesen vertrauten, etwas steifen Ton, der einem sofort rausrutscht, wenn man das Wort Bewerbung auch nur denkt. Da hat sich also nichts geändert und wird es wohl nie.

Dass es sich um ein Online-Volontariat handelt, hatten allerdings die wenigsten so richtig auf dem Schirm. Was zwei Gründe haben kann: Sie haben darüber nicht weiter nachgedacht, weil es für sie nicht überraschend ist. Oder es ist ihnen egal, Hauptsache eine Ausbildung.

Die Entscheidung, wer denn nun das Volontariat bekommen soll, ist uns jedenfalls nicht leicht gefallen. Und nun zu sagen, um all diese Menschen müsse man sich aber keine Sorgen machen, würde vermutlich Empörung bei eben diesen auslösen: Denn nur weil jemand bisher alles so gemacht hat, wie es ein Berufsberater vorschlagen würde, heißt das noch lange nicht, dass er oder sie selbstbewusst wäre. Wie auch? Die Zukunft des Journalismus soll ja in Gefahr sein, hört man.

Frauke Böger, 31, leitet – mit Julia Niemann – die Online-Redaktion der taz

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kommentare

  • Dies geschieht über die Bildung von Nutzerprofilen, Suchalgorithmen und anderen Vorsortierungen. Eine hochspezifizierte, freie und pluralistische Gesellschaft braucht aber einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs. Für diesen öffentlichen Diskurs bedarf es des Qualitätsjournalismus. Der Journalist überprüft seine Informationsquellen, bürgt für sein Informationsprodukt. Er kann auch verantwortlich für seine Berichte gemacht werden.

  • Ach ja, und bei 149 Mitbewerbern locker bleiben? Super Ratschlag. Kann nur von einer Festangestellten kommen. Sehr zynisch. Aber typisch für Journalisten. Passt schon.

  • Tja, wie man’s macht, macht man’s falsch… Was wollen Sie eigentlich haben? Wenn Sie zeei Drittel von denen hätten nehmen können, wo ist das Problem. Lauter Studienabbrecher mit krummen Lebensläufen hätten Ihnen doch erdt recht nicht gepasst.

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