vonhausblog 12.09.2022

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„Für mich ist dieser Preis ein Kampfpreis“, ist sich Alessandra Korap Munduruku sicher. „Er steht für saubere Luft, intakte Wälder und für das Kollektiv der indigenen Völker Brasiliens.“ Der außerordentliche Aktivismus der 38-jährigen für ein Leben im Einklang mit der Natur wurde kürzlich mit der Überreichung des taz Panter Preises im taz-Gebäude in Berlin geehrt.

Die 38-Jährige ist Mutter und Vorsitzende verschiedener Vereinigungen, die sich für den Schutz indigener Gebiete und gegen den Raubbau in diesen Territorien stark machen. Insgesamt gibt es über 300 indigene Völker in Brasilien. Korap Munduruku ist am brasilianischen Fluss Tapajós im Volk Munduruku aufgewachsen. In ihrer Kultur wird in Verwandtschaftsformen gedacht – daher hängt der Name des Volkes an dem Namen der Person.

Verliehen worden war ihr der Leser*innenpreis für zivilgesellschaftliches Engagement schon 2020. Wegen der Corona-Pandemie konnte ihn Alessandra Korap Munduruku erst jetzt, im Rahmen einer Deutschlandreise, persönlich in der taz entgegennehmen. Und zwar im Panoramaraum des Pressehauses mit Blick auf den Berliner Fernsehturm, nachdem sich Munduruku und einige tazler*innen beim Mittagessen bereits in kleiner Runde ausgetauscht hatten. Dort wurde sie von Konny Gellenbeck, der Vorständin der Panterstiftung und Barbara Junge, Chefredakteurin der taz, empfangen.

Der Panterpreis ist ein mit 5.000 Euro dotiertes Unikat

„Alessandra Korap Murunduku ist die erste nichtdeutsche Preisträgerin“, erklärt Barbara Junge. Sie bedankt sich bei Korap Munduruku für Ihren Einsatz und betont wie wichtig es sei, gemeinsam gegen die Klimakrise aufzustehen. Der Panterpreis ist ein mit 5.000 Euro dotiertes Unikat: handbemalt und mit blumigen Motiven, die zum Thema Klima passen. Er ist das Werk der Künstlerin Ramona Schaelicke vom Atelier Blumenfisch. Diese Panterskulptur ist mit einer persönlichen Widmung für Alessandra Korap Munduruku versehen und findet nun ein neues Zuhause im brasilianischen Regenwald.

Für eine mehrtägige Städtereise durch die Bundesrepublik war die Aktivistin von verschiedenen Organisationen eingeladen worden, die Projekte in Brasilien unterstützen. Der Verein „Aktion Solidarische Welt e.V.“ ( ASW) begleitete Korap Munduruku in Berlin und in die taz. Ziel ihrer Reise: Die Deutschen über den Klimawandel im Amazonasgebiet aufzuklären und auch für die Probleme europäischer Importe wie Soja und Fleisch aus diesem Gebiet zu sensibilisieren. „Es klebt indigenes Blut an den Importwaren. Sie sollten boykottiert werden!“ forderte Alesandra Korap Munduruku.

Neben Wasserkraftanlagen und Schürflizenzen für den Bergbau stellt die illegale Landnahme ein großes Problem für das indigene Volk dar. Seine Territorien sind weitläufig und bis zu 400 Kilometer voneinander entfernt. „Wir müssen unser Land täglich schützen“, erklärt Munduruku. Kriminelle Organisationen betrieben illegalen Bergbau, Holzhandel und Landraub. Auf besetztem Land wird Vieh gezüchtet oder Soja angebaut. Der Umweltschutz, der umweltschädigendes Vorgehen eindämmen und überwachen sollte, wird unter Jair Bolsonaro systematisch geschwächt. Sowohl strukturell als auch finanziell.

„Es klebt indigenes Blut an den Importwaren“

Alessandra Korap Munduruku fordert daher die Grenzziehung der indigenen Territorien. „Terra sem lei“, zu deutsch, „Land ohne Gesetz“, beschreibt das Problem. Noch immer hat die Indigenen-Behörde FUNAI keine vollständige Grenzziehung für das Land der Indigenen Munduruku erwirken können. „Der Vorsitzende der Indigenen-Behörde Marcelo Xavier schützt uns nicht. Er erklärt im Gegenteil offen, dass er sich für die wirtschaftlichen Interessen einsetzt, die unser Land zerstören“, sagte die Aktivistin in Berlin.

abo

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Wegen ihres Engagements ist die Preisträgerin bereits bedroht und überfallen worden. Daher wurde sie in das Programm „Parlamentarier schützen Parlamentarier/ Menschenrechtsaktive“ aufgenommen. Ihr Pate ist der Bundestagsabgeordnete Anton Hofreiter (Grüne).

„Der Einsatz von Alessandra Korap Munduruku für eine klimagerechte Welt geht uns alle an, da die globale Krimakrise nicht ohne den Erhalt des Amazonas gestoppt werden kann“, erklärte Chefredakteurin Junge bei der Preisübergabe. Das kann Alessandra Korap Munduruku bestätigen: „Wir kämpfen für unsere Kinder und für unsere Territorien, aber wir kämpfen auch für die ganze Welt.“

Vom 17. September bis 15. Oktober findet die Leser*innen-Wahl des diesjährigen Panterpreises statt. Die Vorjury hat sechs Kandidat*innen nominiert.

Von Sean-Elias Ansa, taz-Ressort Wirtschaft & Umwelt 

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