vonChristian Ihle 26.04.2011

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Keine neue Geschichte, aber an Groteskheit kaum zu überbieten und deshalb hier noch einmal aus dem letzten ZEIT-Magazin zitiert (für Unkundige findet sich ein Abriss der zugrundeliegenden Vorgeschichte hier)

Seit Bild die Aufnahme vom Unfall ihrer Familie druckte, kämpft Charlotte Roche gegen das Blatt. Als sie einmal im gleichen Flugzeug wie Mathias Döpfner saß, ging sie zu ihm und sagte ihm, dass sie ihn für einen schlechten Menschen halte. Sie trug im Fernsehen T-Shirts mit dem Schriftzug von bildblog.de, jenem Onlineformat, das es sich seit Jahren erfolgreich zur Aufgabe macht, Bild Fehler nachzuweisen. Auf eBay versteigerte Roche ein gelbes Kleid, auf dem »Kill Bild« stand.

Und irgendwann erschien dann doch noch ein Foto von ihr in der Bild- Zeitung. Vor drei Jahren war das, ihr Buch begann gerade sehr erfolgreich zu werden, da sah man sie neben einem Mann und dazu die Zeile: »Das ist ihr Feuchtgebieter«. Roche ging dagegen vor, schließlich habe sie sich nie öffentlich mit ihrem Mann gezeigt, sie sind nie gemeinsam über einen roten Teppich gegangen, es gibt keine Homestorys, keine gemeinsamen Interviews. Die Zeitung verpflichtete sich freiwillig, das Foto nicht mehr zu drucken. Wegen des Texts kam es zum Gerichtstermin, Bild wollte beweisen, dass sie und ihr Mann in dem Roman vorkommen, also beide Personen des öffentlichen Lebens sind. Ihr Mann musste vor Gericht bestätigen, dass sich seine Frau, im Gegensatz zu Helen, der Heldin des Romans, regelmäßig wäscht. Bild darf nun Roches Mann nicht mehr als ihren »Feuchtgebieter« bezeichnen und auch keine weiteren Details über ihn berichten.


(Text von Matthias Kalle & Tanja Stelzer im ZEIT Magazin erschienen)

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https://blogs.taz.de/popblog/2011/04/26/charlotte_roche_vs_bild/

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kommentare

  • ich finde es durchaus überspannt und wunderlich, dass Frau Roche vor Gericht „beweisen“ muss, dass sie sich regelmäßig wäscht.

    Dass das Vorgehen der Bild-Zeitung darüber hinaus auch noch widerlich ist, muss ja wohl hoffentlich nicht extra betont werden.

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