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vonHelmut Höge 02.06.2011

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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Die Revolution. Photo: prague-life.com

Die Liebe. Photo: xtown.net

Ganz anders als die gestern im blog zitierten deutschen Islamforscher und Bevölkerungswissenschaftler sieht der kommunistische Pariser Philosoph Alain Badiou die Aufgaben der Revolution – und der Liebe:

Zur Erinnerung vorweg: Die jugoslawischen Studenten besetzten im Sommer 1968 die Belgrader Universität – und benannten sie in „Rote Universität Karl Marx““ um. Als sie  sich im Hof der Philosophischen Fakultät zusammen mitSchriftstellern und Künstlern versammelten, sagte die serbische Dichterin Desanka Maksimovi zu ihnen: „“Merkt euch das Gefühl, das ihr jetzt habt, ihr werdet ein Leben lang davon zehren“

Kann man das: von einem Moment, einem Ereignis ein Leben lang zehren? Damals war es, das Ereignis des Zusammenströmens, noch nicht einmal vorbei – im Gegenteil: „Sie wollten das erreichen, was die Väter ihnen immer nur versprochen hatten: einen radikalen Umbau der Gesellschaft,“ meint der serbische Regisseur Zoran Solomun, der damals – als Sechzehnjähriger – im Hof der Universität dabei war.

Es ging dort also um die Dauer, d.h. um das Andauern des Aufstands, der Revolution. Die Revolution von 1789 haben Beteiligte ein „Aufblühen der Herzen“ genannt. Man sagte und sagt das so dahin: Hoffentlich siegt diese schöne, bisher fast unblutig verlaufene Revolution. Dabei ist es unter dem Aspekt ihres Andauerns (und Wirkens) egal, ob sie siegt oder verliert: in beiden Fällen ist sie nicht mehr. Der Augenblick, da alles möglich schien und alle Trennungen überwindbar, ist fading-away, vorbei.

Für Alain Badiou hat sie, die Revolution, dies mit der Liebe gemein. Denn die Liebe ist für ihn der Versuch, dem Zufall einer Begegnung, dem Ereignis, Dauer zu verleihen. Und das Ereignis besteht u.a.in der Aufhebung aller von oben mit Macht durchgesetzten sozialen, ökonomischen, religiösen, geschlechtlichen und generationellen Trennungen.

Der Philosoph Michel Foucault definierte die Freundschaft einmal als „die Summe all der Dinge, über die man einander Freude und Lust bereiten kann““. Das Problem, auf das die Homosexuellenbewegung nun  ziele, sei „das der Freundschaft.“So brachte er das Problem der Dauer ins Spiel. Für Badiou löst sich dagegen das Problem der Dauer nicht im Übergang von der Liebe zur Freundschaft, denn im Gegensatz zur Liebe braucht die Freundschaft keinen „körperlichen Beweis“, sie ist das „intellektuellste Gefühl“.

Was für ein Gefühl ist die Revolution, auf französisch gefragt: Wie fühlt sich ein überall stattfindendes Aufblühen der Herzen an? Wir kennen das Gegenteil nur allzu gut: Das Zusammenziehen der Herzen, die Hart- und Kaltherzigkeit, den Herzinfarkt, ein Rasen, heftiges Pochen…

Die Revolution bringt demgegenüber ein Gefühl der Ausgeglichenheit zur Geltung, indem die innere Unruhe mit der äußeren ausbalanciert wird – sich harmonisiert (wie ein Fisch im Wasser?). Da das Innen wie das Außen aus Menschenleibern besteht, haben wir es mit Kollektivbildungen zu tun – mit einem „Werden“.

Revolutionen gehen immer übel aus, „das weiß man doch“, sagt der Philosoph Gilles Deleuze, aber das hindert doch niemanden, sich gegen unerträglich gewordene Bedrückungen aufzulehnen: „Das Revolutionär-Werden ist etwas ganz anderes als die Revolution“ – in der Geschichtsschreibung“ Das Werden kommt durch Bündnisse zustande, es ist eine Vermehrung, die durch Ansteckung geschieht, und sie geschieht im Plural.

Badiou nennt dies „Kommunismus“, wobei er davon ausgeht, dass die Liebesgeschichten sich inmitten einer allgemeinen „Überschreitung“ (durch die Revolution) ebenfalls überschreiten. „Ich verstehe unter ‚kommunistisch‘ jedes Werden, das das Gemeinsame über den Egoismus, das kollektive Werk über das Eigeninteresse stellt.“ Während das „eigentliche Subjekt einer Liebe das Werden des Paares ist und nicht die Befriedigung der Individuen, aus denen es besteht“: sie ist ein „minimaler Kommunismus“.  Worum geht es dabei? „Dass es in der Liebe die Erfahrung des möglichen Übergangs von der reinen Singularität des Zufalls zu einem Element gibt, das einen universellen Wert hat.“

Dieser besteht für Badiou darin, dass die Liebe eine „Wahrheitskonstruktion“ ist, bei der es um die Frage geht: „Was ist die Welt, wenn man sie zu zweit und nicht alleine erfährt?“ Die Wahrheit „ist ganz einfach die Wahrheit über die Zwei“. Die Liebe ist demnach eine Art der Welterfahrung ausgehend vom Unterschied, das „Paradox eines identischen Unterschieds“.

Die Liebe ist für Badiou „immer die Möglichkeit, bei der Geburt der Welt dabei zu sein. Die Geburt eines Kindes, das aus Liebe gezeugt wird, ist nur ein Beispiel für diese Möglichkeit.“ Die Liebe „ist nicht einfach die Begegnung und die geschlossene Beziehung zwischen zwei Individuen, sondern eine Konstruktion, ein Leben, das nicht mehr ausgehend vom Gesichtspunkt des Einen, sondern von Zwei geführt wird.“

Den „Verschmelzungswunsch“ darin begreift er als eine „radikal romantisch Konzeption“, gegen die er einwendet, dass sie die Liebe quasi vorschnell mit dem Tod verbindet, indem sie sich bereits in einem außergewöhnlichen Augenblick der Begegnung verzehren läßt – „und man danach nicht mehr in die Welt, die der Beziehung äußerlich bleibt, zurück kann.“ ((*)

Über ihre „Dauer“ sagt er, dass man darunter nicht verstehen soll, dass die Liebe dauert, „sondern dass die Liebe eine andere Art erfindet, das Leben zu überdauern.“ Wobei sie natürlich will, „dass ihr Beweis das Begehren umfasst. Die Zeremonie der Körper ist das materielle Pfand des Wortes, sie ist das, wodurch die Idee sich herausbildet, dass das Versprechen einer Neuerfindung des Lebens gehalten wird und zuerst auf der Ebene der Körper.“ Die Dauer beginnt mit dem absoluten Zufall der Begegnung, der zu einem bestimmten Zeitpunkt „fixiert“ wird.

„Die Liebeserklärung ist der Übergang vom Zufall zum Schicksal.“ Sie ist “ das Versprechen, eine Dauer zu konstruieren, damit die Begegnung von ihrem Zufall befreit wird.“ Wobei dieses Versprechen sogar eine Ewigkeitsbehauptung beinhaltet: für immer. „Ja, fährt Badiou fort, „das Liebesglück ist der Beweis, dass die Zeit die Ewigkeit aufnehmen kann. Andere Beweise sind die politische Begeisterung, wenn man an einer revolutionären Aktion teilnimmt.“

Deswegen steht der Aufstand und die Liebe, „wie jedes Wahrheitsverfahren, „am Ursprung von heftigen existentiellen Krisen.“ Der Aufstand betrifft die Gemeinschaft, „die politische Aktion bringt das zur Wahrheit, wozu eine Gemeinschaft fähig ist. Z.B.: Ist sie zur Gleichheit fähig? Ist sie fähig, das zu integrieren, was ihr fremd ist? Zu denken, dass es nur eine Welt gibt? usw.. Das Wesen der Politik ist in der Frage enthalten, wozu die Individuen fähig sind, wenn sie sich versammeln, organisieren, denken und entscheiden. In der Liebe geht es darum, ob sie zu zweit fähig sind, den Unterschied anzunehmen und produktiv zu machen.“

Die Liebe ist nicht immer friedlich, sie kann sogar tödlich sein, es gibt Morde, Selbstmorde und schwere Verletzungen  aus Liebe. Badiou hat sich in mehreren Theaterstücken darauf konzentriert, Liebesbeziehungen, die während eines kollektiven Widerstandsaktes entstehen, auf die Bühne zu bringen: „In all diesen Stücken geht es keinesfalls darum, die Ähnlichkeit zwischen der Liebe und dem revolutionären Engagement deutlich zu machen, sondern um eine Art geheimer Resonanz, die sich auf der innerlichsten Ebene der Subjekte einstellt zwischen der Intensität, die das Leben erhält, wenn es gänzlich Engagement im Zeichen der Idee ist, und der qualitativ unterschiedlichen Intensität, die ihm die Arbeit des Unterschieds in der Liebe verleiht.“ Sie sind wie zwei „unterschiedliche Musikinstrumente“, die zu einem  „harmonischen Zusammenklang“ finden. Alain Badiou hat ihn persönlich – bei sich selbst – gefunden, eine Erfahrung, die ihm in seinem „Lob der Liebe“ als Beweis dient. Über seine Bühnenstücke sagt er: „Die Beziehung zwischen dem Theater und der Liebe ist auch die Erforschung des Abgrunds, der die Subjekte trennt, und die Beschreibung der Zerbrechlichkeit dieser Brücke, die die Liebe zwischen zwei Einsamkeiten spannt.“

Der österreichische Standard berichtet aus Saudi-Arabien:

In Saudi-Arabien soll die Zwangsverheiratung von kleinen Mädchen verboten werden. Das meldete die arabische Nachrichtenwebsite „Elaph“ am Mittwoch. Das Justizministerium wolle erstmals in der Geschichte des islamischen Königreiches ein Mindestheiratsalter von 17 Jahren einführen. In den vergangenen Jahren hatten mehrere Fälle von Mädchen im Alter von acht, zehn oder elf Jahren für Aufsehen gesorgt, die von ihren Vätern mit älteren Männer verheiratet worden waren. In der Regel stehen bei diesen Eheschließungen die finanziellen Interessen der Eltern im Vordergrund. Minderjährige Buben betrifft diese Praxis nicht.

Widerstand leisteten bisher vor allem religiöse Hardliner. Sie behaupten, der Islam erlaube die Verheiratung von minderjährigen Mädchen und führen für diese These Beispiele aus der Ära des Propheten Mohammed an.

Das Thema Frauenrechte beschäftigt die Menschen in Saudi-Arabien derzeit stark. Am Montag war eine junge Softwarespezialistin nach neun Tagen Haft aus dem Gefängnis entlassen worden. Sie war inhaftiert worden nachdem sie ein Video im Internet veröffentlicht hatte, das sie am Steuer eines Autos zeigt. Frauen dürfen in Saudi-Arabien nicht Auto fahren.

Aus Libyen berichtet AP:

Vor der Tankstelle im Zentrum von Tripolis stehen die staubbedeckten Autos seit Tagen Stoßstange an Stoßstange. Ungewöhnlich an dem Bild ist vor allem eines: Unter den Wartenden sind nur Frauen. Sie wollen zu der wahrscheinlich einzigen Tankstelle der libyschen Hauptstadt, die nur für sie reserviert ist.

Männer sind hier allenfalls als freiwillige Helfer zugelassen. In mehreren Gruppen schieben sie liegen gebliebene Fahrzeuge an, während sich die Autoschlange im Schneckentempo nach vorne bewegt. Am Straßenrand vertreiben sich die Kinder der Frauen mit Spielen die Zeit. Die Tankstelle an Tripolis Hauptstraße Gurdschi sei schon immer nur für Frauen bestimmt gewesen, erklärt Sarhan al-Haschm.

Es sei schon ein Segen, eine Tankstelle für sich alleine zu haben, sagen die Frauen der Nachrichtenagentur AP. Die meisten anderen Tankstellen werden überwiegend von Männern aufgesucht, die beim langen Warten die Nerven verlieren. Oft schießen Soldaten in die Luft, um Prügeleien aufzulösen.

Ibtisam Saadeddin sorgt inmitten des Chaos an der Gurdschi-Tankstelle für Ordnung. Ab und zu hallen die Befehle der Soldatin durch die Luft. Die korpulente Dame trägt ein grünes Kopftuch, ganz in Anlehnung an die offizielle Farbe des Regimes von Muammar al Gaddafi, auf dem Stoff und ihrer Uniform prangen zwei Anstecknadeln mit dem Konterfei des Machthabers. „Er ist die Krone auf meinem Kopf“, erklärt sie mit sichtlichem Stolz.

Die festgefahrenen Kämpfe zwischen den von der NATO unterstützen Rebellen und der Truppen Gaddafis haben die Benzinproduktion in Libyen stark eingeschränkt, Versorgungswege sind blockiert. Dass viele ausländische Arbeiter vor der Gewalt geflüchtet sind, hat der heimischen Industrie zugesetzt.

„Ich habe vier Tage lang darauf gewartet, tanken zu können. Es ist so anstrengend“, sagt die Informatik-Studentin Sana Ndscheim, während die Männer ihr Auto nach vorne schieben. In Ihrem Leben drehe sich inzwischen alles ums Benzin, klagt sie. Der 26-Jährigen machen jedoch nicht nur die Treibstoffengpässe zu schaffen. „Die Preise für Lebensmittel gehen durch die Decke. Fleisch. Gemüse. Alles teuer.“

Ein Besuch auf mehreren Märkten bestätigt ihre Worte. Fisch, der in Libyen als Grundnahrungsmittel gilt, ist für viele nahezu unerschwinglich und knapp geworden – wegen mangelnden Treibstoffs für Fischerboote.

Während Ndscheim noch spricht, wird ihr Wagen plötzlich von aufgebrachten Anhängern Gaddafis umstellt. Sie solle nur freundliche Dinge über Libyen sagen, fordert ein Mann lautstark. Ein anderer klebt ein Gaddafi-Foto auf ihren Rückspiegel. „Sag, dass du den Führer liebst“, bellt er.

Auch Soldatin Saadeddin ist nun empört. „Ihr Journalisten lügt doch alle“, schreit sie. Dutzende Soldaten und Anhänger Gaddafis eilen ihr zu Hilfe. „Benzin ist nicht wichtig. Wir wollen unseren Führer!“, skandieren sie.

Keine der wartenden Frauen stimmt in die Parolen ein.

AFP berichtet aus dem Jemen:

Die Konfrontation zwischen Stammeskämpfern und der Regierung im Jemen weitet sich aus. Tausende bewaffnete Mitglieder des Haschid-Stamms zogen am Donnerstag nach Stammesangaben zur Hauptstadt Sanaa, um ihren Anführer bei seinem Kampf gegen die Regierungstruppen zu unterstützen. Wegen der Gefechte, bei denen seit Mittwoch 63 Menschen getötet wurden, stellte der Flughafen von Sanaa seinen Betrieb ein.

Die Bewaffneten zogen von den Hochebenen Richtung Sanaa, um Scheich Sadek El Ahmar und seine Kämpfer zu unterstützen, wie Stammesvertreter der Nachrichtenagentur AFP sagten. Auf dem Weg in die Hauptstadt sei es an einer Militärabsperrung zu Kämpfen mit Regierungstruppen gekommen. Nach Angaben von Augenzeugen überflogen Kampfjets in geringer Höhe die Stammesangehörigen, offenbar, um sie einzuschüchtern. Außerdem durchbrach ein Militärflugzeug über Ahmars Heimatdorf 80 Kilometer nördlich von Sanaa die Schallmauer. Für die Kämpfe setzte Präsident Präsident Ali Abdullah Saleh laut Zeugen Spezialkräfte ein.

In der Nacht zum Donnerstag lieferten sich die Kämpfer von Scheich Ahmar und die Regierungstruppen die dritte Nacht in Folge heftige Gefechte im Stadtteil El Hassaba in Sanaa, wo Ahmar seine Residenz hat. Dabei wurden nach Angaben von Ärzten mindestens 16 Menschen getötet, darunter ein siebenjähriges Mädchen.

In der Stadt Taes, einer 270 Kilometer südlich von Sanaa gelegenen Hochburg der Proteste, lieferten sich Regierungskräfte erstmals Gefechte mit bewaffneten Regierungsgegnern, wie Anwohner berichteten. Demnach konzentrierten sich die Kämpfe um den Präsidentenpalast in der Stadt und ein Lager der Saleh treu ergebenen Republikanischen Garde. Sicherheitskräfte hatten in der Nacht zu Montag mit Panzern und Schüssen gewaltsam eine Sitzblockade in Taes aufgelöst und dabei nach UN-Angaben mehr als 50 Demonstranten getötet.

Aus Pakistan berichtet AP:

Im Nordwesten Pakistans haben Hunderte Aufständische aus Afghanistan einen Grenzposten angegriffen. 58 Menschen kamen Polizeiangaben zufolge bei den Kämpfen ums Leben, darunter 23 Sicherheitskräfte. Die Gefechte in der Stadt Shaltalo im Bezirk Upper Dir begannen bereits am Mittwoch, die Lage konnte aber erst am Donnerstagmittag (Ortszeit) unter Kontrolle gebracht werden. Wie in den angrenzenden Stammesgebieten sind auch in Upper Dir Kämpfer des Terrornetzwerks Al-Kaida sowie der radikalislamischen Taliban aktiv.

Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, griffen etwa 200 Aufständische aus Afghanistan den Grenzposten an, der mit Polizisten und paramilitärischen Einheiten besetzt ist.

Am Mittwoch hatten die pakistanischen Streitkräfte eine Offensive in der Stammesregion Kurram angekündigt, wo es seit Jahren immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten kommt. Das der afghanischen Taliban nahestehende Haqqani-Netzwerk soll einige seiner Kämpfer aus Nord-Waziristan dorthin verlegt haben.

Aus Syrien meldet AP:

Die syrische Regierung hat am Mittwoch mehrere hundert politische Häftlinge freigelassen und eine Untersuchung des Todes eines 13-Jährigen versprochen, der gefoltert worden sein soll. Die Sicherheitskräfte gingen unterdessen weiter gewaltsam gegen die Menschen vor, die seit Monaten den Rücktritt von Präsident Baschar Assad fordern. In seinem jüngsten Versuch, den Volkszorn zu beruhigen, verfügte Assad am Mittwoch die Einrichtung eines Komitees zur Vorbereitung eines nationalen Dialogs.

Mehr als 500 politische Gefangene kamen am Mittwoch nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation frei. Der Direktor des Syrischen Observatoriums für Menschenrechte, Rami Abdul-Rahman, sagte, darunter seien auch Häftlinge gewesen, die an den Protesten gegen Assad teilgenommen hätten.

Das syrische Fernsehen hatte am Dienstag berichtet, die Regierung habe eine Amnestie beschlossen, die „alle Mitglieder politischer Bewegungen“ mit einschließe. Die Amnestie könnte demnach auch für rund 10.000 syrische Aktivisten gelten, die seit Beginn der Protestbewegung gegen Assad Mitte März festgenommen worden sind.

Im Süden des Landes hätten Regierungstruppen die Stadt Hirak mit Panzern und Artillerie beschossen, sagte der Aktivist Mustafa Osso. Dabei seien am Dienstagabend mindestens acht Menschen ums Leben gekommen, einschließlich eines 11-jährigen Mädchens. Nach ihrem Einmarsch in die Stadt sollen die Regierungstruppen etliche Menschen festgenommen haben.

In der mittelsyrischen Stadt Rastan wurden nach Angaben von Aktivisten 25 Menschen getötet. Die Leichen seien am Mittwoch in ein Krankenhaus in der Stadt Homs gebracht worden, sagten die Gewährsleute. Die Menschen seien am Dienstagabend in Rastan erschossen worden, wo syrische Soldaten seit mehreren Tagen gegen Regierungskritiker vorgehen. Seit Samstag sind damit 36 Tote bei Zusammenstößen in Rastan und den umliegenden Orten Talbisseh und Teir Maaleh gemeldet worden.

Aufstand in Syrien. Photo: taz.de

Anmerkung:

(*) Über die Liebesromantik  sagt Badiou, dass sie „mit den Revolutionen des  19.Jahrhunderts verbunden ist. André Breton z.B. [surrealistischer Autor des Liebesromans „Nadja“] repräsentiert auch die Volksfront, die Résistance und den antifaschistischen Kampf. Der Mai 68 war eine große Explosion von Versuchen, die Sexualität und die Liebe neu aufzufassen. Wenn aber der Kontext depressiv und reaktionär ist, dann versucht man, die Identität auf die Tagesordnung zu setzen. Das kann unterschiedliche Formen annehmen, aber es ist immer die Identität.

Der reaktionäre Vorschlag ist immer ‚unsere Werte‘ zu verteidigen und uns dem allgemeinen Modell des globalisierten Kapitalismus als einzig möglicher Identität anzupassen. Die reaktionäre Thematik ist in der einen oder anderen Form immer eine brutale Identitätsthematik. Wenn aber die Logik der Identität vorherrscht, dann ist die Liebe gefährdet. Man wird ihre Faszination für den Unterschied, ihre asoziale Dimension in Frage stellen…Eine der Aufgaben der Gegenwart ist also die Verteidigung der Liebe, insofern sie subversiv und dem Gesetz fremd ist. In der Liebe vertraut man zumindest dem Unterschied, anstatt ihn zu verdächtigen.“ [Im vorangegangenen blog war bereits ausgiebig von Identitäts-Politiken die Rede.]

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kommentare

  • Am heutigen Freitag meldet AP aus dem Irak:

    Bei einem Bombenanschlag auf eine sunnitische Moschee in Tikrit sind am Freitag zwölf Menschen getötet worden. Das verlautete aus irakischen Sicherheitskreisen. Die Moschee befindet sich in einer Palastanlage, die während der Herrschaft des früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein gebaut wurde.

    Die Bedeutung des letzten Satzes in dieser Meldung wird nicht ganz klar – war das Absicht?

    AFP meldet unter dem Stichwort „Jemen“:

    Leckere Kuchenrezepte statt Pläne zum Bombenbau: Der britische Geheimdienst MI6 hat mit einer kleinen Manipulation die Leser eines El-Kaida-Online-Magazins auf die falsche Fährte geschickt. Wer auf der Internetseite des englischsprachigen Dschihad-Magazins „Inspire“ die Anleitung „So bastelst du in der Küche deiner Mutter eine Bombe“ herunterladen will, wird laut einem Bericht der Zeitung „The Telegraph“ vom Freitag auf eine Internetseite mit Rezepten für die „besten Cupcakes Amerikas“ weitergeleitet. Dort erfahren die Bombenbauer in spe, wie sie zuckersüße Köstlichkeiten im Backofen zaubern, zum Beispiel einen Mojito-Cupcake mit weißem Rum und Vanille-Buttercreme.

    „Inspire“ wird vom El-Kaida-Arm auf der Arabischen Halbinsel herausgegeben. Es wird unter anderem von einem der Anführer der Terrorgruppe produziert, dem radikalislamischen Prediger Anwar al Aulaqi. Dieser hat einst in Großbritannien und den USA gelebt und soll sich jetzt im Jemen versteckt halten.

    Reuters meldet aus dem Jemen:

    Im Jemen dauert der Machtkampf zwischen Anhängern und Gegnern des langjährigen Präsidenten Ali Abdullah Saleh an. Am Freitag schossen Sicherheitskräfte in Sanaa erneut auf Demonstranten, die den Rücktritt Salehs verlangten. Dabei wurden nach Beobachtungen von Zeugen mindestens sieben Menschen verletzt. In anderen Teilen der Hauptstadt lieferten sich Stammeskämpfer und Spezialeinheiten der Armee Feuergefechte um die Kontrolle von Regierungsgebäuden. Das Haus von Stammesführer Hamid al-Ahmar sei von Regierungssoldaten beschossen worden, berichteten Augenzeugen.

    Auch aus der Stadt Tais im Süden des ärmsten Landes der arabischen Halbinsel wurden Explosionen gemeldet.

    Oppositionsgruppen berichteten, Sicherheitskräfte hätten diese Woche 50 Regierungsgegner getötet.

    Dpa berichtet aus dem Iran:

    Nach dem Tod der Dissidententochter Haleh Sahabi beim Begräbnis ihres Vaters in Teheran haben die USA massive Vorwürfe gegen den Iran erhoben. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Mark Toner, erklärte am Donnerstag, dass Augenzeugen und verlässliche Berichte klar gemacht hätten, dass Haleh Sahabi als Folge der „verwerflichen Handlungen iranischer Sicherheitskräfte“ gestorben sei. Es sei unbegreiflich, dass eine Regierung so große Angst vor ihren Bürgern habe, dass sie die Anwendung von Gewalt gegen eine trauernde Tochter beim Begräbnis ihres Vaters anordne.

    Wie auf oppositionellen iranischen Websites verlautete, hatte Haleh Sahabi Hafturlaub bekommen, um am vergangenen Mittwoch dem Begräbnis ihres Vaters beizuwohnen. Nach offiziell unbestätigten Berichten kam es am Friedhof in Teheran zu einem Handgemenge zwischen Polizisten und Oppositionellen, in dessen Verlauf die 57-Jährige einen Herzschlag erlitt.

    Ihr Vater Esatollah Sahabi war am Dienstag im Alter von 81 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Er war in den 1970er Jahren ein Mitbegründer der liberalen Freiheitsbewegung FMI. Mehrfach wurde er inhaftiert, insgesamt verbrachte Sahabi 15 Jahre hinter Gittern. Die Vorwürfe gegen ihn reichten von Gefährdung der nationalen Sicherheit bis zum versuchten Umsturz des islamischen Systems.

    Nach der islamischen Revolution 1979 war Sahabi von 1980 bis 1984 Abgeordneter im iranischen Parlament. Dann schloss er sich der Opposition an und forderte demokratische Reformen im Mullah-Staat. Mit anderen Menschenrechtlern setzte er sich unter anderem für die Abschaffung der Isolationshaft ein.

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