vonHelmut Höge 08.11.2008

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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„Früher gehörte dem die Welt, der ein gutes Pferd und eine Stunde Vorsprung hatte. Das ist vorbei.“ (Ettohciuq Nod)

Was im Internet nicht alles als „Donquichotterie“ abgetan wird… Unglaublich! In den „Grundrissen“ schrieb Karl Marx: „Wenn wir nicht in der Gesellschaft, wie sie ist, die materiellen Produktionsbedingungen und ihnen entsprechenden Verkehrsverhältnisse für eine klassenlose Gesellschaft vorfänden, wären alle Sprengversuche Donquichotterie“. Rosa Luxemburg kam später in ihrer Kritik an Eduard Bernsteins Revisionismus noch einmal auf diese Anspielung auf Cervantes zurück: „Da sind wir glücklich bei dem Prinzip der Gerechtigkeit angelangt, bei diesem alten, seit Jahrtausenden von allen Weltverbesserern in Ermangelung sicherer geschichtlicher Beförderungsmittel gerittenen Renner, bei der klapprigen Rosinante, auf der alle Don Quichottes der Geschichte zur großen Weltreform hinausritten, um schließlich nichts andres heimzubringen als ein blaues Auge.“

1977 beging ich einmal mutwillig eine solche „Donquichotterie“, indem ich mich mit einem Pferd plus Satteltasche auf den Weg machte. Jeder hat seine Fluchtlinie, meine war „nach Süden“ hin, wohl wissend, dass auch dort die Revision bzw. Reaktion sich erholte und erhob. Unterwegs arbeitete ich bei einigen Bauern. Als der Arbeitgeberpräsident Schleyer entführt wurde – und die ganze BRD daraufhin von einer Terrorparanoia erfaßt wurde, da erwies sich mein Pferd als ein wahrhaft trojanisches, insofern es mir überall bei den pferdenärrischen Bauern Zutritt verschaffte – und damit Arbeit. Während wir aber so zu zweit auf den Kämmen der Hochgebirge durch den regnerischen Deutschen Herbst dahinstapften – ich ritt nicht, sondern ging neben dem Pferd her, das mein Gepäck trug – da kam ich mir manchmal doch vor wie der Ritter von der traurigen Gestalt und meine junge Hannoveranerstute glich mehr und mehr dem alten Klepper Rosinante. Obwohl ihr das Immer-Geradeaus-Gehen in Richtung Süden eigentlich gut tat und ich sie als Zweibeiner auch kaum überforderte.

In meiner Satteltasche befand sich neben der „Wesentlichen Einsamkeit“ von Maurice Blanchot das ebenso schmale Bändchen „Legende von der Unruhe“ von Wladimir Kosin. Das eine war kurz zuvor in Westberlin, das andere in Ostberlin erschienen. Kosin hatte sich 1929 zusammen mit vielen anderen Spezialisten und Generalisten als Zoologe am Aufbau des ersten Sowchos in Turkmenien beteiligt: „Scharenweise irrten sie kreuz und quer durch die russischen Lande, hefteten sich dem allgegenwärtigen, ach so rätselhaften Sozialismus an die Fersen.“ Vierzig Jahre später erzählte Kosin die Schaffung einer „Insel des Sozialismus“ in der Wüste Karakum als eine  Schöpfungslegende:  Die Pioniere sind teils in Lumpen, teils in Lackstiefeln gekleidet, als erstes besetzen sie alle Führungspositionen. Aber dann tritt der sprachmächtige „Ritter der Revolution“, Nomad, und sein tatkräftiger Gefährte Iwan, „der sich stets in die Richtung bewegt, in die er gestossen wird“, auf den Plan – und die Sache kommt in Gang. Irgendwann ist Nomad das Ganze jedoch nicht mehr schwungvoll genug: Er will weiterziehen – mit seinem Gefährten Iwan, der eigentlich lieber im Sowchos geblieben wäre: Man hatte ihn dort  gerade vom Pferdeknecht zum Oberstallmeister befördert. „Aus der Distanz der 60er Jahre lässt Kosin seine ‚legendären‘ Helden in komischen und tragischen Episoden die ‚Schöpfungstage‘ des Sozialismus vorspielen,“ heißt es dazu heute in einem Antiquariatskatalog. Der Hauptkonflikt des Romans – Sozialismus oder rosaroter „Gnomensozialismus“ – liegt in dem Widerstreit zwischen dem revolutionären Geist Nomad, dem ewig jungen und sehnsüchtig Verliebten, der aus der Wüste einen Garten machen will, und Antiochus, dem Symbol selbstgefälligen Funktionärstums, der, ehemals Revolutionär, den Versuchungen der Macht erlegen ist.

Das erinnert an Erwin Strittmatters „Ole Bienkopp“, der seine Kolchose noch vor der Bodenreform gründen wollte – und ebenfalls bei den Funktionären auf heftigen Widerstand stieß. Auch er also ein (gescheiterter) Don Quichotte. 1989 erging es mir ähnlich, da ich als reingeschmeckter Rinderpfleger mithelfen wollte, die LPG Tierproduktion „Florian Geyer“ in Saarmund über die Wende zu retten – vergeblich: Schon eine kleine 12köpfige Demo vor der Schweinemastanlage reichte z.B. aus, damit der Rat des Kreises sie sofort schließen ließ.

Nun ist das Originalepos von Miguel de Cervantes – pünktlich zur Buchmesse –  noch einmal neu bearbeitet worden. Eine Journalistin fragte die Übersetzerin Susanne Lange: War das nötig? Und sie antwortete: „Die meisten kennen den Roman nur vom ersten Teil her mit den komischen Episoden, wenn Don Quichote immer wieder Prügel bezieht und immer wieder scheitert oder gegen Windmühlen kämpft usw. Im Grunde sind das aber bloß Episoden am Rande. Der Roman ist eigentlich ein langes Gespräch zwischen zwei Leuten, die die ganze Zeit nebeneinander herreiten. Wie sich diese beiden Figuren anhand dieser Gespräche entwickeln, das ist das Interessante und Spannende. Sie beeinflussen sich gegenseitig. Sancho Panza ist zunächst der Bauer, der weder lesen noch schreiben kann und der am Anfang als nicht besonders hell bezeichnet wird. Im Gespräch mit Don Quichote entwickelt er sich aber vom ersten Moment an bis zum Ende des Romans immer weiter und Don Quichote übernimmt vieles von Sancho. Das ist eine ganz faszinierende Beziehung zwischen den beiden.“

Eine Herr-Knecht-Dialektik quasi, die zu immer flacheren Hierarchien führt?! Unterwegs im Deutschen Herbst hatte ich mich meist mit dem Pferd unterhalten, das seinerseits nur ab und zu nickte – ansonsten schwieg. Nur wenn wir in die Nähe eines Dorfes kamen, wieherte es laut – worauf alle Pferde im Tal antworteten. In den Städten ging es stattdessen freudig erregt auf jede Marlboro-Reklame zu oder auf sein Spiegelbild in den Schaufenstern.

Kosins „Nomad“ redete dagegen mit allen und ständig, hielt sogar aufmunternde Ansprachen. Nun hat der DDR-Schriftsteller Volker Braun das „Thema“ noch einmal aufgegriffen: Don Quichotte und sein Gefährte Sancho Pansa – ihre Abenteuer unterwegs. Heute. Jetzt helfen die beiden nicht mehr, den Sozialismus  mit aufzubauen, sondern eher,  ihn abzubauen. Und dabei sind sie mir – als „1-Euro-jobber“ (-päer) – auch wieder mehrmals nahe gekommen. Bei den beiden handelt es sich um den Havariemeister Flick aus Lauchhammer und seinen Enkel Ludwig, einen Heavymetal-Fan. Flick, der einstige Held der Arbeit im Lausitzer Braunkohlekombinat (BKK), wurde nach dessen Privatisierung und Umbenennung in die LAUBAG, die dann von Vattenfall übernommen wurde, in die Arbeitslosigkeit entlassen. Sein Enkel fand  keine Lehrstelle – und war somit von Anfang an arbeitslos. Während jedoch Flick so sehr an die Arbeit gewöhnt war, dass er mit seiner vielen „Freizeit“ nichts mehr anfangen kann, ist der Enkel, „das Sorgenkind der Familie“, bereits in der neuen „Spaßgesellschaft“ groß geworden – und dabei „fröhlich verludert“, wie sein Großvater meint. Gemessen an der sozialistischen Utopie des Charles Fourier sind sie beide gescheitert: Dem einen gelang es nicht, alle Arbeit in Lust zu verwandeln und dabei die Trennung von Hand- und Kopfarbeit aufzuheben, der andere war drauf und dran, mit seinen Stöpseln im Ohr unter der Kapuze langsam zu verblöden.

„O Arbeit, besser wärs, du hättest nie begonnen. Einmal begonnen jedoch, solltest du nie mehr enden,“ so lautet das Motto von Volker Brauns 48 Schwänken – „Machwerk“ genannt – basierend auf dem „Schichtbuch des Flick von Lauchhammer“. Der Autor hat selbst einmal, bevor er Philosophie studierte, im Bergbau gearbeitet. Seinen Helden Flick nennt er einen „Durchreißer, wie er im Buche stand“. Dessen neuer „Dispatcher“ nun, die  Sachbearbeiterin in der Agentur für Arbeit, Frau Windisch, hat jedoch nur Ersatzarbeitsplätze  für ihn parat: „die Vorbereitung von Abfall zur Entsorgung, die Wiedervernässung von Mooren, das Auszählen von Vogelnistplätzen“. Erst einmal muß er aber eine Nummer ziehen: „Stell dich hinten an, wo dein Platz, Genosse, ist“. Und statt einer Komplexbrigade untersteht ihm dann beim Beräumen eines Truppenübungsplatzes der Roten Armee eine „Brigade voller Komplexe“. Früher sprach man von ABM-Kräften, nunmehr  von 1-Eurojobbern, u.a. gehört dazu „ein früh berenteter Ökonom aus Karlshorst“. Sie diskutieren erst mal – wollen wohl gleich „zum geselligen Teil übergehn, der alten Mißwirtschaft,“ so verstand Flick das – und brachte sie auf Vordermann.

Auch bei seinem nächsten Einsatz, den das Jobcenter – Frau Windisch – ihm „vermittelte“, setzt er sich gleich an die Spitze der MAE-Brigade. Diese besteht aus zwei lahmärschigen Baumbeschneidern, denen er sofort die Motorsäge entwindet. Am Ende haben die Bewohner der Straße freie Sicht auf den Senftenberger See – den es dort gibt, „seit das Umland devastiert, abgebaggert und geflutet worden war“.

Der Aktionsradius von Flick wird immer größer. In Horno kommt er  gerade noch rechtzeitig zum Einsatz, bevor das Dorf ganz verschwunden ist. Dort weigert sich nur noch das alte Gärtnerehepaar Werner und Ursula Domain, dem Braunkohlebagger zu weichen – und sich nach Neu-Horno bei Forst umsiedeln zu lassen. Die Firma Vattenfall beauftragt ungeachtet des noch schwebenden Verfahrens ein  Subunternehmen mit dem Fällen der letzten Bäume im Dorf. Auch Flick ist als „1-Europäer“ mit dabei. Im Eifer des Gefechts legt er gleich die Obstbäume von Werner Domain mit um. „Dem war das Herz gebrochen,“ meint Volker Braun. Der Vattenfall-Konzern entschuldigte sich anschließend für das „Versehen“.

„Als es Flick später noch einmal an den Ort seiner Untat trieb, und das unschuldige Luder [Ludwig] durfte ihn begleiten, fanden sie die Stelle [wo Horno stand] gar nicht wieder. So groß und ungeheuer war die Wüstung.“ Die beiden beteiligen sich dort an der Umbettung der Toten auf dem Dorffriedhof – ebenfalls auf 1-Eurobasis. Dazu müssen die Skelettreste zusammengesucht werden. Hier wird Flick erstmals nachdenklich: Er ließ die anderen die „Knochenarbeit machen und gedachte der Seelenarbeit“. Volker Braun tut es ihm nach – ebenfalls mit Blick in die Gräber: „diese eingedeutschten Sorben und gewendeten Deutschen, Ackerbürger und feldgrauen Aktivisten. Ihr Wesen, schwer wie es ist, war wohl tief hineingesunken, und andererseits zu flüchtig, um sich nicht zu erheben! Diesem Elend, den Hoffnungen mußte nachgegraben werden oder anders nachgeblickt. Da war wenig abgegolten.“

Dies lesend fiel mir ein: Was machen eigentlich die Domains jetzt? Lebten sie überhaupt noch?  Nachdem sie 2006 doch ihr Gehöft verlassen mußten und dafür 200.000 Euro von Vattenfall bekommen hatten, waren sie in ein schon Jahre zuvor gekauftes Haus nahe Guben gezogen. Seitdem hatte ich nie wieder etwas von ihnen gehört. Der Horno-Aktivist Michael Gromm hatte jedoch kürzlich mit ihnen telefoniert, er beruhigte mich: Es gehe ihnen gut, sie hätten neue Obstbäume gepflanzt und sich aus Teilen des alten Gehöfts einen Anbau fürs neue Haus geleistet. Das hätte der Zimmermann Ralph von den  Besetzern der Lakomaer Teiche, die Vattenfall seit 2007 ebenfalls abbaggern darf, erledigt. Werner Domain dachte, er würde aus Solidarität da wochenlang bei ihm arbeiten, und fand dann die Rechnung von Ralph viel zu hoch. Obwohl er doch jetzt mehr als genug Geld hatte. Ich war erfreut, zu hören, dass der alte Domain anscheinend noch immer im Vollbesitz seiner körperlichen und geistigen Kräfte war.

Auch bei den Lakomaer Teichen war irgendwann Flick mit seinem Neffen aufgekreuzt – anläßlich einer Besetzerdemo. Ludwig hielt dort „die Stellung“ – länger als Flick. Auf dem Alexanderplatz trafen sie dann „Die glücklichen Arbeitslosen“ ,namentlich ihren Gründer Guillaume Paoli, an dem Ludwig sogleich Gefallen fand. In der Volksbühne kam Flick während eines Nichtstücks mit und über 1-Eurojobber von Jürgen Kuttner ins Grübeln – über die richtigen Mittel für den  Einsatz im Theater, die er aber nicht besaß (in seinem Werkzeugkasten). Im Kino sahen sie anschließend  den Dokumentarfilm „Workingman’s Death“. Flick überlief es dabei heiß und kalt, Schweiß perlte ihm von der Stirn, so dass Ludwig ihn anstieß: „Großvater, come on!“

In Paris hausten sie eine Nacht lang in den „1-Euro-Iglus“ der Obdachlosen an der Seine. Und sogar bis nach Apulien verschlägt es sie, „Flick hielt Fühlung mit der Dispatcherin“, dort müssen sie mit einer polnischen Brigade u.a. Tomaten ernten – und werden dabei von den Wachen des Padrone wie „Sklaven“ behandelt. In einem der Schwänke kommt natürlich auch Flicks Kampf gegen Windkraft-Anlagen (WKA) vor.

„Man muß sich Sysiphos als einen glücklichen Menschen vorstellen!“ Wer hat das gesagt? Egal, diese kurzen MAE- (Mehraufwands-Entschädigungs-) Maßnahmen, das war jedenfalls keine Sysiphosarbeit. Flick wird darüber ganz krank, seine  „Maschine“  macht nicht mehr länger mit. Als er aus dem Krankenhaus entlassen wird, baut er mit seinem Neffen ein leichtes Motorrad mit einem Seitenwagen zusammen. In diesen setzt sich  Flick, während Ludwig fährt. Der Alte läßt sich chauffieren. Sie kommen ins „Land der Frühaufsteher“. Hier bei Bitterfeld „lag die berüchtigte Grube  Gottsche“, sie halten vor dem „Restloch“, Flick findet einen verschwundenen Fluß, kontrolliert den trockenen Lauf, ist sich nicht schlüssig, „ob hier ein Verweis oder die Prämie fällig wäre im Wettbewerb ‚Schöner unsere verschwundenen Dörfer und Städte‘.“ Es findet dort ein Rockkonzert statt. Das ist wieder eher was für Ludwig als für Flick.

Dies sind aber nur einige von 48 „lose zusammengefügten Schwänken“ (Berliner Zeitung), die die beiden durchstehen (müssen), bevor der alte Havariemeister endgültig in die Grube fährt („mit ihm ist eine Zeit zuendegegangen“) – und ein anderer „Experte ‚ganz ruhig‘ die Arbeitsagentur Nord“ betritt und den „Tisch der Sachbearbeiterin mit einem 5-Liter-Kanister Spiritus in Brand“ setzt. Diese „erleidet daraufhin einen Schock; aber auf dieses Mittel setzt Verf. nicht“ – fügt Volker Braun hinzu, vielleicht aus juristischen Erwägungen heraus. Dennoch scheint es ihm manchmal das einzig Sinnvolle zu sein. Die Kapitalmedien im Westen haben ihm das übel genommen: „Man fragt sich, weshalb er aus seinem Flick einen Schwank gemacht hat, wenn er es doch ernst meint…,“ schreibt die FAZ. Die ZDF-„Heute“-Sendung bemühte sich dagegen um sachliche Hintergrund-Information: „Das Kulturinstitut Cervantes ist nach dem berühmten spanischen Autor Don Quichotte benannt.“

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https://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2008/11/08/unter_1-europaeerndie_lausitz_noch_mal/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • In einem kleinen Nachwende-Text, eine Eloge auf den Dichter und Anarchisten Bert Papenfuß (damals noch) – Gorek, kommt Volker Braun auch auf Narva zu sprechen – sowie auf den Glühbirnenerfinder Dieter Binninger, der nachdem er seine Kaufofferte für das Berliner Glühlampenwerk Narva bei der Treuhand eingereicht hatte, mit dem Flugzeug bei Helmstedt abgestürzt war. Der Papenfuß-Text von Volker Braun wurde dann in einem orangenen Sammelband in der edition suhrkamp veröffentlicht.

  • Noch einmal zu Volker Brauns Buch über die Lausitz „Machwerk“:

    „Ich wußte gar nicht, dass der noch lebt“, meinte eben jemand aus der taz-EDV-Abteilung – und fügte hinzu, dass Volker Brauns Bücher zu DDR-Zeiten immer Kult gewesen waren. Er galt als Systemkritiker, seine Bücher wurden dennoch regelmäßig veröffentlicht. Und wenn ein neues angekündigt war, meistens von Reclam verlegt, dann beeilte man sich, ein Exemplar davon zu erwischen.

    Heute findet man all diese Bücher von Volker Braun leicht und billig im Antiquariat: „Aber ob die noch genauso interessant oder wichtig sind wie damals,“ dass bezweifelte der EDV-Kollege aus der taz, von dem ich bis dahin gar nicht wußte, dass er DDR-sozialisiert wurde, wie man so sagt, obwohl wir eigentlich viel miteinander geredet haben, seitdem er hier arbeitet, weil ich immer mal wieder EDV-Probleme habe.

    Vor allem seit Beginn der Bloggerei, für die die EDV-Abteilung eigentlich gar nicht zuständig ist. Dafür gibt es eine eigene Truppe, angefangen mit dem Blogwart Broeckers und dem Technikentwickler Samuel Talleux.

    Inzwischen hat sich im Zuge der Ausweitung der online-taz daraus eine ganze Abteilung entwickelt, mit mindestens ein Dutzend Leute, die sich durch das Anzeigenaufkommen der online-taz ihre Monatsgehälter bzw. Stundenlöhne finanzieren. Die Firmen annoncieren lieber in der online-taz als in der sogenannten Printausgabe, deren Abozahlen dazu noch langsam aber stetig nach unten gehen.

    Da tut sich eine Schere auf: Die online-taz zahlt für die blogs nur 50 Euro im Monat, obwohl sie im Aufwind ist, während die gedruckte taz im Abwind immer mehr sparen muß – auch an Texten, erst recht an Spesen. Für mich bedeutet das, das sich inzwischen mein Monatseinkommen bereits auf insgesamt 600 Euro brutto reduziert hat. „Abwärts treibt der Sinn,“ wie schon Novalis weise bemerkte.

  • Und was sagt die Brandenburger Landesregierung, die schon einmal unter Stolpe gegenüber den von Abbaggerung betroffenen Lausitzern wortbrüchig wurde?

    In seiner Rede auf dem UMWELTDIALOG „Braunkohle und Nachhaltigkeit“ von Vattenfall Europe Mining & Generation in Cottbus sagte Wolfgang Birthler, der Minister für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung, u.a.:

    Wer einen solchen Dialog beginnt, begibt sich mitten hinein in das vielzitierte Spannungsfeld von Umwelt und Wirtschaft. In diesem verweisen Umweltschützer auf den noch immer viel zu hohen Schadstoffausstoß und die drohenden Klimaveränderungen. Der Naturschutz beklagt den Artenschwund und das fortschreitende Zerstören wertvoller Landschaften. Im Gegenzug wird Umweltschutz häufig als Kostentreiber für die Wirtschaft kritisiert und Naturschutz als unnötige Behinderung unternehmerischer Initiative angesehen. Schutz- und Nutzungsinteressen stehen sich gegenüber. Oder wenn wir es in guter deutscher Tradition dialektisch sehen wollen: Sie können beide zwar widerstrebend sein, aber doch bedingen sie einander. Beide haben ihre Rolle auszufüllen.

    Aber was ist `dran an diesem in der Öffentlichkeit gern geschürten Gegensatz? Umweltpolitik muss die Bedingungen für die Bewahrung der Naturgüter, den Schutz des Menschen vor schädlichen Umwelteinflüssen und eine dauerhaft tragfähige Entwicklung unseres Gemeinwesens gewährleisten. Ihr Ziel ist es, die Entwicklungsfähigkeit des Landes zu sichern. Das schließt auch die Entwicklungsoptionen für eine dauerhafte wirtschaftliche Entwicklung ein.

    Es ist eine Binsenweisheit und letztlich ein Gebot des gesunden Menschenverstandes, wenn man sagt: Säge nicht an dem Ast, auf dem Du sitzt! Landschaft, Natur und eine gute Umweltqualität sind wichtige Standortfaktoren auch für die Wirtschaft. Und in dem Maße, wie sie anderswo knapper werden, steigt ihr Wert. Auch das ist ein Gesetz der Ökonomie. Und dieses bestärkt uns darin, unsere wertvollen Potentiale weiter zu pflegen und zu behüten.

    Immer wieder taucht der Vorwurf auf, diese Schutzambitionen bremsen die wirtschaftliche Entwicklung. Ich finde, solch ein Umweltdialog kann auch der Ort sein, darüber zu reden, was konkret die Entwicklung behindert. Die heutigen Hemmnisse für die Unternehmen sind meines Erachtens nicht das Ordnungsrecht oder überzogene Standards im Naturschutz. Viel eher sind es schon die Kosten. Ich meine die häufig fehlende Kostenwahrheit und vor allem die hohen Lohnnebenkosten.

    Das Prinzip der ökologischen Steuerreform – den Naturverbrauch stärker zu belasten und dafür die Lohnnebenkosten zu senken – halte ich bei allen Schwächen des gegenwärtigen Systems für den prinzipiell richtigen Weg. Es ist sozial, weil es Arbeit schafft, es ist gerecht, weil es Kostenwahrheit herstellt und es ist volkswirtschaftlich vernünftig. Natürlich kann man – und das sage ich gerade mit Blick auf die Situation in der Lausitz – bei einem solchen Strukturwandel nicht den Fadenabriss riskieren. Wir haben es hier mit über viele Jahrzehnte gewachsenen Strukturen zu tun und mit Wertschöpfungspotentialen, die wir für eine ganze Zeit weiter dringend benötigen.

    Ich bin überzeugt davon, dass es die falsche Strategie wäre, einfach Umweltstandards abzubauen. Damit würden wir nur einen Innovationsfaktor und Standortvorteil preisgeben. Wenn die Umweltschutzbranche in Brandenburg zur Zeit in etwa 2000 Unternehmen mehr als 30.000 Mitarbeiter beschäftigt, hängt das auch mit den Umweltstandards in unserem Land zusammen.

    (…)

    Meine Damen und Herren,

    Sie sehen, dass die energiepolitischen Ziele des Landes auf mehre Säulen bauen. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, werden Anstrengungen zum Energiesparen, zur Steigerung der Energieeffizienz und dem Ausbau der erneuerbaren Energien unternommen. Als Teil eines vernünftigen „Energiemix“ und mit Blick auf ihre soziale und wirtschaftspolitische Stabilisierungsfunktion wird die Braunkohleverstromung einen festen Platz in der Energieerzeugung des Landes behalten.

    Nebenbei möchte ich an dieser Stelle anerkennen, dass die VEAG bzw. Vattenfall in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen hat, die Anlagentechnik zu modernisieren. Das hat sich nicht nur sehr positiv und für alle wahrnehmbar auf die Luftreinhaltung ausgewirkt. Die Steigerung des Wirkungsgrades hat auch einen erheblichen Klimaschutzeffekt gebracht.

    Das energiepolitisch neue Element der „Energiestrategie 2010“ der Landesregierung ist die Fokussierung auf Kooperation der Beteiligten und die gegenseitige Unterstützung bei der Zielerreichung. Zur konkreten Umsetzung der Strategie haben sich Arbeitsgruppen zu den Themen Verarbeitendes Gewerbe, Gebäude, Verkehr, Land- und Forstwirtschaft und Energiebereitstellung gebildet. In diesen Arbeitsgruppen sollen mit den Akteuren und unter Einbeziehung der wissenschaftlichen Kapazitäten Zukunftsstrategien für die einzelnen Felder erarbeitet werden. Dieser Ansatz ist für Brandenburg ein Experiment, das sorgfältig begleitet werden muss. Nach einem ersten Eindruck ist er vielleicht eine Spur arbeitsintensiver als die Beteiligten bisher annahmen.

    Aber er hat sich auch schon bewährt. Beim Emissionsrechte-Handel beispielsweise galt es, feste Vorgaben zunächst mitzugestalten und jetzt umzusetzen. Aufgrund der guten Zusammenarbeit zogen Verbände, Unternehmen und Verwaltung nicht nur am selben Strang sondern auch in dieselbe Richtung. So konnten wir wesentlichen Forderungen, wie der Anerkennung von Umweltschutzvorleistungen – den sogenannten early action – die notwendige Durchschlagskraft verleihen.

    Meine Damen und Herren,

    die praktische Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens in die gesellschaftliche Realität erfordert von allen jetzt und in Zukunft große Anstrengungen. Wir müssen sehen, dass es dabei nicht nur um globale Verantwortung, um Umweltschutz oder die „Dritte Welt“ geht, sondern ganz konkret um die Sicherung unserer Entwicklungs- und Wettbewerbsfähigkeit. Es geht um einen Politikansatz, der Wohlstand und Wachstum hier in Brandenburg dauerhaft gewährleisten soll. Ich würde mich freuen, Sie dafür als Mitstreiter zu gewinnen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

    (es gilt das gesprochene, nicht das gebrochene Wort)

    Das war 2003. Jetzt – mit Beginn des Volksbegehrens 2008 „Keine neuen Tagebaue“ – meldeten sich erst einmal die einzelnen Politiker in Brandenburg zu Wort. Der SPD-Generalsekretär Klaus Ness z.B. mahnte in Potsdam, dass bei einem Erfolg mehr als 12.000 bisher sichere Arbeitsplätze im Süden Brandenburgs ersatzlos wegfallen würden. Also 12.000 1-Eurojobs in der Region mehr entstehen würden.

  • Vattenfall gegen Volksbegehren:

    Aus Sicht des Energiekonzerns Vattenfall Europe könnte ein erfolgreiches Volksbegehren zum Stopp neuer Tagebaue in Brandenburg die wirtschaftliche Situation in der Lausitz massiv gefährden.

    „Das setzt tausende Arbeitsplätze ohne Ersatzlösung aufs Spiel“, sagte der Vorstandsvorsitzende Reinhardt Hassa in Potsdam bei der Vorstellung der Studie „Die Lausitz als Energieregion“. Der in Cottbus ansässige Vattenfall-Geschäftsbereich Bergbau und Stromerzeugung (Mining & Generation) hatte die Untersuchung bei dem unabhängigen Analyse-Institut Prognos AG in Auftrag gegeben. Vattenfall will langfristig Braunkohle aus sechs erweiterten oder neuen Lausitzer Gruben fördern.

    Im vergangenen Jahr kam der Untersuchung zufolge jeder zehnte Euro der Lausitzer Wertschöpfung aus der Energiewirtschaft. „Die Branche könnte sich nicht mehr so entwickeln wie sie es bisher tat“, sagte der zuständige Projektleiter der Studie, Philip Steden, für den Fall eines Erfolges bei dem am 10. Oktober gestarteten Volksbegehren voraus. Dafür sind bis 9. Februar mindestens 80 000 Unterschriften erforderlich.

    So könnten sich etwa die Abwanderung aus der Region sowie die Arbeitslosigkeit verstärken, berichtete Steden. In diesem Fall seien schnelle innovative Ideen gefragt. Die Braunkohle bezeichnete Steden als „eine Grundlage der Energiewirtschaft in der Lausitz“. In dem Prognos-Papier wird die wirtschaftliche Situation der Lausitz als sehr schwierig bezeichnet. Neben der hohen Arbeitslosigkeit sei auch der Bevölkerungsrückgang mit 5,8 Prozent sehr hoch. Der Anteil Hochqualifizierter in der Lausitz liege hingegen über dem Bundesdurchschnitt.

    Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, einer der Initiatoren des Volksbegehrens, kritisierte die Studie scharf. „Durch das starre Festhalten an der Braunkohleverstromung gefährdet Vattenfall den überfälligen Strukturwandel in der Lausitz“, sagte BUND-Landesgeschäftsführer Axel Kruschat. Er forderte ein sofortiges Umsteuern.

  • Für die taz-medienredaktion rezensierte Boris Rosenkranz den 3sat-Film „Otzenrath 3° kälter“. Er handelt von dem Ort, der dem Braunkohletagebau Garzweiler II in Westdeutschland widerwillig weichen musste – und von der neuen Heimat, die für viele keine ist:

    Der Blick geht weit übers Land. Wiesen und Felder, so weit das Auge reicht. Die Kamera dreht sich, langsam, im Hintergrund trötet ein umgemünzter Kreisler-Chanson, und plötzlich stehen sie da: Schlote, aus denen sich dichter Qualm zum Himmel schleppt. Dann Schnitt. Eine Kraterlandschaft. Bagger. Pfützen. Das ist der Braunkohletagebau Garzweiler II. Totes Land.

    So beginnt er, der Dokumentarfilm „Otzenrath 3° kälter“ von Jens Schanze. Ein gefälliger, naheliegender Beginn vielleicht. Aber dennoch ein eindrucksvoller, der den Zuschauer gleich hineinzieht in die Thematik, den Kontrast: Kohlekraftwerke gegen Natur, Industrie gegen Mensch. Damit hat sich Schanze schon einmal beschäftigt, sechs Jahre ist das jetzt her. Damals bereiteten sich die Menschen in und um Otzenrath, einem kleinen Dorf nahe Düsseldorf, gerade darauf vor, den Baggern und Förderbändern zu weichen. Schanze machte eine Doku daraus mit dem Titel „Otzenrather Sprung“, einen Heimatfilm quasi, der vom Verschwinden der Heimat handelt, von Abschied und Trennung.

    Szenen aus dem mehrfach mit Preisen dekorierten Erstling tauchen nun im neuen Film als Rückblenden wieder auf. Gegengeschnitten hat Schanze, was aus den Menschen inzwischen geworden ist, wie sie sich eingefunden haben in ihrer neuen Heimat, in Neu-Otzenrath, wo der Wind schärfer über die Felder zieht als im alten Ort, wo es also kälter ist, etwa drei Grad.

    Schanze lässt die Menschen ihre Geschichten selbst erzählen. Dabei hält er sich erneut angenehm zurück, passt das Tempo jenem der monströsen Kohlebagger an und erzählt ruhig, fast bedächtig, immerhin wird hier ein Dorf zu Grabe getragen, eine Idylle weggeschaufelt. Kameramann Börres Weiffenbach hat dazu melancholisch-meditative Bilder geliefert. Von einem jungen Bauern etwa, der zusieht, wie der elterliche Hof eingestampft wird. Oder von der Profanierung der örtlichen Kirche, 136 Jahre nach der Erbauung. Eine Messe wird gefeiert, die letzte. Dann werden die Kerzen gelöscht. Später stecken Baggerschaufeln im Gemäuer.

    In Neu-Otzenrath haben die Menschen wieder eine Kirche, ein ziemlich schniekes Ding, modern von außen, kühl von innen. Inmitten von Einfamilienhäusern, verklinkert, mit Vorgarten. Doch wirklich anfreunden können sich die Menschen mit ihrer neuen Umgebung nicht, vor allem wenn sie alt sind. Jenes Ehepaar etwa, das früher eine brummende Kneipe in Otzenrath bewirtschaftete, hat keine mehr eröffnet. Zu alt. Zu spät. Andere wiederum fühlen sich ungerecht behandelt von RWE, dem Betreiber des Tagebaus. Und wieder andere – sie haben das ganze Prozedere nicht überlebt. Einige, erzählen die Menschen, seien kurz vor oder nach dem Umzug nach Neu-Otzenrath gestorben. War es Zufall? Hat das eine das andere bewirkt? Wer weiß.

    Bis ins Jahr 2045 wird RWE noch Kohle am Niederrhein baggern. Dann ist Schluss. Bis dahin werden 48 Quadratkilometer Fläche durchpflügt und etliche Dörfer umgesiedelt worden sein. Schanze und Weiffenbach haben mit ihren beiden Filmen historisches Material geschaffen, dass dereinst in Schulen gezeigt werden wird. Auch 3sat hat bereits angekündigt, weitere Filme über das Monsterprojekt drehen zu lassen. Das bleibt den Menschen dann von ihrer ganzen Vergangenheit.

    Und dem jungen Bauern, der neben seiner Heimat auch seinen Vater verloren hat, bleibt noch ein alter Stein des Hofs seiner Familie. Er will ihn wieder aufstellen. Und BWL studieren. Die Jungen verkraften den Umzug besser als ihre Eltern.
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    Als der 1. Film des damaligen Filmstudenten Jens Schanze über das umgesiedelte Dorf Otzenrath – „Der Otzenrather Sprung“ – anlief, rezensierte ich ihn für die taz. Damals – 2001 – befand sich der Widerstand in der Lausitz gegen die Abbaggerung des Dorfes Horno gerade auf dem Höhepunkt:

    Die riesigen Schaufelbagger haben sich schon fast an das kleine Bushäuschen herangefressen. Es sieht ähnlich aus wie in der Lausitz, wo die Hornoer Dorfbewohner sich weigern, zugunsten der Braunkohle zu weichen, d.h. umgesiedelt zu werden.

    Der Regisseur Jens Schanze wollte in seiner Schwarzweiß-Doku eigentlich zeigen, wie sich die Menschen auf ihren Umzug aus der westdeutschen Tagebauzone Garzweiler II – ein paar Kilometer weiter am Niederrhein – vorbereiten.

    Doch während der einjährigen Dreharbeit begegnete er vor allem Menschen, “die angesichts der fremdbestimmten Zukunft wie gelähmt sind”. Im Schnitt-Gegenschnitt lässt er die Betroffenen, Arbeiter und Bauern, sowie die Macher, Rheinbraun-Manager, zu Wort kommen. “Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Planung des neuen Hauses”, ruft z. B. ein für den Abbau verantwortlicher Rheinbraun-Direktor den Bewohnern eines Dorfes, das abgerissen wird, zu. Im Gegensatz zu den ostdeutschen Braunkohleopfern Horno und Heuersdorf regt sich in den drei Dörfern des rheinischen Reviers jedoch kaum Widerstand, auch wenn hier 50 Quadratkilometer Heimatland verschwinden sollen.

    Die Baggerbrigaden scheinen vor allem von der Größe des Vorhabens enthusiasmiert zu sein. Und die Ortsfunktionäre raten den resignierten Leuten: “Lassen Sie kein Fest aus in den nächsten Jahren.”

    Lange bevor die Großbagger dem Ort nahe kommen, stirbt alles Lebendige. Bis es nur noch “um die Interessen der Umsiedler” geht – und um ihre Kooperationsbereitschaft: “Mit 98 Prozent der Leute komme ich klar”, sagt ein Umsiedlungs-Manager. Die Betroffenen meinen jedoch: “Ein Scheißspiel – meiner Meinung nach.” Es ist schwer, dem Druck des Konzerns und des Staates zu widerstehen.

    Die Aktivisten in der Lausitz haben noch nicht aufgegeben. Für die Garzweiler-Orte scheint es zu spät zu sein.

    Der Film von Jens Schanze wirkt schon nostalgisch. So nostalgisch, das ihn irgendwann auch die Rheinbraun zeigen könnte. “Wir sind sehr offen”, meint ein Umsiedlungsberater. Aber wie kann ein Filmemacher sich denn auch solidarisieren?

  • VOLKSBEGEHREN

    Die rund 900 Einwohner von Atterwasch, Grabko und Kerkwitz wissen seit einem Jahr, dass ihre Dörfer von der Landkarte verschwinden sollen. An deren Stelle will Vattenfall Braunkohle fördern. Jetzt wehren sich die Bewohner mit einem Volksbegehren gegen die eigene Abschaffung

    Vattenfall will neben fünf bereits genehmigten Tagebauen mit 1,4 Milliarden Tonnen Braunkohle noch weitere Tagebaue erschließen, darunter den Tagebau Jänschwalde-Nord. Drei Dörfer müssten dort weichen. Gegen neue Tagebaue richtet sich ein Volksbegehren. Bis zum 9. Februar 2009 können sich in Brandenburg wohnende Leute auf den Meldeämtern in Listen eintragen, wenn sie das Volksbegehren unterstützten. Kommen 80.000 Unterschriften zusammen, wird es eine Volksabstimmung über die Braunkohlepolitik in Brandenburg geben.

  • Im Niederschlesischen Oberlausitzkreis formiert sich ausgehend von der Gemeinde Schleife der Widerstand gegen die Abbaggerung weiterer Dörfer durch den Vattenfall-Konzern. Auf ihrer Webpage „www.umsiedler-schleife.de“ findet sich dazu ein Artikel aus der Lausitzer Rundschau, die für gewöhnlich ein Sprachrohr des Braunkohle-Kapitals ist:

    Gutes Klima bei Umwelt-Demo in Jänschwalde

    Es war, als habe der Himmel sich besondere Mühe gegeben, die Schönheit der Lausitz leuchten zu lassen. Als am Samstag, den 13.9. 2008, rund 1100 Umweltaktivisten vor dem Kraftwerk Jänschwalde gegen den Aufschluss neuer Tagebaue demonstrierten, waren viele im Zug, die «Heimatliebe» als Grund für ihr Engagement angaben.

    Eben jene Heimatliebe, die auch Vattenfaller für sich reklamierten, die am Firmengelände auf die Demonstranten warteten, der Grundkonflikt der Kohle.

    Es war eine bunte Menschenmenge, die sich da bei strahlendem Sonnenschein auf das Kraftwerk Jänschwalde (Spree-Neiße) zubewegte. Vertreter von knapp 100 Umweltorganisationen der «Klima-Allianz» hatten ihren Protest angemeldet, und gekommen waren Abgesandte von Attac und Greenpeace, von BUND und Nabu, Grüne Liga sowie Vertreter verschiedener Landeskirchen. Mit der Aktion solle der Druck auf Vattenfall erhöht werden, die Pläne zur Ausweitung der Lausitzer Tagebaue und für einen Neubau des Kraftwerkes Jänschwalde fallen zu lassen, erklärten die Veranstalter.

    Und so kam es, dass der junge Chris aus Berlin mit seiner Forderung «Kohle nur noch zum Grillen» direkt neben Stefanie und Regina Krautz lief, die beide Jänschwalder Tracht trugen. «Wir sind von hier» , sagten die beiden. «Wir wollen, dass Schluss ist mit der Abbaggerung. Die Kohle zerfrisst die Landschaft und zerstört Leben.»
    «Wir sind von hier» , sagte zeitgleich und nur wenige Hundert Meter entfernt auch Reinhardt Hassa, Vorstandsvorsitzender von Vattenfall Europe Mining & Generation. «Was wir hier geschafft haben, zeigt doch, dass wir in Bewegung sind. 50 Millionen Tonnen Kohlendioxidausstoß haben wir seit 1990 eingespart, so viel hat keine andere Industrie eingespart.» Ein Erfolg der neuen Technologien zur Abscheidung von CO 2 würde die Bemühungen zur Erfüllung der Klimaziele entscheidend voranbringen, so Hassa.
    Gerade diese Technologien sind unter den Ökologen umstritten: Zum einen, erklärte etwa René Schuster von der Grünen Liga, kämen sie zu spät zum Einsatz, um wirkungsvoll gegen den Klimawandel eingesetzt zu werden, zum anderen würden sie die Kohleproblematik nur verschärfen – durch Abscheidung sinkt die Effizienz der Energieausbeute, der Flächenbedarf für den Tagebau steigt.
    Zu einer Diskussion um das Für und Wider ihrer Standpunkte kam es in Jänschwalde aber nicht. Wilfried Schreck, Gesamtbetriebsratschef von Vattenfall: «Zumindest konnten wir uns im Vorfeld darauf einigen, dass wir uns hier heute gegenseitig in Ruhe lassen. Es gab zwar viele aus der Belegschaft, die nicht verstanden haben, warum wir die Demo auf unserem Werksgelände überhaupt zugelassen haben, aber wir wollen zeigen, dass wir bereit sind, aufeinander zuzugehen.» Und, auch das hörte man gestern aus Vattenfall-Kreisen: Es sei wichtig, dass die Umweltschützer von den Konzernen Innovationen einfordern, damit sich etwas in Richtung Klimaschutz bewege.

    Akademischer Charme verliert sich

    Wer oder was sich am Stand von Vattenfall bei Klima-Demonstrationen bewegte, war den Umweltschützern am Wochenende allerdings weniger wichtig. Sie ignorierten sogar die ökologisch korrekte Bio-Bratwurst, die der Energie-Konzern verkaufen wollte – der Erlös wäre dem «Cottbuser Aufbruch» gegen Rechts zu Gute gekommen, dennoch hielten sich die Klimaschützer lieber an eigene Bio-Anbieter. Doch so friedlich sie war, die spätsommerliche Festival-Atmosphäre – spätestens als die «Klimazeugen» zu Wort kamen, die erzählten, wie sich Klimawandel im Alltag anfühlt, spätestens da verging vielen Demonstranten der Appetit. «Wenn man hört, wie Kirgisistan, Tansania oder Bolivien schon heute ganz existenziell von Überschwemmungen und Dürre bedroht sind, dann verlieren unsere Debatten hier ihren akademischen Charme» , so ein Teilnehmer. Oder, wie es Pfarrer Ingolf Gschenka am Abend im vom Abbaggerung bedrohten Kerkwitz formulierte: «Unsere Erde hat Fieber. Und dagegen hilft weder eine Sommer-Rodelbahn noch ein Findlingspark, so schön diese auch sein mögen.»

    Der Abend gehörte den Einheimischen

    Bei diesem Freiluftgottesdienst waren die Einheimischen fast unter sich, fast all die bunten Gestalten aus Berlin, Dresden und Leipzig waren wieder abgereist. «Aber die aus den Dörfern haben sich gefreut, dass so viele aus den Städten hier waren» , sagte die Grünen-Europa-Abgeordnete Elisabeth Schroed ter. Und dennoch, der Abend gehörte den Lausitzern, und er war geprägt von scharfem Protest. Vor einigen Hundert Gläubigen und Besuchern griff Pfarrer Mathias Berndt scharf die Köpfe seiner eigenen Landeskirche an und sprach in einem Gleichnis von jenen, die zwar beten und trösten, aber sich nicht zu einer fundierten Meinung durchringen wollen, bis sie mehr Informationen über Klimawandel und neue Technologien gesammelt haben. Bei ihm wie auch bei vielen Anwohnern war zu spüren, wie schwer es ihnen fällt, mit ihren politischen Unterstützern klarzukommen. «Die Linken mit ihren alten Stasi-Seilschaften helfen uns, und die Grünen, die kaum Anhänger haben» , sagte ein alter Atterwascher traurig.
    In Brandenburg startet am 10. Oktober ein Volksbegehren gegen neue Braunkohletagebaue. Für einen Erfolg müssen binnen vier Monaten 80 000 Wahlberechtigte bei den Meldestellen unterschreiben.

    Protest auch in Hessen

    Gegner von neuen Kohlekraftwerken haben am Samstag auch am Eon- Kohlemeiler Staudinger in Hessen protestiert. Dort hatten sich laut Veranstalter rund 5000 De mons tranten versammelt. Diese forderten Politiker und Energiekonzerne auf, den Neubau von Kohlekraftwerken zu stoppen. In Zeiten des Klimawandels könne Deutschland sich „ineffiziente und klimaschädliche Großanlagen nicht mehr erlauben“, erklärte der Publizist Franz Alt. Eine zukunftsfähige Energie müsse hocheffizient sein und vor allem auf erneuerbaren Energien beruhen.

    Von Andrea Hilscher

  • „KEINE ARBEIT, KEIN LEBEN“

    so übertitelte die taz eine ebenso schöne wie lehrreiche Rezension des Buches von Volker Braun , die Jörg Magenau schrieb:

    Er habe sich erlaubt, den Arbeitstitel stehen zu lassen, schreibt der „Verf.“ in der Nachrede. „Machwerk“ bedeutet nichts anderes als Arbeitstitel. Auch im alternativ gebotenen „Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer“ steckt gleich mehrfach der Verweis aufs Arbeiten. „Flick“ ist ein mittelhochdeutsches Wort für Arbeit – auch darauf weist der „Verf.“ hin. Bei der Romanfigur dieses Namens handelt es sich nicht um den Abkömmling einer Großindustriellendynastie, sondern um einen Vertreter des übrig gebliebenen ostdeutschen Proletariats aus dem Lausitzer Braunkohletagebaugebiet. Es ist eine Gegend, die es in vielerlei Hinsicht „hinter sich hat“. Verflickstes Flickwerk. Kein Stein blieb hier auf dem anderen, die Erde wurde aufgerissen und umgewühlt, Dörfer verschwanden im Abgrund: Da hat sich der arbeitende Mensch jahrzehntelang ausgetobt.

    Volker Braun, Jahrgang 1939, verdingte sich nach dem Abitur 1958 für mehr als zwei Jahre als Tiefbauarbeiter und Rohrleger im Kombinat Schwarze Pumpe. Seine Arbeit bestand darin, Schlamm aus den endlosen ausgebaggerten Entwässerungsgräben zu schippen, in denen dann Rohre verlegt wurden. Diese Arbeit sei nicht nur „wichtig“, sondern auch „schön“, behauptete der emphatische junge Dichter in seiner ersten Erzählung „Schlamm“. Der Parteizeitung Neues Deutschland bot er 1959 seine Mitarbeit mit den Worten an: „Sehr geehrte Genossen, ich schicke Euch meine Skizze. Da ich noch nichts veröffentlicht habe, wäre ich Euch dankbar für kritische Hinweise. Wenn ihr daran interessiert seid, sende ich Euch ähnliche Skizzen, in denen ich versuche darzustellen, wie wir den Schritt vom Ich zum Wir machen.“ Doch die Skizzen zum Theaterstück „Die Kipper“ wollte das ND nicht drucken. Allzu deutlich wurde darin die Monotonie der Arbeit, die dem marxistischen Ideal der Selbstbestimmung wenig entsprach – ganz abgesehen davon, dass auch mangelhafte Arbeitsschutzbestimmungen zur Sprache kamen. Braun trat zwar als Arbeiterdichter auf. Doch so realistisch hatten sich die DDR-Literaturwarte die Umsetzung des „Bitterfelder Weges“ dann auch wieder nicht vorgestellt.

    Im „Machwerk“ kehrt Braun 50 Jahre später an die alte Wirkungsstätte zurück. Was mit dem „Bitterfelder Weg“ begann, findet hier seine Aufhebung. Immer noch ist der Schriftsteller an der Seite der Arbeiter, nur dass es mittlerweile keine Arbeit mehr gibt. Nicht nur die DDR ist inzwischen untergegangen. Brauns Meister Flick kann das nicht begreifen, und erst kurz vor dem Tod dämmert ihm, dass es mit der Arbeit, die sein ganzes Leben bestimmte, aus und vorbei sein könnte. „Sollte sein Machwerk enden?“, fragt er sich da, und der Gedanke lässt ihn schaudern: „Das würde das Ende aller Dinge sein.“ Also betrachtet er auch das Sterben noch als Arbeit, bis er dann endlich sagen kann: Es war getan.

    Flick ist ein Ritter von der traurigen Gestalt, ein herumirrendes Gespenst, das aus der Zeit gefallen ist und deshalb die Zeitgenossen erschreckt. Die zerbröselnden Industriebauten sind seine Ritterburgen. Mit seinem nichtsnutzigen Enkel, der ihn treu begleitet und das Schlimmste mal hervorruft, mal zu verhindern sucht, hat Braun ihm einen echten Sancho Pansa zur Seite gestellt. So wie Don Quichotte als letzter Vertreter des Rittertums die neue Zeit durchstreifte und gegen Windmühlen kämpfte, so zieht Meister Flick als letzter Arbeiter durch das zerfurchte Land und bringt die neuzeitlichen Windräder zum Einsturz. Zweifellos gehört er nicht zur ökologischen Avantgarde. Der Anblick der zerstörten Gegend schmerzt ihn nicht, weil sie ja durch Arbeit derartig umgestaltet wurde und also daran erinnert. Erst wenn sich nun die Natur die Gegend zurückholt und die gegrabenen Löcher mit Wasser gefüllt werden, wird die Landschaft seiner Meinung nach im Stich gelassen. Die Spur der Steine, die in der Lausitz umgewälzt wurden, der „Findlinge also, Trophäen des Vorschnitts“, weist zurück in die Eiszeit. In ihrer neuen Lage an den Seen des entstehenden Erholungsgebietes werden sie die nächsten „Millionen Jahre von der Arbeitszeit“ zeugen.

    Früher, im Tagebau, war Flick Experte für Katastrophen. Wenn irgendwo ein Kran umkippte, ein Waggon entgleiste, ein Bagger havarierte, dann war er gefragt. Mit knapp 60 verliert er den Job wie so viele, ohne das Nichtstun jemals geübt zu haben. Alles, was ihm begegnet, nimmt er unter dem Aspekt der Arbeit wahr – und so erscheint er auch auf dem Arbeitsamt mit Helm und in voller Montur und der Frage: Was liegt an? Wo ist das Problem? Überall eckt er an mit dieser Haltung. Er wird zum Streikbrecher, zum notorischen Baumzersäger als 1-Euro-Jobber, und in Horno betätigt er sich als Abrissarbeiter im Garten eines alten Ehepaares, das die Heimat nicht aufgeben möchte. Auch eine Begegnung mit den „Glücklichen Arbeitslosen“ in Berlin überfordert ihn: Das eigene Nichtstun als Arbeit zu deklarieren – das kann ja wohl nicht ihr Ernst sein. Er bezieht reichlich Prügel, dieser Don Quichotte der Arbeitswelt, und verliert sogar einen Arm. Man muss ihn sich vorstellen wie einen alt gewordenen Manfred Krug aus der „Spur der Steine“. Einer, der immer noch viel Kraft hat, aber nicht mehr weiß, wohin damit.

    Volker Braun mischt sich immer wieder als „Verfasser“ ein und macht deutlich, dass er es ist, der diese Figur in Bewegung versetzt, so wie ein Marionettenspieler seine Puppe. Das Buch ist in viele kleine Kapitel unterteilt, die mit kurzen, den Inhalt zusammenfassenden „Vorreden“ versehen sind. Braun nennt sie „schwache Schwänke“ oder „unnütze Novellen“. Auch formal knüpft er damit an Cervantes‘ „Don Quichotte“ an – und an Irmtraud Morgner, die mit „Trobadora Beatriz“ einen ähnlich gewitzten Schelmen- und Abenteuerroman geschrieben hat. Braun erneuert damit die Tradition eines fantastischen Realismus, der in der DDR-Literatur stark gewesen ist, aber weit über sie hinausweist.

    Braun ist kein Arbeiterdichter, aber doch ein Dichter der Arbeit. Dass auch Lesen Arbeit ist – diese Erfahrung will er seinem Meister Flick schließlich nicht ersparen, so fremd es dem auch sein mag, ein Buch aufzuklappen und ruhig davor zu sitzen. So wie Flick mit seiner Rohrzange die Dinge bearbeitet, die ihm in die Quere kommen, so bearbeitet Braun die Worte und schraubt und dreht an ihnen herum und verpflanzt sie in neue Kontexte. Der Satz „Er ging der Arbeit nach“ bekommt bei ihm eine eher zynische Bedeutung, indem er ihn ganz wörtlich nimmt. „Was haben Sie angestellt?“ ist eine ähnlich doppelbödige Frage, da eine ehrliche Antwort Anstellung eher verhindert. „Sorgerecht“ übersetzt Braun als das Recht, sich Sorgen zu machen. Und „Arbeitszeit“ wird, da Arbeit verschwindet, zum Begriff einer Epoche, die zu Ende gegangen ist.

    Das lyrische Temperament bricht sich in jedem seiner quirligen Sätze Bahn. Vielleicht ist es manchmal des Guten zu viel, so verschnörkelt und bizarr ist diese Sprache, die ihre Bewegung aus sich selbst heraus produzieren muss, da ja draußen in der Welt so viele Widerstände zu überwinden sind. Da werden die Gedanken im Schreiben produziert, das also tatsächlich ein Produktionsprozess ist. Der Weg „vom Ich zum Wir“, den der junge Braun avisierte, ist jedoch verstellt. Flick ist auf sich selbst zurückgeworfen. Und so greift der arbeitende Dichter Volker Braun zum Äußersten: Er nimmt ein Gedicht und rückt es in Flicks Schichtbuch ein, auf einer Seite, die ansonsten leer geblieben wäre, weil Flick dann doch einmal „zur Ruhe kam“ und „die Handlung zu nichts führte“. Es ist eine Variation auf Paul Gerhardts Choral „Nun ruhen alle Wälder“, wo es hieß: „Das Haupt, die Füß und Hände / Sind froh, dass nun zum Ende / Die Arbeit kommen sei; / Herz freu dich, du sollst werden / Vom Elend dieser Erden / Und von der Sünden Arbeit frei.“ Braun zitiert die großartige Neufassung des Dresdner Lyrikers und Pfarrers Christian Lehnert. Auch dafür lohnt es sich, dieses große Epitaph auf die Lausitzer Urlandschaft der Arbeit zu lesen:

    „Die Landschaft kippt, wird grauer / Ein nasser Wind, ein Schauer / Die Piste ragt ins All. / Verschüttet sind die Stollen / Die Erde treibt in Schollen: / Du bist ihr warmer Widerhall. // Turbinen, Räder, Wellen / Die Schädel noch im Hellen / Im Dunkel der Asphalt. / Du fliehst die tausend Lichter / Gewebe, immer dichter / Die Augen werden langsam kalt. // Sei still und schlafe, warte / Und träume nichts und warte / Zu hoffen ist kein Grund. / Hinweggerollt sind Meere / Kulissen, schwarze Leere / In der sich öffnet Gottes Mund.“

    Volker Braun: „Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer“. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2008, 222 Seiten, 19,80 Euro

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