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vonHelmut Höge 22.06.2010

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

Mehr über diesen Blog

Der deutsche „Maritim-Komplex“

„Wir schaffen es/ Auch ohne Waffen-SS!“ so dichtete der Kabarettist Wolfgang Neuss noch kurz vor der „Wende“: Zu vorschnell, denn in restaurativen Zeiten kommt längst Verschüttetes wieder hochgeduckt. Bis zum Abzug der Alliierten 1990 begnügte sich die BRD mit der Rückendeckung ihrer Industriellen und Banker auf den internationalen Märkten  („Exportweltmeister Deutschland“), indem Korruptionsaufwendungen  steuerabzugsfähig waren (bis 1997!) und das Wirtschaftsministerium Listen für sie  zusammenstellte, mit was für Bestechungsgelder man in welchem Land rechnen mußte, um erfolgreich zu sein. Zudem war die Kartellaufsicht eher ein Kartellförderungsinstrument. Mit der Auflösung des Ostblocks und den  Nachwendewirren agiert nun, spätestens mit der Finanzkrise,  die deutsche Nation selbst auf  den Weltmärkten wie einst  mit politischen – und militärischen Mitteln.

Das Problem, das die  „Deutschland AG“ dabei angeht, ist Folgendes: Die Deindustrialisierung verbunden mit der Computerisierung hat Millionen großteils studpider Jobs vernichtet. Für die „Doofen“ gibt es seitdem „Sicherheitsaufgaben“ (Wach- und Schutzdienste), für die „Klugen“ die IT-Branche und alles, was sich an „Kreativjobs“ da herumlagert. Den Rest könnte die Tourismusbranche schlucken, auch wenn die Jugend lieber „Irgendwas-mit-Medien“ machen würde. Die Unentschlossenen aber sollen auf den Weltmärkten deutsche Interessen verteidigen – und zwar militärisch. Der Bundespräsident und vormalige Privatisierungsmanager Horst Köhler bezog sich genau darauf, als er in einem Interview am Rande eines Truppenbesuchs in Afghanistan Bundeswehr-Einsätze auch mit wirtschaftlichen Interessen begründete. Kurz darauf trat er von seinem Amt zurück: „Ich bedauere, dass meine Äußerung in einer für unsere Nation so wichtigen und schwierigen Frage zu Missverständnissen führen konnte“, sagte er. Köhler hatte sich zu weit vorgewagt.

Holländischer Küstenkomplex: Poller-Leuchtturm-Ensemble auf Texel


Bereits 2009 veröffentlichte der Wirtschaftswissenschaftler Hermannus Pfeiffer eine Studie über die neue „Seemacht Deutschland“: Mitte 2010 werden die von Thyssen-Krupp gebauten fünf Korvetten K130, bestückt mit Raketen und Tarnkappeneigenschaften „kampfbereit“ sein, Sie kosten zusammen 1,5 Milliarden Euro. Schon beschlossen ist der Bau von vier „Marathon-Fregatten“ (F125) auf der Thyssen-Krupp-Werft in Kiel. Diese laut Pfeiffer „bisher teuerste Waffe in der deutschen Geschichte kostet 650 Millionen Euro – pro Stück.“ Die Peene-Werft beginnt ab Mai mit dem Bau von vier Küstenwachschiffen: „Ein dringend benötigter Millionen-Auftrag“, nennt der „Deutsche Marinebund“ das. Daneben wurde die BRD im letzten Jahrzehnt zum Hauptlieferanten der israelischen Marine. Zuletzt vereinbarte Netanjahu mit Merkel den Kauf von zwei deutschen U-Booten und zwei Korvetten – für rund eine Milliarde Euro.

Der Direktor des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit (BITS), Otfried Nassauer vermutet: „Das Kreuzen vor fremden Küsten könnte zur Standardaufgabe der Bundeswehr werden.“ Die Piratenbekämpfungs-Mission, die von der EU gerade ausgeweitet wurde, kommt ihr da gerade recht. Genaugenommen ist die Bundeswehr  aber bereits seit der Anti-Terror-Operation „Enduring Freedom“ 2001 integriert in „eine Oberaufsicht über das globale System“, wie die Politologin und Schifffahrtsexpertin Heide Gerstenberger das nennt. Für jedes Barrel Öl weltweit fallen Militärausgaben in Höhe von mindestens 20 Dollar an. Hermannus Pfeiffer schreibt: „Industrie und Staat, Reedereien und Gewerkschaften, Finanzdienstleister und Flotte, Wissenschaftler und Ministerien haben sich zu einem Maritimen Komplex verbunden.“

Was vom „Maritimen Komplex“ Österreichs übrig blieb: die Poller in seinem einstigen Kriegshafen Triest.

Dazu gehört auch und vor allem der U-Bootsbau in Kiel: „Mit mehr als 60 Stück ist das U-Boot der Klasse 209 eines der meistgebauten Boote der Nachkriegszeit. Als erste Werft weltweit bot Thyssen-Krupp/HDW serienreife U-Boote mit einem Antrieb aus Wasserstoff-Brennstoffzellen an. Das Kampfschiff ist praktisch nicht zu orten und kann wochenlang unter Wasser bleiben ohne aufzutauchen. Das erste dieser U-Boote übergab die Werft 2004 an die Deutsche Marine,“ berichtete der NDR. Die U-Bootklasse 209 ist darüberhinaus ein Exportschlager: Von den 36 Staaten, die weltweit über nicht-nukleare U-Boote verfügen, hat mehr als die Hälfte U-Boote deutscher Herkunft im Einsatz,“ schreibt „Die Welt“. Ihre Anschaffung geschah nicht immer freiwillig. Hermann Gremliza berichtete in „konkret“: Guide Westerwelle machte Anfang 2010 im Auftrag der Kanzlerin den Griechen klar, „dass Deutschland nur dann europäische Kredite gewähren würde, wenn Griechenland 60 Eurofighter für 4,9 Milliarden Euro beim Rüstungskonzern EADS und, zu den vier bereits bestellten, für eine Milliarde mehr zwei weitere deutsche U-Boote kaufe. Präsident Sarkozy, so erzählte der griechische Premier Papandreou seinem Freund Cohn-Bendit, habe von den Griechen für seine Zustimmung zum ‚Hilfspaket für Griechenland‘ verlangt, sechs Fregatten im Wert von 2,5 Milliarden Euro in Frenkreich zu kaufen“. Auf diese Weise wurde mit deutschen U-Booten zuvor auch schon der Staatshaushalt von Südafrika ruiniert. „Deutscher Waffenexport boomt,“ titelte n-tv. Und korrumpiert wurden die Käufer, abgesehen von Israel,  außerdem noch: Allein in Griechenland zahlte Siemens 100 Millionen Euro Schmiergeld. Eine Anklage gegen Thyssen-Krupp wegen Schmiergeldzahlungen im Vorfeld eines Waffengeschäfts mit Südafrika im Wert von 4,8 Milliarden Dollar ließ die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft gerade aus „Mangel an Beweisen“ fallen.

Alle Photos: Peter Grosse

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kommentare

  • Sehr geehrter Herr Höge,

    mit Datum vom 23. Juni 2010 schreiben Sie ( Zitat ):

    […] Der “seefahrerblog – navigare necesse est”, ein Service für deutsche Marinesoldaten, der bereits mit seinem Händlerspruch im Namen die Verbindung von Krieg und Handel herstellt […]

    Das entspricht nicht den Tatsachen.

    1) Das Blog ist kein „Service für deutsche Marinesoldaten“.

    2) Sie unterstellen mit Ihrer Behauptung desweiteren, der Seefahrerblog stelle einen Zusammenhang zwischen Krieg und Handel her. Das ist unrichtig und entbehrt jeglicher Grundlage.

    Ich erwarte eine umgehende Richtigstellung.

    Peter Gross
    http://seefahrer.blog.de

  • Werften vor weiterem Verkauf?

    Wismar/Rostock.

    Unmittelbar nach dem Baubeginn für einen 100 Millionen Euro teuren Spezialtanker auf den Nordic-Yards-Werften sorgen Spekulationen über einen möglichen Verkauf für Unruhe in den Betrieben in Wismar und Rostock. Nach Medienberichten soll das russische Staatsunternehmen Vereinigte Schiffbau Korporation (OSK) nach dem Werftenverbund greifen. Die Werften gehören seit September 2009 dem Moskauer Geschäftsmann Witali Jussufow. Mit ihm führe OSK bereits seit Ende 2009 Verhandlungen, wie der Spiegel berichtete. Bei den 700 von ehemals 2400 Arbeitern herrsche die Befürchtung, daß sie eines Tages die eigenen Anlagen abbauen und nach Rußland verschicken müssen. Jussufow dementierte die Berichte. Er plane nicht, die Werften zu verkaufen, spreche aber mit der OSK über eine strategische Zusammenarbeit, zitiert die Ostseezeitung den Werfteigner. (ddp/jW)

  • Lagos: Bei einem Überfall auf das unter deutscher Flagge fahrende Schiff „BBC Polonia“ haben Piraten vor der Küste von Nigeria zwölf Seeleute gefangen genommen. Die deutschen Behörden bemühen sich in Zusammenarbeit mit nigerianischen Behörden um die Freilassung wenigstens der zwei deutschen Geiseln.

    Wie es von Seiten der nigerianischen Marine hieß, seien die zwölf Geiseln unverletzt freigelassen worden. Die Seeleute waren am Freitagabend von Piraten verschleppt worden, als der von einem deutschen Kapitän gesteuerte Frachter „BBC Palonia“ überfallen worden war. Die Suche nach den Piraten laufe nach Angaben der örtlichen Behörden auf Hochtouren.

    Die FAZ fügt hinzu: Piratenüberfälle auf Schiffe im Golf von Guinea kommen immer häufiger vor, vor allem vor der nigerianischen Küste. Erst am 27. Juni hatten zwölf Piraten in Schnellbooten einen Schüttgutfrachter vor dem Nigerdelta angegriffen. Beim Versuch, das Schiff zu entern, schossen sie auf die Besatzungsmitglieder und verletzten einen Seemann leicht, wie die Internationale Seefahrtsbehörde (IMB) mitteilte. Die Besatzung wehrte den Angriff ab. Allein 2009 wurden 28 Mal Schiffe vor der Küste Nigerias überfallen. Die IMB geht davon aus, dass rund 30 weitere Angriffe nicht gemeldet worden sind, weil Schiffseigner zum Beispiel befürchten, dass ihre Versicherungsbeiträge erhöht werden könnten.

    Manfred Pohl schreibt in seiner Studie „Piraterie in Südostasien – ein Gewerbe mit staatlicher Unterstützung?:

    Piratenüberfälle haben auf allen Meeren und in Häfen während der letzten Jahre stetig zugenommen. So wurden 1999 weltweit insgesamt 285 Überfälle registriert, ein Zuwachs um 46 Prozent gegenüber 1998. Die großen Zentren von Piratenaktivitäten sind eindeutig zu lokalisieren; mit Abstand führen südostasiatische und benachbarte Gewässer: die Straße von Malakka und die angrenzenden Seegebiete Indonesiens, die philippinischen Gewässer und das Südchinesische Meer. Hinzu kommen die Seegebiete vor Indien, Bangladesch und Sri Lanka sowie vor dem Länderdreieck Hongkong, Philippinen (Luzon) und China (Hainan). Von den 1999 gemeldeten 285 Überfällen ereigneten sich 166 (60 Prozent) in südostasiatischen Gewässern, davon 113 in indonesischen Seegebieten, 23 vor Bangladesch und 18 vor Malaysia. In den ersten neun Monaten des Jahres 2000 erreichte die Zahl der Piratenüberfälle mit 300 gemeldeten Fällen ein neues Rekordhoch, mehr als die Hälfte der Überfälle fand
    wiederum in südostasiatischen Gewässern statt, allein 90 in Seegebieten um Indonesien. Auch in der Straße von Malakka, die 1999 ein relativ ruhiges Jahr erlebt hatte, wurden mindestens 32 Angriffe gemeldet, die malaysische Polizei berichtete sogar von mehr als 50 tatsächlichen oder versuchten Überfällen. Für das Jahr 2000 registrierte das International Maritime Bureau (IMB) insgesamt 469 Überfälle weltweit, das bedeutete einen Anstieg um 56 Prozent gegenüber 1999.

    Die Zahlenangaben zu Piratenakten in Südostasien sind also widersprüchlich: So meldete die philippinische Marine für 1998 insgesamt 139 Überfälle, das International Maritime Bureau (Regionalbüro Kuala Lumpur) registrierte dagegen nur sechs. Besonders verzerrt waren die Angaben im Falle von Piratenattacken auf japanische Schiffe: In Japan wurden 20 Angriffe registriert, das IMB meldete nur einen einzigen. Kapitäne und Reedereien sind sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, Piratenüberfälle zu melden. Sie fürchten steigende Versicherungsprämien und geschäftliche Verluste, weil sie von Befrachtern als unzuverlässig angesehen werden könnten. Kostentreibend wirken sich möglicherweise auch langwierige polizeiliche Untersuchungen und Behördengänge im nächsten Hafen aus, wenn ein überfallenes Schiff seine Fahrt nicht fortsetzen kann: Man rechnet für einen Tanker mit täglichen Betriebskosten in Höhe von 25 000 US-Dollar, verdient wird nur, wenn ein Schiff fährt. Auch fürchten Reeder und Kapitäne, einen diplomatischen Zwischenfall auszulösen, wenn sie Piratenüberfälle melden. Die geringe Neigung, Überfälle anzuzeigen, verstärkt sich, wenn der materielle Schaden gering ist.

  • Der „seefahrerblog – navigare necesse est“, ein Service für deutsche Marinesoldaten, der bereits mit seinem Händlerspruch im Namen die Verbindung von Krieg und Handel herstellt, meldet:

    „Wenn Karl-Theodor zu Guttenberg heute in Djibouti die Fregatte „Schleswig-Holstein“ besucht, wird es keine leichte Visite. Auch bei den Soldaten am Horn von Afrika sind die Nachrichten zu den Sparplänen aus der Heimat längst angekommen und sorgen für Gesprächsstoff. Immerhin ist auch die „Schleswig-Holstein“ betroffen. Die Mitte der 90er Jahre zur Bekämpfung sowjetischer Atom-U-Boote gebaute Fregatte sollte eigentlich längst an die neuen Einsatz-Anforderungen angepasst werden. Das Geld für den Umbau wurde aber gerade gestrichen.“

    Russland hat noch nie Deutschland angegriffen, Deutschland hat jedoch umgekehrt immer wieder versucht, die Slawen zu versklaven, die deswegen im übrigen auch so heißen im Deutschen. Und bei den sowjetischen Atom-U-Booten handelt es sich wahrscheinlich um die berühmten Phantom-U-Boote, die von den Schweden immer wieder geortet wurden. Dort war man allerdings nicht so blöd, gleich eine ganze Fregatte zu ihrer Vernichtung zu bauen.

    Auf dem „seefahrerblog“ werden dann noch weitere geplante Etatkürzungen bei der Bundesmarine aufgelistet. Am Ende steht die traurige Rechnung:

    „Wenn die Zielstruktur von 9000 Dienstposten Realität werden würde, wird die Deutsche Marine erstmals kleiner als die der Niederlande (10000 Dienstposten).“

    Beim neudeutschen „Maritimen Komplex“ geht es nicht um das Kanonenfutter, die Seeleute, sondern um die Waffenindustrie an der Küste. Und anscheinend nicht nur an der Küste: Auch Berlin will nicht mehr nur „Partystadt“ sein, wie der Regiermeister Wowereit gerade tönte, deswegen werde man sich um Industrieansiedlungen kümmern. Er dachte dabei an Werften für Binnenschiffe, die man zur Not, falls es für sie nichts zu transportieren gibt, auch als Partyschiffe nutzen kann.

    Der Amüsierpöbel, bestehend aus jungen „Überflüssigen“, gewinnt überhaupt zu Land, zu Wasser und in der Luft an Einfluß. Manchmal kommt es dabei zu Friktionen:

    So soll angeblich der Matrose Nick W. (19) seine Mitmatrosin Saskia S. (19) auf dem Minentaucherboot „Mühlhausen“ nach einem Discobesuch frühmorgens auf dem Schiff erwürgt haben. „Mögliches Motiv: Die Obermaatin ließ den Gefreiten abblitzen,“ schrieb das Hamburger Abendblatt.

    In einem weiteren Artikel dazu schreibt die Zeitung:

    Der Marine-Mord an einer Obermaatin auf dem Minentaucherboot „Mühlhausen“ trifft die Bundeswehr ins Mark. „Es ist noch nicht vorgekommen, dass bei uns ein Soldat eine Soldatin getötet haben soll“, sagt der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Oberstleutnant Udo Schnittker. Was er als „absoluten Ausnahmefall“ in der großen Kameradschaft der Bundeswehr beschreibt, kam allerdings nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Seit dem Einzug der Frauen in die kämpfende Truppe Anfang 2001 häufen sich in Heer, Marine und Luftwaffe sexuelle Übergriffe auf Soldatinnen.

    Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Willfried Penner (SPD), registrierte in den vergangenen drei Jahren mehr als 120 „Verstöße gegen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung“. Darunter war ein Fall, der Parallelen zum Mord an Obermaatin Saskia S. (19) vor drei Wochen in Eckernförde aufweist. Opfer war ebenfalls eine Marinesoldatin. Sie schlief, als ein Oberleutnant sich nackt zu ihr legte und versuchte, sie zu küssen. Es gelang ihr allerdings, den betrunkenen Kameraden in die Flucht zu schlagen.

    Penner führt in seinem Bericht 2002 einen weiteren Fall mit „massiver Gewaltanwendung“ an. Ein Obergefreiter, der vor gut zwei Jahren in einer Kaserne in München eine Bewerberin (17) brutal vergewaltigt haben soll, wurde in erster Instanz zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Der „Vorfall“ wurde den zuständigen Stellen der Bundeswehr zunächst nicht gemeldet und „sollte vertuscht werden“, so Penner.

    Ein System macht der Wehrbeauftragte hinter den 75 Übergriffen 2002 (Vorjahr neun) nicht aus: „Frauenfeindliche Übergriffe sind in der Bundeswehr nicht die Regel.“ Der noch unveröffentlichte Bericht für 2003 bestätige das, versichert sein Sprecher. Da sei die Zahl der Übergriffe auf 41 gesunken: „Es ist nicht so, dass die Bundeswehr aus lauter Unholden besteht, die Frauen an die Wäsche wollen.“

    Auf der Hardthöhe hört man das gern. „Die Bundeswehr ist kein Hort der bösen Männer“, bekräftigt ein Presseoffizier. Auf Nachfrage mag er allerdings nicht ausschließen, dass die Zahl der Übergriffe in den kommenden Jahren wieder steigt, weil die Bundeswehr ihre Frauenquote erhöhen will. Unter den etwa 190 000 Zeit- und Berufssoldaten sind derzeit 9600 Frauen (fünf Prozent). In einigen Jahren sollen es schon zehn Prozent sein.

  • In Hamburg gibt es ein weiteres Geschäft, das Matrosenanzüge für Kinder anbietet:

    „Einmal Kapitän sein auf einem richtig großen Schiff. Schon seit Jahrhunderten träumen kleine Mädchen und Jungen von Abenteuern auf See. Die “Hamburger Kinderstube”, eines der ältesten Kinderlabels Deutschlands, bietet hochwertige Kindermode in nordischem Stil an. Jetzt auch auf KLICK-Germany

    Matrosenhemd mit klassischem Matrosenkragen und Matrosenknoten, ein zünftiges Matrosenkleid in dunkelblau mit leuchtend weißem Kragen, ein Strampler mit Matrosenkragen für die ganz Kleinen, hochwertige Kleidung für Kinder in nordischem Stil aus der “Hamburger Kinderstube” ist zeitlos schön und seit Generationen beliebt.“

  • Heisst das Ganze hier taz Entwicklungs GmbH, weil sie noch nicht ganz fertig sein?

    Beim Lesen hat man allerdings den Eindruck.

  • Michael Laages schreibt über das Stück „Schlicksoldaten“ auf „nachtkritik.de“:

    Nur zur Erinnerung – der bis vor kurzem noch diensthabende oberste Repräsentant dieser Republik stolperte unter anderem deshalb aus dem Berliner Schloss Bellevue hinaus, weil er eine Lanze brechen wollte für (zum Beispiel) die „Schlicksoldaten“. Auch sie, die Marine-Mitstreiter vom Bundeswehr-Militärstützpunkt in Wilhelmshaven, stehen (zum Beispiel am piratenverseuchten Horn von Afrika) für das, was Horst Köhler in einem Radio-Interview auf dem Rückflug aus Afghanistan als Aufgabe der Bundeswehr definierte: die Verteidigung „unserer wirtschaftlichen Interessen“ fern der Heimat.

    Nun kommen eben die allerdings im Grundgesetz nicht vor; der Einsatzauftrag, den die deutsche Legislative den Soldaten immer nur auf Zeit erteilt, unterstellt deutsche Soldaten im Einsatz fern der Heimat internationalen Autoritäten wie etwa den Vereinten Nationen, um international gültige Rechtsnormen einzuhalten oder wieder herzustellen. Alles andere, auch Köhlers Sentenz im Flieger, musste also klingen wie George W. Bush kurz vor dem Einmarsch in den Irak. Und da der Präsident somit öffentlich gegen gültige Verfassungsgebote gepredigt hatte, und sei es auch bloß so dahin gesagt, trat er zu Recht zurück – schon weil es ja keine Institution gibt, die ihn hätte entlassen können.

    À la Horst Köhler?

    Weil nun aber Köhlers Gedanken plötzlich Allgemeingut geworden sind, wird es möglicherweise niemandem mehr auffallen, dass plötzlich auch ein gemeiner Soldat aus Wilhelmshaven so redet – und den eigenen Kampf- und potenziell eben auch Kriegseinsatz mit den Worten rechtfertigt, dass „unser Lebensstandard“ eine rundum verteidigenswerte Angelegenheit sei. Das kann schon sein – aber dafür ist er nicht bei der Marine. „Lebensstandard“ verteidigt jeder und jede einzelne in der innenpolitischen Auseinandersetzung zum Beispiel um die Höhe der staatlichen Sozial- und Arbeitslosen-Unterstützung nach Hartz-IV-Gesetz. Da gibt’s genug zu kämpfen; dafür braucht’s aber keine Uniform.

    Das ist der Nachteil des „Schlicksoldaten“-Projekts, das die Landesbühne Nord in Wilhelmshaven jetzt vorgestellt hat. Genauer: Ihr „Junges Theater“ hat zum Finale der Spielzeit, und mit Hilfe aus dem „Heimspiel“-Fonds der Bundeskulturstiftung, eine dokumentarische Szenenmontage erarbeitet, die vom Alltag der Marinesoldaten erzählt, die das öffentliche Bild der Seestadt prägen wie kaum etwas sonst. Fast 5000 Uniformträger sind in Wilhelmshaven stationiert, weitere knapp 4000 zivile Mitarbeiter beschäftigt die größte maritime Abteilung der Bundeswehr. Auf dem Bundeswehr-Gelände hat Landesbühnen-Regisseur Christof Meckel das Projekt in einer Art Garage inszeniert; direkt auf einem Schiff (wie es mal geplant war) ging es dann doch nicht, zu intensiv ist die Marine derzeit im Köhler-Einsatz.

    Dokumentarische Nachhilfestunde

    Als Material für die Bühne dienen Meckels Team vor allem Befragungen von Soldaten und ihren Angehörigen, den Frauen und Freundinnen speziell, aber auch Freunden, Brüdern und Vätern; einige aus Erzählungen destillierte typische Ereignisse aus dem Alltag im Einsatz zur See ergänzen die Selbstzeugnisse.

    Ein wenig zu lang hält sich die dokumentarische Nachhilfestunde am unbestreitbaren Faktum fest, dass Partnerschaften hier durch berufsbedingte Trennungen besonders belastet werden. Aber Trucker oder Bauarbeiter oder eine Menge anderer Menschen sind ähnlichen Belastungen ausgesetzt, werden dafür aber gemeinhin noch schlechter bezahlt – ideologisch aufgemöbelt und überhöht wird das persönliche Opfer der „Schlicksoldaten“ dadurch, dass sie es „für Deutschland“ tun. Also „für uns alle“ – daher kommt auch der starke Rechtfertigungsdruck; daher auch die in jüngerer Zeit immer massivere Tendenz, sich als Militär von der Zivilgesellschaft zu wenig geachtet, ja sogar missachtet zu fühlen, speziell dann, wenn Soldaten in Uniform die Öffentlichkeit bevölkern. Was ja nicht sein müsste, Bäcker oder Stahlarbeiter oder Feuerwehrmänner sitzen ja auch nicht in Dienstkleidung im ICE-Abteil. Aber politisch ist die Präsenz der Uniform im Alltag gewünscht; der „Bürger in Uniform“, den Militär-Reformer wie Wolf Graf von Baudissin vor vier Jahrzehnten propagierten, hat sich längst auch zum Werbeträger gewandelt.

    Schwadronieren inklusive

    Wie sehr wäre dem Wilhelmshavener Projekt auch nur ein Bruchteil dieser politischen Reflexionsebenen zu wünschen gewesen – hier aber lässt die Aufführung Soldaten und ihre Bräute vor allem vor sich hin palavern, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist; ungeordnetes Schwadronieren inklusive. Nicht dass nicht auch das der Realität entspräche – im Theater allerdings, auch im Dokumentartheater, besteht die Möglichkeit, ja die Pflicht, gefundene Wirklichkeit in den ihr angemessenen politischen Rahmen zu stellen; auch streitbar.

    Das fehlt, das wird stark vermisst in der Wilhelmshavener Militär-Garage, wo Meckels Team die Mono- und Dialoge durchaus geschickt verknappt und mit einer gewissen szenischen Härte zugespitzt hat. Auf vier Bühnen verteilt, und also um uns, das Publikum, herum, sind diese Szenen und Zeugnisse kompakt sortiert, dramaturgisch gerahmt von Abschiednehmen und Heimkehrerbegrüßung am Kai.

    Pflicht, Abenteuer oder Job

    So viel wird allemal klar: Da reden Leute wie wir, überwiegend Theater-Laien zumal, über das, was sie als Pflicht, als Herausforderung, als Abenteuer oder Job empfinden – im Einsatz für die Institution, die die Rechtssicherheit dieses Landes in internationalen Zusammenhängen schützen soll, und eben nicht Lebensstandard und Wirtschaftsinteressen.

    Diese Leute und ihre mehr oder minder reflektierten Motive haben unser Interesse verdient, auch das des Theaters – aber klarere, kritischere Fragen müsste das Theater den Objekten seiner Darstellung schon stellen, auch wenn’s um die Dokumentation von Alltag geht. Bei Hamlet oder den drei Schwestern fragen wir ja auch immer und immer wieder, warum sie tun, was sie nicht lassen können.

  • Allerletzte Meldung:

    Wilhelmshavener Marinesoldaten spielen sich selbst

    Theaterprojekt „Schlicksoldaten“ der Landesbühne Niedersachsen Nord feiert Premiere.

    „Schlicksoldaten“ ist eine Collage von Szenen aus dem Alltag von Marinesoldaten und ihren Angehörigen. Das ungewöhnliche Theaterprojekt der Landesbühne Niedersachsen Nord wird am Dienstag erstmals aufgeführt. Spielort ist eine Werkhalle auf dem Wilhelmshavener Marinestützpunkt.

    In der Halle ist es dunkel, aus den Lautsprechern erklingt „Time to say goodbye“ und auf der beleuchteten Bühne verabschieden sich Soldaten am Bahnhof von ihren Liebsten. So beginnt „Schlicksoldaten“. Burkhard kennt diese Abschiede aus eigener Erfahrung. „Ich komme aus dem Allgäu, und wenn ich nach einem Besuch zu Hause wieder nach Wilhelmshaven zurückfahre, dann ist das nah dran an dem, wie wir es darstellen“, sagt er. Er selbst atme einmal durch, wenn er in den Zug steige, „ab da bin ich mental im Dienst“, beschreibt er seine Art mit der Situation umzugehen.

    Noch schwieriger wird es, wenn die Soldaten an Bord einer Fregatte für mehrere Monate die Heimat verlassen. Viele Dinge müssen dann im Voraus geregelt werden, von der Bankvollmacht bis hin zum Testament. Und während die Soldaten auf dem Schiff ihren Dienst versehen und Sehnsucht nach der Familie haben, warten die Angehörigen in der Heimat auf ihre Rückkehr. Angelika Dirks kennt dieses Gefühl. Sie ist seit 23 Jahren mit einem Marineoffizier verheiratet. Dirks spielt in „Schlicksoldaten“ mit, weil sie viele der Szenen erlebt hat, wie sie sagt. „Ich habe mich in Stefan verliebt, nicht in einen Soldaten“, antwortet sie in dem Stück auf Sprüche wie „Du hast gewusst, worauf du dich einlässt“, etwa wenn es um das Alleinsein geht.

    Sieben Marinesoldaten, Angehörige und Ehemalige sowie eine Abiturientin haben Projektleiterin Viktoria Klawitter von der Landesbühne und Regisseur Christof Meckel zum Mitspielen begeistern können. „Uns interessiert nicht die Marine als Institution, sondern wir wollen den Menschen mit seinen Problemen, Wünschen und Vorstellungen in den Mittelpunkt stellen“, sagt die 26-jährige Klawitter. Für die Dialoge hat Regisseur Meckel viele Gespräche geführt und rund 100 Fragebögen auf dem Stützpunkt verteilt.

    Der Regisseur ist an diesem Abend mit den Proben zufrieden. „Manche Szenen, die jetzt teilweise persifliert wirken, habe ich mir anfangs realer vorgestellt“, sagt der 37-Jährige. Aber die Darsteller hätten es so gewollt und in manchen Dingen habe er ihnen auch den Freiraum gelassen. Geprobt werde seit April, zunächst im Stadttheater, inzwischen in der Werkhalle. Die mehr als 20 Szenen spielen abwechselnd auf vier Bühnen, die an jeder Wand aufgebaut wurden. Die Zuschauer, die vom Stadttheater mit Bussen zum Spielort gefahren werden, stehen während der einstündigen Aufführung in der Mitte. Die Soldaten tragen ihre Uniform.

    „Wir wollen mit dem Projekt keine Probleme lösen, sondern ein Bewusstsein schaffen“, schildert Klawitter die Motivation für „Schlicksoldaten“. Denn obwohl sich Wilhelmshaven als Marinestadt bezeichne, glaubt sie, dass viele gar nicht wissen, wie der Alltag der Marinesoldaten aussieht. Unterstützt wird das Projekt durch den Fonds Heimspiel der Kulturstiftung des Bundes. Nach der bereits ausverkauften Premiere wird das Stück noch jeweils an den vier darauffolgenden Abenden gespielt.

    „So etwas hat es bei uns noch nie gegeben, das ist eine einmalige Sache“, sagt Uwe Rossmeisl, Fregattenkapitän und Leiter der Presse und Informationsabteilung der Marine in Wilhelmshaven. Lediglich den Wunsch der Kulturschaffenden, das Stück auf einer Fregatte aufzuführen, habe aus terminlichen Gründen abgelehnt werden müssen.

  • Letzte Meldung:

    Die Textilkette für die Unterschicht „H & M“ bietet jetzt für Kinder beiderlei Geschlechts ab 5 Jahren Marine-Uniformen an. Beim 2. deutschen „Marine-Komplex“ gab es so etwas nur für kleine Jungs. Diesmal soll das weibliche Geschlecht nicht mehr benachteiligt werden.

    Und auf „shopzilla.de“ finden sich jede Menge „Schlachtschiffe“ (Tirpitz/Bismarck etc.) zum Selber zusammenbasteln oder bereits zusammengebastelt, aber natürlich auch „Piratenschiffe“. Die Familienministerin erwägt, letztere zu verbieten. Auf ihnen wird nämlich noch jeder Angriff von der Mannschaft vorab diskutiert und abgestimmt, während die Matrosen auf einem „Schlachtschiff“ nur Schräubchen einer Maschine sind, nur dazu da, um – wie der Name schon sagt – zusammen mit einem feindlichen Schlachtschiff während einer unfreundlichen Begegnung abgeschlachtet zu werden. Danach bekommen sie ein ehrendes Andenken von Staats wegen – wie das große Marinedenkmal in Laboe (Schleswig-Holstein).

  • Die Zeitschrift „Soldatenglück“ meldet:

    Dr. h.c. Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, besucht am Montag, den 21. Juni 2010, um 17 Uhr die Fregatte “Bayern”.

    Das Flaggschiff der Kieler Woche heißt Frau Dr. Knobloch an der Tirpitzmole im Marinestützpunkt Kiel willkommen. “Wir freuen uns sehr auf diesen hochrangigen Besuch”, sagt der Kommandant der Fregatte “Bayern”, Andreas-Peter Graf von Kielmansegg. Er wird die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland persönlich über sein Schiff führen.

    Zur Kieler Woche 2010 erwartet die Deutsche Marine 14 Schiffe aus fünf Ländern zu Gast an der Förde. Die Marineeinheiten laufen am Freitag, den 18. Juni, ab 7.30 Uhr in den Marinestützpunkt Kiel (Luftbild oben) ein. Unter anderem besucht das schwimmende Kommandozentrum der 6. U.S. Flotte – das Landungsschiff USS “Mount Whitney” (Bild unten) – in Begleitung der beiden Fregatten USS “Simpson” und USS “Stephen W. Groves” das große Marinetreffen.

    Auch werden das russische Landungsschiff “Kaliningrad” sowie die polnische Fregatte “Kaszub” in Kiel erwartet. Flaggschiff der Kieler Woche ist die deutsche Fregatte “Bayern”.

    Ein großes Aufgebot an interessanten Einheiten präsentieren in diesem Jahr die Bundesbehörden im Marinestützpunkt Kiel. Unter anderen werden der neue Zollkreuzer “Borkum”, ein mächtiges Doppelrumpfboot, das aus dem TV bekannte Küstenwachboot “Neustrelitz” sowie die “Arkona” des Wasser- und Schifffahrtsamts und das Feuerlöschboot “Kiel” zu besichtigen sein.

    Das Unterseeboot “U31″ wird am Dienstag seinen Heimathafen Eckernförde in Richtung Mittelmeer verlassen. Vor der Teilnahme an der Operation “Active Endeavour” (OAE) stehen noch eine Sonarerprobung im Skagerrak und die Teilnahme am internationalen Manöver “Swordfish” der Portugiesischen Marine auf dem anspruchsvollen Programm.

    “Bei diesen zwei besonderen Herausforderungen zu Beginn unserer Seefahrt können Besatzung und Boot zeigen, was sie zu leisten in der Lage sind”, sagte der Kommandant von “U31″, Korvettenkapitän Bert Petzold (36). Für ihn und seine 29-köpfige Besatzung stellt dieser Einsatz eine Premiere dar. “Die Besatzung – mich eingeschlossen – und das Boot waren noch nie in einem Einsatz der Bundeswehr”, sagte Korvettenkapitän Petzold lächelnd. “Aber wir sind sehr gut vorbereitet und freuen uns alle darüber, dass es endlich los geht und sind auf das gespannt, was uns alles in dieser Zeit erwarten wird.” Die Fähigkeiten des Bootes sind für diese Aufgaben bestens geeignet: So kann “U31″ mit seinem modernen Brennstoffzellenantrieb bis zu 14 Tage ununterbrochen abgetaucht bleiben und unentdeckt operieren.

    Das U-Boot und seine Besatzung werden Anfang September 2010 in Eckernförde zurückerwartet.

    Hintergründe zur Operation “Active Endeavour”

    Die Operation “Active Endeavour” hat seit dem 26. Oktober 2001 das Ziel, NATO-Solidarität und Entschlossenheit zu demonstrieren und zur Entdeckung und Abschreckung terroristischer Aktivitäten im Mittelmeer beizutragen. Im Wesentlichen findet dabei eine Seeraumüberwachung zur Erfassung und Dokumentation des zivilen Seeverkehrs und der daran teilnehmenden Handelsschiffe statt. Die erfassten Daten sind Grundlage für präventive Maßnahmen gegen terroristische Aktivitäten und werden auch für andere Marineeinsätze im Mittelmeerraum – wie zum Beispiel dem UNIFIL-Einsatz der Deutschen Marine vor dem Libanon – genutzt.

    An „Auslandseinsätzen“ zählt „soldatenglueck.de“ auf:

    * EU-Missionen
    o EU NAVFOR Somalia
    o EUFOR
    o EUFOR Tschad/RCA
    o EULEX Kosovo / ICO
    o EUMM Georgia
    o EUPOL Afghanistan
    o EUPOL COPPS Palästina
    o EUSEC/EUPOL RD CONGO
    o EUTM Somalia
    * NATO-Missionen )
    o ISAF
    o KFOR
    o OEF
    * OSZE-Missionen
    * POLIZEI Land/Bund, GSG9
    * UN-Missionen
    o UNAMA
    o UNAMID
    o UNIFIL
    o UNMIS
    # UNOMIG

  • „Leinen los!“

    so heißt bezeichnenderweise die Zeitschrift des Deutschen Marinebundes (DMB), auf seiner Webseite finden sich folgende Nationalgedanken:

    Wie ernst die Positionspapiere und die Diskussionsrunden des DMB inzwischen genommen werden, zeigen die überwiegend positiven Reaktionen von Bundes- und Landespolitikern, von den Führungskräften der Deutschen Marine bis hin zu den maritimen Fachverbänden. Es gilt daher, diesen Weg konsequent weiter zu gehen, um den DMB zukunftssicher aufzustellen.

    Welche Themen waren es nun, die diese neue Außenwirkung so gut unterstützt haben? Im Jahre 2008 – als ein Einsatz deutscher Seestreitkräfte gegen Piraten am Horn von Afrika in der Öffentlichkeit noch heiß umstritten war – setzte sich der DMB in einer von ihm eingeladenen hochrangig besetzten politischen Diskussionsrunde für diesen Einsatz ein. Ging es dabei letztlich nicht auch um das Ansehen unserer Marine in der Bevölkerung? Allerdings hatte dabei die Forderung nach einer Klärung der rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz die höchste Priorität. Wir alle kennen die bis heute andauernden Diskussionen zu diesem Thema. 2009 griff der DMB in einer von ihm einberufenen ebenfalls hochrangig besetzten Diskussionsrunde die Frage nach einer nationalen Küstenwache auf.

    Der DMB setzt sich im Fall von Havarien aber insbesondere bei schwerer Kriminalität und Terror in deutschen Hoheitsgewässern für eine schlagkräftige Küstenwache mit straffer Organisation, kurzen Leitungswegen und klaren Hierarchieebenen ein. Zurzeit gibt es einen Koordinierungsverbund aus vielen Bundes- und Landesdiensten. Die Expertenrunde aus Vertretern der Politik, der Marine, der Wissenschaft und der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste kam als kleinster gemeinsamer Nenner zu dem Schluss, dass zumindest eine weitere Optimierung der bisherigen Strukturen erforderlich sei. Der DMB setzt sich allerdings für eine weitergehende Lösung – also für eine nationale Küstenwache – ein und unterstützt dabei die politische Richtung in Berlin.

    Die Reaktion auf das Positionspapier des DMB („Leinen los!“ Heft 1/2010) war ein voller Erfolg. Die Berliner Koalition vertreten durch den Bundesinnen- und Verkehrsminister steuern als erstes Ziel eine Zusammenfassung der Boote der vier beteiligten Bundesministerien zu einer einheitlichen Flotte an.

    Allerdings steht nach wie vor die Frage im Vordergrund, welches Ministerium das Kommando übernehmen soll. Sowohl der Innen- als auch der Verkehrsminister beanspruchen die Führungsrolle. Aber immerhin, das Thema steht wieder auf der politischen Agenda.

    Für den 3. November 2010 wird nun erneut eine Diskussionsrunde, diesmal in Kooperation mit dem Nautischen Verein zu Kiel von 1869 e.V., zu einem ebenfalls komplexen Thema angepeilt, das für die Zukunft unseres Landes von großer Bedeutung sein dürfte. Wir alle wissen, dass sich Deutschland als Exportvizeweltmeister inzwischen zu einem „seeabhängigen“ Staat entwickelt hat, der seinen Wohlstand gerade auch den globalen Handelsströmen und der freien Seewege zu verdanken hat. Die maritime Wirtschaft mit über 400.000 Beschäftigten ist inzwischen zu einer nationalen Querschnittsaufgabe geworden. Ausgehend von der These, dass das 21. Jahrhundert im Rahmen der Globalisierung, der vermehrten Nutzung von Meeresressourcen und der Klimaerwärmung ein maritimes Jahrhundert wird, wollen wir die Frage stellen „welche Chancen sich daraus für die deutsche Schifffahrt und die maritime Wirtschaft ergeben“.

    In diesem Kontex wird sicherlich auch zu erörtern sein, welche Rahmenbedingungen die Politik dazu setzen muss. Wir erhoffen uns eine Bestandsaufnahme und eine Diskussion über die künftige Seefahrts- und Meerespolitik mit all ihren Facetten. Sicherlich wird auch eine Rolle spielen, dass Schifffahrt und maritime Wirtschaft in Deutschland in Folge der weltweiten Entwicklung z. Zt. eine harte Bewährungsprobe bestehen müssen. Auf mittlere und lange Sicht ist aber mit einer Belebung und Ausweitung des Welthandels und einer weiteren Erschließung von Meeresressourcen zu rechnen.

    Der DMB zeigt also vermehrt Flagge auf allen Gebieten der maritimen Entwicklungen in Deutschland.

  • Im „Freitag“ schrieb Hermannus Pfeiffer über den „Maritimen Komplex“:

    Deutschland ist wieder wie zu Zeiten der Hanse und des kaiserliche Flottenprogramms vor dem Ersten Weltkrieg eine Seemacht. Eine Tatsache, die selbst an der Waterkant von Bremen, Hamburg und Rostock kaum bekannt ist. Dabei ist die deutsche Containerflotte die größte der Welt: Jeder dritte Frachter der Globalisierung gehört hiesigen Investoren. Der Hamburger Hafen hat längst London, Tokio und New York weit hinter sich gelassen und in Duisburg pulsiert der weltweit größte Binnenschiffhafen. Und auch der deutsche Schiffbau, eine Hightech-Branche auf Augenhöhe mit der Luft- und Raumfahrtindustrie, liegt in Europa auf Platz 1.

    Die maritime Wirtschaft ist für Merkel ein „prägendes Wirtschaftsmittel“ für ganz Deutschland. Schließlich arbeiten die Werftzulieferer in Maschinenbau und Elektronik vor allem in Süddeutschland und über die Rheinschifffahrt ist das Ruhrgebiet direkt an die Seehäfen und China angeschlossen. Die maritime Wirtschaft des Exportweltmeisters hat lange Zeit von der Globalisierung profitiert. Merkel: „Wir gehören zu den Besten auf der Welt.“

    Den neuen Kurs für einen beispiellosen Wachstumsprozess gab Bundeskanzler Gerhard Schröder im Jahr 2000 mit seinen „Leitlinien zur Förderung der maritimen Wirtschaft“ vor. Damit stellten sich Staat und Regierung an die Spitze des ehrgeizigen Projekts „Maritimer Komplex“, in das Unternehmen und Verbände, Maschinenbau- und Logistikindustrie, Zulieferfirmen, Banken, Dienstleister vom Reeder bis zum Makler, aber auch Hochschulen und Gewerkschaften – es geht um 500.000 Jobs – sowie die Deutsche Marine eingebunden sind.

    Ende März 2010 feierte der Wirtschaftszweig, angeführt von Merkel, auf der 6. Nationalen Maritimen Konferenz sein Hochamt in Rostock. Die Erfolgsbranche soll nach dem Willen der Regierungschefin nach der Finanz- und Wirtschaftskrise neue Erfolge feiern können, mehr noch: „Wir wollen stärker aus der Krise hervorgehen, als wir hineingegangen sind.“ Entsprechend wurde in Rostock ein Füllhorn an staatlichen Subventionen ausgeschüttet, von der Innovationsförderung bis zur Dumpingsteuer für die Schifffahrt. Dazu gab es ein „Nationales Hafenkonzept“ und zwei neue Nachschubschiffe für die Marine.

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