vonChristian Ihle & Horst Motor 23.04.2008

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Spätestens seit der berüchtigten „Dig!“ Dokumentation über Lebensweg und Karriereverlauf der beiden Frontmänner Courtney Taylor-Taylor (Dandy Warhols) und Anton Newcombe (Brian Jonestown Massacre) hat letzterer eine Bekanntheit erreicht, die er mit seiner Band lange zu erspielen suchte.

Anton Newcombe

Das sehr empfehlenswerte, aber auch erschütternde „Dig!“ zeichnet dabei von Newcombe das Bild eines Egomanen und Exzentrikers vor dem Herrn. Nun erscheint mit „My Bloody Underground“ ein neues Album und Newcombe denkt nicht einmal daran, dem Irrsinn Einhalt zu gebieten – kein Wunder, nannte er doch schon sein 1996er Album „Thank God For Mental Illness“.

Der erste Song des Albums heißt tatsächlich „Bring Me The Head of Paul McCartney on Heather Mills‘ Wooden Peg (Dropping Bombs on the White House)“ (!) und ist dabei auch noch eben keine Kuriosität, kein novelty-song, sondern ein hervorragendes Beispiel für die unaufdringlich-bedrohliche Musik, die Newcombe zu schreiben im Stande ist.

Just zu diesem Album führte das britische Internet-Magazin Drowned In Sound ein Interview mit Newcombe, das im Chaos endete, obwohl der Journalist a) sehr gut informiert und b) fast schon als Fan auftrat.

Doch Newcombe dreht nach einem höflichen Beginn schon bald seine Runden in einer ganz anderen Welt. Hier einige Höhepunkte aus diesem wirklich bemerkenswerten Gespräch:

Anton Newcombe…
* berichtet, dass der Creation Records Gründer Alan McGee ursprünglich Brian Jonestown Massacre an Stelle von Oasis unter Vertrag nehmen wollte,

* …dass er seit dem zarten Alter von 2 bereits Platten kauft („it’s more a case that I’ve been into the best music of all time forever“),

* …dass er wenig später als 11-Jähriger mit verzerrten Gitarren gearbeitet hat („seriously, I was deconstructing and detuning guitars in 1978 aged 11 way before Thurston Moore had picked one up and Kevin Shields was learning how to play Cramps records, so you do the math.“),

* …richtet das deutsche Fernsehen hin („Well, UK Television kinda blows German TV out of the water because that’s shit. I think someone like me would have a great future making good television programmes in Germany because they really suck at it. I mean, they build the best cars on the planet but they can’t put together a decent TV show!“)

* …äußert sich mehr oder minder à propos of nothing über Leonardo Da Vinci („I don’t care what Leonardo Da Vinci shat after having lunch.“),

* Vincent Van Gogh („Van Gogh was not his paintings – he was a fucking freak that cut off his ear. His paintings are here but that nigger’s dead, period.“)

* Henry Ford („Henry Ford is a fucking Nazi and you’ve got people delivering your fucking pizza in a fucking Ford! The pizza’s got nothing to do with the car, it’s just your myopic perspective!“)

* und seine Frau („As soon as I’ve finished this phone call – my wife is beautiful, my son’s better looking than anybody else in the family – I’m probably going to fuck her brains out but I’ll probably have dinner first.“)

* …bevor er mit den Worten „Fuck You! Seriously, Fuck You. FUCK YOU!“ das Interview beendet.

Ein erstaunlicher Mann.

Christian Ihle

Das Brian Jonestown Massacre Album „My Bloody Underground“ ist seit dem 31. März erhältlich.

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