vonChristian Ihle 22.12.2008

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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The Killers – Day & Agekillers

Hallo Größenwahn! Brandon Flowers gibt jetzt den androgynen Bowie-Verschnitt und jammert sich ein Album von der Seele, das bestenfalls noch als post-pubertär durchgeht. Aber wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist: nur weil das ganze catchy as hell ist, sollte man darüber noch lange keine lobenden Worte verlieren. Im Gegenteil…

Wer sich die Tortur sparen will, braucht nur mal das Video zu „Human“ abspulen. Da fliegen Adler, Flowers trägt Federn auf der Schulter und der Rest der Band schaut so angestrengt auf die eigenen Füße, als wäre ihnen die ganze Chose furchtbar peinlich. So ähnlich könnte die Szenerie auch im Studio ausgesehen haben. Denn da ist der peinlichste musikalische Erguss (einer ehemals in den Himmel gelobten Band) des Jahres entstanden. Ob die Hauptschuld Band oder Hit-Produzent Stuart Price (Madonna, Missy Elliott) trifft, ist letztlich egal, weil weder Produktion noch Songwriting gelungen sind.

In „Joy Ride“ gniedelt und trötet ein furchtbares Saxophon, in „This Is Your Life“ werden die schlimmsten Synthies der 80er ausgegraben und spätestens bei „I Can’t Stay“ wird mit aller Rücksichtslosigkeit klar gemacht, wohin Brandon Flowers schon seit Anbeginn steuert: Glitzersakko und eine eigene Show in Las Vegas. Die übrigen Killers sollten sich ganz schnell aus dem Staub machen, um einen Rest von Kredibilität zu wahren. (Robert Heldner)

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* nichts

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Flaming Lips – Christmas on Mars

Flaming Lips

Ja, es gibt ein neues Flaming Lips-Album. Und nein, es ist kein normales Flaming Lips-Album. Soviel erst mal zu den Fakten.

Wayne Coynes Science Fiction-Filmprojekt, das seit 2001 entstanden ist, erschien nach ein paar Kino-Aufführungen in New York, Austin und San Antonio im November als DVD. Die DVD liegt im Package einer CD bei (und nicht umgekehrt), die den Soundtrack zum obskuren B- oder sogar C-Movie enthält. „Christmas on Mars“ ist kein reguläres Album mit neuen Flaming Lips-Songs, sondern eine Sammlung von Ambient-Stücken, die den Film begleiten. Eine düstere, orchestrale Sound-Ansammlung, der man vom ersten Moment an die Handschrift der Flaming Lips anmerkt. Ohne, dass man Wayne Coynes Stimme hört, ohne Gitarren und ohne Konfetti-Regen. Dafür baut der Soundtrack wirklich ein wenig Weihnachtsstimmung auf.

Quatsch. Natürlich klingt die Ruhe gefährlich und verwoben. Und natürlich entsteht hier und da ein Störgeräusch, das von irgendwoher auftaucht und sich in den Vordergrund sägt. Sonst wären es nicht die Flaming Lips.
Eine klangliche Mischung aus Christi Geburt und der Einsamkeit in den Tiefen des Weltalls ist dabei herausgekommen. Düster, fromm und pathetisch. (Säm Wagner)

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A Life a Song a Cigarette – Black Air

LSC

Bei ihrer letzten Platte “Fresh Kills Landfill” noch als Wiener Antwort auf die Bright Eyes gehandelt, wirken A Life a Song a Cigarette auf „Black Air“ überraschend schmissig und flott. Nicht natürlich, um Trauer und Schmerz des Vorgängers ernsthaft abzulegen. Statt Conor Oberst schwebten dieses Mal Folk- und Americana-Geister mit durchs Studio. Sänger Stephan Stanzel erzählt in den Songs Geschichten, die Band spielt dazu staubtrocken, aber trotzdem beschwingt ihre Weisen und Ken Stringfellow von The Posies steht dabei am Mischpult.

Songs, die sich aufbäumen, die in ihrer Traurigkeit euphorisch sind und ein unheimlich positives Album ergeben. Natürlich in Moll. (Säm Wagner)

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