vonChristian Ihle 07.09.2010

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Outrage

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=GS88HfXGSGA&feature=related[/youtube]
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1. Der Film in einem Satz: Gewalt erzeugt Gewalt erzeugt Gewalt erzeugt Gewalt erzeugt Gewalt erzeugt…

2. Darum geht‘s:

Der Boss einer Yakuza-Familie ist nicht erfreut über Geschäfte zweier Unterorganisationen und legt der einen nahe, die andere anzugreifen. Bedächtig spielt er die verschiedenen Familienmitglieder gegeneinander aus und jede Aktion zieht unweigerlich eine Reaktion nach sich. Vergeltung ist das Wort der Stunde.
Takeshi Kitano taucht erneut tief in den japanischen Mafia-Kosmos der Yakuza ein. „Outrage“ handelt von Ehrerbietung und Erniedrigung, Machtstreben und Machtdemonstration, immer verhalten, zurückgezogen, verklausuliert in Ankündigung, aber nicht minder brutal in der Ausführung.
Zwar gelingt es Kitano formidabel, den ewigen Fluß der Gewalt aufzuzeigen, doch verliert er zunehmend uns Zuschauer im ewigen Stühlerücken der Macht bis wir eher bewundernd dem Einfallsreichtum der Todesarten denn interessiert der Plotentwicklung folgen. Etwas irritierend ist auch der kaum verhohlene Rassismus, mit dem die Nebenfigur eines afrikanischen Botschafters als sexgierig, geldgeil und nicht allzu helle gezeichnet wird.

3. Der beste Moment:

Als Takeshi Kitano in seiner Rolle als Otomo den gegnerischen Familienboss während eines Zahnarztbesuches im buchstäblichen Sinne mundtot macht.

4. Diese Menschen mögen diesen Film:

Wer das verhaltene Yakuza-Kino eines Kitano der Marke „Sonatine“ bereits schätzen gelernt hat und der einen oder anderen Gewaltexplosion ebenfalls mit Freude entgegensieht.

* Regie: Takeshi Kitano (als Beat Takeshi)
* imdb

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Backyard

1. Der Film in einem Satz:

Women is the nigger of the world.

2. Darum geht‘s:

In der mexikanischen Grenzstadt Juarez sind seit Mitte der 90er Jahre tausende Frauen verschwunden, wenn sie nicht gleich ermordet oder vergewaltigt in der Wüste aufgefunden wurden. Carlos Carrera zeigt in zwei Haupthandlungssträngen eine fiktive Geschichte über das Versagen eines Staates und einer Gesellschaft, seine Bürgerinnen zu schützen.
Das Anliegen, wer mag es bekritteln? Doch leider erzählt Carrera seine Story zu betulich, als dass er ausreichend Empathie wecken würde. Auch erscheint nicht jede Charakterentwicklung ausreichend im Film selbst begründet und neigt zu Sprunghaftigkeit. Schade, die Geschichte hätte mehr verdient.

3. Der „beste“ Moment:

Die Schlußsequenzen, in denen Carrera die tatsächlichen Zahlen der verschwundenen, ermordeten, vergewaltigten Frauen in Mittelamerika einblendet.

4. Diese Menschen mögen diesen Film:

Wer lateinamerikanisches Kino bevorzugt, das auf Effektheischerei und überbordendes Pathos verzichtet.

* Regie: Carlos Carrera
* imdb

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