vonHelmut Höge 21.08.2006

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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Was uns als erstes in Reykjavik auffiel, waren die Hummeln (Bumblebees): die Heckenrosen und andere blühende Sträucher waren voll von Hummeln. Wir sahen weder Bienen noch Wespen noch Schmetterlinge noch irgendwelche Fliegen – nur Hummeln in rauhen Mengen. Es gibt sie hier erst seit den Siebzigerjahren, wurde uns gesagt, eine Blitzrecherche im Internetcafé ergab jedoch: Es gibt drei Arten von Hummeln auf Island, eine – Bombus jonellus – bereits seit den Anfängen der Besiedlung der Insel (durch die Wikinger Anfang des 9. Jhds.). Die anderen beiden Arten – Bombus lucorum und Bombus hortornum – gelangten erst später mit Frachtschiffen nach Island. „Es genügt ja bereits eine einzige Hummel, um eine Population zu begründen,“ erklärte uns dazu der Berliner Biologe Cord Riechelmann telefonisch. Unser einheimischer Informant hatte die Hummel-Besiedlungsgeschichte wahrscheinlich mit der der Wespen verwechselt, deren Vorkommen aus Island in der Tat erst seit den Siebzigerjahren nachgewiesen ist. Von ihnen leben ebenfalls drei Arten auf der Insel, am häufigsten soll Dolichovespula norvegica sein. Wir fanden jedoch keine einzige Wespe in den Parkanlagen von Reykjavik und Umgebung.

„Und wie sieht es mit den Bienen auf Island aus?“ fragten wir Kaminers dortigen Lektor Kristjan Bjarki Jonasson, dessen Vater Landwirt ist – er züchtet Pferde und Schafe. „Nicht gut,“ meint er, „es gibt sie zwar, aber sie geben eigentlich keinen Honig, sie sind nur zum Bestäuben der Blütenpflanzen da.“ Die Bienenexperimente auf Island begannen in den Dreißigerjahren, als man einige Völker aus Norwegen importierte. Sie produzierten zwar 10 kg Honig in einer Saison, überlebten den langen und harten isländischen Winter jedoch nicht. Anfang der Fünfzigerjahre versuchte es eine Australierin in Reykjavik noch einmal – wieder mit norwegischen Bienen. Diesmal waren es ihre Nachbarn, die sie zwangen, die Bienen zu töten. Seit 1975 bis heute wird immer wieder versucht, aus Norwegen und Schweden importierte Völker auf Island heimisch werden zu lassen, wobei man auch mit verschiedenen Standorten experimentiert. Sie produzieren auch Honig, zwischen 10 und 15 kg, aber die meisten Völker überleben den Winter noch immer nicht und sie werden auf Island sehr aggressiv. Wahrscheinlich, weil sie sauer sind, dass man sie an einen Ort verschleppt hat, wo sie mittelfristig keine Überlebenschance haben (Bienen planen sehr langfristig). Aber die Isländische Imkervereinigung (BY) gibt nicht auf, jedes Jahr werden neue Völker eingeführt. Ihnen kommt natürlich die globale Erwärmung entgegen.

Man hat gesagt, England habe seinen Reichtum den Hummeln zu verdanken. Das muß man wohl so verstehen, dass die Hummeln vornehmlich die Kleeblüten bestäuben, und der Klee ist wiederum Nahrungsgrundlage für die Schafe. Bei der Beziehung zwischen Klee und Hummeln kann man geradezu von einer Symbiose sprechen, die französischen Marxisten Gilles Deleuze und Felix Guattari haben daraus ein ganzes Lebensmodell gemacht: „Werdet wie die Hummel und der Klee!“. Die nordischen Länder – Dänemark, Faröer, Aland-Inseln, Finnland, Island, Norwegen und Schweden – haben kürzlich die Hummel als Hauptelement für ihr gemeinsames Wappens gewählt. Das hat jedoch nichts mit ihrer Schafzucht zu tun, sondern damit, wie ihre südlicheren Nachbarn sie sehen: eine erfolgreiche Wirtschaft, die auf hohen Steuern und hohen Sozialausgaben basiert, so dass es im Ideal weder Reiche noch Arme dort gibt. Einige Biologen haben behauptet, gemäß ihres Gewichts und ihrer Flügelgröße dürfte die Hummel eigentlich nicht so gut fliegen können wie sie es tut. So haben auch einige US-Ökonomen behauptet, die nordischen Staaten dürften mit ihrer sausozialen Wirtschaftspolitik eigentlich gar nicht so erfolgreich sein wie sie es sind. Dies hat diese Staaten nun bewogen, die Hummel als ihr Wappentier zu wählen.

Sie gehört zu den Stechimmen (Aculeata), bildet jedoch im Gegensatz zu den Bienen nur so genannte Sommerstaaten. Dazu muß die Königin, wenn sie im Frühjahr erwacht ihre ersten Waben selber bauen und auch ihre Brut erst einmal selber füttern – mit Pollen. Dann übernehmen jedoch die von ihr großgezogenen Töchter (Arbeiterinnen) alle weiteren „Pflichten“ wie Nestbau, Brutpflege und Nestverteidigung. Je nach Art leben schließlich 50 bis 500 Hummeln in einem Nest. In Deutschland gibt es rund 30 Arten, wobei einige vom Aussterben bedroht sind. Im Sommer fängt die Königin an, unbefruchtete Eier zu legen, aus denen männliche Hummeln (Drohnen) werden, zudem werden aus einigen befruchteten Eiern Königinnen gezogen, indem die Larven eine besondere Nahrung bekommen – so nimmt man jedenfalls in Analogie zu den Bienenköniginnen an.

Diese „Vollweibchen“ verpaaren sich auf alle Fälle im Spätsommer und suchen sich dann Erdlöcher, in denen sie überwintern. Das restliche Volk stirbt dagegen ab, inklusive der Männchen und der alten Königin. Es gibt hier also keine (tödlichen) Kämpfe wie bei den Bienen, sondern das kälter werdende Wetter übernimmt diese langsame Auslöschung – je nach Art geschieht das zwischen Ende August und Oktober. Das Nest wird im darauffolgenden Jahr auch nicht wiederbesiedelt, es zerfällt.

„In Island gibt es Jahre, da man nach besonders langen und harten Wintern keine Hummeln mehr sieht, aber dann sind sie plötzlich doch wieder da,“ so unser Informant Kristjan Bjarki Jonasson. Hinzugefügt sei, dass die Insel früher stark bewaldet war, aber dem Schiffs- und Hausbau sowie auch den Heiz- und Räucheröfen fielen nach und nach fast alle Bäume zum Opfer, hinzu kam noch eine Überweidung durch zu viele Schafe. Dieser Verwüstungsprozeß ist jedoch seit Jahrzehnten rückläufig: Erst einmal werden jährlich 8 Millionen neue Bäume auf der Insel gepflanzt und zum anderen gibt es auch immer weniger Schafe – wird die Landwirtschaft überhaupt immer weniger wichtig für die isländische Wirtschaft. Beides kommt den Hummeln zugute – und damit auch den Überlebenschancen ihrer Königinnen selbst in langen und harten Wintern. Und dies trägt wiederum entscheidend zur Vermehrung der isländischen Pflanzenwelt bei:

„Hummeln sind ausgezeichnete Bestäuber, die durch ihre lange Zunge und das so genannte Vibrationssammeln besonders gut tiefe Blüten bestäuben können. Sie werden daher inzwischen rund um das Jahr für die Bestäubung im Gewächshaus gezüchtet. Allerdings haben sie auch zahlreiche Gegenspieler. So gibt es Kuckuckshummeln (Gattung Psithyrus) die die Nester ihrer Verwandten übernehmen und ihren Nachwuchs von den Arbeiterinnen aufziehen lassen. Der schlimmste Gegenspieler ist jedoch die moderne Landwirtschaft: Das Abmähen blühender Flächen, Insektizideinsatz und Monokulturen haben gerade im ländlichen Raum zu einem dramatischen Artensterben geführt, so dass sich viele Hummelarten inzwischen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten finden lassen,“ schreibt der Bund für Naturschutz (NABU), der die Steinhummel zum „Insekt des Jahres 2005“ erklärte.

Abschließend sei noch die aufgrund eines untermeerischen Vulkanausbruchs 1963 aus dem Atlantik aufgetauchte Insel Surtsey südlich von Island erwähnt. Dort befinden sich heute nur einige Forschungsstationen, die Insel darf nämlich nur zu wissenschaftlichen Zwecken betreten werden, sie soll in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen werden. Bereits zwei Jahre nachdem Surtsey aus dem Wasser aufgetaucht war (der höchste Punkt ist 154 Meter hoch), siedelten sich dort Moose und Flechten an (Flechten sind eine Symbiose aus Pilz und Alge), zunächst vor allem in der Nähe des Austritts von heißem Dampf aus der Erde. Ab 1970 gab es auf Surtsey schon die ersten höher entwickelten Pflanzen wie Meersenf, Strandhafer, Salzmiere und Austernpflanzen. Die Wissenschaftler schätzen, dass 75% der Gefäßpflanzenarten von Vögeln dort hingebracht wurden, 14% durch den Wind und 1% über die Meeresströmung. Aber erst nachdem sich Vögel dort niedergelassen hatten, stieg die Qualität des Bodens und gediehen die höher entwickelten Pflanzen. Umgekehrt ist jedoch auch das Wachstum der Vogelpopulationen auf der Insel von den Pflanzen dort abhängig.

1998 wurde der erste Busch auf der Insel entdeckt – eine Weidenart. Bis jetzt hat man über 60 Pflanzenspezies dort identifizieren können, jedes Jahr erreichen zwei bis fünf neue Arten die Insel. 1966 nisteten die ersten Vögel (der Eissturmvogel und die Trottellumme) auf Surtsey. Seit 1986 gibt es eine Seemöwenkolonie auf Dauer dort. 1999 waren es schon 300 Paare, die aufgrund ihrer Anzahl einen großen Einfluß auf das Pflanzenleben der Insel hatte. 2004 nisteten die ersten Papageientaucher auf der in etwa 100 Jahren wahrscheinlich wieder verschwundenen Vulkaninsel.

Wie Cord Riechelmann im selben Jahr an der Nordspitze Irlands herausfand, ist die dortige Papageientaucher-Kolonie auf der Suche nach neuen Lebensräumen. Papageientaucher leben vorwiegend von Sandaalen und diese verschwinden langsam wegen der Meereserwärmung an den Rändern des Atlantiks – in Irland, Schottland und Norwegen. Auf den Brutfelsen von Rathlin Island, so beobachtete Cord Riechelmann, konnten die Papageientaucher schon kaum noch Jungen großziehen. Und nicht nur dort:

„Disaster at sea: global warming hits UK birds“ – die globale Erwärmung trifft britische Vögel, titelte z.B. eine englische Zeitung: „Was der Independent berichtet, ist tatsächlich ein Desaster. Auf den Orkney- und Shetland-Inseln im Norden Großbritanniens hat kaum ein Seevogel in diesem Jahr Junge großgezogen. Von den 16.200 Paaren der Dreizehenmöwe, die auf Shetland in Kolonien in den Felsen brüten, war der Bruterfolg nahezu null. Die 1.200 Paare von Trottellummen im Süden Shetlands nahe den Klippen von Sumburgh Head haben nicht ein einziges Küken großgezogen. Während die 6.800 Skua-Pärchen von Shetland gerade einmal zehn Küken zur Flugreife brachten. Die katastrophalen Zahlen für den Nachwuchs sehen für Gryllteisten, Küstenseeschwalben und Tordalke nicht viel anders aus. Unsicher sind nur die Nachwuchswerte für die Papageientaucher, was daran liegt, dass die Vögel in Höhlen brüten, in denen man weder die Eier noch die Jungen zählen kann.

Zum Zeitpunkt des Independent-Artikels waren die Jungen noch nicht ausgeflogen, beziehungsweise hatten sich die ‚Puffins‘ noch nicht zum Abflug versammelt, eine Zählung war also noch nicht möglich. Man kann aber davon ausgehen, dass die Werte nicht viel anders ausfallen werden als bei den bereits erwähnten Arten. Denn auch Papageientaucher ernähren sich von kleinen Fischen, in der Hauptsache von den kleinen schlanken Sandaalen. Und damit ist man den Ursachen der Katastrophe schon ziemlich nahe.

Sandaallarven benötigen bestimmte Wassertemperaturen, um zu überleben. Die Population der Fische ist in den letzten Jahren im Meer um die nordbritischen Inseln stetig zurückgegangen, und das in Abhängigkeit von der langsam wärmer werdenden Nordsee. In diesem Jahr sind sie allerdings das erste Mal ganz ausgeblieben. Experten wie der Leiter der Royal Society in Shetland, Peter Ellis, sehen eine direkte Verbindung zwischen der Erwärmung der Nordsee um zwei Grad in den vergangenen zwanzig Jahren und der Vernichtung der Sandaalpopulation. Mit dem wärmer werdenden Wasser verändert sich die Planktonzusammensetzung und damit die Nahrungsgrundlage für die Folgekonsumenten in der ansteigenden Nahrungskette. Seevögel, die sich von Sandaalen ernähren, müssen längere Wege zurücklegen, um die nötige Nahrung zu finden. Reicht es nur noch für die Selbsterhaltung, brüten sie nicht mehr oder lassen ihre Brut verhungern.“

Zurück zur Entwicklung von Flora und Fauna auf der isländischen Vulkaninsel Surtsey: Dort tauchten nach und nach erst einmal immer mehr Zugvögel auf: Singschwäne, Gänse und Raben z.B.. Die Felsen liegen zwar abseits ihrer üblichen Zugrouten, aber wegen der sich dort entfaltenden Vegetation lohnt sich für immer mehr Arten der Umweg. Dies gilt inzwischen für insgesamt 89 verschiedene Arten. Robben wurden schon bald nach der Entstehung von Surtsey entdeckt, 1983 wurden die ersten Kegelrobben und Seehunde mit Nachkommen, zunächst in dem der Erosion weniger ausgesetzten Nordteil der Insel, beobachtet. Die Anwesenheit der Robben zog wiederum ihren Freßfeind, den Großen Schwertwal, in die Gewässer um Surtsey.

Die ersten Insekten, die sich dort niederließen, waren Fluginsekten, später erreichten auch einige Insekten auf Treibholz sowie über lebende und tote Tiere die Insel. 1975 wurden die ersten Springschwänze registriert, 1993 die ersten Regenwürmer bei Bodenproben entdeckt, Schnecken gibt es dort seit 1998, daneben haben sich auch Spinnen und Käfer angesiedelt. Insgesamt gibt es nun rund 133 Fliegenarten, 62 Milbenarten, 19 Schmetterlingsarten, 10 Spinnenarten, 5 Käferarten und 2 Wurmarten auf Surtsey und außerdem – Hummeln!

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https://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2006/08/21/hummeln-auf-island-und-drumrum/

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kommentare

  • Die „aktion-hummelschutz.de“ meldet:

    Hummeln werden immer seltener. Für Großbritannien ist das Aussterben von drei der 25 Hummelarten in den letzten Jahrzehnten belegt.

    Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Die Zerstörung natürlicher Lebensräume und der Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft, mittlerweile auch die Bedrohung durch künstlich erzeugte Artgenossen, die Krankheitserreger verbreiten, führen zum Verlust von Bestäubern.

    Mittlerweile – und das ist die gute Nachricht – hat auch die Wirtschaft die Bedeutung der Insekten erkannt. Für die USA wird der Wert einer Bestäubung von Kulturpflanzen durch Bienen und Hummeln pro Jahr auf 30 bis 60 Milliarden Euro geschätzt, andere Quellen geben noch höhere Zahlen an. Die Eisfirma Häagen-Dazs stellt Forschungsgelder bereit, um auch in Zukunft Früchte ernten zu können.

  • bild der wissenschaft vermeldet unter der Überschrift „Hummeln mit Herdentrieb“:

    Hummeln vertrauen bei der Wahl ihrer Futterpflanze auf ihre Artgenossen: Wenn die Insekten auf eine unbekannte Pflanze treffen, beginnen sie nur dann den Nektar dieser Blüte zu sammeln, wenn bereits eine andere Hummel auf dieser Nektar saugt, haben britische Forscher herausgefunden. Finden die Hummeln jedoch eine ihnen bekannte Pflanze, verlassen sie sich lieber auf ihre eigene Erfahrung und entscheiden selbst, ob sie die Blume anfliegen.

  • In ihrer Ausgabe vom 8.4.2009 befaßt sich die FAZ erneut mit den Hummeln:
    „Europäische Hummeln setzen japanischen Hummeln zu“

    Wie Biologen um Natsuko Ito Kondo vom Nationalen Institut für Umweltstudien in Tsukuba herausgefunden haben, paaren sich männliche Erdhummeln (Bombus terrestris) überraschend häufig mit den Weibchen zweier Unterarten der japanischen Spezies Bombus hypocrita. Auf den Inseln Hokkaido und Honshu traf das auf bis zu 30 Prozent der mit Gentests untersuchten Königinnen zu. Das berichten die Forscher in der Zeitschrift „Naturwissenschaften“. Die Spermien führen zwar zur Befruchtung, aber es entwickeln sich keine lebensfähigen Nachkommen. Da sich die Weibchen gewöhnlich nur einmal im Leben paaren – und dadurch zu Königinnen werden, kommt das einer Sterilität gleich.

    Die europäischen Erdhummeln sind weltweit als Bestäuber im Gemüseanbau gefragt. Auch wenn man die importierten Hummeln schon ihres hohen Preises wegen meist nur in Gewächshäusern aus ihren Kartons entlässt, gelangen doch immer wieder welche ins Freie. In Japan versucht man seit einigen Jahren, durch strenge Sicherheitsvorschriften die Ausbreitung einzudämmen.

  • Hummeln verschrammen die Blumen oder betrügen sie schamlos!

    In ihrer heutigen Ausgabe befaßt sich die FAZ mit „Darwins Hummeln“ – u.a. geht es darum, dass viele Hummeln nicht auf dem dafür vorgesehenen Weg zum Nektar der Blüten gelangen, wobei sie sie dann bestäuben, sondern von der Seite, indem sie kleine Löcher in die Blüten bohren oder beißen. Das war auch schon zu Darwins Zeiten bekannt, weswegen ein Blumenzüchter dann auch 1841 im „Gardener’s Chronicle and Agricultural Gazette“ vorschlug, da die nichtsnutzigen Hummeln ja augenscheinlich die Pflanze um eine Gegenleistung für ihre großzügige Bewirtung getrügen würden, sie totzuschlagen und ihre Nester zu zerstören. Das fand bei Darwin jedoch keine Zustimmung. Er antwortete dem Autor:
    „Es wäre ein Jammer, diese fleißigen, glücklich wirkenden Geschöpfe mit solcher Strenge bestraft zu sehen.“ Zumal Liebhaber schöner Blumen sogar dankbar sein könnten, wenn die Hummeln trickreich auf kürzestem Weg zur Nektarquelle vordringen, statt sich durch den offiziellen Eingang zu zwängen. Denn dabei, so bemerkte Darwin, hinterlassen sie an zarten Blütenblättern mitunter hässliche Schrammen.

  • Man denkt immer, Russland sei das Land der Schachspieler, Island ist es jedoch noch viel mehr. Die Isländer spielen sogar Schach auf einem schwimmenden Brett in der Blauen Lagune, einer Badeanstalt, die von einem Geysir gespeist wird. In dem dazugehörigen Hotel logiert nebenbeibemerkt Milan Kundera oft und gerne. Die Isländer wundern sich darüber, denn ringsherum gibt es dort nur Lavawüste.

    Der Literaturwissenschaftler George Steiner schrieb einmal ein Buch über das Weltmeisterschafts-Schachspiel 1972 Bobby Fisher gegen Boris Spasski – in Rejkjavik. Dort beschäftigte er sich auch mit der Schachleidenschaft der Isländer, in deren nordischen Mythen das Spiel sogar schon erwähnt sein soll.Noch heute wird das Schachspielen in der Schule gefördert.

    Bobby Fisher trat nach der Wende noch einmal gegen Spasski an – in Belgrad. Damals hatten die Amis gerade ein Handelsembargo gegen Jugoslawien/Serbien verhängt – und Fisher mußte sich deswegen nach dem Spiel vor einem US-Gericht verantworten. Er zog es jedoch vor, erst in Jugoslawien unter zu tauchen und dann nach Japan zu ziehen, wo er seine jetzige Frau kennen lernte und heiratete. Als er ausgelifert werden sollte, bot Island ihm Asyl an. Und dort ist er nun. Er lebt im Zentrum von Rejkjavik, hat einen Bart und ein großes Handy am Gürtel und sitzt fast jeden Tag vor der Tür des größten isländischen Antiquariats an einem kleinen Tisch – und spielt mit jemandem Schach. Vielleicht auch mit sich alleine.

    Spasski hatte sich einmal beklagt, dass Fisher ihn gänzlich ignoriert hätte, George Steiner erklärte das damit, dass Bobby Fisher als Vierjähriger bereits ein Schachspiel geschenkt bekam von seiner Mutter, die mit der Erziehung seiner Brüder überfordert war und wollte, dass er sich allein beschäftigte. Anhand der Gebrauchsanweisung brachte Bobby sich die Schachregeln bei. Und erst mit sieben entdeckte er, dass man Schach auch zu zweit spielen kann, als er einmal in einem Park Schachspielern begegnete.
    (Moritz Klaasen)

  • Klaus Grothe:

    Die Hummeln haben viele Freunde. In Israel wird die Erdhummel (Bombus terrestris) gezüchtet, „damit sie bei der Bestäubung von Nutzpflanzen hilft“.Biologen haben dort jetzt herausgefunden, dass es große und kleine Erdhummeln gibt, erstere fliegen tagsüber aus, um Nektar und Blütenstaub zu sammeln, letztere bleiben im Nest und kümmern sich um den Nachwuchs – „in Nachtschicht“, wie das Hummelorgan FAZ schreibt. Der Tagesrythmus der ersteren geht auch dann nicht verloren, wenn sie ständig im Dunkeln bleiben, schreiben die Forscher von der Hebräischen Universität in Jerusalem im Journal of Experimental Biology, Bd. 209, S. 1044.
    Im fortgeschritteneren Alter von etwa einer Woche entwickeln allerdings laut FAZ auch etliche kleine Hummeln jenen spontanen Aktivitätsrythmus,der bei ihren größeren Schwestern den Tagesablauf strukturiert: „Ein Hummelvolk muß schließlich flexibel bleiben“.

    Bei den Bienen ist das anders organisiert. Davon soll hier aber nicht die Rede sein. Bienen haben nicht nur viele Freunde, sondern auch noch mehr Forscher am Hacken. Sogar Dichter: der Dresdner Marcel Beyer hat nicht nur ganze Langpoeme über Bienen geschrieben, neulich stellte er auch einen interessanten Vergleich an über die Bienen und der Bienenstock beim Dichter Ossip Mandelstam sowie beim Generalsekretär Josef Stalin (in der Berliner Zeitung).
    Beyers Freund und Dichterkollege Thomas Kling hat sich derweil den Wespen gewidmet. Und Gedichte über Hummeln gibt es gleich dutzendweise, einige Dichter (und Komponisten) heißen sogar Hummel mit Nachnamen.

    Schmerzlich vermissen müssen wir bisher leider Gedichte und Lieder über Hornissen, auch begeisterte Zuchterfolge, interessante Beobachtungen und ähnliches gibt es bisher wenig dazu. Die Hornisse ähnelt der Hummel sehr:

    „Sie ist die größte in Mitteleuropa lebende soziale Faltenwespe. Die Körpergröße der Königin beträgt bis zu 35 Millimeter, die der Arbeiterinnen 18 bis 25 Millimeter und die der Drohne 21 bis 28 Millimeter. Sie bildet einjährige Staaten. Ihr Flug erinnert eher an den eines großen Käfers als an den einer Wespe. Weltweit sind bisher zehn geografische Farbformen beschrieben worden. Die Königin gründet im Frühjahr allein ein Nest, indem sie die erste Wabe und den Beginn einer Schutzhülle aus einer papierartigen Masse aus zerkautem Holz fertigt. In diese Wabe legt sie befruchtete Eier, aus denen Larven schlüpfen, die sie selbst bis zur Verpuppung mit Insekten füttert. Aus diesen Larven entstehen Arbeiterinnen, auch Hilfsweibchen genannt, die der Königin dann fast alle Arbeiten abnehmen.

    Im Herbst – auf dem Höhepunkt der Volksentwicklung – schlüpfen junge Königinnen und Männchen (Drohnen). Die Drohnen entstehen aus nicht befruchteten Eiern, haben also nur einen Satz Chromosomen. Allein die begatteten jungen Königinnen überwintern. Der Rest des Volkes stirbt spätestens beim ersten Nachtfrost. Das alte Nest wird im nächsten Jahr nicht wieder besiedelt.“ (Wikipedia)

    Hornissen gelten als agressiver denn Hummeln und ihre Stiche als sehr viel schmerzhafter. Dennoch findet man bei einigem Suchen (im Internet) natürlich auch Hornissenfreunde (Horny-Fans nennen sie sich selbst). Einer schreibt – im August 2006:

    „Hallo,
    haben seit einigen Tagen Besuch von einigen Hornissen.(Zeitweise bis zu 30 Tiere).Um sie davon abzuhalten unserem „schönen“ Flieder die Rinde abzunagen,
    haben wir jetzt kleine Teller mit Zuckerwasser dort angebracht, wo sie sich am meisten aufhalten.-War ein Tip von Bekannten und scheint gut zu funktionieren.
    Auch Fliegen finden „reißenden“ Absatz.Sie werden direkt aus der Pinzette abgenommen.- Keine aggressiven Tiere weit und breit (wie einige Leute immer wieder denken).
    Leider konnten wir das Nest bisher nicht finden, aus dem unsere „Besucher “ kommen.Wie weit fliegen eigentlich Hornissen zur Nahrungssuche? Findet man dazu irgendwo Info‘s?
    Gruß Horny-Fan“

    Ansonsten sind jedoch auch die „Hornissen-Foren“ voll von Hornissen-Gefahren, Hornissen-Stichen, Hornissen im Kamin, in der Wohnung etc..Als ich 1964 für ein Insektarium einmal Bienen, Hummeln und Wespen einfing, ließ ich die Hornissen ebenfalls als Studienobjekt links liegen – sie schienen mir zu gefährlich zu sein.

  • Wladimir Kaminer:

    Aus der Rede des Moskauer Bürgermeisters Luschkow auf dem Plenum der russländischen Bienenzüchter am 23.08:

    „Unser Hauptproblem ist die Erhaltung der russischen Biene. Viele sagen – künstliche Befruchtung. Aber wie? Die Russin fliegt 80 Kilometer die Stunde, damit nur die Stärksten an sie herankommen. Sollen wir sie flach legen, auf den Rücken oder wie? Und viele Züchter sagen, na, ich nehme die kaukasische, die ist langsam. Wir dürfen aber nicht die russische Biene aufgeben. Die grauen kaukasischen sind diebisch, faul und langsam. Viele nehmen sie und sagen, sie sind besser, weil sie nicht stechen. Das kennen wir.“

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