vonChristian Ihle 24.01.2011

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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So wenig man The Exploited auch je ernst nehmen konnte, mit einem hatten sie wohl doch recht: Punk ist nicht tot, auch in diesem Jahr noch nicht. Vier Kandidaten für Punk, Abschlußklasse 2011.

Cerebral Ballzy (MySpace)

cerebral ballzy

In guter Punktradition zeugt der Bandname von schlechtem Geschmack. Aber Cerebral Ballzy wird man auch weder seinen Eltern vorspielen noch der Angebeteten als Hochzeitskapelle vorschlagen. Stattdessen wird man sich an das Prinzip Bierdusche erinnern, dem eigenen Alter nicht mehr gemäß auf Tanzflächen wild auf- und abspringen und Sätze wie „Don’t Tell Me What To Do!“ brüllen. Kurz, wunderbar adoleszenter Neigungen nachgeben und den pubertären Punk genießen. Wenn das Debütalbum auch nur annähernd so gut ist wie A- und B-Seite der ersten Single, dann hat man endlich einen Nachfolger für Fucked Up gefunden, nachdem die Kanadier sich mit dem letzten Album ja etwas aus der wilden Brüllerei verabschiedet haben. Die größte Punkhoffnung des Jahres!

Anhören:
* Insufficient Fare
* Don’t Tell Me What To Do

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=OQRMr7KxZzo[/youtube]
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Flats (MySpace)

flats

Gut vernetzt ist die Punkband Flats aus London, die vor allem im dortigen Hipster-Bezirk Shoreditch ihre ersten Auftritte hatte. Die Debüt-EP wurde kurioserweise von Jamie Reynolds von den Klaxons produziert und ist eine klare Ansage hinsichtlich Kürze, Härte und Prägnanz. Für einen größeren Erfolg außerhalb der Punkzirkel fehlen den Flats bisher noch die Melodien, aber wie man hört, soll das Debütalbum weniger eindimensional werden und sich den einen oder anderen Trick von Comanechi abschauen.

Anhören:
* Flats Waltz

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=5MTunar4nDg[/youtube]
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Ludger (MySpace)

Im Grunde ist schon erstaunlich wie groß Turbostaat in der Zwischenzeit geworden sind. So nimmt es auch wenig Wunder, dass immer wieder Bands für Aufsehen sorgen, die dem Turbostaat-Sound ähneln, ob Matula oder Captain Planet. Ludger sind im Tempo zurückhaltender, haben dafür auf ihrer Debütkassette aber das Punkprinzip der unbedingten Kürze verstanden und speisen sich zudem noch aus Einflüßen, die eher bei den Goldenen Zitronen der 90er zu verorten sind.

Anhören:
* Abgewrackt
* Promillemillionär

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=9xIt0UkqwTA&feature=related[/youtube]
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Blood Robots (Homepage)

Man dachte ja schon, Muff Potter – Frontmann Nagel hätte mit Musik abgeschlossen und würde sich ganz dem Buch-Schreiben ergeben. Aber dann veröffentlicht dieser Tage Audiolith eine hervorragende Vertonung seiner Buchtexte als EP und kündigt Nagel an, in einer neuen Band namens Blood Robots als Bassist zu spielen. Ebenfalls zu Beginn des Jahres erscheinen nun die ersten zwei Vinyl-Singles – auf denen vor allem „Tread Lightly“ von mitreissender Wucht ist: Live fast, die young / it’s the same old song / it goes on and on and on… Ein sehr vielversprechender Start, näher an Rocket From The Crypt denn an den Ursprungsgruppen der Bandmitglieder.


Anhören:

* Tread Lightly
* Quitters Club

Blood Robots – Tread Lightly by Flix_Records

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