vonHildegard Willer 11.06.2014

Latin@rama

Politik & Kultur, Cumbia & Macumba, Evo & Evita: Das Latin@rama-Kollektiv bringt Aktuelles, Abseitiges, Amüsantes und Alarmierendes aus Amerika.

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14. März 2014,  23.45 an einer Tankstelle an der Ausfahrtstrasse von Huacho, ein paar Hundert Kilometer nördlich von Lima: Ezequiel Nolasco, sein Anwalt und ein Sicherheitsmann befinden sich in der Kneipe. Ein Jugendlicher stürmt herein und erschiesst Ezequiel Nolasco. Nolasco war Regionalrat der Region Ancash gewesen und hatte seit Jahren Morddrohungen erhalten. Der Auftrag zur Ermordung von Nolasco kam, wie später nachgewiesen wurde, aus dem Umfeld des Regionalpräsidenten von Ancash, Cesar Alvarez.

26. April 2014, nachmittags, Lima-Surquillo:  Zwei vermummte Männer eröffnen am hellichten Tag und auf offener Strasse Maschinengewehrfeuer auf Hugo Quintana Bardelli. Der Luxusauto-Händler war in seinem Lamborghini ohne Kennzeichen im  unterwegs. Er war sofort tot, die vermummten Täter verliessen am selben Abend das Land. Wie die Polizei ermittelte, war es sehr wahrscheinlich ein Auftragsmord  des mexikanischen Sinoaloa-Kartells. Der Luxusautohändler Quintana hatte nicht nur Lamborghinis und Porsches importiert, sondern auch Drogen nach Europa verschifft.

20. Mai 2014, Lima: Der Journalist Oscar Castilla veröffentlicht eine Recherche darüber, wie Peru zum Umschlagplatz für geschmuggeltes Bargeld geworden ist. Mit Flugzeugen und auf dem Landweg schaffen Schmugglerbanden Geldscheine aus oder ins Land. Damit wollen sie die Herkunft des Geldes aus illegalen Quellen verschleiern. Und deren gibt es viele:  Drogenhandel und illegaler Bergbau führen die Liste der illegalen Tätigkeiten an; Schmuggel und illegaler Handel mit Tropenholz kommen dazu. Die meisten Geldscheine werden über die Flughäfen von Lima, Puno und Iquitos ausser Landes geschmuggelt.

Die drei Vorkommnisse zeigen vor allem eines: in Peru gibt es Geld im Überschwang – und vieles davon kommt aus illegalen Quellen, und nicht etwa aus dem legalen Wirtschaftswachstum, dessen sich die peruanische Regierung so gerne rühmt.

Nur so ist es auch zu erklären, dass der in ganz Peru offensichtliche Kaufrausch mit Löhnen einhergeht, die mit zu den niedrigsten in ganz Lateinamerika zählen. Ein grosser Teil der Bevölkerung profitiert nicht vom legalen, sondern vom illegalen Goldrausch.

Oft liegt legales und illegales Geld ganz nahe beeinander: Ancash z.B. ist die Region mit dem höchsten Steueraufkommen Perus. Dies dank der grossen Bergbauunternehmen, der Kupfermine Antamina und des Hafens Huarmey, ebenso wie der Hafen Chimbote liegen in Ancash. Zuviel Geld kann ebenso korrumpieren wie zuwenig Geld: die schwachen staatlichen Strukturen in den Regionen sind nicht in der Lage, die unverhoffte Geldmenge transparent und produktiv umzusetzen. Im Fall von Ancash haben sie mafiöse Strukturen innerhalb der Regionalregierung gefördert. 19 der 26 regierenden Regionalpräsidenten stehen inzwischen wegen Korruption unter Anklage.

Die Gefahr liegt auf der Hand: Noch ist Peru nicht Mexico, aber es ist verdammt nahe dran. Dass ganze Regionen – ähnlich wie Ciudad Juárez in Mexiko – ausserhalb  staatlicher Kontrolle geraten, ist keine Fiktion.

(Quelle: www.infostelle-peru.de)

 

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