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von 16.04.2011

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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taz-Leserin Brigitte Ostmeyer aus Holzgerlingen (Landkreis Böblingen, Baden-Württemberg) ist unzufrieden:

taz vom 13. April: Warum fehlt die Linke?
Ausriss aus der taz vom 13. April: Warum fehlt die Linke?
Warum werden in der taz Positionen der Linkspartei systematisch unterschlagen? Als taz-Leserin seit Jahrzehnten geht mir diese Ignoranz schon seit Langem auf die Nerven. Dass bei den Vorschlägen zum Atomausstieg (taz, 13. April, Seite 1) die Positionen von allen Bundestagsparteien außer der Linkspartei aufgeführt werden und bei CDU/CSU sogar vermerkt wird, dass es gar keine Position gibt, ist ein Armutszeugnis. Mit wenig Recherche wäre es möglich gewesen herauszufinden, dass die Linke sich für den sofortigen Ausstieg ausspricht und bei den Ausstiegsszenarien von allen Parteien am nächsten bei Greenpeace – 2015 – liegt. Einfach nur ärgerlich und undemokratisch.

Es antwortet Klaus Hillenbrand, als Chef vom Dienst der taz für die Seite 1 zuständig:

Von Systematik kann keine Rede sein. Vergleichen Sie die taz mit anderen deutschen Tageszeitungen, und Sie werden feststellen, dass die taz der Berichterstattung über die Linkspartei besonders viel Platz einräumt. Natürlich hätten wir auch die Position der Linken zum Atomausstieg in unsere kleine Tabelle aufnehmen sollen – ein bedauerlicher Fehler. Tatsächlich hat der Linkspartei-Vorsitzende Klaus Ernst bereits am 14. März auf einer Pressekonferenz „den sofortigen Ausstieg aus der Kernenergie, und zwar in der Bundesrepublik und auch weltweit“ verlangt.

Dass die Linkspartei in der Tabelle fehlte, mag auch daran liegen, dass deren Position zur Energiewende zwar besonders radikal erscheint, aber in der gesellschaftlichen Debatte bisher keine Rolle spielt. Offenbar ist selbst Greenpeace der Auffassung, dass die Bundesrepublik nicht sofort auf die Atomenergie verzichten kann. Leider sind mir keine näheren Details zum Ausstiegskonzept der Linkspartei aus der Atomenergie bekannt geworden.

Siehe auch: Klaus Hillenbrand erklärt, wie die Titelseiten entstehen, für die die taz berühmt ist

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kommentare

  • Angesichts der Tatsache, daß die rot-grüne Koalition mit „Rotkohl“ Schröder sicherlich nicht vergnügungssteuerpflichtig war (mit dem Wirtschaftsminister Müller als Vertreter der Energiemonopolisten am Kabinettstisch, ohne den der Atomausstieg sicher schneller gegangen wäre) und die Hartz-Gesetze in einer informellen Großen Koalition ausgeheckt wurden (wobei viele Grausamkeiten von der Union hineinverhandelt wurden), wird die Schmähkritik der Linken an den Grünen allmählich ermüdend (und durch ständige Wiederholung nicht richtiger). Der Fehler der Grünen war damals, das soziale Thema bei der SPD für gut aufgehoben zu halten; aus heutiger Sicht hätte Hartz IV z. B. niemals ohne gleichzeitige Einführung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns eingeführt werden dürfen (aber damals waren auch die Gewerkschaften noch nicht so weit, den zu fordern, weil sie noch längst vergangener Stärke nachtrauerten) (ganz abgesehen von der Überbetonung der Repression („Fordern“) und der zäh anlaufenden Förderungsseite).

  • Die Antwort von Klaus Hillebrand ist in der Tat etwas sehr ärmlich, weil die Bewertung, ob etwas realistisch ist, nicht der Job an der Stelle war. Und etwas Recherche wäre auch angemessen. Schließlich sind vielleicht auch die anderen Positionen unhaltbar bzw. vielleicht wäre auch ein sofortiger Ausstieg möglich mit entsprechenden zu benennenden Nebenfolgen.

    Mehr Informationen über die Linke als Bundestagspartei gerne auch, ohne sie und ihre nicht wenigen Wähler wird wenig gehen.

    Und dass die eigentlichen Themen Arm/reich/Arbeit/Finanzcasino nicht vergessen oder kleingeredet werden, das hoffe und erwarte ich doch von der taz weiterhin. Dass in dem Bereich rot-grün schlecht aussah und aussieht, darf nicht vergessen werden. Das ist DAS Thema, trotz Klimawandel, Atomkatastophen und Integrationsfragen, die sorry nur Nebenfragen sind aber derzeit gerne zur Ablenkung genommen werden. Und das ist ein Thema ganz unabhängig von der Linkspartei.

  • Wennstedich DIE LINKE nennst, stößte halt alle vor den Kopf, die das (nämlich LINKS) vielleicht schon waren, als du noch von Stalin geträumt hast, die womöglich Pazifisten waren, als du noch dein FDJ-Hemdchen im Schrank hängen hattest – mithin biste nichts, was in der (alt)bundesrepublikanischen Landschaft als ernstzunehmend LINKS zu vermelden gewesen wäre. Und während andere (KB, KBW) erst von Pol Pot geträumt, sich dann aber per Auflösung inclusive Geldschwemme (KBW Kommune etc.)ins bunte/linke Milljö eingefügt haben – ohne solches zu verheimlichen – und demokrat/in ihnen diesen Sprung vielleicht sogar als einen ehrlich gemeinten abnehmen kann (Trittin, Bütikofer, der künftige Ministerpäsident von BaWÜ …), sollte man „DIE Linke“ getrost weiterhin ignorieren… Was ernstgemeinter Journalismus natürlich leider nicht kann dort, wo die SED per Koalition oder Toleranz mitregiert. Zum Glück kann man die Leutchen ja auch „Linkspartei“ nennen, womit der anmaßenden Selbst-Benamsung als DIE (einzige, allgemeine, maßgebliche….) Linke zumindest etwas der Wind aus den Segeln genommen ist.

  • Einerseits ist es ja gut, dass Klaus Hillenbrand auf den Vorwurf antwortet, die Linkspartei werde in der taz systematisch unterschlagen. Die Antwort macht es aber eher noch schlimmer: Wie soll denn eine Position in der gesellschaftlichen Debatte je eine Rolle spielen, wenn sie von den Medien nicht beachtet und dargestellt wird? Das wäre die Aufgabe (nicht nur) der taz! Details zum Ausstiegskonzept der Linken könnte man außerdem ohne Weiteres recherchieren. Abgesehen von dem kaum belegbaren „systematisch“ teile ich B. Ostmeyers Kritik vollständig und finde es gut, dass das endlich mal von jemand gesagt wird.

  • Die Kritik ist absolut berechtigt. Ich ärgere mich seit Jahren über die Ignoranz den Linken gegenüber. Das Thema „arm – reich“ wird fast völlig vernachlässigt. Ich frage mich, woran das liegen könnte.

    Die einseitige Parteinahme der taz für die Grünen hatte ja zwischendurch seit Rot – Grün einen bedeutenden Dämpfer bekommen. Gut, die taz und die Grünen hatten Recht, was das Atomding anging. Aber das wusste jeder, der nachdenken konnte. Kein Grund zur Einseitigkeit.
    Aber Krieg? Soziale Demontage? Ist so eine Partei jemals wieder wählbar?
    Für mich keine Frage: Die taz ist einseitig parteiisch und versäumt das Thema der Zukunft.

  • Von einem aufeinander abgestimmten Energiekonzept kann angesichts des von mehreren Linken-Landesverbänden angestrebten dauerhaften Wiedereinstiegs in die nationale Kohleförderung auch keine Rede sein…

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