vonChristian Ihle 06.06.2011

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Auch in der neuen Ausgabe des Business Punk Magazins hat das Popblog wieder die Aufgabe übernommen, dem durchschnittlichen Business Punk – Leser eine ihm unbekannte Band nahe zu bringen.

Wer die letzten Woche im hiesigen Popblog verfolgt hat, kann kaum überraschen, dass wir uns dieses Mal Ja, Panik ausgesucht haben. Dass wir in einem Wirtschaftsmagazin und Financial Times – Ableger Lobeshymnen über ein Album ausbreiten, das den Titel „Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit“ trägt, ist entweder ein Zeichen, dass der Kapitalismus sich wie gehabt alle Subkulturen ohne Ansehen einverleibt, oder einfach nur hübsche Ironie:

„Ein Album namens „DMD KIU LIDT“?
Ein hübsches Rätsel für Indiestreber.
Die kryptische Buchstabenfolge sei die
Abkürzung für „Die Manifestation des Kapita-
lismus in unserem Leben ist die Traurigkeit“,
ließ die österreichische Band Ja, Panik kurz
vor der Veröffentlichung ihres vierten Albums
durchsickern. Zuletzt gab es so viel intellek-
tuelle Spielerei im deutschsprachigen Pop
vielleicht bei den Textinterpretationen zu se-
ligen Blumfeld-Zeiten oder den Referenzjag-
den bei Tocotronic. Damit das Kopferl nicht zu
schwer wird, springt Ja-Panik-Songschreiber
Andreas Spechtl zur Auflockerung bei seinen
Texten zwischen Deutsch und Englisch – das
erinnert an die fremdsprachigen Einspreng-
sel von Falco. Dass Spechtl dazu noch den
Wiener Schmäh in den Genen hat und im
Menschenhass dem großen österreichischen
Landsmann Thomas Bernhard nahesteht,
tut ein Übriges, „DMD KIU LIDT“ bei allem
Anspruch federleicht wirken zu lassen. Alles
kulminiert im titelgebenden Schlussstück der
Platte, das geschlagene 14 Minuten dauert
und dabei behände von Misanthropie zu
Drogenreferenzen, von Kapitalismuskritik zu
Liebesverwirrungen und von Party-Smalltalk
zu Bombendrohungen gegen Angela Merkel
und Nicolas Sarkozy (die „grausliche Baga-
ge“) wechselt. Ein Lied als Statement, wie
man es seit Jahren nicht mehr gehört hat.
Monumental.“
Christian Ihle

Das allen Unkenrufen zum Trotz tatsächlich gute Business Punk Magazin gibt es an den üblichen Verkaufsständen:

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https://blogs.taz.de/popblog/2011/06/06/wer_sind_eigentlich_ja_panik/

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kommentare

  • über mad men schreibt auch die apotheken-umschau, wahrscheinlich hat auch guttenberg die ein oder andere heiße ramones-scheibe im westflügel und distelmeyer tritt im zdf morgenmagazin und in ina müllers debiler kumpelstube auf. was soll daran noch besonders sein? wie ralf bereits geschrieben hat: leere zeichen. das bedeutet alles exakt gar nichts.

    und wie zum kotzen ist eigentlich ein label wie „musik für leute mit schulabschluß“? dazu auch noch der pawlowsche bernhard-bezug… es ist ein trauerspiel.

  • Wenn ich – persönlich – ein Wirtschaft/Lifestyle-Magazin lesen würde, dann wollte ich lieber keines, das sich so schleimig widerwärtig an die Banker ranwanzt, die vor Jahren einmal eine Bad-Religion-Konzert-Phase hatten und deshalb glauben, sie hätten verstanden, um was es bei Punk mal ging. Genauso wenig wie ich mich freue, dass H&M und Tchibo mittlerweile Ramones-T-Shirts verkaufen oder Jeannette Biedermann ein Exploited-Shirt trägt. Es sind einfach nur noch leere Zeichen, denen man jede Bedeutung ausgetrieben hat. Insofern muss ich mich korrigieren und ein Unternehmensberater-Magazin „Business Punk“ zu nennen, ist vermutlich nur folgerichtig. Aber dafür auch noch zu schreiben? Nein danke. Ach ja, Distelmeyer-Referenzen sind doch mittlerweile auch nur noch abgeschmackt und vor allem anbiedernd.

  • Es kommt natürlich auf die Messlatte an. Wenn man akzeptiert, was Business Punk sein will (ein sicherlich dem Kapitalismus zugeneigtes Magazin, das zeigen möchte, dass es neben der Arbeit noch ein Leben gibt und sogenannte „Querdenker“ abfeiert), dann – finde ich – dass Business Punk seine Ziele gut erreicht. Das Prätentiöse und Hurrakapitalistische kann demnach beinah keine Kritik an der *Qualität* des Magazins sein, weil es ja mehr oder minder in der Grundidee enthalten ist.

    Problematischst sehe ich eher die Unausgewogenheit zwischen Mann/Frau, auch was (offensichtlich) die Zielgruppe anbelangt – aber da sind wir gleich wieder beim Thema Frauenquote in der Wirtschaft generell.

    Ob man generell keine Wirtschafts- (weil kapitalismusfreundlich) und keine „Lifestyle“- (weil prätentiös) Magazine haben möchte – das ist eine ganz andere Frage und jedem natürlich selbst überlassen.
    Aber wenn ich – persönlich – ein Wirtschaft/Lifestyle-Magazin lese, dann lieber eines, das über Mad Men schreibt, Ramones-Texte in seinen Überschriften verarbeitet und eine Distelmeyer-Referenz auf den Titel setzt.

  • hi!
    würde mich mal interessieren, was du an dem business punk gut findest. ich eröffne mit kritik. bp ist
    – prätentiös („das laute schnelle leben hinter dem business“, „der tägliche wahnsinn im büro“)
    – sexistisch („typen die was unternehmen“, eine reportage über das vögeln der sekretärin)
    – hurrakapitalistisch („work hard – play hard“)
    ironische brechung find ich schwer feststellbar und bei dem sexismus-dreck hört’s für mich auch auf.
    grüße! zwb.

  • ich mag altmodisch erscheinen, aber ich hoffe doch nicht in zukunft business punk leser auf ja, panik konzerten anzutreffen.

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