Altes und Neues vom „Hinterhof der USA“

 

El Salvador (der Retter, der Heiland)

 

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„…Und nun hat die Guerillaorganisation FMLN die Wahlen in El Salvador gewonnen. Viele, die sich vor mehr als 25 Jahren für El Salvador engagiert haben, werden sich erfreut, vielleicht auch etwas überrascht die Augen gerieben haben. Was, die FMLN gibt es immer noch? Einige, die in der Bewegung der Achtziger eine wichtige Rolle gespielt hatten, erleben diesen späten Triumph leider nicht mehr, weil sie inzwischen verstorben sind. Etwa die Journalistin Ursula Junk, die Anfang der achtziger Jahre die ersten kritischen Berichte zu El Salvador im Radio und Fernsehen unterbrachte und den Aufbau des ersten Büros der salvadorianischen Widerstandsgruppen in der BRD unterstützte; Klaus-Dieter Tangermann, seinerzeit Mittelamerikaredakteur der taz, der maßgeblich für die Waffenkampagne verantwortlich war und eine kaum zu unterschätzende Rolle bei den Mobilisierungen der Solibewegung Anfang der achtziger Jahre spielte.“ ( Informationsstelle Lateinamerika e.V. Oscar Romero Haus, Bonn)

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Seit seiner Unabhängigkeit 1821 wurde das kleine Land (etwa so groß wie Hessen) zumeist von einem Diktator aus der Großgrundbesitzer-Oligarchie oder der Offizierskaste regiert. 1882 beseitigte die Regierung das letzte indigene Gemeindeland – zugunsten von Kaffeeplantagenbesitzern. Um 1900 befanden sich 90 % der Güter des Landes in den Händen von 0,01 % der Bevölkerung. 1932 ließ der durch einen Putsch an die Macht gekommene General Maximiliano Hernández Martínez einen Indigenen-Aufstand, der vom Vorsitzenden der gerade gegründeten Kommunistischen Partei des Landes, Agustín Farabundo Martí, geleitet wurde, niederschlagen. Neben Martí wurden 30.000 Menschen getötet. Das Massaker gilt als das Ende der Existenz indigener Völker im Land.

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Im Sommer 1969 brach zwischen El Salvador und Honduras ein 100 Stunden dauernder Krieg aus, der „Fußballkrieg“ genannt wurde, weil er sich aus Prügeleien zwischen Fußballfans bei den Qualifikationsspielen zur Fußball-Weltmeisterschaft 1970 entwickelt hatte. Der polnische Auslandsreporter Ryszard Kapuscinski berichtete darüber in seinem Buch mit Kriegsreportagen: „Der Fußballkrieg“ (1990). Wikipedia schreibt: „Der eigentliche Grund waren Spannungen um Armutsflüchtlinge aus El Salvador, die von der honduranischen Bevölkerung für die wirtschaftlichen Probleme ihres Landes verantwortlich gemacht wurden. Im selben Jahr entstand eine maoistische Guerilla unter Salvador Cayetano Carpio (Comandante Marcial). 1979 wurde eine „sehr weite Junta“ gegründet. Sie erließ auf Druck der USA eine Verfassung, die das Landeigentum auf 245 ha beschränkte. Das überzählige Land sollte mit Entschädigung an Genossenschaften vergeben werden. „Teile der 14 Grundeigentümerfamilien El Salvadors versuchten mit Terror durch Todesschwadronen die Landreform aufzuhalten.“ 1980 erschossen diese den sozial engagierten Erzbischof von San Salvador, Oscar Romero, während einer Messe. Der Bürgerkrie eskalierte: „Die Militärregierung, unterstützt von den USA, Guatemala und Honduras, hat mit Ihren Truppen und den von den USA bezahlten, ausgerüsteten und befehligten Söldnerkommandos eine großangelegte militärische Offensive zur Ausrottung der Opposition eingeleitet,“ schrieb die 1980 noch linksradikale taz – und rief zu einer Spendenaktion auf: „Waffen für El Salvador – Wir garantieren, daß, das Geld direkt an die FFMLN (Frente Farabundo Marti de Liberacion Nacional) weitergeleitet wird.“

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Photo: latina-press

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Bis 1992 kamen fast 5 Millionen DM zusammen. Im Zuge der nahezu weltweiten Restauration, da aus ideologischen Gegnern plötzlich neoliberale „Partner“ wurden, geriet dieser Spendenaufruf später zu einem kleinen Skandal, mindestens zu einer Peinlichkeit – wegen Beihilfe zur Bewaffnung von Terroristen. In seinem Roman „Der Mann auf den Klippen“ (1987), der vom Bürgerkrieg in El Salvador und der US-Invasion auf Grenada handelt, schreibt der DDR-Autor Wolfgang Schreyer: „Wer heute z.B. in Westberlin ein Taxi besteigt, dem kann es wie mir passieren, dass er wider Willen in obskure Waffengeschäfte verstrickt wird. Stellen Sie sich vor, ich sitze in einem Wagen der ‚Ikarus Taxi GmbH‘ und hab plötzlich vor mir an der Lehne ein Schild mit dem Text: ‚Die Gesamteinnahmen dieser Schicht wird gespendet für Arbeitsbrigaden in Nicaragua und/oder Waffen für El Salvador!“

 

Fakt ist, dass das Taxi der „Kreuzberger Taxi-Genossenschaft“ gehörte, die 1976 gegründet wurde – als erste Berliner Genossenschaftsgründung seit 1933 wieder. Und ihre Genossen/Fahrer spendeten in der Tat immer mal wieder ganze Wochenendschichten für Nicaragua, wo die Amerikaner die Befreiungsbewegung der „Sandinista“ mit einer Mördertruppe namens „Contras“ bekämpften. Die taz hatte zeitweilig sechs Korrespondenten in Managua, einer der taz-Gründer und dann Redakteur in der Berliner Zentrale, Mathias Broeckers, hatte im übrigen zuvor die Taxi-Genossenschaft mitgegründet. Von ihm bekam ich auch das Buch von Schreyer, das er 2014 in Ahrenshoop im Sommerhaus des Autors von diesem geschenkt bekommen hatte.

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Photo: commons.wikimedia.org

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Beim Trödler erwarb ich gerade eine Reportage von Joan Didion: „Salvador“ (1983), in der die an sich kritische US-Journalistin von „Wir“ redet, wenn sie die Amerikaner in El Salvador meint, wobei es sich zumeist um Halbprominente handelt, deren verlogene Plattheiten Didion ins Hochliterarische schraubt. Die taz schrieb damals: „Das Vorgehen des salvadorianischen Militärs zeigt die Handschrift seiner US-Berater. Es ist die Handschrift des Vietnam-Krieges, des ‚Phoenix-Programms‘: Wo die Guerilla starken Rückhalt in der Bevölkerung hat, gibt es keine Zivilbevölkerung mehr – es darf auf alles geschossen werden, was sich bewegt…Diesen Vernichtungskrieg wird das Volk El Salvadors nur überstehen können, wenn es siegt. Ein anderer Frieden ist nicht möglich: Sieg oder Tod.“

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Die USA bildeten unterdessen die Todesschwadrone aus und bewaffneten sie. Dies ist u.a. Thema des Buches von Wolfgang Schreyer, der dazu eine Westberliner Journalistin nach El Salvador schickt. Sie schreibt einen Bericht und wird dann von ihrer Zeitung nach Grenada geschickt, wo die Amis den nächsten Putsch vorbereiten – eine Invasion, die 1983 mit Fallschirmspringern und allen Schikanen auch stattfindet: Ähnlich wie in Chile und Nicaragua soll auch auf dieser winzigen Karabikinsel im „Hinterhof der USA“ eine linksgerichtete Volksregierung gestürzt werden. Es ist kurz davor, noch kann man scherzen: Nur in den USA wird nie ein Putsch stattfinden, denn die Amis haben dort keine Botschaft. Die Westberliner Journalistin holt sich bei ihrer Grenada-Recherche Hilfe von ihrem Sohn, der in Nicaragua lebt. Er war verantwortlicher Redakteur des Westberliner Autonomenmagazins „radikal“ gewesen und sollte deswegen eine Gefängnisstrafe absitzen, stattdessen war er nach Nicaragua geflüchtet, wo seit 1979 die Guerillatruppen der „Sandinista“ an der Macht waren, in den Achtzigerjahren bauten die Amis gegen sie eine Söldner- und Killertruppe, die „Contras“ auf, die von Honduras aus operierten.

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Photo: the-guardian

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Das Geld zum Aufbau dieser Guerillabekämpfungseinheiten stammte laut Wikipedia „aus geheimen Waffenverkäufen der USA an den Iran. Die Contras versuchten, die Infrastruktur zu zerstören, unternahmen terroristische Überfälle auf die Landbevölkerung, legten Minen, verbrannten die Ernte, stahlen Vieh, um die Situation im Lande zu destabilisieren und die Bevölkerung zu verunsichern. US-Präsident Reagan nannte diese Gruppen Freiheitskämpfer. Gleichzeitig schürten die USA Auseinandersetzungen zwischen der sandinistischen Regierung und den Miskito-Indigenas an der Karibikküste, die dadurch als Volk fast vernichtet wurden, weil sie sich erst spalteten – eine Hälfte kämpfte aus Seiten der Sandinista, eine andere auf der Seite der Contras. Hinterher wurden viele verrückt, d.h. von der „Partisanenkrankheit“ niedergerungen. Siehe dazu: http://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2009/05/22/paul_parin/
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Die ersten freien Wahlen in Nicaragua im Jahr 1984 erbrachten dennoch eine Bestätigung der sandinistischen Regierung. Die Unterstützung der sandinistischen Revolution durch linke Bewegungen der westlichen Welt erreichte in diesen Jahren ihren Höhepunkt, so dass zeitweise mehrere Hundert vorwiegend junge Erwachsene freiwillig bei Aufbau und Ernte halfen.“ Dazu zählte auch der Sohn der Westberliner Journalistin in dem Buch „Der Mann auf den Klippen“ von Wolfgang Schreyer. In Wirklichkeit war dieser verantwortliche Herausgeber des Westberliner Hausbesetzerperiodikums „radikal“ der damalige taz-Redakteur Benny Härlin, der jedoch dem Gefängnis nicht in Nicaragua entkam, sondern in der Brüssler Immunität des EU-Parlaments.

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Der frühere nicaraguanische Guerillaführer und ehemalige erste Staatschef nach der ’sandinistischen Revolution‘ Daniel Ortega gewann nebenbeibemerkt 2006 und 2011 erneut die Präsidentenwahlen. Währenddessen wurde das Strafrecht von Nicaragua dahingehend verschärft, dass alle Abtreibungen, auch solche, die nur zum Schutz des anderenfalls bedrohten Lebens der Frau vorgenommen werden sollen, verboten sind. Bisher sind nach Schätzungen von Hilfsorganisationen über 80 Frauen infolgedessen gestorben.“

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Photo: technoserve.org

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Zuck nach El Salvador: In El Salvador konnte sich bis 2009 zwar die rechtskonservative Allianz „Arena“ an der Macht halten, aber bereits 1992 war es zu einem Friedensabkommen mit der linken FMLN gekommen, die sich daraufhin demobilisierte. „Der soziale Gegensatz zwischen dem kleinen Teil der Bevölkerung, der einen Großteil der Ressourcen besaß, und der verarmten Mehrheit der Bevölkerung blieb auch nach dem Ende des Bürgerkrieges kaum verändert.“ Seit 2009 hat jedoch die FMLN die Mehrheit im Parlament. Das hat allerdings nichts daran geändert, dass immer noch eine Atmosphäre der Gewalt im Land herrscht: Allein von Januar bis Juli 2014 wurden 2100 Menschen ermordet und noch viel mehr gefoltert, vergewaltigt, erpreßt und gedemütigt. Unter den inzwischen etwa 80.000 Kindern, die jüngst aus Lateinamerika in die USA flüchteten, sind besonders viele aus El Salvador. Die Regierungen Lateinamerikas wollen minderjährige Flüchtlinge nun mit Werbekampagnen aufhalten. In El Salvador werden seit kurzem bereits die Grenzen stärker überwacht, um die Flüchtlinge im eigenen Land aufzuhalten. „Wir wollen verhindern, dass Schlepper das Leben von Kindern aufs Spiel setzen,“ sagte Außenminister Hugo Martínez.

 

Derzeit bemüht sich in El Salvador eine Frauenrechtsorganisation um die Begnadigung von 17 Frauen, die wegen angeblicher Abtreibungen zu Haftstrafen zwischen 25 und 40 Jahren verurteilt wurden. Zuvor hatten die Inhaftierten Fehlgeburten und andere Komplikationen im Zusammenhang mit der Schwangerschaft erlitten. El Salvador hat seit einer Verfassungsreform im Jahr 1998 eines der strengsten Gesetze der Welt, mit dem Abtreibungen verhindert werden sollen. Ein Schwangerschaftsabbruch steht auch dann unter Strafe, wenn Gesundheit oder Leben der werdenden Mutter auf dem Spiel stehen.

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Die taz berichtete im Juli 2014: „Seit in El Salvador ein Waffenstillstand zwischen den beiden großen Verbänden der ‚Maras‘ genannten Jugendbanden zusammengebrochen ist, werben die wieder verstärkt neue Mitglieder an und haben es dabei vor allem auf Kinder abgesehen. Vor dem Eintritt in so eine kriminelle Gang wird als Mutprobe oft der Mord an einem Familienangehörigen verlangt. Viele Kinder weigern sich – und werden dann selbst Opfer. Allein in El Salvador gibt es rund 60.000 Mitglieder solcher Banden, in Honduras und Guatemala sind sie ähnlich stark.“

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Noam Chomsky schrieb: „El Salvador ist führender Empfänger von US-Militärhilfe und ein Land mit einer der schlimmsten Bilanzen an Menschenrechtsverletzungen überhaupt.“ Was früher die Todesschwadronen der Oligarchen waren, wurde dann offiziell die Atlacatl-Brigade des Militärs. Joan Didion zitiert aus dem Bericht einer US-Menschenrechtsorganisation über eine sechstägige Offensive dieser Brigade gegen neun Dörfer in der Region Morazan: Sie vergewaltigten und töteten alle Frauen und verbrannten sie anschließend, ihre Kinder wurden erwürgt. Zwar hatte die FMLN die Dörfler vorher gewarnt, aber da die Mehrzahl der Armee gegenüber freundlich eingestellt war, blieben sie.

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Enjoying their vacations

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Ende 1989 befahl das Oberkommando der salvadorianischen Armee laut Chomsky „der Atlacatl-Brigade, in die Jesuiten-Universität einzudringen und sechs führende lateinamerikanische Intellektuelle zu ermorden, alles Jesuiten, darunter den Rektor, Pater Ignacio Ellacuría, sowie alle Zeugen, was bedeutet, seine Haushälterin und deren Tochter. Die Brigade war gerade von einem weiterführenden Kurs zur Aufstandsbekämpfung der US-Armee zurückgekehrt, vom John F. Kennedy Special Warfare Center in Fort Bragg, North Carolina, und hatte in El Salvador bereits eine blutige Spur mit Tausenden von Opfern im Rahmen der üblichen von den USA betriebenen Staatsterror-Kampagne hinterlassen – als Teil einer breiteren Terror- und Folter-Kampagne in der gesamten Region.“

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Wikipedia ergänzt: „El Salvador weist weltweit nach Honduras die höchste Rate gewaltsamer Tötungen auf. Es gibt dort eine sehr hohe organisierte Bandenkriminalität. Diese Banden rekrutierten sich ursprünglich aus Rückwanderern unter den 1 bis 2 Millionen salvadorianischer Migranten, die nach dem Bürgerkrieg in die Region von Los Angeles ausgewandert waren und dort illegal lebten. Den sich aus den Zurückgeführten bildenden oder bereits vorher in Los Angeles existierenden Banden gehören ca. 25.000 Kinder und Jugendliche an. Der Drogenkonsum hat nach dem Krieg erheblich zugenommen. Jugendbanden in Heeresstärke beherrschen ganze Stadtviertel, auch die Kinderprostitution steigt.“

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Ab 2003 verfolgte man die Bandenmitglieder als Terroristen, auch 12-Jährige Kinder wurden bestraft. Von der Benutzung öffentlicher Busse wird dringend abgeraten.“

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Photo: redcross.org

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Weitere – aktuelle – Horrormeldungen aus El Salvador:

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– Textilarbeiterinnen, die für die deutsche Firma Puma T-Shirts zu Dumpinglöhnen produzieren, berichteten dem „Spiegel“ von Verbrennungen durch offene Kabel, verdrecktem Trinkwasser und extremem Arbeitsdruck: „Im Moment dürfen wir häufig nicht mal zur Toilette gehen“, zitierte das Magazin eine Büglerin. In den vergangenen Monaten hätten viele Arbeiterinnen nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn von 203 Dollar (146 Euro) erhalten.

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– Wegen der starken Zunahme von Dengue-Fieber und Chikungunya haben die Gesundheitsbehörden von El Salvador am Mittwoch den nationalen Gesundheitsnotstand erklärt. Mit massiven und gezielten Kampagnen sollen die für die Übertragung des Virus verantwortlichen Stechmücken ausgerottet werden.

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– „Die USA haben ihre Entwicklungshilfe für El Salvador aus dem Millenium-Challenge-Fonds in Höhe von 277 Millionen US-Dollar davon abhängig gemacht, dass El Salvador gentechnisch verändertes Mais-Saatgut von Monsanto kauft. Der Druck der USA, die Auszahlung der Gelder, die für die Entwicklung der Küstenregion von El Salvador gebraucht würden, an den Kauf von Saatgut zu koppeln, führte bereits zu Protesten der Bevölkerung. In diesem Zusammenhang demonstrierten Bauernorganisationen vor der US-Botschaft in San Salvador.“ (portal amerika21.de)

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Photo: elsalvador-prwatch.org

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– Wenige Tage vor dem Regierungswechsel im Juni 2014 ist El Salvador von einer Welle der Gewalt erschüttert worden. Allein zwischen Freitag und Sonntag wurden 72 Menschen getötet. Bereits während der Wahlkampfs waren über 500 Menschen von Jugendbanden ermordet worden. Präsident Mauricio Funes machte in einer Fernsehansprache am Montag ‚dunkle Kräfte‘ für die jüngste Gewalteskalation verantwortlich. Der linksgerichtete Staatschef warf der konservativen Opposition vor, hinter den Verbrechen zu stecken. Sie wolle das Land destabilisieren und sich selbst als sicherheitspolitische Hardlinerin präsentieren. Am kommenden Sonntag übergibt Funes sein Amt seinem Nachfolger und Parteifreund Salvador Sánchez Cerén. In El Salvador kämpfen Jugendbanden um die Vorherrschaft. Zudem machen nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden rechtsgerichtete Todesschwadronen erneut Jagd auf mutmassliche Jugend-Gangmitglieder.

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– Salvador Sánchez Cerén verkündete im Juli: Er werde einen nationalen Pakt für den Kaffee-Anbau einführen und eine Reform des öffentlichen Transportsystems im Großraum San Salvador einleiten.

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– „Saftiger Rasen. Spielplätze. Sportanlagen. Spa-Bereich. Dazwischen 571 Einfamilienhäuser. Rundherum eine hohe Mauer. Und Sicherheitspersonal, das Tag und Nacht aufpasst, dass die heile Welt nicht gestört wird. Das ist Villa Veranda. Eine Siedlung im Westen von San Salvador. Während Gewalt und Armut den Alltag im zentralamerikanischen Kleinstaat bestimmen, erfüllen sich hier die Wohnträume der solventen Mittel- und Oberschicht und von reichen Exil-Salvadorianern. Das günstigste Haus kostet 117650 Dollar. Viel Geld in einem Staat, in dem jeder sechste Bewohner weniger als zwei Dollar pro Tag hat. Villa Veranda, sagen lokale Umweltschützer, ist ein Skandal. Einer, bei dem Entwicklungshilfe-Institutionen mitwirkten, wie der «Guardian» berichtet. Recherchen zeigen: Auch das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ist involviert. Fünf Millionen Dollar investierte das Seco 2002 in den Entwicklungsfonds Aureos Central America. Das Ziel: Bekämpfung von Armut durch Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen. 2,1 Mio. Franken flossen weiter zu Avance Ingenieros, einem Baugiganten mit rund 1300 Mitarbeitern. Dank der Finanzspritze stampfte die Firma in El Salvador und Honduras etliche Luxussiedlungen aus dem Boden. Auch Villa Veranda. Damit befeuert die Schweiz eine Entwicklung, vor der Umweltschützer seit Jahren warnen: Holzgewinnung, Landwirtschaft und Bautätigkeit haben das ökologische Gleichgewicht in El Salvador empfindlich gestört. Im einstigen Regenwald-Staat sind heute nur noch 14 Prozent der Fläche bewaldet. Auch für Villa Veranda wurde gerodet. Die Fläche der Siedlung: 14 Hektar – 20 Fussballfelder.“ (blick.ch)

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Miss El Salvator 2010. Photo: dxing.at-communication.com

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Miss El Salvador 2011. Photo: santabanta.com

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– Vor einigen Jahren hatte die Regierung von El Salvador und die Jugendbande-Vereinigung der „Maras“ einen geheimen „Friedenspakt“ geschlossen. Dieser ist nun gefährdet: „Die salvadorianische Regierung stellt derzeit Nachforschungen über eine Infiltrierung der Streitkräfte durch die sogenannten Maras an. Laut Polizeiquellen haben sich diese systematisch eingeschleust, um sich ausbilden zu lassen und Waffen zu entwenden. Sicherheitsminister Perdomo sprach zudem von einer beunruhigenden Aufrüstung der Banden und einer engen Zusammenarbeit mit Drogenkartellen wie den mexikanischen Zetas.“ (amerika21.de). Berühmt-berüchtigt sind die Banden Mara salvatrucha und Mara 18, sie sollen laut Wikipedia zusammen etwa hunderttausend Mitglieder haben. Schwerpunkte ihrer Kriminalität sind Drogen- und der Waffenhandel.

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– Der neue Präsident von El Salvador und ehemalige Guerillakommandeur Sánchez Cerén bezeichnete den Sieg seiner Partei als Beleg dafür, dass der „bewaffnete Kampf bedeutsam war“, um die Demokratien in El Salvador und ganz Lateinamerika zu stärken. Sánchez Cerén ist der erste ehemalige Rebellenchef in dem mittelamerikanischen Land, der an die Staatsspitze gewählt wurde. „Ich bin aber nicht der Erste in Lateinamerika“, bemerkte er, um auf den Präsidenten von Uruguay, José Mujica, die Präsidentin von Brasilien, Dilma Rousseff, und den Präsidenten von Nicaragua, Daniel Ortega, zu verweisen.

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– Der Flughafen von El Salvador wurde nach dem ermordetem Bischof Romero benannt.

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– 31. Juni 2014: Die lateinamerikanischen Länder Chile, Peru und El Salvador haben wegen der Verschärfung der israelischen Militäroperationen im Gazastreifen ihre Botschafter in Israel zu Konsultationen zurückgerufen, Brasilien und Ecuador vollzogen diesen Schritt bereits vor einer Woche.

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Salvador-Gang. Photo: csmonitor.com

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– El Salvadors Präsident Salvador Sánchez Cerén hat ein Programm präsentiert, das die Rehabilitation und Wiedergutmachung für die Opfer von Staatsterrorismus während des bewaffneten Konflikts zwischen 1980 und 1992 ermöglichen soll. Damit sollen die Rechte auf Wiedergutmachung, auf Wissen über die Wahrheit und auf Zugang zu Gerechtigkeit erfüllt werden. Im Laufe des bewaffneten Konflikts waren etwa 83.000 Menschen getötet worden oder verschwunden. Etwa 16.000 Menschen wurden verletzt und mehr als eine Million Menschen wurden vertrieben.

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– Den salvadorianischen Sicherheitskräften ist ein schwerer Schlag gegen das organisierte Verbrechen gelungen. Bei mehreren Razzien gegen die Jugendbanden Mara Salvatrucha und Barrio 18 wurden 127 Menschen festgenommen, wie Generalstaatsanwalt Luis Martínez am Mittwoch sagte. Unter den Verdächtigen seien auch zwölf Richter, Staatsanwälte, Anwälte und Polizisten.

Zudem nahmen die Einsatzkräfte den prominenten Pfarrer Antonio Rodriguez Tercero fest. Der als Pater Tono bekannte Priester habe Kontakte zu den obersten Anführern der Gang Barrio 18 unterhalten und verbotene Gegenstände in Gefängnisse geschmuggelt, sagte Martinez. Der spanische Geistliche betreut eine Gemeinde in der Bandenhochburg Mejicanos nahe San Salvador und leitet ein Hilfswerk zur Wiedereingliederung ehemaliger Bandenmitglieder in die Zivilgesellschaft.

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Photo: globalpost.com

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– Vor wenigen Wochen hatte Porsche AG verkündet, weiter jährlich rund 200 Millionen Euro in seine Standorte zu investieren. Um dies zu tun, hat das Unternehmen über Grupo Q, Distributor der Marke in El Salvador, eine Investition von 2,5 Millionen Dollar getätigt und auf einer Fläche von 1.660 Quadratmetern einen Showroom und Fitting Lounge eröffnet. Derzeit verkauft der Porsche-Händler in El Salvador zwischen 30 und 40 Einheiten pro Jahr. Die Prognosen des Unternehmens sind positiv – die Verkäufe im Jahr 2015 sollen auf 90 Autos pro Jahr steigen.

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– Eine marode Fabrik in El Salvador soll dem Nachrichtenmagazin ‚Der Spiegel‘ zufolge für den Sportartikel- und Modehersteller Puma T-Shirts zu Dumpinglöhnen produziert haben.

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Izalco-Vulkan. Photo: tanamatales.com

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US-Militärinterventionen in Amerika


Eine unvollständige Auswahl
von Günter Pohl

  • 1822 Erst zwölf Jahre nach dem „Grito de la Independencia“ (Ruf nach Unabhängigkeit) in Caracas, Mexico und Buenos Aires im Jahre 1810 erkennen die USA das Recht auf Unabhängigkeit der Länder südlich des Río Bravo an.

  • 1823 Die nach US-Präsident James Monroe benannte Doktrin „Amerika den Amerikanern“ bildet die Grundlage der Dominanzpolitik in Lateinamerika.

  • 1826 Die USA üben Druck auf Simón Bolívars „Kongress von Panama“ aus, den Unabhängigkeitskampf nicht auf Cuba und Puerto Rico auszuweiten, die sie als ihr Einflussgebiet ansehen.

  • 1831 Unter französischer Flagge segelnd überfällt das Kriegsschiff Lexington die Malvineninseln und die USA okkupieren die argentinischen Inseln. Hundertfünfzig Jahre später unterstützen sie die Briten im britisch-argentinischen „Falkland“-Krieg.

  • 1845 Die USA annektieren Texas, das Staatsgebiet Mexicos war. Mit dem Guadalupe-Hidalgo-Vertrag bemächtigen sich die USA drei Jahre später auch Kaliforniens und eines Gebiets, das sie zynischerweise „New Mexico“ nennen.

  • 1855 Erste Invasion in Nicaragua, der weitere 1909, 1912 und 1926 folgen und die mit der Einsetzung der Somoza-Dynastie vorerst enden.

  • 1889 Einberufung der Washingtoner Konferenz der Amerikanischen Nationen, deren Ziele eine einheitliche Währung, Zollunion, Zentralbank und der Bau einer panamerikanischen Eisenbahnstrecke sind, was jedoch nicht erreicht wurde.

  • 1896 und 1899 US-Invasionen in Corinto und Bluefields (Atlantikküste Nicaraguas), um eine eingeleitete Staatengemeinschaft zwischen Honduras, Nicaragua und El Salvador zu unterbinden.

  • 1898 Einmischung in den cubanischen Befreiungskampf gegen die spanische Kolonisation, als Spanien nahezu besiegt war. Mit dem „Platt-Amendment“ von 1901 wird Cuba dem US-Einfluss unterworfen; die eingesetzte Marionettenregierung verpachtet die Bucht von Guantánamo auf unbestimmte Zeit an das US-Militär.
    Spanien tritt den Einfluss auf Puerto Rico an die USA ab, bis heute ist es kolonial besetzt.

  • 1903 Die USA unterstützen während des „1000-Tage-Krieges“ in Kolumbien eine Separatistenbewegung in der Provinz Panama und im Gegenzug für ihre militärische Hilfeleistung bekommen sie die Zusicherung, durch Panama einen nicht zuletzt ihren imperialen Interessen dienenden Kanal bauen zu dürfen.

  • 1906 und 1912 Neuerliche US-Invasionen in Cuba

  • 1915 US-Marines überfallen Haiti und stehlen aus der Nationalbank Haitis 500 000 Dollar; das Geld wird der City Bank übergeben. Die Truppen bleiben bis 1934, als die politische Situation in ihrem Sinne gefestigt war. Das US-installierte Duvalier-Regime herrschte diktatorisch zwischen 1957 und 1986 über die Insel.

  • 1916 US-Invasion in der Dominikanischen Republik, deren militärischer Chef bis 1924 Legislative, Judikative und Exekutive des Landes übernimmt. Bis 1955 ist der „Schakal der Karibik“, Leonidas Trujillo, Präsident des Landes. Über Trujillo prägte Roosevelt den berühmten Satz „Er mag ein Hurensohn sein, aber es ist unser Hurensohn“, nachdem der Diktator gerade zehntausend Oppositionelle hatte umbringen lassen.

  • 1921 Costa Rica und Panama werden in den „Valle del Coto“-Krieg gehetzt um den Staatenbund Costa Ricas mit Nicaragua, Guatemala, El Salvador und Honduras zu zerstören.

  • 1927 Einmarsch von Marines in Nicaragua um den Putschisten Chamorro zu stützen; die Rebellen um Augusto Sandino vertreiben die Besatzer 1932.

  • 1946 In Bolivien organisiert der US-Geheimdienst den Sturz und die Ermordung des Präsidenten Gualberto Villaroel um die Macht wieder der Oligarchie zu übergeben.

  • 1948 Gründung der Organisation der Amerikanischen Staaten als Element gegen den Einfluss der Sowjetunion. Die OAS, aus der Cuba später ausgeschlossen wurde, wurde zur politischen Unterstützung der Invasionen in Guatemala, Cuba und der Dominikanischen Republik benutzt.

  • 1950 Der Versuch einer nationalen Unabhängigkeit Puerto Ricos wird durch US-Truppen niedergeschlagen.

  • 1954 Der CIA organisiert eine Söldnerinvasion gegen Guatemalas Präsidenten Jacobo Arbenz, der den Grundbesitz der „United Fruit Company“ verstaatlichen wollte. 49 Jahre später, im Mai 2003, geben die USA diese Machenschaften offiziell zu, die mindestens 140 000 Tote fordern.

  • 1954 Eine maßgeblich von den USA durchgeführte Verschwörung treibt den brasilianischen Präsidenten Getulio Vargas in den Selbstmord.

  • 1955 Gemeinsam mit Großbritannien wird der argentinische Präsident Juan Domingo Perón gestürzt, was den Startschuss zur Entstaatlichung weiter Teile der argentinischen Industrie und deren Übernahme durch US-Kapital bedeutet.

  • 1960 Im März organisieren CIA-Leute den Bombenanschlag auf das französische Frachtschiff „Coubre“ im Hafen von Havanna, bei dem 81 Menschen getötet werden.

  • 1961 Die Invasion in der Schweinebucht durch exilcubanische Söldner, die in den USA ausgebildet und ausgerüstet wurden, wird durch die Bombardierung der cubanischen Luftabwehr durch US-Flugzeuge vorbereitet. Nach der Zurückschlagung der Invasion gehen die USA zur Blockade Cubas über, die bis heute andauert.

  • 1964 Mit Hilfe von brasilianischen Militärs führt die CIA einen Putsch gegen den brasilianischen Präsidenten João Goulart durch, nachdem dieser eine US-Firma verstaatlichte; die Militärs übernehmen die Macht.

  • 1965 Neuerliche Invasion mit 45 000 Mann gegen die Dominikanische Republik, als eine revolutionäre Erhebung gegen die Diktatur, die zwei Jahre zuvor Präsident Juan Bosch entmachtet hatte, kurz vor dem Sieg stand. Die eingesetzte Marionettenregierung unter Joaquín Balaguer hält sich bis 1996.

  • 1967 Die bolivianische Armee wird bei ihrem Kampf gegen die Guerilla durch die CIA angeleitet.

  • 1970 Ein CIA-Kommando führt die Ermordung des chilenischen Armeegenerals René Schneider durch, weil dieser einen Putsch gegen die Regierung Salvador Allende ablehnt.

  • 1972 In Honduras unterstützt die US-Regierung einen Militärputsch, sowie zwei weitere 1975 und 1978.

  • 1973 Der CIA-organisierte Putsch gegen die chilenische Regierung führt das Land in eine siebzehnjährige Diktatur, der 3000 Menschen zum Opfer fallen.

  • 1975 Staatsstreich gegen den peruanischen Präsidenten Juan Velasco Alvarado mit dem Ziel, Wirtschaftsentscheidungen wieder unter die Ägide des Internationalen Währungsfonds zu bringen.

  • 1976 Der Militärputsch in Argentinien, der Jorge Videla an die Macht bringt und 30 000 Menschen das Leben kostet, wird von der CIA angeleitet.

  • 1981 Der seit 1970 auf einer geheimen und später vom US-Kongress veröffentlichten Mordliste des CIA stehende panamaische General Omar Torrijos stirbt 1981 bei einem ungeklärten Hubschrauberabsturz.

  • ab 1981 Finanzierung und Ausrüstung der Contra und Todesschwadronen des ehemaligen nicaraguanischen Diktators Somoza mit dem Ziel des Sturzes oder wenigstens der Destabilisierung der sandinistischen Regierung.

  • ab 1981 Bis 1992 unterstützen die USA die von ihnen eingesetzten Regierungen El Salvadors bei Mordaktionen gegen Oppositionelle und die FMLN.

  • 1982 Die US-Militärs unterstützen die britischen Truppen im Krieg gegen Argentinien mit ihrer Militärbasis auf der Insel Ascensión und durch Satelliten, Waffen und Treibstoff.

  • 1983 Direkte Invasion von US-Truppen gegen die Antilleninsel Grenada.

  • 1989 Der US-Invasion in Panama fallen dreitausend Zivilisten und Soldaten zum Opfer. Offizieller Grund war die Ergreifung von General Noriega, der zuvor die Kokaingeschäfte der CIA mit dem Kartell von Medellín organisiert hatte.

  • 1991 In Haiti wird mit einem CIA-gesteuerten Militärputsch der gewählte Präsident Aristide gestürzt.

  • 1995 Wieder greifen die USA in Haiti ein, dieses Mal unter dem Vorwand, die Demokratie wiederherzustellen.

  • 2000 Der US-Kongress beschließt, 1,7 Milliarden US-Dollar für den Plan Colombia bereitzustellen, obwohl die Regierung des Landes nachweislich mit paramilitärischen Todesschwadronen zusammenarbeitet, deren Aktionen jährlich etwa dreitausend Menschen zum Opfer fallen.

  • 2002 CIA-Unterstützung der rechten Putschisten in Venezuela, die Präsident Chávez für einen Tag stürzen und siebzig Menschen ermorden, bevor sie ein Volksaufstand zurückschlägt.

Aus: Zucker / ila 266

 

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El Salvador und Honduras“ von David Steinke (1998)

Das Buch entfaltet seine Faszination vor allem außerhalb der großen Städte. Die landschaftliche Vielseitigkeit, ein gut organsiertes Bussystem mit häufigen Abfahrten und die geringen räumlichen Distanzen ermöglichen ein intensives Reisen. Obwohl El Salvador abseits der Besucherströme liegt, werden sowohl für den Landschafts- als auch Kulturinteressierten intensive Eindrücke möglich. In der Kombination mit Honduras wird dem Reisenden ein weites Spektrum Mittelamerikas angeboten, welches in weiten Bereichen noch sehr ursprünglich ist. El Salvador ist das einzige Reisehandbuch auf dem deutschsprachigen Markt.“ (Verlagstext)

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salvador-operationworld.org

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