vonHelmut Höge 16.12.2008

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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Im kleinen „Le Grand Magasin“ werden u.a. auch Schuhe verkauft, z.B. leichte Damenschuhe für 17 Euro von der slowakischen Genossenschaft Cil in Prostejov. Es geht der Genossenschaft angeblich nicht gut, der Absatz ihrer Produkte ist nicht so, wie er sein müßte.

Das hat auch etwas damit zu tun, dass vor allem Turnschuhe gekauft werden.

Hier folgen die letzten Schuhgeschichten:

Historischer Schuhwurf

Der Journalist Muntaser el Saidi machte Geschichte, als er den US-Präsidenten George Bush Jr. auf einer Pressekonferenz in Bagdad mit einem Paar Schuhe bewarf und ihn als „Hund“ beschimpfte. Er wurde verhaftet. Seine Berufskollegen sind sich nicht einig: Während die einen ihn danach beglückwünschten und seine Freilassung forderten, bezeichneten andere sein Verhalten als „unprofessionell“. „Der Schuh ist auf dem besten Weg, das Symbol antiamerikanischen Ressentiments im Irak zu werden,“ schreibt dazu die FAZ, und fügt, ebenso wie die SZ, hinzu: „Die Schuhsohle ist für Muslime unrein, deshalb eine beliebte moralische Waffe. Im April 2003 wurden bereits die Denkmäler Saddam Husseins mit Schuhen behängt.“

Berliner Schuster

Die Schuhmacher gehörten immer zu den Radikalsten; aus diesem Beruf gingen die meisten Philosophen, Agitatoren und Terroristen hervor. Daher auch die obrigkeitliche Warnung: „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ Doch die industrielle Revolution drängte den Schuster langsam an den Rand der Arbeiterbewegung, und all die exproletarischen Men-in-Sportswear-Banden, im Verein mit dem bundesdeutschen Turnschuhminister und der „Sneakergeneration“, ließen ihn fast verstummen. Zwar gibt es noch immer 146 Schuster in Berlin. Aber in der einst berüchtigten Innung, die bereits 1284 gegründet worden war, sind nur noch 58 Mitglieder. Noch weniger, nämlich 40 Mitglieder, hat heute die Innung für Orthopädie und Schuhtechnik, die sich 1950 abspaltete. Damals sorgten die vor Stalingrad abgefrorenen Zehen für einen Orthopädieboom, den die Krankenkassen finanzierten. Auch heute gibt es wieder vermehrt Fußkranke. Der Grund dafür liege jedoch bei den miesen Modeschuhen und den Plateausohlen, wie mir der computergestützte Orthopäde Herr Friedrich erklärte, dessen Kreuzberger Geschäft in der Skalitzerstraße untergebracht ist. Schräg gegenüber betreiben zwei Frauen eine Schusterei: „Meier und Schöpf“. Ein Paar Maßschuhe kostet bei ihnen ab 1.600 Mark. Die Großmutter der Meisterin kam aus Weißrussland und sie weiß, dass sich in Berlin zunehmend weißrussische Flickschuster niederlassen. Das weiß auch die Innung, die dazu erklärt, dass es für diese Emigranten „der einfachste Weg ist, sich selbstständig zu machen. Von den jungen Leuten will das ja heute keiner mehr machen.“

Der Schusterberuf ist nicht mehr attraktiv. Einst übten ihn auf dem Land oft körperlich schwache oder verkrüppelte Männer aus. Bei dieser geräuscharmen, sitzenden Tätigkeit konnten sie diskutieren und sich weiterbilden. Manche Schuster beschäftigten sogar Vorleser, und oft waren sie noch nebenbei Dorfschreiber. Ende des 18. Jahrhunderts scheinen sie „eine regelrechte innere Berufung zur Revolution gehabt zu haben“, wie der Historiker Richard Cobb meint, und nicht wenige wurden berühmt: John Adams, Thomas Dunning, John Brant . . .

Karl Marx lobte wiederholt Wilhelm Weitling und Stalin den gelernten Schuster Ceauscescu. Die DDR setzte einigen von ihnen ein Denkmal, als sie ihre Produktionsgenossenschaften nach berühmten Schustern benannte: Hans Sachs und Jakob Böhme zum Beispiel. Erstere ging in der Wende pleite, Letztere ist dafür heute eine große GmbH mit zentraler Reparaturstätte – und 85 Mitarbeitern. In Odessa sind die Schuster alle Griechen und in Moskau Tartaren. In Berlin werden jetzt die Schustereien in der Zeitung Russkij Berlin vor allem Weißrussen angeboten. Davor hatten die in Rente gehenden deutschen Schuster ihre Läden meist Türken übergeben. Letztere brauchten keine Meisterprüfung abzulegen, wenn sie sich auf die Reparatur der Außenschuhe beschränkten. Von dieser Regelung profitierten dann auch und vor allem die „Mister Minit“-Läden und ihre Subunternehmer, die neben der „Absatzbar“ noch einen Schlüsseldienst betreiben – und hauptsächlich mit Superexpresskleber arbeiten, wie Frau Schöpf abschätzig meint. Im Übrigen befürchtet sie, dass wegen der vielen irreparablen „Schuhe aus einem Guss“ in nächster Zeit noch viel mehr Schuster eingehen werden. Die Kunden von „Meier und Schöpf“ kommen inzwischen aus ganz Berlin. Inklusive Leistenbauen brauchen die beiden Frauen für ein Paar Schuhe 80 bis 100 Stunden; die Materialkosten machen etwa 15 Prozent bei der Herstellung aus. Die Lederpreise sollen demnächst steigen: wegen des Rinderwahnsinns, lautet seltsamerweise die Begründung. Andererseits kommt das meiste Leder aus Asien, und deswegen argumentiert man auch gerne mit den großen Überschwemmungen dort.

Es gibt drei Lederhändler in Berlin, dazu noch drei Großhändler für Schusterbedarf. Erwähnt seien noch die ganzen Verkäuferinnen in den Schuhläden, die sich an manchen Tagen schon die Füße in den Bauch stehen. Mitte der Neunziger gab es bereits eine erste große Fusionswelle, die zur Entlassung vieler älterer blonder Schuhverkäuferinnen führte, von denen eine Gruppe nun nebenbei anschaffen geht. Mit den steigenden Schuh- und Taschenpreisen wird es zu weiteren Ladenschließungen kommen, meinte gerade Innungsmeister Jacubowsky in der BZ: „Die Situation hat sich verschärft.“ Regelmäßig versammelt sich dessen ungeachtet die gesamte Branche im „ARD-Hauptstadtstudio“, wo die Preisträger eines Wettbewerbs der Schusterinnung geehrt und ihre Werke vorgeführt werden. So hoch wie zur 700-Jahrfeier 1984 geht es dort aber seitdem nicht mehr her. Der Schuster ist schon lange nicht mehr die „Schlüsselfigur“ des intellektuellen und politischen Lebens auf dem Land – viel weniger in der Stadt, wie Eric Hobsbawm schreibt, der den Beruf in seiner schönen Aufsatzsammlung „Ungewöhnliche Menschen“ ehrte.

Die Schuhe im Posttotalitarismus

Als Aushilfshausmeister ist man u.a. auch für die Ordnung und Sauberkeit auf dem Hof zuständig, wo acht Müllcontainer stehen, aber manchmal doch was danebengeworfen wird. Gestern fand ich – bereits zum vierten Mal – ein Paar Schuhe dort: Damenschuhe. Auf solche stößt man auch bei Spaziergängen im Wald oder in Parkanlagen immer wieder. Eigentlich gibt es nur eine Erklärung dafür: Da wurde eine Frau bedrängt – und um sich dem schneller, durch Flucht, zu entziehen, entledigte sie sich ihrer unbequemen Stöckelschuhe.

Apropos: An anderer Stelle hatte ich bereits erwähnt, dass die kollektiv zusammenarbeitenden Rinderzüchterinnen in der Wüste Gobi mich wegen ihres selbstbewußten Auftretens kürzlich außerordentlich beeindruckten. Man hätte am Liebsten sofort mit ihnen Pferde stehlen mögen. Was ich nicht erwähnte, war, dass die Frauen dort fast alle vornehme hochhackige Damenschuhe trugen auf denen sie durch die Wüste stakelten – zu ihren Meetings in der „Community-Jurte“. Später besuchte unsere Reisegruppe eine Frauen-Genossenschaft, die u.a. Filzstiefel herstellt.

Wieder zurück in der Heimat stellte ich fest: Es gibt nun immer mehr Schuhmuseen: in Weißenfels, in Hauenstein, in Offenbach (das zuletzt die Schuhe von Guido Westerwelle erwarb); ferner eins in Florenz vom Schuhfabrikanten Ferragamo, in Zlin von der Bata-Dynastie, in Schönenwerd von Bally, und auf der Vogelinsel vor Neuwerk sammelt der Vogelwart alle angeschwemmten Badelatschen.

Daneben werden auch noch in den diversen „Museen des Kommunismus“, „der Okkupation“ und den „Gedenkstätten des „Totalitarismus“ bzw. „Faschismus“ gerne Schuhe ausgestellt: Im Warschauer Museum des Kommunismus ist es ein Paar linke Schuhe. Dazu wird erklärt, dass es sich dabei um eine Prämie handelt, mit denen in den Fünfzigerjahren Arbeiter des Stahlwerks „Warszawa“ ausgezeichnet wurden.

Im Eisenhüttenstädter Zentrum für DDR-Alltagskultur ist es ein Paar rote Damenschuhe, die in der DDR für den westdeutschen Konzern Salamander produziert wurden: So wie heute fast alle Schuhe in Billiglohnländern gefertigt werden.

Im Okkupationsmuseum von Tallin ist es ein Paar zerfetzte Schuhe – mit denen ein einst nach Deutschland verschleppter Este wieder in seine Heimat zurückkehrte.

In Riga ist es ein paar rote Filzstiefel – mit denen ein nach Sibirien verbannter Lette sich wieder nach Hause schleppte.

Im Moskauer Weltraummuseum sind die silbernen Kosmosstiefel von Juri Gagarin ausgestellt und im dortigen Revolutionsmuseum ein Paar Bastschuhe, das zeigen soll, wie arm die Bauern vor der Kollektivierung waren.

Im Gulag-Museum von Perm-36 ist es ein mit Draht zusammengehaltenes Paar Halbstiefel, das von einem Häftling getragen wurde.

Im Marikina Museum von Manila sind dreihundert edle Damenschuh-Paare ausgestellt, die der Diktatorengattin Imelda Marcos gehörten. Sie hat das Museum sogar selber eingeweiht. In Amerika sagt man angesichts einer solchen Sammelmacke bereits: „that’s imeldas!“.

Im Revolutionsmuseum von Havanna sind die Schuhe und Socken, die Ché Guevara zuletzt trug, aufbewahrt.

Im Saigoner Museum für Ho Chin Minh sind dessen aus Autoreifen geschnittene Sandalen ausgestellt.

Ähnliche gibt es dutzendweise auch im Foltermuseum von Pnom Penh zu sehen – ohne Kommentar.

In Auschwitz hat man gar einen Haufen mit tausenden von Schuhen ausgestellt, die von ermordeten KZ-Häftlingen stammen: Im Internet gibt es allein dazu inzwischen 39.000 Eintragungen.

Die meisten dieser Gedenkstätten mit Schuhexponaten sind in einer „Internationalen Koalition der Gewissens-Museen“ zusammengeschlossen. Der postkommunistische kroatische Philosoph Boris Buden hält all das für eine bedenkliche postmoderne Verkultivierung von Geschichte, Ökonomie und Politik, die bloß anzeigt, dass die Zeit zum Stillstand gekommen ist. Die Betrachtung der Schuhe in den Museen des Kommunismus, mindestens der zwei linken in Warschau, mündet dafür aber für Buden am Ende immerhin in eine Moral: „Frag nie: Wer ist diese unterdrückte, hilflose, bemitleidenswerte Kreatur, die in den Schuhen des Kommunismus herumirrte? Du bist es! Du schreitest, hier und jetzt, in den Schuhen des Kommunismus!“ – Obwohl man damit, wie gesagt, eigentlich gar nicht richtig vom Fleck kommt!

Fuß und Schuh – eine Einheit

Stellen Sie sich vor, dass Sie sich ein paar neue Schuhe kaufen und anfangen, diese wieder und wieder zu tragen. Ein Jahr später werden sich Ihre Füße und der Zustand Ihrer Schuhe unvermeidlich verändert haben, sie sind nicht mehr dieselben; die Schuhe sind viel bequemer geworden und haben sich doch nicht in irgendeiner Weise mit ihren Füßen vermischt, sondern Schuhe und Füße sind nach wie vor als getrennte und geschlossene Entitäten existent. Sie besitzen eine klar erkennbare Grenze, sind keineswegs füreinander durchlässig geworden. Die Bequemlichkeit, die sich aus der fortwährenden Benutzung der Schuhe ergeben hat, resultiert nicht aus einer Öffnung der Systeme, sondern ereignet sich schlicht und einfach in einem anderen Bereich.

Zentral ist, dass Fuß und Schuh eine plastische, eine veränderbare Struktur besitzen. Sie transformiert sich in Abhängigkeit von den rekurenten und rekursiven Interaktionen – und ebendeshalb können sich Fuß und Schuh gemeinsam und in wechselseitiger Übereinstimmung im Laufe der Zeit verwandeln. Der Grad der Kongruenz nimmt zu. Allerdings setzt diese wechselseitige Veränderung voraus, dass man die Schuhe mit einer gewissen Regelmäßigkeit und Häufigkeit benutzt und sich ein Gefühl der Bequemlichkeit einstellt, das einen dazu einlädt, sie immer wieder anzuziehen. Ich behaupte nun, dass man nicht nur die Interaktion von Fuß und Schuh, sondern auch die Begegnung von Menschen oder anderen Lebewesen in dieser Weise beschreiben kann. Die kongruenten Verwandlungen sind – das ist das ganze Geheimnis – das schlichte Resultat von rekurrenten oder rekursiven Interaktionen von Systemen; diese Interaktionen lösen wechselseitig strukturelle Veränderungen aus, die jedoch mit einem Erhalt der Organisation der Systeme einhergeht. (Humberto R. Maturana in: „Vom Sein zum Tun“, Gespräche mit Bernhard Pörksen)

Mail aus Manila

3.000 Paar Schuhe? 4.000 Paar Schuhe? Je länger das Marcos-Regime zurückliegt, desto sagenhafter wird die Zahl der Schuhe, die Imelda Marcos besessen haben soll. Selbst wenn man sonst überhaupt nichts über die Philippinen weiß, eines weiß man auf jeden Fall: Die Frau des ehemaligen Diktators hatte un-glaublich viele Schuhe. In dem Film „Imelda“ von Ramona Diaz fährt die Kamera an Vitrinen voller Pumps entlang, die alle auf der Innensohle den Namen der ehemaligen First Lady der Philippinen in goldenen Buchstaben eingeprägt haben. Sie stehen heute in einem Museum in Manila. Die Dokumentation, die im vergangenen Jahr beim amerikanischen Sundance-Filmfestival ausgezeichnet wurde, ist nun auf den Philippinen gestartet und hat eine heftige Diskussion ausgelöst. Imelda Marcos versuchte, den Film gerichtlich verbieten zu lassen. Verschwörungstheoretiker – mit denen die Philippinen reich gesegnet sind – glauben allerdings, dass sie den Konflikt nur suchte, um Vorab-PR für ihre Autobiografie zu generieren, die demnächst in England erscheinen soll. Denn schnell kapitulierte die Marcos mit der süffisanten Bemerkung, jeder habe eben das Recht auf seine eigene Weltsicht.

Und die darf sie in dem Film ausführlich und unwidersprochen ausbreiten. Imelda Marcos darf reden. Und reden und reden und reden. Über ihre Version des Marcos-Regimes (Es hat keine politischen Gefangenen gegeben, und sie selbst wollte sowieso immer nur das Beste für alle. Folter? Nie gehört!). Über den Anschlag, den sie mit elf Messerschnitten am ganzen Körper überlebte („Wenn ich schon mit so einem hässlichen Bolo-Messer erstochen werde, dann hätten sie wenigstens ein gelbes Taschentuch darumbinden können.“). Oder ihre Ansichten über Schönheit: „It is easy to be beautiful, because it is natural.“ Makellos geschminkt und frisiert und immer mit einem über die Schulter geworfenen Seidenschal angetan, sitzt sie vor der Kamera und erzählt mit Grandezza aus ihrem Leben. Das Publikum amüsiert sich über ihre ehemalige First Lady königlich. Die Journalisten, die im Film von der Folter unter Marcos‘ berichten, wirken gegen sie irgendwie sauertöpfisch. Mit ihrer Vorliebe für großes Pathos, Melodrama und Talmi appelliert Imelda Marcos an ein unausgesprochenes Einverständnis mit ihren Landsleuten, an die „Imelda in uns allen“, wie es die Zeitung Philippine Star nannte.

Diese Mentalität bringt bis heute allerhand schillernde Gestalten zu politischen Ämtern. Überdurchschnittlich viele philippinische Politiker sind ehemalige Schauspieler – zum Beispiel der frisch in den Senat gewählte Schauspieler Lito Lapid. Der möchte allerdings sein Amt gar nicht erst antreten. Lieber will der Actionstar die Hauptrolle in einem Biopic über Angelo de la Cruz, den im Irak entführten und mit Enthauptung bedrohten philippinischen Lastwagenfahrer, spielen. Von ähnlich bizarrem Kaliber ist der Parteilose Elly Pamatong, der im Wahlkampf mit dem Versprechen antrat, die Philippinen zum 51. Staat der USA zu machen. Jetzt hat er angeboten, 50 seiner Bodyguards in den Irak zu schicken, um das abgezogene philippinische Kontingent zu ersetzen.

Von Imelda können sie sich freilich alle noch etwas abschauen. Wenn sie im Mausoleum neben dem einbalsamierten, blau angestrahlten Leichnam ihres Mannes schluchzt, dann herrscht im Publikum betroffenes Schweigen. Solche Szenen kommen an in einem Land, in dem das Fernsehprogramm zu einem großen Teil aus Klatschsendungen besteht, in denen Schlagersänger und Showsternchen coram publico ihre schmutzige Wäsche waschen. Gefragt, was auf ihrem Grabstein stehen soll, antwortet sie: „Here lies love.“ Dann sind ihre Verbrechen und die 150 Gerichtsverfahren, die noch gegen sie laufen, vergessen. Vergessen auch die Steuerschulden in Dollarmillionenhöhe, die sie dem Finanzamt schuldet und die sie angeblich nicht von den 90 Peso Rente bezahlen kann, die sie als Witwe eines Kriegsveteranen monatlich bekommt.

Und die Schuhe? Laut Imelda waren es nur 2.000. Hinter vorgehaltener Hand erzählt die Wärterin des Museums, in dem die Schuhe heute sind, heimlich habe sie auch schon ein Paar anprobiert. Sie holt die beiden Schuhe aus dem Regal, streichelt über das silberne Leder und lächelt wehrlos in die Kamera. (von Tilman Baumgärtel in der taz)

Schuh and the City

„Verrückt nach Clara“ dreht sich um eine Thirtysomething-Journalistin mit Schuhtick. Und alles, alles ist geklaut.

Eine moderne Frau Ende 20 ist meist Single, kauft für ihr Leben gerne Schuhe und vergreift sich bei Kummer an überdimensionalen Double-Chocolate-Brownies. Ihr Liebesleben – es geht natürlich um die Suche nach dem perfekten Mann – ist äußerst kompliziert und chaotisch und wird wahlweise mit der besten Freundin oder dem schwulen besten Freund besprochen.

Klingt irgendwie bekannt? So nach US-Kultserien wie „Sex and the City“ oder der schon 2005 versendeten ProSieben-Adaption „Alles außer Sex“, die ziemlich floppte? Stimmt. Doch beim „We love to entertain you“-Kanal (ProSieben-Eigenwerbung) haben sie weiteren Bedarf an sexy Liebesgeschichten mit weiblicher, unter Schuh-Fetisch-leidender Protagonistin in bezaubernder Großstadtkulisse ausgemacht. Heute Abend läuft also „Verrückt nach Clara“. In acht Teilen wird das bewegte Leben der 29-jährigen Journalistin Clara Scheller geschildert. Clara (Julia-Maria Köhler) ist jung, attraktiv und lebt in der zumindest im Fernsehen überaus glamourösen Metropole Berlin. Sie teilt sich ihre Wohnung – klischeesicher ein Altbau in Berlin-Mitte – mit dem gut aussehenden Paul (Sascha Göpel). Der ist schwul, und beide arbeiten bei demselben hippen Hochglanzmagazin, für das die modebewusste Großstädterin Clara eine wöchentliche Gesellschaftskolumne schreibt. Bei den Kollegen geben sie vor, ein Paar zu sein: Clara, damit nicht jeder ahnt, dass sie Single ist. Und Paul, weil niemand wissen soll, dass er auf Männer steht. Doch eigentlich sind beide nur auf der Suche nach Mr. Right, „einem testosterongesteuerten Prachtexemplar“, wie es die verträumte Clara in einem ihrer forscheren Momente formuliert.

Wenn Clara nicht gerade arbeitet, sitzt sie also in gestylten Cafés und beobachtet Männerpos, schaut Popcorn-essend Liebesfilme mit Paul, heult sich bei ihrer besten Freundin über ihr Liebesleben aus oder frönt ihrer wahren Leidenschaft, der Jagd nach Schuhen. Erzählt wird all das als innerer Monolog im Stil eines Tagebuches, wie ihn schon „Sex and the City“-Kolumnistin Carrie pflegte. Dabei kommen allerdings derart erhellende Offenbarungen heraus, dass das amerikanische Vorbild nicht mithalten kann: „Für ein Stadtmädchen wie mich sind zwei lila Wildledersandalen, die man aus ihrem Seidenpapier befreit, wie die ersten Schmetterlinge, die man im Frühjahr sieht.“ Dass bei so viel TV-Lyrik auch der Serientitel eher schlicht aus der Filmwelt USA („Verrückt nach Mary“) geklaut ist, wundert da kaum. Eher schon, dass „Verrückt nach Clara“ so etwas wie die Adaption der Adaption darstellt. Denn Vorbild für die ProSieben-Produktion ist die französische Erfolgsserie „Clara Sheller“, die 2005 beim öffentlich-rechtlichen französischen Fernsehsender France 2 zu sehen war. Und jene Kolumnistin Clara Sheller war natürlich die Paris-Version der New Yorker Kolumnistin Carrie. Natürlich ist es erfreulich, dass sich ProSieben wieder stärker deutschen Eigenproduktionen zuwendet. Doch zeigt sich wieder einmal, dass die hinter „Verrückt nach Clara“ stehende Produktionsfirma Teamworx bei Serien kein ganz so glückliches Händchen hat. Denn das vermeintlich Eigene erweist sich eben als eine Aneinanderreihung von Zitaten und Klischees aus Serien-Vorbildern, bei der selbst Hintergrundmusik und Outfits der Darsteller kopiert werden. (von Katharina Söchting in der taz)

Joachim Pielka verarztet Lieblingsschuhe…

auch wenn davon nicht mehr viel übrig ist. Den Stand teilt er sich mit Hans Mix, dem Türöffner in der Not. (Von Hans W. Korfmann in der taz)

Manchmal muss Joachim Pielka den Kopf schütteln und sagen: „Tut mir leid, da ist nichts mehr zu machen!“ Der Patient blickt ihm entsetzt in die Augen. Pielka hat immer helfen können. Aber jetzt schüttelt Pielka traurig den Kopf und sagt: „Wenn nix mehr is, dann geht auch nix mehr!“ „Aber, Sie haben es doch immer noch hingekriegt, Herr Pielka …, so viele Jahre jetzt schon!“ Und dann bekommt Herr Pielka doch ein wenig Mitleid mit den alten Dingern und eine Stimme wie ein Hausarzt. Und eigentlich fühlt er sich auch so, obwohl es doch nur um ein paar ausgelatschte Schuhe geht.

„Die Lieblingsschuhe, das ist das größte Thema!“, sagt Pielka. „Die Leute können sich einfach nicht trennen!“ In der Regel kann Pielka auch alles noch einmal so zusammenflicken, dass der Mensch sich wieder fühlt wie neugeboren. Er neigt eben dazu, mit seinen Schuhen regelrecht zusammenzuwachsen, der Mensch, und ein neuer Schuh kommt ihm vor wie ein neuer Fuß. Deshalb wechselt Pielka so gut wie alles an einem Schuh, Laufsohle, Absatzsohle, Brandsohle, Decksohle, Innenfutter, Hackenfutter, Absatzaufbau und Schnürsenkel. Alles außer dem geliebten Oberleder. „Vor allem Männer sind äußerst pingelig“ mit ihren Schuhen. Manchmal sind Schuhe dabei, die haben 300 Euro gekostet. Da kommen dann auch echte Altgerber Ledersohlen drauf, mit Goldstempel, für 20 Euro. Oder eine Elchenloher Grubengerbung, die ein Jahr lang in einer bestialisch stinkenden Grube reift, bis sie dann bei Pielka in der Markthalle landet. „Die Kaufkraft ist da, nach wie vor!“, sagt Pielka. „Es kommen zwar weniger als früher, aber die wenigen haben mehr Geld.“ So spürt auch ein Schuster, dass die Kluft zwischen Arm und Reich größer wird. Bei den Frauen ist das beste Geschäft noch immer der brechende Absatz. Zwar sind die schmalen Sockel schon um einiges stabiler geworden, doch gegen Gitterroste und verhängnisvolle Spalten zwischen Gehwegplatten ist noch kein Leim gewachsen. Auch Hunde knabbern offensichtlich gern an Weibchens Absatz. Aber auch Männerabsätze sollen hoch sein. „Zum Beispiel dieser Musiker von Rammstein, der am Abend ’nen Auftritt hatte“, aber irgendwie zehn Zentimeter kleiner war als seine Kollegen. Also hat er den Schuh eben ein bisschen aufgebaut. Pielka sieht die Dinge pragmatisch. Er ist zu lange im Geschäft, um romantisch zu sein – egal wie hoch die Absätze sind. „Bald 40 Jahre ist das her, in ’ner Kneipe in Moabit“, da fragte ihn der Hans Mix, der bei Petri am Wurststand arbeitete, ob er nicht mit ihm einen Schuh- und Schlüsseldienst aufmachen wolle. Da würde gerade ein Stand frei in der Halle, und samstags stünden die Leute dort Schlange. Es gab allerdings ein Problem: Pielka war Schlosser, aber Mix war kein Schuster. Also holten sich die Jungunternehmer noch den Meister Ruge mit ins Boot. Ruge war einer von der alten Schule, streng und ordentlich. Da haben die beiden Herren dann auch einiges gelernt über die Schuhflickerei.

Über dreißig Jahre haben sie sich jetzt die paar Quadratmeter des Hallenstandes geteilt und Schuhe geklebt und Schlüssel gefeilt. „Es gibt Schuhe, die kommen regelmäßig, alle ein, zwei Jahre …“ Es gibt aber auch regelrechte und regelmäßige „Schlüsselverlierer und -verleger“. Wenn so ein Schlüsselverlierer den Gang entlangkommt, dann sieht Pielka „schon von weitem“, dass der gleich zu ihm sagt: „Meine Tür ist schon wieder zugefallen!“ Als ob die von alleine zufallen würden, die Türen. Und wenn das so ein alter Stammkunde mit einem alten Schloss ist, dann hat Pielka den unverkäuflichen Dietrich schon in der Hand. Denn der Dietrich ist laut Papier ein Einbruchswerkzeug. Aber verleihen darf er ihn, zumindest an seine bekannten Stammkunden und chronischen Schlüsselverleger. Wenn es sich aber um ein Sicherheitsschloss handelt, dann muss der Schlosser Pielka den Herrn Schölzel rufen, den ehemaligen Briefträger, der ein Spezialist im Türenöffnen ist. Der macht sich dann mit seinem Spezialwerkzeug im Auftrag des Schlossers Pielka auf den Weg und kümmert sich um die traurigen Menschen, die sich vor den verschlossenen Türen fühlen, als hätten sie ihr Zuhause verloren. Mit den Schlössern und den Schlüsseln, das ist nämlich eine ernste Angelegenheit. Viel ernster noch als die Lieblingsschuhe. Die Schlüssel öffnen die Tür ins Heim, wo noch viele andere Lieblingssachen stehen. Deshalb deponieren vorsichtige Menschen stets einen Zweitschlüssel bei einem Menschen ihres Vertrauens, vorzugsweise bei der Nachbarin. Für den Fall, dass die Wohnungstür wieder mal zufällt, aber der Schlüssel noch drinnen liegt. Für den viel selteneren Fall aber, dass sie ihn nicht drinnen haben liegen lassen, sondern tatsächlich draußen verloren haben, müssen sie schnellstens zu Herrn Pielka selbst, um einen Zweitschlüssel anfertigen zu lassen. Dann sieht sich Herr Pielka den Schlüssel kurz an, geht zu den Rohlingen und guckt sich einen aus und sagt dann: „Iss gut, kommen Sie in ’ner Viertelstunde wieder!“ – Darauf die Kundin: „Nee, den Schlüssel geb ich nicht aus der Hand!“ Dann muss Pielka den Schlüssel, argwöhnisch von den Blicken der Hausdame verfolgt, vor ihren Augen schleifen und darf das wertvolle Original nicht eine Sekunde aus der Hand legen. Es könnte schließlich verloren gehen. Und in falsche Hände geraten. Niemand außer den Schlossern weiß so gut, wie wichtig den Menschen ein Schlüssel ist. Kein verlorener Ausweis, kein verlorenes Portemonnaie versetzt den Menschen so in Unruhe wie der verwehrte Zugang zur eigenen Wohnung. Dabei sind die Schlüssel im Vergleich zu den Schuhen „eine leichte Arbeit“. Abgesehen von den alten Kellerschlüsseln, die noch immer mit der Hand gefeilt werden müssen. Und wenn es so ein Doppelbartschlüssel ist, dann fallen schon einige Späne. Oder bei den Durchsteckschlüsseln – „so ’ne Berliner Spezialität, gibt’s immer noch!“ Bei den Sicherheitsschlössern dagegen hat er leichtes Spiel, da greift er sich den nummerierten Rohling heraus und hält ihn kurz unter die Maschine. An die 3.000 Rohlinge werden es schon sein, die Pielka hier in der Markthalle „zu hängen hat“, die Sicherheitsschlüssel, Autoschlüssel, Motorradschlüssel, Steckschlüssel, Fensterschlüssel, Schrankschlüssel, Vierkantschlüssel und was es sonst noch gibt auf der Welt an Schlüsseln. „Ich geh hier wieder rein nach der Sanierung“, sagt Pielka. Es ist zwar nicht mehr so wie in den Siebzigern, „da standen die Samstagmorgens vor den Eingängen zur Halle in der Schlange“, und da konnte man auch noch richtig was verdienen. Aber Schlüssel verliert man immer mal wieder, und Schuhsohlen laufen sich durch. Es sieht so aus, als wäre die Idee vom Hans Mix keine schlechte gewesen. Auch wenn er selbst erst mal nicht mit ins Containerdorf ziehen wird, das für die Händler während der Renovierung der Halle errichtet wird. Nächstes Jahr wird er wohl wieder dabei sein. Auch wenn dann alles ein bisschen anders sein wird als die letzten 30 Jahre.

Der Schuster vom Kotti

Seit 20 Jahren betreibt Ibrahim Contur seine Schusterei „Abgelaufen“ am Kottbusser Tor in Kreuzberg. Dabei ist er erst 32 Jahre alt. (Von Jenni Zylka in der taz)

Zwischen einem Eisladen und einer türkischen Imbissbude ist die Schleuse in die zweite Reihe der Kotti-Geschäfte. Weil es hier stinkt, hetzt man schnell hindurch, auf dem Weg zum Babylon-Kino, zur Möbel-Olfe-Bar, zum Kita-Spielplatz an der Dresdner Straße. Oder zum Schuster. Der Schuster, für viele Frauen und einige Männer fast der wichtigste Mann im Leben – seinen Schuster sollte man sich gut aussuchen. Ibrahim Contur ist ein Bottentüftler, dessentwegen man auch noch Kreuzbergs schwelendsten sozialen Brennpunkt aufsucht, wenn man längst mit Mann und Maus ins lahme, sichere Zehlendorf geflüchtet ist. Oder anderswohin. Conturs Schusterei „Abgelaufen“ gehört zum Neuen Kreuzberger Zentrum, jenem ehrgeizigen, inzwischen etwas maroden Projekt, das Schluss machen sollte mit Siff, Drogenhandel, Ghetto und Gewalt am Kottbusser Tor. Sein kleiner Laden ist schnell voll: Mehr als vier KundInnen passen nicht in den schmalen Bereich zwischen Theke und den vor Schuhcremes und Einlagen platzenden Regalen. Die Tür ist geöffnet, an der Wand stehen zwei Stühle, und meistens sitzt dort jemand, oft nicht um auf Schuhe zu warten, sondern um sich zu unterhalten: Contur ist einer, dem man gerne beim Arbeiten zuguckt und mit dem man ins Reden kommt, auch wenn man eigentlich nur „Neue Sohle bitte“ nuscheln wollte.

Auf die kleine, staubige Schaufensterscheibe ist eine Einladung gepinselt: Am Samstag wird er feiern – 20-jähriges Dienstjubiläum. Schuhreparatur und Schlüsseldienst. Dabei ist Contur erst 32 Jahre alt. 1974 wurde er im Wedding geboren. Mit 12 lernte er das Schusterhandwerk, nebenbei, nach der Schule, im Kreuzberger Laden, den sein Vater 1986 eröffnet hatte. Mit 17 hatten seine Eltern für ihn die Verlobung arrangiert, holten das Mädchen aus der Türkei. Er heiratete mit 18, ging zur Armee, zwei Töchter kamen in den 90ern, Ende 2003 die Zwillinge, ein Junge und ein Mädchen. „Wir mussten uns in der ersten Zeit erst mal kennen lernen“, sagt Contur über seine Ehe. Er ist klein, wendig, dunkelhaarig und rotwangig, sein Lachen ansteckend, er reißt mit hauchzartem Akzent trockene Witze, auch über sich selbst. Das Phänomen Contur lässt sich beobachten, wenn man Zeit mitbringt. Eine Kreuzberger Kneipenhockerin mit Stiefeltick gibt ein Paar aus braunem Wildleder ab. Man kennt sich schon lange. „Mit mir wirst du immerhin nicht arm“, sagt sie. „Reich aber auch nicht“, kontert Contur knapp. Ein Fahrradsportler, ein junger Hiphopper, eine ältere Hippiebraut kommen zum Abholen. „Die Weißen, die Nikes, die Braunen“, sagt der Schuster, und nickt den KundInnen nacheinander zu – er hat ein Schuhgedächtnis wie Imelda Marcus.

Eine eigentlich vasenförmige, raffiniert eingeschnürte junge Frau will das zarte Fesselriemchen ihrer gefährlich spitzen Stilettos verlängern lassen, sie beschwert sich, dass es nicht um ihre eindrucksvollen Waden reicht. Ein älterer Herr kommt und redet auf Türkisch auf Contur ein. Er zeigt auf seinen Mantel und die Knöpfe, Contur überlegt eine Weile, schlägt dem Mann etwas vor, der nickt und verschwindet. „Er wollte spezielle Knebelknöpfe für die Reise nach Mekka, weil man nur Handgefertigtes dabei tragen darf, nichts maschinell Hergestelltes“, erklärt Contur den KundInnen muslimische Rituale, während er in seinem kleinen Arbeitsbereich herumwirbelt, eine bedrohliche Pressmaschine bedient, eine Sohle mit Klebstoff behandelt, eine Geschichte erzählt, einem Kind einen Lolli schenkt, einem wartenden Kunden Zeitungen oder Bücher oder ein Paar Stofflatschen anbietet, falls der die Zeit zum Bummeln nutzen möchte. Wenn der Schuster größer wäre, würde er ständig überall anstoßen. Conturs Laden wird von Deutschen und Migrationshintergründlern gleichermaßen frequentiert. „Die Deutschen schätzen das Handwerk höher, sie hängen mehr an ihren alten Sachen“, findet Contur. Die Türken, „meine Landsleute“, sagt Contur, wollten eher angeben und kauften darum ständig neu.

„Ich bin Türke“, sagt der Weddinger, dessen Familie aus Denizli in der Nähe von Antalya kommt und der keinen deutschen Pass besitzt, weil er noch nie einen brauchte. Apropos Angeben: In den 80ern fing er an, seinem Vater, eigentlich Konfektionsschneider, im damals gerade eröffneten Laden zu helfen, Botengänge zu machen. „Plötzlich hatte ich ein bisschen Geld. Davon hat er sich als erstes eine Witboy-Hose gekauft. „Die hatten den gleichen Schnitt wie die Levi’s. Wir haben uns dazu Original-Levi’s-Etikette besorgt, das Witboy-Ding rausgerissen und Levi’s reingenäht“, er und seine Schulkumpel, genäht hat Contur, auf der Schuhnähmaschine im Laden. „Damit waren wir die Coolsten“, sagt er und lacht. Die KundInnen sind bedient, ein junger Mann bringt ein Paar Leder-Schnürschuhe zurück, die Contur vergangene Woche repariert hatte – eine Naht ist wieder aufgeplatzt. Contur vernäht neu, umsonst, selbstverständlich. „Das muss für die Ewigkeit halten, wenn ich das mache“, erklärt er. Berufsehre. Seine Frau hat keinen Beruf erlernt, sie konnte anfangs nicht mal Deutsch. Die Töchter sollen etwas lernen, bevor sie sich verheiraten. „Soweit es in meiner Macht steht“, sagt Contur, „sollen sie eine Ausbildung fertig machen, vielleicht sogar schon gearbeitet haben.“ Denn wenn es nicht klappt mit dem Ehemann, können sie auf eigenen Füßen stehen. Etwas verändert sich in der türkischen, der sunnitischen Gesellschaft, findet er, langsam, aber es geht voran. Dass die Töchter auf jeden Fall heiraten werden, ist für ihn aber klar. „Kann ich mir nicht anders vorstellen.“ Und seine eigenen Pläne? In drei Jahren, mit 35, will er nicht mehr von früh bis spätabends im Laden stehen, unterbrochen nur von Betpausen – ein „Komme gleich wieder!“-Schild hängt dann in der Tür -, sondern samstags geschlossen lassen, um sich seiner Familie widmen zu können.

Contur ist der einzige Verdiener, seine Frau hat mit den Kindern zu tun, die Kleinen kommen im Sommer in einen Kindergarten. Einen Integrationskindergarten: Der Sohn hat seit der Geburt schwere Motorikstörungen, kann weder gehen noch richtig krabbeln. Geistig steht er der Schwester in nichts nach. Aber die Diagnosen über seine Krankheit sind nicht einheitlich, der erste Arzt prognostizierte ein Leben im Rollstuhl, die Krankengymnastinnen sind viel optimistischer, die Kinderärztin redet von Sauerstoffmangel während der Geburt, das Krankenhaus bestreitet alles. Contur überlegt, ob er einen Anwalt einschalten soll. Aber die sind auch nicht gerade billig. Im Wedding lebt er übrigens noch immer: Am Kottbusser Tor wohnen, das wolle er nicht. Dort zu arbeiten reicht.

Schuhservice für betrunkene Frauen

Flip Flops statt Stöckelschuhe: Die britische Polizei will stark betrunkene Frauen in der Partymeile der südenglischen Küstenstadt Torbay künftig mit flachen Strandschuhen ausstatten.

So solle vermieden werden, dass sich die torkelnden Nachtschwärmerinnen in Stöckelschuhen auf dem Heimweg ihre Beine brechen, sagte Kommissar Adrian Leisk. In letzter Zeit hätten die jungen Frauen auch oft ihre Schuhe ausgezogen und sich dann barfuß oder in Strumpfhosen in Glasscherben geschnitten. „Wir halten Ersatzschuhe für Leute bereit, die ihre eigenen Schuhe auf dem Heimweg unbequem, unpassend oder unsauber finden“, sagte der Kommissar. Der Steuerzahlerbund kritisierte das Projekt am Freitag als „Geldverschwendung“. (aus Focus)

Studie: Warum Frauen Stöckelschuhe tragen

Eine Wissenschaftlerin aus Bremen hat erforscht, was Frauen dazu bringt, ihre Füße in neun Zentimeter hohe Folterwerkzeuge zu stecken. Der Stöckelschuh ist Teil des weiblichen Balzverhaltens. Aber das ist nicht der einzige Trick, die Männerwelt zu bezirzen.

Warum ruinieren sich Frauen die Füße mit hochhackigen Schuhen, riskieren im bauchfreien Top Verkühlungen oder schrecken selbst vor Schönheitsoperationen nicht zurück? Für den Mann ihrer Träume, meint die Bremer Kulturwissenschaftlerin Ingelore Ebberfeld. „Der Wunsch nach Verschönerung ist Teil des Balzverhaltens und nötig, um einen Partner zu finden.“ Die quasi genetische Programmierung der Frauen sei quer durch die Kulturen nachweisbar, – und sie mache Sinn.

Auch in der Vergangenheit beschäftigte sich die Forscherin mit zwischenmenschlichen Themen wie dem Küssen und der Erotik des Körpergeruchs. Nun widmete sich die für provokante Thesen bekannte 55-Jährige der Kulturgeschichte weiblicher Verführung. Unter dem Titel „Blondinen bevorzugt“ wertete sie unter anderem ethnologische und historische Literatur sowie bildliche Darstellungen aus. Außerdem befragte sie rund 200 Mädchen, Frauen und Männer, um herauszufinden, wie Frauen Männer verführen. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass alle Menschen möglichst attraktive Partner für die Vermehrung suchen und sich darum spreizen wie die Pfauen. Männer gewinnen Frauenherzen aber weniger durch Schönheit als dank Kraft oder Position. „Am liebsten nehme ich natürlich Adonis und Versorger in einem“, sagt die Wissenschaftlerin. Männer hingegen fliegen zuerst aufs Äußere, und auf Blondine stehen sie besonders. „Das heißt aber nicht, dass sie Dummchen wollen.“ Um zu gefallen, sind Frauen seit Alters her viele Mittel recht: „Das fängt bei den Füßen an und hört bei der Frisur auf“, sagt Ebberfeld. Zwecks schönerer Brustkonturen trugen Griechinnen Brustbinden unter den faltenreichen Gewändern. Bis heute lassen sich Frauen vom BH in Form zwängen. Nackte Haut wirkt besonders attraktiv Was als schön gilt, hängt von Zeit und Kultur ab. Chinesinnen banden sich Jahrhunderte lang die Füße ab, damit diese Kindermaß behielten. In Afrika zum Beispiel hat das Ziehen und Zurechtfeilen von Zähnen Tradition. 1866 empfahl eine Zentralafrikanerin einer Engländerin, sich zur Verschönerung die vier unteren Vorderzähne ziehen zu lassen und einen Kristall in der Unterlippe zu tragen. Besonders attraktiv wirkt auf Männer ein wenig nackte Haut, wie Frauen offenbar instinktiv wissen. Biologen fotografierten Besucherinnen einer Wiener Diskothek und nahmen Speichelproben. Das Ergebnis: Kurz vor dem Eisprung lassen Frauen tief blicken. Je höher der Östrogenspiegel, desto mehr Haut zeigten die Probandinnen, je weniger Hormon im Blut, desto züchtiger waren sie gekleidet. Großen Reiz übt auch ein strammer Po aus, dessen Herausstrecken im Tierreich eine Aufforderung zur Paarung darstellt. Tattoos auf dem Steißbein sind weder neu noch auf die westliche Welt beschränkt, berichtet Ebberfeld und verweist auf das Foto einer Westafrikanerin von 1927 mit Schmucknarben über dem Allerwertesten. Die richtige Kleidung bringt Frau in die Chefetage Doch auch Kleidung ist in der Wirkung nicht zu unterschätzen. Für eine 1976 veröffentlichte US-Studie wurden Männer und Frauen beim Passieren von Türen beobachtet. Das Ergebnis: Je weiblicher eine Frau gekleidet war, umso häufiger hielt ihr ein Mann die Tür auf. Viele Frauen streben nach einem Ideal und sind auch bereit, dafür zu leiden. „Eine ganze Industrie lauert heute nur darauf, uns Anti-Falten-Cremes zu verkaufen und auf Diät zu setzen“, sagt Ebberfeld. Das funktioniere, weil in den Frauen der Nährboden dafür vorhanden sei und sie um die Wirkung auf Männer wissen.

„Es ist, wie es ist“, resümiert Ebberfeld: „Gegen einen ganz bestimmten Teil unserer Eitelkeit können wir uns nicht wehren, weil sie Teil des Frauseins ist.“ Doch nicht nur im Privaten finden diese Prinzipien Anwendung – auch im Job können sie helfen. Wenn eine ehrgeizige Frau schließlich nur noch eine Chance sehe, durch attraktives Outfit in eine Führungsposition zu kommen, „dann soll sie’s tun“, rät Ebberfeld. Frauen müssten begreifen, „dass wir in den Chefetagen nicht nur mit fairen Mitteln ankommen.“ (Aus: Welt online)

Stöckelschuhe sollen Liebesleben verbessern

Den Männern gefallen sie, Frauen bereiten Stilettos aber vor allem Schmerzen – dachte man bislang. Eine italienische Urologin hat nun festgestellt, dass hochhackige Schuhe den weiblichen Beckenboden trainieren. Der wiederum ist beim Sex nicht ganz unwichtig.

Wer schön sein will, muss leiden. Das sagt sich manche Frau jeden Morgen, wenn sie ihre Absatzschuhe aus dem Schrank holt und hineinschlüpft. Den ganzen Tag auf Pfennig-großen Absätzen balancieren – aber was tut man nicht alles, um gut auszusehen, sich selbst oder Männern zu gefallen. Für Orthopäden sind Stilettos ein Graus: Die Schuhe mögen zwar sexy aussehen, belasten Knie- und Hüftgelenke aber stärker als flache Treter. Mögliche Folge: Arthritis.

Eine italienische Urologin bricht nun eine Lanze für jene Schuhe, deren Absätze beim Laufen besser nicht brechen sollten: „Als Beschützerin aller Frauen, die hohe Absätze mögen, habe ich versucht, etwas gesundheitlich Positives daran zu finden“, schreibt Maria Angela Cerruto von der Universität Verona im Fachblatt „European Urology“. Und sie habe tatsächlich etwas entdeckt, erklärt sie weiter. Als Urologin interessiert sich Cerruto unter anderem für das Problem der Inkontinenz und die Rolle der Beckenbodenmuskulatur dabei. Bei einer früheren Studie hatte sie bereits festgestellt, dass die Muskulatur auch von der Fußhaltung beeinflusst wird. Nun hat die Forscherin das Phänomen systematisch untersucht – bei Frauen unter 50 mit und ohne Inkontinenz. Das Ergebnis gefiel der bekennenden Stöckelschuh-Trägerin ausgesprochen gut: Eine Fußhaltung, wie sie durch Stilettos erreicht werde, verbessere die Kontraktionskräfte der Beckenbodenmuskeln, schreibt sie und betont, dass bei ihrer Studie keinerlei Interessenkonflikte bestanden hätten. Mit anderen Worten: Es gab weder Geld noch teure Stiefel von Stiletto-Herstellern.

Anlass der Studie über die Vorteile hoher Absätze war übrigens nicht weibliche Intuition sondern eine spekulative These in einem medizinischen Magazin. „Gibt es einen Zusammenhang von hochhackigen Schuhen und Schizophrenie?“, lautete die Überschrift des Textes, über dessen Inhalt Cerruto sich zunächst wunderte und nach einigen Recherchen regelrecht ärgerte. Sie könne die These von angeblich Schizophrenie auslösenden Stöckelschuhen weder bestätigen noch widerlegen. Aber man solle solche „bizarren medizinischen Theorien“ nicht publizieren, schreibt die Urologin, ohne dass sie von anderen Wissenschaftlern zumindest eingeschätzt würden, ansonsten könnten sie missverstanden werden.

Cerrutos These besser trainierter Beckenbodenmuskeln dank hoher Absätze ist auf jeden Fall unmissverständlich. Wer auf hohen Ansätzen stöckelt, tut etwas für das Wohlergehen des Beckenbodens, erklärt die Forscherin. „Wir hoffen, nun beweisen zu können, dass das ganztägige Tragen von High Heels spezielle Übungen für den Beckenboden ersetzen kann“, sagte Cerruto der britischen Zeitung „The Telegraph“. Stöckelschuhe könnten Schmerzen mindern und die Gesundheit insgesamt verbessern. Ein intakter Beckenboden ist jedoch nicht nur zum kontrollierten Wasserlassen vonnöten, Ärzte empfehlen Frauen das Beckenbodentraining auch, um ihr Sexualleben zu verbessern. Vor und nach einer Geburt sollten Frauen täglich fünf Mal Übungen absolvieren, rät der britische National Health Service. Statt sich auf der Matte zu mühen, könnten die Betroffenen nun auch einfach in Stöckelschuhe steigen, legt der „The Telegraph“ nahe – aber so weit geht die italienische Forscherin nicht, die lieber nur von „potentiellen gesundheitlichen Effekten“ spricht. (Aus: Spiegel online)

„Reden wir von Schuhen!“ (aus: „Last Radio Show“ von Robert Altman)

Im ersten Heft – „Fremde Dinge“ betitelt – der „Zeitschrift für Kulturwissenschaften“ schreibt Bettina Gockel über „Van Goghs Schuhe – Zum Streit zwischen Heidegger und Meyer Schapiro“.

1930 hatte Heidegger in einer Amsterdamer Ausstellung einige Gemälde van Goghs gesehen, eines zeigte ein paar abgetragene Schnürschuhe. 1935 kam Heidegger in seinem Vortrag über den „Ursprung des Kunstwerks“ darauf zurück. 1965 korrespondierte Meyer Schapiro deswegen kurz mit dem Philosophen. 1968 veröffentlichte er darüber den Text „The Still Life as a Personal Object. A Note on Heidegger and van Gogh“. 1992 machte Jacques Derrida in seinem Aufsatz „Restitutionen“ auf die politische Dimension von Schapiros Entgegnung auf Heidegger aufmerksam, wie Bettina Gockel schreibt, „namentlich auf den Versuch, die Schuhe gewissermaßen ‚jenem Pathos des Rufs der Erde‘ zu entwinden und sie dem ’nomadischen, emigrierten, städtischen Kollegen, Leidensgenossen und Freund‘ Kurt Goldstein zurückzugeben, der Schapiro auf Heideggers Text aufmerksam gemacht hatte.“

Heidegger hatte van Goghs Gemälde „Schuhe“ von 1886 oder vielleicht auch „Ein Paar Schuhe“ von 1887 als „ein Paar Bauernschuhe und nichts weiter“ identifiziert, um sodann über die Schwere der bäuerlichen Tätigkeit, das Satte des Bodens, den Feldweg, das reifende Korn usw. zu schwadronieren.

Er hätte sich dabei auf den Schwadroneur Knut Hamsun berufen können, in dessen Novelle „Hunger“ (1890) ein Paar getragene Schuhe „als atmender Teil des eigenen Ichs beschrieben werden. Die Schuhe waren damals ein zeitgenössisches Thema“.

Unter bezug auf Georg Klusman will Bettina Gockel jedoch entgegen den Intentionen von Heidegger und Schapiro darauf hinaus, dass van Gogh mit seinen „Schuhen“ in der „Geschichte des gemalten Stillebens ein völlig neues Genre entwarf, nämlich ein Stilleben, das die dargestellten Dinge von oben in den Blick nimmt.“ Und was das bäuerliche der Herkunft der „Schuhe“ betrifft, dazu erzählt sie eine Anekdote aus den Jahren 1886-87: Zu einem Bild, das ein Paar Schuhe zeigt, hatte van Gogh einem Kunststudenten erklärt, er habe das Paar auf dem Flohmarkt gekauft, die Schuhe seien jedoch blank poliert gewesen, so dass er mit ihnen erst einmal durch Regen und Dreck gegangen sei, erst danach habe er sie dann gemalt. Mit seinen Bildern wollte van Gogh „in die Gesellschaft hineinwirken“.

„Aus einer persönlichen Notwendigkeit heraus ist van Gogh damit eine Verdoppelung der Dingbedeutung gelungen, die der jeweiligen Eindimensionalität der Lesarten Heideggers und Schapiros ebenso entgegensteht wie Objektivierungsstrategien des wissenschaftlichen Diskurses“ (in diesem Fall von Derrida?), schreibt Bettina Gockel.

Damit soll es erst einmal der Schuh-Diskurse hier genug sein!

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https://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2008/12/16/genossenschaftsprodukteschuhe/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Eben las ich auf einer Internetseite, das dieser blog-eintrag hier alles über Schuhe enthält, was man wissen sollte. Das war nett gemeint und brachte mich darauf, mich mal wieder nach neuen Schuh-Geschichten umzuschauen – und prompt wurde ich fündig:

    Ein taz-leser schickte der Inlandsredaktion heute aus mir unerfindlichen Gründen einen Ausriß aus der taz v. 15.8. :

    Schuhe sollen den Regenwald schonen

    Leder, mit dem der Amazonas-Regenwald geschont wird, wollen führende Schuhhersteller künftig nur noch verwenden. Die brasilianischen Lederlieferanten von Firmen wie Timberland, Clarks und Geox müssten künftig eine entsprechende Zusage unterzeichnen, so Greenpeace. Auch Nike und Adidas hätten entsprechende Vorgaben erlassen. Die Schuhhersteller hätten damit auf einen Enthüllungsreport von Greenpeace über umweltzerstörende Rinderhaltung im Amazonasgebiet reagiert. (epd)

    Die Süddeutsche Zeitung veröffentlicht heute passend zur Leichtathletik-WM ein Porträt des Sportschuh-Herstellers Adidas:

    Die ersten Schuhe fertigt Adolf Dassler 1920 aus den wenigen Materialien, die nach dem ersten Weltkrieg erhältlich sind. Seine Idee: Jeder Sportler soll für seine Disziplin den optimal angepassten Schuh erhalten. 1928 in Amsterdam optimiert er gemeinsam mit den Sportlern die jeweiligen Schuhe. Dabei entsteht „Waitzer“, der erste Laufschuh für einen olympischen Athleten.

    Am 18. August 1949 wird die Sportschuhfabrik Adidas erstmals offiziell im Handelsregister in Fürth eingetragen. Der Produktname entsteht aus den ersten Silben des Vor- und Nachnamens von Dassler.

    Das Hamburger Abendblatt schreibt zum 60. Geburtstag der Firma Adidas:

    München. Der Sensationslauf des Usain Bolt zum neuen 100-Meter-Fabelweltrekord von 9,58 Sekunden hätte Adi Dassler mit Sicherheit geärgert: Denn Bolt war am Sonntag in Berlin in Puma-Schuhen unterwegs, der Firma seines Bruders Rudolf. Der Puma-Gründer und der Adidas-Gründer sind zwar schon lange tot. Doch sie haben einen Marketing-Wettlauf um die bekanntesten Stars der Welt gestartet, der bis heute andauert. Auch ohne Bolt hat Adidas gegenüber Puma die Nase vorne – 60 Jahre nach seiner Gründung müht sich das Unternehmen allerdings als weltweite Nummer 2 an Marktführer Nike ab.

    Bundestrainer Sepp Herberger nahm Dassler mit auf die offiziellen Sieger-Fotos. Bei der Suche nach den Gründen für den deutschen Sieg rückten die Schuhe in den Blickpunkt. In Deutschland wurde aus Dassler der „Schuster der Nation“, in England lautete eine Schlagzeile „What a Dassler!“ Damit war die Grundlage für den fortan florierenden Export gelegt. Adidas verfolgte nun auch konsequent die Strategie, mit der Ausstattung von Stars die Sport-Amateure für seine Produkte zu begeistern.

    Bedeutend für den Erfolg von Adidas wurden auch die Olympischen Spiele in Melbourne 1956. Adi Dasslers Sohn Horst vertrat als gerade 20-Jähriger die Firma vor Ort und zeigte ein Verkaufstalent, das als noch größer als das seines Vaters galt. In einer Zeit, als jede Art von Sponsoring verboten war, wies er den örtlichen Adidas-Vertreter an, seine Schuhe an die Sportler zu verschenken. Am Ende waren 70 Goldmedaillen-Gewinner von Melbourne mit den drei Streifen unterwegs.

    Unter Horst Dassler wuchs Adidas zur weltgrößten Sportartikelfirma, Boxer Muhammed Ali, Weitsprung-Legende Bob Beamon und natürlich Franz Beckenbauer trugen die Marke. Vor allem im Fußball entdeckte Horst Dassler eine gigantische Marketingchance.

    Allerdings verpassten es Horst Dassler und seine vier Schwestern, dem Familien-Unternehmen eine angemessene Führungsstruktur zu geben. Als Horst Dassler 1987 plötzlich starb, schlitterte Adidas in eine schwere Krise. Trends aus den USA hatte die Firma schon vorher verschlafen, nun fehlte es auch an Führung. Schon 1990 übernahm der Franzose Bernhard Tapie die Kapitalmehrheit am Unternehmen.

    Doch Tapie übernahm sich, 1993 musste er sich wieder zurückziehen. Zum Retter des angeschlagenen Sportherstellers wurde der Franzose Robert Louis-Dreyfus als Adidas-Chef. Mit einer drastischen Erhöhung des Werbe-Etats gab er Adidas ein frisches Image.

    Unter seinem heutigen Chef Herbert Hainer gibt das Unternehmen inzwischen etwa jeden siebten Euro des Umsatzes für Marketing aus, alleine in diesem Jahr damit mehr als eine Milliarde Euro. Auch wenn die Geschäfte zuletzt in der Krise eher schlecht liefen, verfolgt Adidas weiter das Ziel der Rückkehr zur Weltspitze. Das kommende Jahr bietet viele Chancen für mehr Umsatz – schließlich stehen die Olympischen Winterspiele in Vancouver und die Fußball-WM in Südafrika an. Mit geschenkten Schuhen für die Sportler ist es allerdings nicht mehr getan – inzwischen wandern Millionen auf die Konten der Besten.

    Das Wirtschaftsmagazin „Der Handel“ meldet:

    Unter dem Label „5th Avenue“ sollen rund 40 Modelle der Schuhkollektion von Cindy Crawford in den Filialen von Deichmann angeboten werden. Die „Cindy Crawford Collection by 5th Avenue“ wird ab dem 7. September auch mit Fernsehspots promotet.

    „Ich liebe Schuhe – wie alle Frauen“, erklärte Crawford während des Drehs zum Werbespot. „Ich musste mich deshalb auch nicht lange überreden lassen, meine eigene Schuhkollektion herauszubringen.“

    Die Süddeutsche Zeitung unkt zu dieser Topnachricht:

    Drei Tage dauerte das Foto-Shooting in New York. Star-Regisseur Jake Nava und 100 weitere Mitarbeiter setzten Crawford unter anderem auf der 5th Avenue in Szene. Über die Kosten für die Werbekampagne schweigt die Firma Deichmann, verspricht aber: „Die Schuhe werden nach dem Spot jedenfalls nicht teurer.“

    Die Bild-Zeitung will angeblich herausgefunden haben, dass Crawford nach dem Dreh alle Schuhe behalten hat – mit der Begründung: „Ich mag hochwertige Lederschuhe.“ Ob das Model dafür bei Deichmann an der richtigen Adresse ist, darf zumindest bezweifelt werden.

    Das Forum „stattweb.de“ berichtet heute:

    Berlin: Merkel schlurft in Schillers Schuhen durch die Krise

    Damit ist jedoch nicht der Schuhmacher Horst „Hotte“ Schiller in der Manteuffel Ecke Naunynstraße gemeint, sondern der Wirtschaftsminister Schiller, den dort an der Ecke und auch an anderen jedoch kein Schein mehr kennt.

    Ähnlich verwirrend ist auch die FAZ-Überschrift eines Artikels aus Salzburg:

    Der Vormarsch der braunen Schuhe

    Die Festspiele haben ihre Faschismusdebatte. Originell an den Vorwürfen der österreichischen Schriftstellerin Marlene Streeruwitz ist, dass die von ihr behauptete ideologische Kontinuität vom restaurativen Programm der Gründerjahre über den Austrofaschismus bis zum angeblichen heutigen Geschmacksdiktat der Sponsoren an jedem Festspielabend Evidenz im wörtlichen Sinne der Sichtbarkeit gewinnen soll: dort, wo das Gesellschaftliche ästhetisch wird, im Auftreten der Besucher.
    Dieser Faschismusbegriff scheint nun allerdings zu allgemein, um das Faschismuspotential der Salzburger Festspiele zu messen. Soll Mode, per definitionem nichts Individuelles, immer faschistoid sein? Man wird wohl doch hinsehen müssen, wie die Damen und Herren Festspielgäste sich kleiden. Aber wonach soll man sehen? Eine Antwort bietet die große Braun-Debatte, die mein Kollege Jens Jessen, Feuilletonchef der „Zeit“, im Mai dieses Jahres losgetreten hat.

    Jessen machte darauf aufmerksam, dass Potentaten zweifelhafter demokratischer Dignität wie Berlusconi und Medwedjew sich neuerdings gerne mit braunen Schuhen zum blauen Anzug zeigen. Mutwillig verstießen sie gleich gegen zwei mehr als hundert Jahre alte Grundregeln der Zivilisation: Der Herr kombiniert Braun nur mit verwandten Farbtönen und trägt es nie abends, nie zu offiziellen Anlässen. Auch „merkwürdige Geschäftsleute“, damit sind wir wieder beim unheilvollen Bund von Politikern und Sponsoren, fänden Gefallen an dem ostentativen Regelverstoß, der „die Aura giftig schillernder Macht“ verleihe.

    Nicht mehr in Braunhemd oder Schwarzhemd kommt der Faschismus daher, sondern in Blausakko und Braunschuh. Als verwandte Unsitte rügt Jessen den bei den Bayreuther Festspielen schon zum Vorstellungsbeginn von sechzehn Uhr angelegten Smoking. Dass Hitler damit angefangen haben soll, ist nicht belegt, für Jessen aber plausibel. Denn „wer mit einer Tradition bricht“, und sei es eine Konvention der Kleiderordnung, „wird sich immer fragen lassen müssen, welche Zivilisationsbrüche er sonst noch für möglich hält“. Die Warnung vor dem Vormarsch der braunen Schuhe hat heftigen Widerspruch provoziert. Es wird bestritten, dass die von Jessen bemühte englische Maxime „No brown after six“ auf dem Kontinent Verbindlichkeit beanspruchen kann.

    Es scheint passend, das Publikum der Salzburger Festspielaufführung von „Moise et Pharaon“ mit Jessens Augen zu inspizieren.

    In zwei Pausen sowie vor und nach der Vorstellung habe ich an männlichen Besuchern achtzehn Paar braunes Schuhwerk gezählt. Das Große Festspielhaus hat 2170 Plätze. Einklammern muss man die Gäste, die gar keine Abendkleidung angelegt haben, etwa einen Herrn, der graubraune Schuhe zu einer ebensolchen Hose trägt, aber kein Sakko, sondern über das gestreifte Hemd einen Pullover geworfen hat. Ein verwandter Fall: hellbraune Schuhe, blauer Pullover. Die Boykotteure des Dresscodes kann man wohl an zwei Händen abzählen. Diese Minderheit ist in Salzburg sogar kleiner als in Bayreuth (wo ohnehin das verbreitete Ablegen der Smokingjacke Jessen insoweit ins Recht setzt) und stört überhaupt nicht.

    Auch bei den bewussten oder unachtsamen Verstößen gegen die Übung handelt es sich um Einzelfälle: braune Schuhe zu grauem Anzug (zweimal), spitze braune Schuhe zu schwarzem Anzug, schwarze Schnallenschuhe zu beigem Anzug. Erst recht gilt das für die verschärften Fälle: dunkelbraune Slipper zu kleinkariertem schwarzweißen Sakko (Japaner), ausgetretene graubraune Schuhe zu hellblauem Trachtensakko.

    In mehreren Fällen verbürgt die Begleiterin im Analogieschluss die Absicht zum Stil: das tief ausgeschnittene feuerrote Kleid beim Herrn im braunen Anzug mit braunen geflochtenen Schuhen, die Sandalen mit Korkabsätzen beim Träger eines schwarzen Anzugs ohne Krawatte, aber mit grünem Einstecktuch und spitzen braunen Schuhen. Der betagte Engländer mit Knollennase wird wohl medizinische Gründe für seine braunen Sandalen zum Smoking geltend machen können, obwohl auch seine Gattin Trekkingsandalen trägt. Gegen Jessen ist eingewandt worden, in Italien stelle die Harmonie der Töne die Regel dar, sei die Eleganz der Gesamterscheinung das Ziel. In diesem Lichte wäre es interessant, die Nationalität des Herrn in schwarzem Anzug und schwarzem Hemd zu kennen, bei dem die Schuhfarbe mit dem Teint harmoniert und die Schuhform mit dem kahlrasierten Kopf. Das Modell Ton in Ton gibt es auch komplett mit brauner Umhängetasche.

    Ob man nun Jessens Regel zustimmt oder nicht: Es kann überhaupt kein Zweifel daran bestehen, dass sie in Salzburg gilt, dass sich die weit überwiegende Mehrheit der Festspielbesucher an sie hält. Was den faschistischen Aufmarsch angeht, kann Entwarnung gegeben werden.

    Die Kronen-Zeitung deckt einen Riesenskandal auf. Der im Mozartjahr 2006 in der Hofstallgasse verlegte goldene Straßenbelag muss erneuert werden. Stöckelschuhe sinken ein. Das kostet Millionen! Wenn man nicht weiß, dass der Belag golden sein soll, sieht er ohnehin braun aus.

    usw.

  • Dass Wladimir Kaminer eine besondere Beziehung zu Schuhen hat, geht aus einem der obigen Texte hervor, hier ist noch eine Schuh-Geschichte von ihm. Sie spielt auf einem Prominentendinner auf Sylt, wo drei Models den Gästen vorab Wodka anboten. Im Laufe des Abends passierte Folgendes:

    „Die drei Wodkahostessen hatten es inzwischen mehr als satt, mit schweren Tabletts in den Händen vor dem Eingang Unbekannte anzulächeln, außerdem konnten sie auf ihren hohen Stöckelschuhen kaum noch stehen. Die beiden deutschen Mädchen setzten sich in die Lobby und rauchten, die Polin Daria zog ihre Schuhe aus und lief barfuss durch die Räume. Sie ging hin und her, verschwand aus meinem Blickwinkel, kam wieder und irgendwann konnte sie ihre Schuhe nicht mehr finden, sie waren verschwunden, einfach weg. Die meisten Gäste verabschiedeten sich bereits, der späte Abend verwandelte sich in eine frühe Nacht. Daria fragte beim Kellner nach, beim Oberkellner und beim Chefkoch, niemand hat ihre Schuhe gesehen. Daraufhin weinte sich Daria im Raucherzimmer aus und erzählte dabei, die Schuhe seien ihr als Teil der Uniform von der Wodkafirma geliehen worden, jetzt würde die Firma ihr bestimmt diese unverschämt teuren Schuhe von ihrer viel zu kleinen Hostessengage abziehen, was heiße, dass sie die ganze Zeit auf Sylt für nichts und wieder nichts gearbeitet habe und ihre Anreise von Hamburg umsonst gewesen sei. Aber das mache ihr gar nichts, sagte Daria, und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, denn das Leben sei schon immer hart zu ihr gewesen und sie sei daran mehr oder weniger gewöhnt.

    Mach Dir keine Sorgen, beruhigte ich sie, bestimmt hat Dir jemand bloß einen Streich gespielt und morgen wirst Du deine Schuhe an der Rezeption ausgehändigt bekommen. Daria wollte nicht daran glauben, nahm einen Schluck Champagner und ging – wieder weinend – weg. Ihre Kolleginnen waren längst schlafen gegangen. Ich ging ebenfalls zu Bett, dachte jedoch noch weiter darüber nach, woran mich diese Schuhgeschichte erinnerte. Draußen dämmerte es langsam, der Himmel hellte sich auf und plötzlich wurde es mir klar: Daria war ein modernes Aschenputtel. Sie hatte bestimmt ganz ungeplant und nur halbbewusst dieser Aschenputtel nachgeahmt und ihre Schuhe irgendeinem superreichen Andrej, Sergej oder Uwe unter den Tisch geschoben, in der Erwartung, er würde wie ein richtiger Prinz handeln, d.h. die Schuhe finden, sich wundern und nach dem Mädchen suchen, dessen Füßchen in diesen goldenen Stöckelschuhe mit dem Wodkalogo paßten. Er würde einen der Schuhe nehmen und ihn alle Hostessen in der Raucherecke anprobieren lassen, der Schuh würde natürlich den anderen nicht passen, weil sie alle viel größere Füße hatten. So würden sich Daria und der Prinz kennen lernen und schon wenig später würden die beiden auf Hawaii oder irgendwo in der Karibik in der Sonne liegen, auf jeden Fall nicht auf Sylt, wo es doch im Winter so kalt und feucht ist und das Wasser dem Urlauber ständig den Rücken zeigt. Aber der Prinz vom Gourmetfestival hatte das ganze Märchen versaut, er hatte die Schuhe wahrscheinlich einfach weggeschmissen oder noch schlimmer, die Schuhe mitgenommen, um sie seiner Frau Zuhause zu schenken: Hier für Dich Liebling, habe ich Dir von Sylt mitgebracht. Und seine Frau würde ihn verständnisvoll anlächeln, ihren Riesenschuhschrank aufmachen und die Aschenputtelschuhe dort auf alle Ewigkeit versenken.“

  • Schuhwurf auf Bush macht Schule:

    Cambridge – Chinas Staatsmedien haben den Schuhwurf auf Ministerpräsident Wen Jiabao bei einer Rede in der britischen Universitätsstadt Cambridge verschwiegen. Das Außenministerium in Peking protestierte am Dienstag aber gegen das „verabscheuungswürdige Verhalten“ des Werfers.

    „Ein Mann hat verzweifelt versucht, die Ordnung im Saal und die Rede zu stören. Sein Verhalten stieß auf energischen Widerstand des ganzen Publikums. Er wurde ausgebuht und abgeführt“, erklärte das Ministerium in seiner Version des „Zwischenfalls“, ohne den Schuhwurf selbst zu erwähnen, der an eine ähnliche Attacke auf US-Präsident George W. Bush im Dezember in Bagdad erinnerte.

    Der 27 Jahre alte Schuhwerfer muss sich in der kommenden Woche in Großbritannien vor Gericht verantworten. Ihm werde Störung der öffentlichen Ordnung vorgeworfen, sagte eine Polizeisprecherin. Angaben zur Nationalität des Mannes machte sie nicht. Der Turnschuh hatte Wen Jiabao nicht getroffen, sondern war ein Stück entfernt von ihm auf dem Boden einer Bühne gelandet. Der Regierungschef kommentierte auf Chinesisch: „Diese verachtenswerte Tat kann die Freundschaft zwischen dem chinesischen und britischen Volk nicht aufhalten.“

  • Weitere Schuhungen:

    Dieser schuhische Enthauptungs- oder Entwürdigungs-Wurfsversuch kam ja sehr spät; bei Mr. vulg.-theol. Aggressors letztem Versuch, im Irak als Gottes-Bombardement-Vertreter aufzutreten.

    Aber Symbole, hier die doppelten Zeichen der entäußerten und verschenkten und weggeworfenen Fußbekleidung (ohne Dyn@mit-Einlagen) ist ein dynamisches, interreligiöses Ergreifen der schuhischen und biblischen Gelegenheit, sich an Orten oder vor Personen, wo man sich nicht willkommen fühlt, „den Staub von den Füßen zu schütteln“. (Dreimal ist diese Wahrhaftigkeit fördernde Ausdrucksweise in den Büchern überliefert, die bibelfeste Christen den „Neuen Bund der Liebe“ nennen: Mt 10,14; Apg 13,51; Apg 18,6.)

    Lernet, ihr Christen! Lernet vor der christ-selbstgerechten H e i l i g e n F e i n a n z n a c h t, was es heißt und zu zeigen lehrt, sich materialiter und kathartisch zu reinigen – von Finanz-Spekulationen, Straßen- oder Kultur-Dreck oder Präsidentendarstellern, die Menschenrechtsverletzer sind.

    Herr Muntaser el Saidi, Sie mutiger Journalist:

    Der Herr hat (Psalm 91,11f.) verheißen: „Er hat seinen Engeln befohlen d e n selbstlos-mutigen Schuh-Schenker auf Händen zu tragen, dass seine unbeschuhte Füße an keinen Stein stoßen.“

    Dass es irgendwann einmal Militaristen gäbe, die ihren Kopf von den Schultern reißen könnten oder wollten, um zeichenhaft Würde auszudrücken, ist kapitale Phantasmagorie … – man müsste schon detonativ nachhelfen.

    Es soll auch im biblischen Personal der Kriegs- und Sprüche-Christen einen Schuster gegeben haben.
    Er stand mir aber in meiner augenblicklich kopfknotigen Amnesie nicht zum Interview zur Verfügung.

    Er soll sich im Iran aufhalten, um weitere Entschuhungen motivational einzustimmen.

    Militärfachleute können sicherlich Bomben konstruieren und bepacken lassen, die Hunderte von Schuhzeugs zielgerecht entladen lassen – auf den Häuptern, die irakischer Symbolik bedürfen, damit sie wissen, wohin sie ihr Haupt geruh- und friedsam hinlegen können in Bettung und Selbst- und Ander-Achtung.

  • Wladimir Kaminer, Urenkel eines Schusters, schreibt in einem längeren Text über Anton Tschechow:

    Tschechow wurde in Taganrog geboren, in einer südrussischen Hafenstadt, zwischen der Steppe und dem Asowischen Meer, dem kleinsten und dünnsten Meer Russlands. Sein Vater hatte dort einen Gemischtwarenladen. Mein Urgroßvater väterlicherseits hatte nebenbeibemerkt ebenfalls einen Laden in Taganrog, einen Schuhsalon mit einer Werkstatt. Mein Urgroßvater war ein Schuhmacher, ein herausragender Meister, so wird es zumindest in der Familienlegende erzählt. Vielleicht hat Anton Tschechow sogar bei meinem Urgroßvater einmal Schuhe gekauft. Bei einer Körperlänge von 186 Zentimetern müsste er, so schätze ich, die Schuhgröße 45 gehabt haben.

    Von meinem Urgroßvater ist ein Foto geblieben. Auf diesem Bild sieht man einen stark behaarten Mann in weißem Hemd mit Fliege, der ein Paar Schuhe in der Hand hält. Leider kann man auf den meisten Fotos von Tschechow die Schuhe von Tschechow nicht erkennen. Die Fotografen haben sich mehr auf sein Gesicht konzentriert, auf seine Stirn, seinen Schnurrbart, seine Brille. Es gibt viele Fotos, die Tschechow mit Hut zeigen. Aber ich habe kein einziges Foto von Tschechow mit Schuhen gesehen. Ein solches Foto würde ich vergrößern lassen, Freunden und Verwandten zeigen und behaupten, mein Urgroßvater hätte diese Schuhe gemacht und sie dem großen Schriftsteller verkauft.

    Die Schuhmacherei meines Urgroßvaters hat sich sogar genetisch auf die Nachkommen übertragen. So konnte noch mein Vater und sogar ich perfekt Schuhe nachzeichnen, obwohl wir sonst gar nicht zeichnen können. Mein Vater konnte nicht einmal eine Fratze nachzeichnen, aber Schuhe schaffte er immer perfekt und gab damit ständig an. Ich kann auch Enten nicht schlecht zeichnen, das hat mir ein Kumpel im Kindergarten beigebracht, doch selbst meine Enten sehen manchmal aus wie Schuhe. Daraus schließe ich, dass mein Urgroßvater in Taganrog ein gottgesegneter Schuhmacher war. Als der junge Tschechow zu ihm in den Laden kam, hat mein Urgroßvater bestimmt gespürt, dass es sich dabei um einen besonderen Kunden handelte, möglicherweise um einen Schriftsteller, also einen Menschen, der besonders sensibel und Kleinigkeitsfixiert ist. Deswegen hat mein Urgroßvater dem jungen Tschechow sein bestes Paar verkauft. Zuerst ließ er sich aber mit diesen Schuhen vom örtlichen Fotografen ablichten. Auf diese Weise landete das weltweit einzige Foto von Tschechows Schuhen in meinem Familienarchiv.

    Tschechow war dermaßen von seinem neuen Schuhwerk begeistert, dass er die Schuhe nicht einmal nachts ausziehen wollte. Tagsüber erzählte er bei jeder Gelegenheit und überall von seinen neuen Schuhen, zeigte sie anderen Schriftstellern und bald hatten die anderen von diesen Erzählungen die Nase voll. Als Tschechow versuchte, seinen alten Freund Leo Tolstoj zu überreden, sofort nach Taganrog zu reisen um bei meinem Urgroßvater auch ein paar Schuhe zu kaufen, wurde Tolstoj dermaßen wütend, das er sich schließlich sogar seiner eigenen Schuhe entledigte und bloß noch barfuss durch die Gegend lief – aus Protest gegen die Schuhbesessenheit seines Freundes.

    Mein Urgroßvater hat es nie erfahren, sein Leben fand abseits der großen Literatur statt. Sein Sohn, mein Großvater, wurde von den Kommunisten aus Taganrog in die Ukraine geschickt, um eine Schuhfabrik zu leiten, dort haben sie dann aber keine Modeschuhe, sondern nur noch Gummistiefel produziert. Das haben Tolstoj und Tschechow Gott sei dank, nicht mehr miterlebt. Der Enkel meines Urgroßvaters verließ die Ukraine und ging nach Moskau, um dort zu studieren. Er produzierte dann in der Hauptstadt in einem Betrieb der Binnenschifffahrt ausklappbare Pontonbrücken. Sein Sohn (das bin ich) ging später von Moskau nach Berlin und wurde deutscher Schriftsteller. So ungefähr sah die Entwicklung der männlichen Linie unserer Familie vom XIX. bis ins XXI. Jahrhundert aus: Schuhe – Gummistiefel – ausklappbare Pontonbrücken – Literatur.

  • Während im islamischen Raum vielerorts die Amerikaner mit Schuhen beworfen werden, fragt die Junge Welt heute: „Schuhwerfer in Bagdad gefoltert?“

    Der irakische TV-Journalist Muntader Al-Saidi bekommt für seine Schuhwürfe auf US-Präsident George W. Bush Zuspruch aus aller Welt – von den Besatzungsbehörden in Bagdad wird er derweil offensichtlich brutal mißhandelt. Wie Durgham Al-Saidi (32) am Dienstag gegenüber der Agentur AFP versicherte, seien seinem 29jährigen Bruder ein Arm und mehrere Rippen gebrochen worden. Zudem habe dieser Verletzungen an einem Auge und an einem Bein erlitten. Muntader Al-Saidi wurde den Angaben zufolge von den Mitarbeitern des nationalen irakischen Sicherheitsberaters Muaffak Al-Rubai in der von US-Truppen bewachten »Grünen Zone« in Bagdad festgehalten. Die von Washington gestützte irakische Regierung Nuri Al-Malikis wollte zu den Vorwürfen nicht Stellung nehmen.

    Laut AP wurde Al-Saidi am Dienstag nachmittag den irakischen Justizbehörden übergeben, die ihm wegen Beleidigung eines ausländischen Staatsgastes den Prozeß machen sollen. Der Journalist hatte am Sonntag abend auf einer Pressekonferenz in Bagdad seine beiden Schuhe auf Bush geworfen, diesen allerdings knapp verfehlt. »Das ist dein Abschiedskuß, du Hund! Das ist von den Witwen, den Waisen und all denen, die im Irak getötet wurden!« rief Al-Saidi, bevor er von US-amerikanischen und irakischen Sicherheitskräften überwältigt und aus dem Raum geschafft wurde.

    Inzwischen hat sich eine internationale Solidaritätsbewegung für den festgehaltenen Bush-Kritiker entwickelt. Im Internet wurde die Kampagne »50000 Unterschriften für Muntader Al-Saidi« gestartet (www.ipetitions.com/petition/iwffomuntatharalzaidi/?e). Darin wird die unverzügliche und bedingungslose Freilassung des Patrioten gefordert, der »in Reaktion auf die »unmoralische Irak-Invasion« sowie »die von den Besatzungstruppen und lokalen Hilfskräften verübten Kriegsverbrechen« Bush symbolträchtig attackiert habe. Die von Al-Maliki geführte irakische Regierung sowie die Bush-Administration werden für das Leben, die Würde und die Gesundheit Al-Saidis verantwortlich gemacht.

    Im Irak und vielen anderen arabischen Ländern bekundeten am Dienstag den zweiten Tag in Folge Tausende Demonstranten ihre Solidarität. Der libanesische Fernsehsender New TV (NTV) bot Al-Saidi eine Stelle an. »Dein Gehalt wird von dem Moment an gerechnet, als du mit deinen Schuhen nach Bush geworfen hast«, sagte ein Moderator in einer Livesendung am Montag abend. Zudem sei NTV bereit, die Kaution für Saidis Freilassung und seine Anwaltskosten zu übernehmen. Der Sender wolle damit seine »moralische und materielle Unterstützung« für den irakischen Kollegen, der für den in Kairo ansässigen Kanal Al-Bagdadija arbeitet, ausdrücken und die »US-Besatzung verurteilen«. Auch Venezuelas Präsident Hugo Chávez lobte den »Schuhwerfer von Bagdad« für seine Tapferkeit wider Bush. »Gott sei Dank hat er auf ihn nicht eingeschlagen«, zitierten venezolanische Medien des Staatschef. »Aber was für eine Tapferkeit!«

    AFP meldet heute:

    Der Schuhwurf eines irakischen TV-Journalisten auf US-Präsident George W. Bush hat einen jungen Briten zu einem Internet-Spiel inspiriert. Der 24-jährige Alex Tew programmierte eine Seite, auf der Internetnutzer einen virtuellen Schuhwurf auf den scheidenden Präsidenten wagen können. Ziel des Spiels ist dabei, den Schuh binnen 30 Sekunden gegen den Kopf der sich bewegenden Bush-Figur zu schleudern.

    Mehr als 1,4 Millionen haben den virtuellen US-Präsidenten bereits im Gesicht getroffen, wie ein Zähler auf der Seite http://www.sockandawe.com am Dienstag anzeigte. Der irakische Fernsehjournalist Muntaser el Saidi hatte am Sonntag während eines Treffens von Bush mit dem irakischen Regierungschef Nuri el Maliki in Bagdad seine beiden Schuhe in Richtung des US-Präsidenten geworfen, ohne ihn jedoch zu treffen. „Dies ist dein Abschiedskuss, du Hund!“, rief der Journalist dabei. Saidi sitzt mittlerweile im Gefängnis, nach Angaben seiner Familie wurde er von irakischen Sicherheitskräften misshandelt.
    Im Internet: Schuhwurf-Spiel: http://www.sockandawe.com/

  • Zum Begriff des Sneakers:

    Sneaker (deutsch: Schleicher) ist der Sammelbegriff für Sportschuhe, die nicht zum Sport, sondern im Alltag getragen werden. Der Sneaker ist somit ein meist dem Laufschuh ähnlicher, modischer Straßenschuh.

    Die ersten Sportschuhe wurden um 1860 in England (und etwa zeitgleich in den USA) als Krockettschuhe mit flexibler Gummisohle und einem Schaft aus Leinen gebaut. Die knapp über dem Boden liegende, den Schuh umlaufende, farblich kontrastierende Linie auf dem Gummisohlenrand, trug diesen Modellen den Namen Plimsolls ein (nach dem Erfinder der Ladelinie bei Schiffen, Samuel Plimsoll). 1917 kamen in den USA die Keds genannten und von der U.S. Rubber Company in Massenfertigung produzierten Sneaker (für Kinder) auf den Markt und wurden von den Erwachsenen schon bald als Sportschuhe (Tennis) für geeignet befunden. 1919 folgte der knöchelhohe Converse All Star und wurde über Jahrzehnte zum Inbegriff des Sneakers in Nordamerika.

    Der Begriff Sneaker selbst ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts und stammt vom Werbefachmann Henry Nelson McKinney; denn außer Mokassins hatten damals alle anderen Schuhe bedingt durch die Ledersohlen einen lauten Auftritt (engl. „to sneak“: schleichen). In den 1950er Jahren ließ sich Teenikone James Dean mit Sneakers ablichten; daraufhin wurden die billigen und pflegeleichten Schuhe zur bevorzugten Fußbekleidung der Jugend und gaben in den Folgejahrzehnten einer ganzen Turnschuhgeneration den Namen.

    Der ursprüngliche Grund für das Tragen von Sportschuhen im Alltag war der sich auch in der Kleidung manifestierende Protest der Jugend gegen das herrschende Establishment und die Erwachsenenkultur, die glanzpolierte Lederhalbschuhe bevorzugte. Zum Erhalt und der weiteren Verbreitung trugen auch der wesentlich geringe Pflegeaufwand (kein Glanz und keine Lederpflege, da größtenteils Kunstfaserschäfte) und die im Vergleich zu hochwertigen Lederschuhen günstigeren Ladenpreise der durch billige Massenfertigung (angespritzte und vulkanisierte Machart) hergestellten Sneaker bei.

    Der Sneaker in seiner qualitativ höherwertigen Art (Edelsneaker genannt) geht vermutlich auf ein Modell von Ludwig Reiter zurück, der als Hersteller Ende der 1970er Jahre Jahren erstmals einen vom Preis und Material her anders positionierten Sneaker anbot. Mit der allgemeinen Sporteuphorie der 1980er Jahre setzte sich der Sportschuh bzw. Sneaker dann in weiten Teilen der Bevölkerung als akzeptiertes Freizeitschuhmodell durch.

    Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff „Sneaker“ zur Kategorisierung spezifischer Schuhmodelle im allgemeinen Sprachgebrauch und im Marketing erst seit den späten 1990er Jahren verwendet. Zuvor wurde von „Turnschuhen“ oder „Sportschuhen“ gesprochen (als sich etwa Joschka Fischer im Jahr 1985 „in Turnschuhen“ als Landesminister vereidigen ließ, wäre damals niemand auf die Idee gekommen zu sagen, er habe sich in „Sneakern“ vereidigen lassen). Die Verwendung des Begriffes „Turnschuh“ zu vermeiden und stattdessen von „Sneaker“ und „Sportschuh“ zu sprechen ist also im Zuge der fortschreitenden Anglisierung etwa seit der Jahrtausendwende üblich geworden. Diese sprachliche Differenzierung ist allerdings durchaus sinnvoll, da seit dieser Zeit „Sneaker“ auch in Deutschland explizit als eben solche produziert und beworben werden und optisch und funktional offensichtlich (auch von Laien) von der Gattung „Sportschuh“ unterschieden werden können. Die Kategorie „Sportschuh“ umfasst seitdem Schuhe, die für den tatsächlichen Einsatz im Sport entwickelt werden und die neben ihrem modischen Erscheinungsbild diesbezügliche Funktionen übernehmen. Der Begriff „Sneaker“ bezeichnet hingegen modische Schuhe zum Tragen im alltäglichen Freizeitbereich (weniger im Berufsleben oder zu offiziellen Anlässen), die in sportschuh-ähnlicher Optik designt und produziert werden, jedoch nicht primär sportliche Funktionen erfüllen. Die Differenz zwischen Sportschuhen und Sneakern wird auch daran ersichtlich, dass in Klubs und Diskotheken der Einlass „mit Sportschuhen“ meist verwehrt, das Tragen zeitgemäßer Sneaker hingegen als Dresscode akzeptiert wird. In den englischsprachigen Ländern, allen voran die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich, wird nach dem Verwendungszweck der Schuhe (Alltag oder Sport), innerhalb der „Sneakerszene“ (einer unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen etablierten und weit verbreiteten Sneakerkultur), zwischen Sneakern (Trainers, Joints, Kicks, Grips) und Performance-Sneakern (je nach Einzelfall Hallensportschuhe, Laufschuhe usw.) differenziert. In einigen Fällen verschwimmen diese Grenzen. Das gilt insbesondere bei Sportschuhen für Skater und Basketballer, die sowohl als Sportschuhe wie auch als Sneaker getragen werden.

    So genannte Re-issues (dt.: Neuauflagen) sind Sportschuhmodelle (Basketballschuhe, Leichtathletikschuhe, Tennisschuhe, Bowlingschuhe usf.), die früher verbreitet waren und heute erneut produziert werden.

    Als Edelsneaker bezeichnet man hochwertig verarbeitete (oft rahmengenähte) Sneaker mit Schäften aus gutem Oberleder. Schuhhersteller wie Greve (Niederlande), Ludwig Reiter (Österreich), Santoni (Italien) und Schuh-Bertl (Deutschland) zeigen hier die verschiedenen Möglichkeiten der Interpretation auf. Von den normalen Sneakern unterscheiden sich diese Modelle vor allem durch die höherwertigen Materialien und eine dementsprechende Verarbeitung. Das hat in erster Linie Auswirkungen auf den Tragekomfort (Schuhklima), die Haltbarkeit und den Ladenpreis.

    Bei US-amerikanischen Jugendlichen sind derzeit Heelys populär, Alltags-Sportschuhe, die im Fersenbereich eine herausnehmbare Rolle haben, sodass man darauf rollen kann.

    Dem Sneaker liegt als Schaftschnitt der sogenannte Oxfordschnitt zugrunde. Als Boden dient heute meist ein Sandwichboden aus verschiedenen einzelnen Kunststoffschichten, der zumeist eine sehr gute Dämpfung bewirkt und einen Langkeilabsatz zeigt. Zum Fuß hin soll eine Einlegesohle für ein besseres Schuhklima (Schweißaufnahme) sorgen, zugleich schont sie die Brandsohle (Innensohle) des Schuhs. Die Laufsohle ist sportschuhtypisch abriebfest, mit gutem Grip und leichtem Profil aus Gummi. Der Schaft besteht überwiegend aus Kunstfasern, zusätzliche Verstärkungen sind oft aus (Rau-)Leder. Auffällig ist der häufig helle (weiße) oder sogar mehrfarbige Schaft, der zusätzlich meist das Emblem des Herstellers zeigt. Sneaker werden, wie andere Sportschuhe auch, fast ausschließlich in angespritzter Machart (Herstellungsverfahren) mit einer gestrobelten Innensohle aus Natur-Kunststofffaser-Gemisch in fernöstlichen Billiglohnländern produziert.

    Das höherpreisige Marktsegment wird fast ausschließlich von den drei großen Sportschuhherstellern (Adidas, Nike, Puma) beherrscht. Zahlreiche Premium-Modelabel (Replay, Diesel, Prada, Dolce & Gabbana, Dirk Bikkembergs u. a.) stellen Edel-Sneaker her und auch im Mid- und Low-Cost-Bereich gibt es etliche Schuhhersteller, die gemäß dem Modetrend der letzten Jahre ebenfalls Schuhe im „Sneaker“-Design produzieren.

    Die Zielgruppe für Sneaker sind vor allem Jugendliche, wobei besonders Musik und Sport liebende jugendliche Großstadtbewohner im Blickpunkt des Marketings stehen. Diese werden durch geschickte Produktplatzierungen in den Medien von den Herstellern zu beeinflussen gesucht. Das funktioniert auch insofern, als dass die Zielgruppe nur bestimmte Marken und Modelle bevorzugt und andere Marken und Modelle meidet. Neben dieser Hauptzielgruppe werden Sneaker auch von Erwachsenen zu bestimmten Freizeitgelegenheiten getragen. Die Ausdehnung der Lebensphase der Adoleszenz und die zunehmende Orientierung an jugendlichen Leitbildern haben zudem dazu geführt, dass die Grenzen zwischen „Jugendlichkeit“ und „Erwachsensein“ mehr und mehr verschwimmen und für jüngere Zielgruppen entworfene Konsumgüter auch von älteren Personen angenommen werden. So werden beispielsweise Edelsneaker aufgrund ihres meist deutlich höheren Ladenpreises vornehmlich von finanziell gut gestellten, modebewussten Erwachsenen in der Altersklasse zwischen 25 und 40 Jahren gekauft.

    Normale Sneaker bieten im Vergleich zu guten Lederhalbschuhen ein wesentlich schlechteres Schuhklima (Schweißfüße). Die daraus folgende Geruchsproblematik wird seitens der Industrie mit Schuhdeos und antibakteriellen Ausrüstungen der Innensohle zu bekämpfen versucht und kann vom Träger durch Waschen im Pflegeleichtprogramm bei 30 °C in der Waschmaschine nach dem Tragen beseitigt werden. (aus: Wikipedia)

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