vonChristian Ihle & Horst Motor 03.08.2007

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Vor ein paar Jahren kopierte mir ein Freund die Spoon-Songs “The Way we get by“ und „Small Stakes“ auf eine Mix-Kassette. Das Band-Dopplungen auf Mixtapes auf in keinem Fall zulässig sind, ließ er völlig außer acht, auch deshalb, weil er die amerikanische Band über alles verehrte.
Ich kannte Spoon damals noch nicht, wippte zu den beiden Songs eifrig mit und ignorierte deren weiteres Schaffen. Nichts, was ich Indie-Nerd noch nicht kannte, könnte gut sein. Ich war die Geschmacksinstanz.

Er ließ nicht locker und schenkte mir die „Kill the Moonlight“-CD zum Geburtstag. Ab sofort konnte ich nicht mehr aus. Nachfolger „Gimme Fiction“ holte ich mir am Erscheinungstag.
Die Stimme von Sänger und Songwriter Britt Daniel, konnte nicht übertroffen werden. Dieses überschlagene Schnorren, normalerweise würde damit kein Sänger durchkommen. Daniel aber schon. Weil er die perfekten Songs dafür schreibt.
Und wer amerikanischen Indie-Rock beweint und sich mit Dinosaur Jr.- und Lemonheads-Wiedervereinigungen zufrieden gibt, sollte hier schleunigst reinhören.

Kein Schielen auf Trends, kein Experimentieren mit New Rave-Remixen oder übermäßiger Einsatz von Elektronik, nur schnöder Rock der großartigsten Art und Weise.
Und beim neuen Album dann der bescheuerte Titel „Ga Ga Ga Ga Ga“ – da muss man musikalisch schon einiges zu bieten haben, um verehrt zu werden.

Spoon bieten im ersten Augenblick unaufgeregtes, aber filigran ausgetüfteltes Songwriting, das bei genauerem Hinhören so spektakulär wirkt, dass man Tage damit verbringen kann, „Ga Ga Ga Ga Ga“ mit gedrückter Repeat-Taste wieder und wieder zu hören und auseinander zu nehmen. Und in keiner Sekunde wird einem dabei fad. Selbst die beiden eingängigsten Songs „You got yr. Cherrybomb” und “The Underdog” hören sich auch nach exzessiver Dauerbeschallung nicht ab.
Sämtliche Spoon-Alben entwickeln sich bei mehrmaligen Hören in exorbitanter Weise zu noch Größerem. Mir wird jetzt schon schwindlig, in welche Höhen sich „Ga Ga Ga Ga Ga“ schrauben wird. Weil es nach drei Tagen schon so weit nach oben ragt, wo andere längst keine Luft mehr bekommen.

Ach ja: Mein Mixtape-Bastler hat sich gerade für 100 Dollar Spoon-Merchandise aus Amerika bestellt. Ich bin neidisch. (säm)

Anhören!
The Underdog (mp3)
You got yr. Cherrybomb
The Ghost of you lingers

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https://blogs.taz.de/popblog/2007/08/03/album-des-monats-juli-platz-2-spoon-ga-ga-ga-ga-ga/

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