vonChristian Ihle & Horst Motor 21.07.2007

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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ARD und ZDF haben die Berichterstattung der Tour de France abgebrochen, die kommentierenden Stimmen sind sich uneins: einerseits wird der Schritt begrüßt, andererseits den beiden Sendern Scheinheiligkeit vorgeworfen.

Betrachtet man die Vergangenheit und insbesondere im Fall der ARD die wirtschaftliche Verflechtung mit dem deutschen Radsport, so mag diese Saulus-Paulus-Wandlung fragwürdig erscheinen. Doch es bleibt festzuhalten: welche Wahl blieb den Sendern denn? Was hätte denn noch passieren müssen, nachdem seit Greg Lemond vor 17 (!) Jahren kein Tour de France Sieger mehr ohne dringenden Dopingverdacht oder –Nachweis auskam? Nachdem der letztjährige Sieger immer noch vakant ist, weil sich die Farce um Floyd Landis’ Dopingprobe bis zum heutigen Tag nicht geklärt hat? Nachdem die beiden letzten Telekom-Sieger der Tour gedopt waren? Nachdem die halbe Telekom-Mannschaft in der Zwischenzeit Doping gestand? Nachdem nun letztenendes auch noch einer der „jungen“, angeblich so sauberen Fahrer aus dem T-Mobile-Team überführt wurde? „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ sagen De Höhner und haben recht.

Die Verfolgung Unschuldiger

Die Radsport-Familie zeigt sich bestürzt und entrüstet. Die Tour de France Leitung lässt verlauten, man würde ihnen damit Knüppel zwischen die Beine werfen, wo sie doch so sehr um sauberen Radsport bemüht sind. Klar, deshalb hat auch seit 1989 kein Fahrer mehr gewonnen, der nicht zumindest mutmaßlich gedopt war. Deshalb lassen sie auch den Dänen Rasmussen im gelben Trikot weiterfahren, der vier Trainingskontrollen verpasste. Deshalb lassen sie den spanischen Tourfavoriten und Gesamtzweiten Valverde starten, der erwiesenermaßen Kunde des EPO-Papstes Fuentes war. Deshalb liegt auf Platz drei der Gesamtwertung der Spanier Iban Mayo, der beim letzten Giro d’Italia positiv getestet wurde. Deshalb ließ man auch zu Beginn der Tour die Fahrer unbeobachtet zwischen Ziel und Dopingkontrolle – so dass man schon nachfragen wollte, ob es nicht praktischer wäre, ein Betreuer bringe den Urin einfach vorbei als die armen Fahrer damit zu drangsalieren.
Jens Voigt, der Aktivensprecher, vergleicht das Verhalten von ARD/ZDF mit der DDR, weil hier zwei Männer eine Entscheidung gegen das radsportverrückte Volk getroffen hätten. Man hatte Voigt bisher immer noch für einen der intelligenteren der alten Garde gehalten, doch auch bei ihm kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Wir schauen gespannt nach Leipzig, zu welcher Stärke die Montagsdemonstration Pro Tour anwachsen wird. Warum vergleicht Voigt die ARD/ZDF-Oberen Struwe und Brender nicht gleich mit Hitler und Goebbels und die unter Generalverdacht stehenden, verfolgten Radsportler mit dem Nazifeldzug gegen die Juden? Würde das nicht noch mehr knallen?

Scheinheiligkeit? Blanker Zynismus!

Zum Glück für den Radsport springt Sat1 ein, das sich nun als Kämpfer für die Informationsfreiheit des Fernsehzuschauers geriert, dass einem schlecht werden kann. Der Sender, der in dieser Woche mit kühlem Blick seine Nachrichtenredaktion geköpft hat, stockt nun sein Informationsbudget durch Übertragungen von der Tour de France auf und verkauft das als Rettung für den mündigen Zuschauer und sich als Kämpfer unschuldig Verfolgter. „Wir sind der Meinung, dass Fernsehen keine höchstrichterliche Instanz ist. Wir sind nicht für Pauschalstrafen“ so die die Sprecherin des Haussenders von Barbara Salesch und Alexander Holt, Kerstin Faßler. „Schwer nachvollziehbar“ sei die Kritik an den Übertragungen für sie und bei den Olympischen Spielen gebe ja auch keiner die TV-Rechte ab, nur weil gedopt würde. Wunderbar, warum einen Mörder verurteilen, wenn man doch nicht alle erwischen kann? Scheinheiligkeit ist für das Wirken Sat1s noch untertrieben, hier regiert der blanke Zynismus. Sat1 hat in einer Woche mehr für den Erhalt des dualen Rundfunksystems und für die Existenz der Öffentlich-Rechtlichen getan als zwanzig Jahre Lobbyarbeit desselben vermochten.

Tief im Glashaus

Doch auch die weiteren Medien sind nicht frei von Schuld. Reinhard Mohr watscht ARD und ZDF auf Spiegel Online ab: „Fest im Sattel der Heuchelei“ schreibt Mohr. Vielleicht sollte er bei Gelegenheit einen Blick auf die Seite seines Arbeitgebers werfen, der wieder mal aufs Neue links kritisiert, was er rechts nützt. Wie Stefan Niggemeier schon anlässlich der Absurditätshöhen der Paris-Hilton-Berichterstattung nachgewiesen hat, watet SpiegelOnline tief im Sumpf der Scheinheiligkeit. Dass der von bet & win schön präsentierte Liveticker abgebrochen wird? Nicht daran zu denken! Da lieber noch einmal die zweiundzwanzigste Story des Tages über die Tour hinterherschieben. Im Gegensatz zur ARD hat SpiegelOnline auch kein Problem damit, Marcel Wüst weiter als Experten zu beschäftigen, der zu einer Zeit erfolgreich Rad fuhr als das systematische Doping Hochkonjunktur hatte. SpiegelOnline hat es sich im Glashaus gemütlich gemacht und beschädigt nach und nach die Reputation seines Mutterblattes.

Der einzige Weg

Im Gegenteil: der Schritt von ARD/ZDF, die Übertragungen abzubrechen, ist der einzig richtige. Die Sender sollten von der scheinheiligen Kritik, sie würden auch Olympia oder Weltmeisterschaften trotz Dopings übertragen, lernen. Kein Fernsehvertrag darf mehr abgeschlossen werden ohne Rücktrittsrecht bei einem vorher definierten Dopingfallaufkommen. Die Dopingkontrollen müssen von einer externen Kommission durchgeführt werden, die besser noch weiter dem Würgegriff des organisierten Sports entzogen ist als Wada und Nada. Die stetig steigenden Fernsehgelder bei den großen Sportveranstalten sind zu einem gewissen Prozentsatz an diese Kommission abzuführen, die dadurch die Konsequenz im Dopingkampf bezahlen kann. Nur wenn der organisierte Sport Angst um seinen Geldgeber haben muss, der noch dazu eine Multiplikatorfunktion für die Sponsoren darstellt, wird er sich dem Kampf gegen Doping stellen und von den Lippenbekenntnissen des Jetzt abrücken.
Weiterhin muss das Strafrecht so verändert werden, dass auch der Gebrauch von Doping, um sich in Wettbewerben einen Vorteil zu verschaffen, geahndet werden kann. Entgegen des Mantras von IOC-Vize Bach soll der betrügende Sportler gerade eben kriminalisiert werden. Warum, um alles in der Welt, denn auch nicht? Der Fall Fuentes und die fehlenden Konsequenzen für die meisten Fahrer zeigt mehr als deutlich: jedes Land mit Profisport braucht die Staatsanwaltschaft um organisiertes Doping zu brechen, zu ahnden und zu bekämpfen.
Der Druck muss von beiden Seiten kommen: der Staat schafft die Voraussetzung für Ahndung, das Fernsehen für Ächtung. Solidarität unter den Fernsehsendern wäre wünschenswert, aber selbst wenn Privatsender diese Linie durchbrechen würden, sorgt der Markt über sinkende Fernsehpreise (da weniger Sender um den Kauf der Fernsehrechte konkurrieren, wenn sich der Veranstalter nicht der Doping-Klausel fügt) für Druck auf den Ausrichter. Es wird ein langer, ein steiniger Weg. ARD/ZDF haben den ersten Schritt getan.

Christian Ihle

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https://blogs.taz.de/popblog/2007/07/21/ringelreihen-der-scheinheiligkeit-zum-ausstieg-vno-ardzdf-bei-der-tour-de-france/

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kommentare

  • […] Juli 21st, 2007 In dem tazblog Monarchie & Alltag habe ich folgenden Abschnitt zur Tour de France gefunden: Jens Voigt, der Aktivensprecher, vergleicht das Verhalten von ARD/ZDF mit der DDR, weil hier zwei Männer eine Entscheidung gegen das radsportverrückte Volk getroffen hätten. Man hatte Voigt bisher immer noch für einen der intelligenteren der alten Garde gehalten, doch auch bei ihm kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Wir schauen gespannt nach Leipzig, zu welcher Stärke die Montagsdemonstration Pro Tour anwachsen wird. Warum vergleicht Voigt die ARD/ZDF-Oberen Struwe und Brender nicht gleich mit Hitler und Goebbels und die unter Generalverdacht stehenden, verfolgten Radsportler mit dem Nazifeldzug gegen die Juden? Würde das nicht noch mehr knallen? […]

  • Es gab gerade einen Sportschau Bericht in der ARD von den Deutschen Meisterschaften im Kunstturnen. Die Mädchen habe in den letzten Jahren wieder Anschluß an die erweiterte Weltspitze gefunden. So gut, so schön. Alle sind begeistert. Nun braucht hier kein Experte über die Trainingsmethoden im Kunstturnen Auskunft zu geben. Selbst eine Olga Korbut wird sicherlich nicht nur mit regulären Methoden zum Star der Olympischen Spiele 1972 geworden sein. Nun ist die neue Hoffnungsträgerin eine 16jährige, die, bei einer Körpergröße von 1,51m, 39 kg wiegt. Man kann mit gutem Grund fragen, ob die Medien von einem Sport berichten dürfen, wo Magersucht als Hoffnung deklariert wird. Ähnliche Probleme kann man in fast allen Sportarten finden. Die Professionalisierung erzeugt eine Dynamik, die nicht nur die Anwendung irregulärer Mittel einschließt, sondern die Kritik selbst legaler Trainingsmethoden einschließen muß. Etwa die Zurichtung von Kindern im Kunstturnen, die keineswegs auf die ehemaligen Ostblockstaaten und China beschränkt gewesen ist – nur hat man als normal entwickeltes Mädchen im Kunstturnen leider keine Chance. Wer hier den Anspruch formuliert, eine Grenze zwischen richtig und falsch, moralisch und unmoralisch ziehen zu können, hat ein hohes Maß an Selbstbewußtsein nötig. Die Grenzen zur Selbstgefälligkeit sind dann nicht mehr weit. Aber vor allem sollten sich nicht Journalisten als Regulierer des Sports aufspielen. Also etwa entscheiden zu wollen, welches Mindestgewicht Teenager im Kunstturnen haben dürfen, bevor die Medien diesem Sport ihre Aufmerksamkeit schenken. Und das ist das Problem des Abbruchs der Tour Liveübertragung – und nichts anderes. ARD und ZDF wollen für einen dopingfreien Radsport sorgen. Mit welchem Auftrag? In keinem Rundfunkstaatsvertrag steht irgendein Satz, der den Rundfunkanstalten einen derartigen politischen Gestaltungsauftrag gibt. Das Gleiche gilt für die Presse insgesamt. Sie können berichten oder es auch sein lassen, aber dafür gelten journalistische und wirtschaftliche Kriterien. Dass diese Berichterstattung kritisch und distanziert zu erfolgen hat, sollte klar sein. Sie müssen auch über die eigene Rolle im Profisport nachdenken, übrigens nicht nur die öffentlich-rechtlichen. Aber eins müssen sie nicht: Für einen sauberen Sport sorgen. Mit dem Ziel eines sauberen Journalismus haben sie auch schon genug zu tun – und den Saustall Sportjournalismus auszumisten, ist überfällig. Und bis heute hat niemand einen journalistischen oder wirtschaftlichen Grund genannt, die den Abbruch der dem Veranstalter gegenüber vertraglich zugesagten Liveübertragung von der Tour gerechtfertigt hätte. Die Dopingskandale waren keine Vertragsverletzung seitens des Veranstalters, der Abbruch kostet also viel Geld, und die Tourübertragung ist publizistisch wichtiger als die ZDF Nachmittagsprogramme. Mit dieser These wagt man sich sicherlich nicht zu weit vor. Unter anderem weil die Dopingproblematik das sportliche Ereignis fast völlig in den Hintergrund gedrängt hat, wenigstens in Deutschland. Armer Andreas Klöden. Und auch deswegen, weil ARD und ZDF dieses Mal Journalismus praktiziert haben – und nicht Marketing. Das war ohne Zweifel ein Fortschritt. Ob der Radsport in Zukunft noch dieselbe Bedeutung haben wird wie in der Vergangenheit, entscheidet sich am Umgang mit der Dopingproblematik – und damit welchen Stellenwert etwa die Tour noch in der Berichterstattung haben muß. Daran wird sich auch die Sendezeit bemessen. Nur rechtfertigt das eben nicht den Abbruch der Liveübertragung in dieser Woche. Oder war etwas passiert, was gänzlich unerwartet gewesen wäre, und einen derartig drastischen Schritt deshalb gerechtfertigt hätte? Das können im Ernst noch nicht einmal die Herren Struve und Brender behaupten. Dafür sind sie jetzt die Ritter vom Hofe namens Sauberer Sport. Dienstsitz Peking. Die Debatte der letzten Tage war also für den Arsch – nicht bezüglich des Dopings, sondern bezüglich des journalistischen Umgangs mit dem Thema. Aber mittlerweile scheinen das sogar solche journalistischen Universalgelehrten – und Blitzmerker – wie Hans Leyendecker zu ahnen: Siehe das heutige SZ-Interview mit WDR Intendantin Monika Piel.

  • „Einseitige Dopingberichterstattung“ lässt sich ja gar nicht mehr verhindern, da angesichts der Vorkommnisse – allein in der vergangenen Woche – das sportliche völlig in den hintergrund gerückt ist.

    Was mich stört: die forderung nach härteren strafen bzw. die kriminalisierung der fahrer. den tatsächlich sehe ich gerade die als opfer – vergleichbar mit drogensüchtigen.

    vielmehr sollte man das augenmerk auf die wirklichen profiteure legen und genau die kriminalisieren. wer steckt hinter den netzwerken, wer sind die lieferanten, wie tief ist die pharmaindustrie in diese netzwerke verwickelt (meine meinung: sehr tief), wie tief steckt die politik in diesem sumpf?

    doch offenbar hat niemand interesse daran, dass zusammenhänge aufgedeckt werden. bis auf einzelne bauernopfer auf funktionärs- bzw. fahrerebene die man zur ablenkung über die klinge springen lässt, wird man niemanden erwischen (lassen/wollen). zuviele interessen in wirtschaft und politik und viele milliarden stehen einer wirklichen und nachhaltigen aufklärung im wege.

    abgesehen davon, ich bin auch nicht begeistert vom ausstieg von ard/zdf. doch langsam muss ich meine meinung revidieren: denn am meisten schmerzt es veranstaltern, fahrern und sponsoren in der börse.

    andererseits bleibt der vorwurf der scheinheiligkeit bestehen: denn dass bei der Leichtathletik-WM im 100 Meter-Finale oder in einem Schwimm WM-Finale auch nur ein ungedopter teilnehmer zu finden ist, glaubt doch keiner mehr. und olympia in peking wird ganz neue (doping)-dimensionen aufzeigen. einen teil der fernsehgelder für unabhängige dopingtests oder vertraglich geregelte ausstiegsklauseln bei dopingaufkommen wären lösungen.

    doping gehört zum profisport (leider) dazu wie die pressearbeit, das tägliche training oder die richtige ernährung. nur lassen sich die meisten nicht erwischen.

  • Wenn die „einseitige Dopingberichterstattung“ hinderlich ist und keinen Schritt weiter führt, was, bitte schön, würde denn einen Schritt weiterführen?

  • zu 1.: natürlich kann man auch die Schlampigkeit der WADA kritisieren, sollte man sogar. Aber es ist sehr wohl eine Farce, wenn der Toursieger 2007 feststehen wird bevor klar ist, wer Toursieger 2006 wurde.

    zu 2.: „Bekannt war bisher, dass er zwei Warnungen wegen Verstoßes gegen die Doping-Regularien des Weltverbandes UCI kassiert hatte. Auf der Pressekonferenz gestand er dann: Er hat auch eine dritte bekommen, nämlich vom dänischen Verband DCU. (…) Laut DCU-Geschäftsführer Jesper Worre dagegen existiert sogar eine vierte Verwarnung der dänischen Anti-Doping-Aufsicht gegen Rasmussen, die ebenfalls noch bei der UCI liege. „Mit den UCI-Sachen und unseren liegen jetzt für die vergangenen 18 Monate vier Verwarnungen vor“, sagte Worre der „Süddeutschen Zeitung“.“

    zu 3.: die ursprüngliche Aussage der Tour war, keinen in die Fuentes-Affäre verwickelten Fahrer starten zu lassen. Valverde ist mit der gleich hohen Wahrscheinlichkeit wie Basso, Ullrich und Jaksche in den Akten verschlüsselt. Darüberhinaus wurde Valverde auch noch von Zeugen unabhängig von der Fuentes-Geschichte belastet, dass er Testosteron-Pflaster benutzt hat. Wenn die Tour tatsächlich keine im Dopingruch stehenden Fahrer starten lassen will, dann wäre bei Valverde dieser Schritt nötig gewesen. Ihm die Starterlaubnis für die Tour nicht zu geben, benötigt ja weniger gerichtlich verwertbare Beweise als ihn 2 Jahre zu sperren. Die Tour kann ja nicht gezwungen werden, jeden Fahrer starten zu lassen.
    Es ist doch absurd, dass die hartnäckigen Schweiger auch noch dafür belohnt werden und die, die sich zu Aussagen durchgerungen haben, gesperrt werden (Jaksche, Basso). Wie soll der Radsport denn da erwarten können, dass Fahrer sich äußern?

    4. Es ist schon kurios, dass ausgerechnet im Spitzensport die Hälfte der Fahrer Asthmatiker sind, erhöhte Testosteronwerte haben etc. Dann muss eben der Schritt gemacht werden, dass Fahrer mit natürlich überhöhten Testosteronwerten nicht im Spitzensport antreten dürfen. Man könnte ja von natürlicher Wettbewerbsverzerrung reden. Natürlich wäre so etwas „unfair“ den betreffenden Fahrer gegenüber, aber wenn es die einzige Möglichkeit wäre, die absurden Ausnahmen wieder einzudämmen, meinetwegen. Der Fall Petacchi zeigt ja auch gerade mal wieder, dass die Atteste, die Medikamente erlauben, missbraucht werden. Mayo ist allerdings sicherlich der noch am ehesten zu akzeptierende Fall.

    Kurz gesagt: der Radsport hat eine in dubio pro reo Haltung meiner Meinung nach verspielt, weil die Auffälligkeiten, die Unverschämtheiten und die Alibiaktionen praktisch wöchentlich jede unterstützende Haltung zum Radsport ad absurdum führen. Wenn ich nicht zunächst vom schlimmstmöglichen ausgehe, dann bin ich willentlich blind. Thomas Kistner von der SZ hat völlig recht, wenn er postuliert, der gesamte Spitzensport wäre dopingverseucht. Es fällt schwer, in der Zwischenzeit an das Gegenteil zu glauben.

  • Wow, wie selbstgerecht kommen Sie daher. 2+2=4, die Erde ist eine Scheibe.
    Bevor Sie andere kritisieren, machen Sie doch erstmal Ihre Hausaufgaben:
    1.Die Verzögerungen im Fall Landis sind überwiegend geschuldet der Verzögerungstaktik der USADA und dem Zeitmangel der Schiedsrichter. In der Tat ist es bedauerlich, dass es so lange dauert, aber von einer Farce zu reden, zeigt nur, dass Sie sich mit den Hintergründen dieses Falls nicht beschäftigt haben.Oder warum hauen Sie nicht genauso energisch auf die WADA ein, die in Ihrem sog. Ethical Code for laboratories vorsieht, dass Mitarbeiter WADA akkreditierter Labore nicht zugunsten von Athleten aussagen dürfen und es ihnen nicht erlaubt ist gegen die Arbeit eines anderen akkreditierten Labors auszusagen? Dass, wenn es doch jemand wagt (Don Catlin im Fall Lund) dieser von der WADA bedroht wird? Dass Dokumente gelöscht und gefälscht wurden? Dass Dokumente, die die Schlamperei des LNDD belegen von Larry Bowers, dem Scientific Director der USADA,zurückgehalten wurden, was von einem USADA Vasallen unter Eid bestätigt wurde? Dass WADA Labor Direktorinnen öffentlich zugeben, dass wenn jemand die Unverschämtheit besitzt, die Schlampereien aufzudecken, man eben „kreativ“ werden müsse?
    Nein, das passt nicht in den Mainstreem und erfordert zuviel Arbeit, da ist es doch leichter pauschal zu verurteilen.
    2.Rasmussen hat 2 Missed Tests, die sowohl von der UCI als auch dem dänischen Radsportverband gemeldet wurden.Eine Suspendierung findet bei 3 Missed Tests statt. Es gibt also keine Handhabe, ihn nicht starten zu lassen.
    3. Vielleicht ist eine Verwicklung Valverdes in die Operation Puerto wahrscheinlich, erwiesen, wie Sie schreiben, ist jedoch nichts. Erneut keine Handhabe.
    4. Mayo hat ein Attest, in dem ihm höhere Werte für Testosteron bescheinigt werden. Um ein solches Attest zu bekommen, muss der Sportler sich langwierigen Untersuchungen in einem Antidoping Labor unterziehen. Weiterhin läßt sich mittels Isotopen Massenspektrometrie synthetisches von natürlichem Testosteron unterscheiden. Eine solche Untersuchung wird bei erhöhtem Testosteronwert durchgeführt. Da es keine Sanktionen gegen Mayo gab, können wir wohl davon ausgehen, dass dieser IRMS Test negativ war.

    Ich würde mich freuen, wenn die Anti Doping Diskussion endlich auf ein sachliches Niveau kommen könnte. Diese Sensationsbefriedigung und fehlerhaft einseitige Berichterstattung hilft keinen Schritt weiter.

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