vonClaudius Prößer 14.06.2010

Latin@rama

Politik & Kultur, Cumbia & Macumba, Evo & Evita: Das Latin@rama-Kollektiv bringt Aktuelles, Abseitiges, Amüsantes und Alarmierendes aus Amerika.

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Jetzt wird’s heftig: nach dem Abgang des Botschafters in Argentinien, Miguel Otero, zeigen sich in Chile immer mehr Verwerfungen zwischen den ewiggestrigen Apologeten der Diktatur und den Vertretern einer halbwegs modernisierten Rechten, die in Wertefragen liberal argumentiert und nicht so gern mit Pinochet in einem Atemzug genannt werden möchte. Unangenehm für Präsident Sebastián Piñera ist die Tatsache, dass sich im allerneuesten Gerangel zwei ihm sehr nahestehende Politiker beharken: sein Innenminister Rodrigo Hinzpeter und sein älterer Bruder José Piñera.

Letzterer, einst Arbeitsminister unter Pinochet, hatte jetzt der argentinischen Zeitung Perfil gegenüber gesagt, der wahre Verantwortliche für das Militärregime sei Salvador Allende: Der sozialistische Präsident habe sich, obwohl demokratisch gewählt, zum Tyrannen gewandelt und die Demokratie gefährdet. Übrigens habe das vor Allende schon mal einer gemacht: Adolf Hitler (Merke: Nazivergleiche sind kein Alleinstellungsmerkmal deutscher Debatten.)

Wem das gar nicht gefiel, war Innenminister Hinzpeter. Im Nachrichtensender Radio Cooperativa fand er klare Worte: Er finde es „unbegreiflich, inakzeptabel und verwerflich, dass jemand die Regierung des Ex-Präsidenten Allende mit dem kriminellen Regime Adolf Hitlers vergleicht“. Was der Bruder des Präsidenten nicht auf sich sitzen ließ und noch eins drauflegte: „Hinzpeter lügt auf eine brutale und unverantwortliche Weise“, twitterte er, „und er zieht den Präsidenten mit hinein. Er muss sich entschuldigen oder zurücktreten.“

Tatsächlich wird, was jetzt geschieht, den Präsidenten auf die eine oder andere Weise beschädigen. Fortsetzung folgt.

Fotos: José Piñera (oben, Screenshot von youtube); Rodrigo Hinzpeter (unten, Sebastián Piñera auf flickr).

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