vonPeter Strack 26.05.2013

Latin@rama

Politik & Kultur, Cumbia & Macumba, Evo & Evita: Das Latin@rama-Kollektiv bringt Aktuelles, Abseitiges, Amüsantes und Alarmierendes aus Amerika.

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Fuer die hohen CO2-Emissionen und den dadurch beschleunigten Klimawandel sind die Bauernfamilien in den Anden gewiss am wenigsten verantwortlich. Doch sie leiden unter den Folgen: Unvorhersehbare Wetterentwicklung, laengere Trockenzeiten, extreme Regenfaelle, Ernteverluste. Als Antwort hat die bolivianische Regierung nun eine „Agrarversicherung“ eingefuehrt: Umgerechnet gut 110 Euro kann eine Familie, die den Anbau und spaeter einen Ausfall ihrer Ernte registrieren laesst, nun ausgezahlt bekommen, um den Verlust zu mildern und zumindest neues Saatgut zu erwerben. Die traditionellen andinen Agrarkulturen haben noch eine andere, nachhaltigere Antwort auf solche Probleme, von der Cristina Cardozo aus bolivianischen Departament Cochabamba berichtet:

„Im Munizip von Totora fand in der Gemeinde Rodeo Grande juengst wie jedes Jahr ein Markt der Vielfalt statt. Es begann vor etwas mehr als fuenf Jahren mit dieser Art von Maerkten, als die Organisation Cai Pacha gemeinsam mit Bauern aus einigen Doerfern der Region begann, die Vielfalt der angebauten Mais- und Kartoffelsorten zu vergroessern, und das dazugehoerige traditionelle baeuerliche Wissen zurueckzugewinnen.

Zu den ersten vom Projekt organisierten Vielfaltsmaerkten kamen gerade einmal 35 Bauern und wenig Publikum. Heute wird der Markt von den Gemeinden organisiert und von dem Munizip unterstuetzt. 58 Bauern stellten in diesem Jahr ihre Vielfalt aus.

Von den ausstellenden Bauern konnte jeder mindestens 20 verschiedene Kartoffelsorten vorweisen, was reicht um eine sichere Ernte zu haben. Nach dem Motto des „Guten Lebens“: Das alle von allem genug haben. Die meisten hatte Don Natalio Ferrufino mit 80 Kartoffelsorten.“

Cristina Cardozo sprach mit Demetrio Gutierrez, einem der ausstellenden Bauern:

“Frueher produzierte ich nur eine einzige Kartoffelsorte fuer den Verkauf. Aber ich hatte ein Problem: Wenn das Wetter schlecht war, dann verlor ich alles. Dann schaute ich, wie es andere Bauern in meiner Gemeinde machen und begann mich fuer deren  Saatgut zu interessieren. Ich begann dann selbst, verschiedene Sorten zu saehen, so habe ich nun spaete Aussaaten, fruehe Aussaat, Kartoffeln, die dem Frost widerstehen und solche, die sich gut lagern lassen, um ein ganzes Jahr lang zu Essen zu haben. Wenn jetzt das Wetter nicht mitspielt, dann verliere ich einen Teil der Ernte, aber nicht alles.

Der Kartoffelanbau teilt sich in drei Gruppen. Ein Teil ist fuer das eigene Essen, einen anderen Teil tausche ich mit anderen Bauern und hebe ihn fuer die naechste Aussaat auf, und der dritte Teil ist fuer den Verkauf auf dem Markt. Heute produzieren wir Vielfaltsbauern ohne Chemieeinsatz. Der Vorteil: Die Produktionskosten sind geringer. Frueher mit den Chemikalien war es sehr teuer und jedes Jahr benoetigten wir mehr Duenger und mehr Schaedlingsbekaempfungsmittel. Heute nichts davon. Das sparen wir dann fuer andere Dinge, die wir benoeitigen, zum Beispiel Ackergeraete.

Hier auf dem Markt tausche ich meine Kartoffeln mit anderen Sorten, die ich noch nicht anbaue. Was uebrig bleibt, wird verkauft.“

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https://blogs.taz.de/latinorama/klimawandel-in-bolivien-kartoffelvielfalt-fuer-eine-sichere-ernte/

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