von 05.09.2012

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Die taz Panter Stiftung ermöglicht zwei Volontariate und eine Traineestelle in der taz, die Stiftung ist dafür auf Spenden und Zustiftungen angewiesen. Derzeit fördert die Stiftung Jasmin Kalarickal, Borjana Zamani und Jannis Hagmann. Hier schreiben die drei über ihre taz-Erlebnisse in Form eines Interviews mit sich selbst:

Jasmin Kalarickal, Borjana Zamani und Jannis Hagmann. Foto: Anja Weber
Jasmin Kalarickal, Borjana Zamani und Jannis Hagmann. Foto: Anja Weber

Seit einigen Monaten seid ihr bei der taz. Was war euer prägendstes Erlebnis?

Jasmin: Die erste große Konferenz. Es kann knallen und zwar so richtig. In der taz darf jeder jeden und alle alles kritisieren. So viel, wie sie oder er möchte. So eine Diskussionskultur ist produktiv und tazzig, aber manchmal auch total nervig. Man kann sich das vorstellen wie auf einem großen Familienfest: Es können die Fetzen fliegen, es kann emotional hoch her gehen, es gibt Grabenkämpfe, aber am Ende haben sich doch alle lieb.

Jannis: Die erste Party auf der Dachterrasse. So viel Bier gab’s sonst nur auf WG-Partys. Außerdem ist mir das Occupy-Camp vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt in Erinnerung geblieben, in dem ich für die taz ein paar Tage gezeltet habe.

Borjana: Mich haben die gestapelten Zeitungen, die pedantisch geordneten Notizbücher der Journalisten bezaubert. Dann noch, dass alle gemeinsam am gleichen Produkt arbeiten. Man hat immer einen Ansprechpartner, mit dem man sich austauschen kann. Das ist ein schönes Gefühl.

Ist die taz denn so, wie ihr erwartet hattet?

Jannis: Ich habe mir früher nur die taz gekauft, wenn ich wissen wollte, was die Ökos denken, die mit den Jutebeuteln, den Atomkraft-Nein-Danke-Buttons und dem Katzengeruch in den Haaren. Als Abonnent habe ich die taz dann besser kennengelernt, und jetzt, seit ich hier arbeite, stelle ich fest, dass tazler und tazlerinnen doch ganz normale Menschen sind.

Jasmin: Das hat mich nicht überrascht. Aber die Tatsache, dass viele in der taz nicht richtig Müll trennen können.

Jannis: Stimmt, einige hier schalten auch über Nacht ihre Rechner nicht aus. Das hat mich genauso überrascht wie das Motorsportverbot: Man darf nicht über die Formel 1 schreiben, weil das ja kein Sport ist. Da hat sich das Jutebeutel-Vorurteil dann doch bewahrheitet.

Und wie wurdet ihr in der Redaktion aufgenommen?

Borjana: Viele Redakteure sprechen mit mir auf Augenhöhe. Das beflügelt mich. Manche glauben aber, alle Praktikanten gehören in die gleiche Schublade – das hat mich überrascht. Insgesamt hat mich das Haus aber freundlich aufgenommen.

Jasmin: Als VolontärIn in der taz kann man schnell zur „verschiebbaren Menschenmasse“ oder zum „besseren Praktikanten“ werden. Ja richtig, es handelt sich hierbei um O-Töne. Das hört sich vielleicht schlimm an, ist es aber nicht, wenn man weiß, dass Praktikanten und Volontäre in der taz Narrenfreiheit genießen und ganz viel machen dürfen.

Jannis: „Verschiebbar“ ist mir etwas zu passiv. Man muss sich selbst verschieben, von einer Redaktion in die andere, von einem Thema zum nächsten. Das erfordert viel Eigeninitiative. Aber hin- und hergeschoben wird man nicht. Das mit dem „besseren Praktikanten“ mag sein, aber man muss auch sagen, dass es wirklich gute PraktikantInnen gibt. Ohne die wäre die taz nur halb so dick.

Und was habt ihr bisher gelernt?

Jasmin: Der erste Satz muss so bombig sein, dass sich der Leser sofort fragt: „Was möchte uns diese Jasmin Kalarickal sagen?“ Keine Ahnung, ob mir das schon gelungen ist. Ich arbeite daran, und zur Hilfe haben wir einen erfahrenen und engagierten Volobeauftragten.

Jannis: Vieles. Man macht ja regelrechtes Themen-Hopping. Für meine Artikel bin ich in die Geschichte des Kaffees, in die private Raumfahrt und ins Lottospielen eingestiegen. Aber ich habe auch gelernt, selbst aktiv zu werden. Chefs, die einem täglich sagen, was zu tun ist, gibt es nicht. Wer was machen will, muss dazwischenfunken und sich einbringen. Das ist für Neuankömmlinge nicht immer einfach.

Borjana: Ich habe beim Machen, aber auch beim Beobachten viel gelernt. Spannend war für mich, die Arbeit einer langjährigen Redakteurin zu beobachten. Ich fand sie toll. Ich habe mich gefreut, wenn ihr Gespräch gut lief, und mich geärgert, wenn sie nicht vorankam. Das hat mir viel gebracht, auch wenn ich nur emotional involviert war. Und durch meinen Mentor habe ich gelernt, mir selbst zu vertrauen. Das ist kein schlechter Gewinn.

Wenn ihr einen Wunsch hättet, was würdet ihr der taz wünschen?

Jannis: Ein neues Redaktionssystem und mehr Fahrradständer.

Borjana: Und ein wenig Zeit zum Durchatmen. Ich glaube, das würde jedem hier guttun. Für das Schreiben muss doch der Geist frei sein.

Und wie wird es für euch weitergehen?

Jannis: Hoffentlich ein zweimonatiger Aufenthalt im Libanon, aber die Bewerbung steht noch aus. Was danach kommt, weiß ich noch nicht.

Borjana: Ich hatte nur drei Monate hier, aber ich konnte ein paar Reportagen schreiben, die mir weitere Türen geöffnet haben. Hier bin ich in Schwung gekommen. Hoffentlich hält es an, schließlich will ich wiederkommen.

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https://blogs.taz.de/hausblog/volo-erfahrungen-in-der-taz-darf-jeder-jeden-und-alle-alles-kritisieren/

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kommentare

  • Also ich hier frage ich mich ja wieder (als arbeitssuchender „Was-mit-Medien“-Absolvent inkl. vorheriger Ausbildung…), ob ich vlt. den Arbeitsmarkt dieser Branche zu pessimistisch einschätze oder mich bisher einfach zur falschen Zeit auf die falsche Stelle beworben habe, denn was hat jemand, der die Sache mit dem Motorsport nicht weiß, bei der „taz“ verloren? Das ist kein Einzelfall: Ein Kommilitone, der ein bei der „taz“ ein Praktikum absolvierte, hatte zu jener Zeit noch etwas von Bascha Mika gehört…

  • Junge Menschen müssen ihre eigenen Erfahrungen machen.

    Fest steht: Die Kritikfähigkeit der TAZ ist äußerst beschränkt, insbesondere dann, wenn die so genannten Grünen und ihre Parteifuzzis ins Zentrum rücken.

    Ferner ist die Eigen-Kritikfähigkeit der TAZ äußerst beschränkt, wenn es um die Veröffentlichung von Leserkommentaren geht, die den Damen und Herren „zu weit“ gehen, auch wenn sie keine Beleidigungen etc. enthalten.

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