Wie polarisiert die deutsche Medienlandschaft mittlerweile auch in Bezug auf Lateinamerika ist, zeigt eine Episode vom letzten Wochenende. In den Samstags-Tagesthemen wurde taz-, nd-, Freitag– und RLS-Autor Tobias Lambert zur US-Intervention in Venezuela interviewt. Lambert hat 2024 das Standardwerk „Gescheiterte Utopie? Venezuela ein Jahrzehnt nach Hugo Chávez“ verfasst und wurde von Ingo Zamperoni als Politologe und Autor „u.a. der Blätter für deutsche und internationale Politik“ vorgestellt.
Auf linkedin hatte Ulf Poschardt, Welt-Herausgeber und Javier-Milei-Fan der ersten Stunde, nichts Besseres zu tun, als Lambert als „grotesken Experten“ zu beschimpfen. Wie die Welt-Berichterstattung zu Lateinamerika schon seit Jahren ausfällt, ist nicht erst seit diesem Schlag unter die Gürtellinie unschwer zu erraten. Sagt jemand, der das Diktum „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten“ ebenfalls nicht teilt. Allerdings: Wenn Ideologie wichtiger wird als Fakten, dann ist die Grenze zum (g)eifernden Aktivismus à la Poschardt endgültig überschritten.
P. S. Auf arte.tv gibt es eine gute Dokumentation über Nicolás Maduro.
