von 07.03.2009

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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frauentaz Die heutige taz-Ausgabe hat den Titel „Der neue Sexismus“ und in dem zwölf Seiten starken Dossier zum internationalen Frauentag schreibt Heide Oestreich über die Ergebnisse einer Umfrage unter uns taz-Redakteuren: Wie viele von uns benutzen eigentlich das „Binnen-I“ in ihren Texten? Wie viele von uns schreiben also zum Beispiel von „PolitikerInnen“? Wie viele benutzen dagegen lieber Wendungen wie „Politikerinnen und Politiker“? Und wie viele schreiben einfach nur von „Politikern“ und gehen davon aus, dass Frauen dann mitgemeint sind?

Das Ergebnis: Unter den 125 taz-Mitarbeitern, die bei der Umfrage mitgemacht haben, gibt es eine bunte Mischung. Nur eine Person benutzt immer das Binnen-I. 40 tazler benutzen es häufig, suchen aber auch nach Alternativen (z.B. „Studierende“). Zwölf benutzen es nur an einzelnen Stellen, wo es ihnen besonders wichtig ist. 26 benutzen das Binnen-I nicht, suchen aber Alternativen. Zwei finden, dass das Binnen-I die Zweigeschlechtlichkeit zementiert und andere Geschlechter diskriminiert. 44 benutzen das Binnen-I nicht und suchen auch nicht nach Alternativen.

Ich arbeite als Redakteur im Berlin-Ressort, wo ich zusammen mit einem Kollegen über die Landespolitik schreibe. Und ich gehöre zu den Redakteuren, die das Binnen-I nie verwenden. Der Grund: Ich glaube, dass mehr Leser darüber stolpern, wenn es im Text so ein Binnen-I gibt, als wenn es fehlt. Ich glaube: Durch das Binnen-I wird es etwas unhandlicher, meine Texte zu lesen.

Ich beschäftige mich in meinen Texten oft mit eher trockenen und komplizierten Themen. Und ich bin dabei Verständlichkeitsdogmatiker. Mein oberstes Ziel ist es, meine Texte den Lesern so leicht wie möglich zugänglich zu machen. Ich glaube: Das Binnen-I würde das etwas erschweren.

Meine Position ist aus zwei Richtungen angreifbar. Einmal kann man meine Annahme bezweifeln, dass wirklich mehr Leser darüber stolpern, wenn es im Text so ein Binnen-I gibt, als wenn es fehlt. Ich kann diese Annahme auch nicht belegen. Empirische Untersuchungen zu der Frage kenne ich nicht. Zweitens kann man meine normative Entscheidung, wonach das oberste Gebot die Verständlichkeit ist, angreifen. Man könnte stattdessen auch begründen, warum es wichtiger ist, ein politisches Zeichen zu setzen. Warum das Stolpern über das Binnen-I geradezu erwünscht ist. Oder warum es wichtiger ist, keine Sprache zu verwenden, durch die sich viele Menschen ausgegrenzt fühlen.

Heide Oestreich schreibt in ihrem Artikel, das Binnen-I sorge „offenbar für besondere Erregung. Jedenfalls fühlen sich die einen durch diesen ‚Stolperstein‘ angeregt, die anderen dagegen extrem belästigt.“ Ich gehöre da offenbar einer Minderheit an, denn für mich ist das Binnen-I keine besonders wichtige Frage. Ich habe zwar eine Haltung zum Binnen-I und ich kann sie auch begründen. Aber ich beanspruche nicht, dass meine Position die bessere ist. Wenn jemand anders zu anderen Schlüssen kommt und das Binnen-I verwendet, dann habe ich da kein Problem mit. Ich selbst würde es auch verwenden, wenn ich überzeugt wäre, dass es für die Leser verständlicher ist. Ich würde es auch akzeptieren, wenn eine deutliche Mehrheit der taz-Redakteure entscheiden würden dass eine Sprache, von der sich niemand ausgegrenzt fühlt, für die taz das oberste Gebot ist und wir daher alle das Binnen-I verwenden. Ich bin da einfach recht leidenschaftslos.

Übrigens werde ich wieder leidenschaftlich, wenn es um Vergewaltiger mit k.o.-Tropfen geht, um die diskriminierende Schlechterbezahlung von Frauen oder um die zu niedrigen Zuschüsse des Senates für Frauenprojekte, die dadurch ihre Arbeit nicht mehr so gut machen können, wie es notwendig wäre. Aber die Debatte um das Binnen-I ist keine, die mich sonderlich bewegt.

Und jetzt bin ich natürlich gespannt auf die Meinungen unserer Leser. Also: Was ist Ihre Position?

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https://blogs.taz.de/hausblog/warum-ich-kein-binnen-i-benutze/

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kommentare

  • Mein deutsch is slecht, ich bin kein deutcher so das darf.
    ABER was ich sagen will ist das die deutche spraachweize so totaal vol ist von sexismus, das diesem frage (die frage) selbst kein antwoord mehr braught.
    Eigentlich muss/soll es in turkish uberzets worden , da in turkish de sprache NUR ‚das‘ kent !!!
    und when ein frau und ein man einander kussen sagen die leute
    “ IT kisses IT “
    so, KEINE sexismus in turkische spraachweise ….

    So, nochmaal etwas andres:

    emanciperen/geleichwardig sein macht ein mensch SELBST !
    ein ander KAN ES NICHT FUR DICH !!

    so stopt mit klagen
    SEIT KEIN NEO_SEXSIST
    DU BIST GELEICH
    and lebt selber AUCH geleichwertig
    so das kein klagen kan GEGEN dich !!!!

  • durch das binnen-i ist noch keine frau emanzipierter geworden. außerdem muss ich das, was ich schreibe, auch ohne sinnentstellung aussprechen können. deshalb ein nein von meiner seite zum binnen-i. aber viel schlímmer finde ich die partizipform „studierende“ – schauderhaft..!

  • […] 5. “Warum ich kein Binnen-I benutze” (30jahre.taz.de, Sebastian Heiser) “Ich arbeite als Redakteur im Berlin-Ressort, wo ich zusammen mit einem Kollegen über die Landespolitik schreibe. Und ich gehöre zu den Redakteuren, die das Binnen-I nie verwenden. Der Grund: Ich glaube, dass mehr Leser darüber stolpern, wenn es im Text so ein Binnen-I gibt, als wenn es fehlt.” […]

  • zu „Ich benutze immer das Binnen-I, soweit es mir zugestanden wird. Das Argument mit der Lesbarkeit ist doch bei genauererem Hinsehen keins, denn dabei geht es um nichts weiter als Gewöhnung. Ich fühle mich oft schon irritiert, wenn das I (oder andere, ähnliche Schreibformen) fehlt. Denn Sprache konstruiert Realität, darum geht es bei dem Binnen-I, deswegen stolpert auch so mancheR und deswegen ist das Stolpern eher ein Argument dafür als dagegen.“

    nun, aber für die gegenmeinungen kann es gründe geben. was genau ist „feministische orthographie“ oder „emanzipatorische schreibweise?“

    ich gehöre zu der sorte leute, die über verbale emanzipation und rein sprachlichen feminismus nicht viel erübrigen können, und ich habe in meinen augen zu viele fälle an manifestierter menschlicher politischer haltung a la „emanzipatorisch“, „feministisch“, „antisexsistisch“ und ähnlichem gesehen, bei denen, wenn man genau hinschaut, viel mehr als der buchstabe dann doch nicht da ist.

    außerdem: wer will es der nächsten generation verbieten, einst „hart“ erkämpfte änderungen der orthographie nochmal auf den prüfstand zu stellen.

    meine absage an das binnen-i ist nicht eins, das sich mit dem argument der lesbarkeit zudecken wollen würde oder dies je getan hätte.

    ein „student“ ist für mich beispielsweise ein „student“, und zwar ein student“ m/w. auch „studi“ geht. wenn ich aber „StudentInnen“ schreiben soll, dreht sich mir der magen um.

    wie gesagt: der gehalt hinter dem buchstaben interessiert mich. gehälterunterschiede im wissenschaftlichen sektor (über jene im journalistischen bereich s.o. hinaus), chancengleichheit weiblicher studenten über die ersten semester hinaus.

    ich bin nicht nur nicht überzeugt davon, daß nicht das binnen-i zustände zu ändern imstande ist – ich bin „militant“ für meine ansicht zu streiten, daß genau das binnen-i dies nicht zu schaffen vermag.

    40% meiner argumentation bezehe ich jedoch aus der tatsache, daß sprache sich mit lebensgewohnheiten der die sprache nutzenden ändert. wir leben nciht mehr in den 60ern/70er jahren. es gibt keine sperrbezirke mehr, wir müssen nicht mehr für jedes land zumindest dieses kontinents extra bittgesuche oder visaanträge stellen, um uns ansehen zu können, wie andere leute so leben, was ihnen wichtig ist.

    „students“.

    „studenci“.

    und punkt.

    studenten. ob nun mit oder ohne rock,

    das ist und bleibt meine devise.

  • Ich benutze immer das Binnen-I, soweit es mir zugestanden wird. Das Argument mit der Lesbarkeit ist doch bei genauererem Hinsehen keins, denn dabei geht es um nichts weiter als Gewöhnung. Ich fühle mich oft schon irritiert, wenn das I (oder andere, ähnliche Schreibformen) fehlt. Denn Sprache konstruiert Realität, darum geht es bei dem Binnen-I, deswegen stolpert auch so mancheR und deswegen ist das Stolpern eher ein Argument dafür als dagegen.

  • beispielsweise würde ich die frage „rückverl-I-nkung oder nicht“ – auch ohne binnen-i schreiben.

    by the way, liebe taz.

    einen link zu einer seite, die immerhin an prädestinierter stelle zur taz.de hinüberlinkt, würde ich nicht ohne weisteres streichen.

    ähäm. so ein link kann andernorts sonst auch schnell weg sein (klingeling die leserklickzahlen und klingelingeling die werbeweinnahmen…)

    also zum beispiel einen solchen link hier:

    http://wikinews030.wordpress.com/2009/03/08/demonstration-gegen-thor-steinar-shop-in-friedrichshain-7marz-2009/

  • ich finde auch die zeilengelder, die frauen gezahlt werden katastrophaler als die orthographische emanzipations-gretchenfrage.

    ich schreibe keine binnen-i´s. weder kleine noch riesige. phallussymbole.

  • also mich stört das binnen-i meist ungemein. das ist quasi der punkt, der mich beim taz-lesen am häufigsten stört.

    wirklich schlimm ist es allerdings bei der studentenzeitung bei uns an der uni. da wird dann selbst an stellen, wo es eigentlich (zumindest zu über 99%) wirklich nur um männer geht, ein binnen-i eingeführt. dabei weiß doch eigentlich jeder denkende mensch, dass, wenn man „politiker“ schreibt, auch politikerinnen mit eingeschlossen sind.

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