vonChristian Ihle 26.09.2011

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Christian Buß und Daniela Zinser befassen sich bei Spiegel Online mit dem „Voyeurismus-TV“ im Privatfernsehen:

Vera Int-Veen (früher „Vera Am Mittag“, jetzt „Mietprellern auf der Spur“)

„Falls die Voyeurismus-Doku irgendwann zum klassischen Genre avancieren sollte, wird man sie als alte Meisterin des Fachs feiern. Vera Int-Veen hat schon bloßgestellt und gedemütigt, als das deutsche Privatfernsehen noch jung war: Zwischen 1996 und 2006 führte sie in mehr als 2000 Folgen ihrer Talkshow „Vera am Mittag“ Freaks und Aussätzige aller Art vor.

Britt Hagedorn („Britt – Der Talk um eins“, „Schwer verliebt“)

Britt lächelt für jeden und hört keinem zu, weil sie eh nicht weiß, wer das eigentlich ist, ihr da gegenüber. Aber in zehn Jahren Talkbusiness mit mehr als 17.000 Gästen hat sie gelernt, so zu tun, als fände sie das ganz spannend. Die 39-Jährige heuchelt Spaß und gibt die gute Freundin. (…) Britt ist der PVC-Boden des Privatfernsehens: überall verleg- und immer abwaschbar. Wer sich darauf aber ausgekippt hat, muss selber aufwischen.

Helena Fürst: (früher „Gnadenlos gerecht“, jetzt „Anwältin der Armen“)

Weiter schnarrt die Stimme der 37-Jährigen wie ein ungeöltes Scharnier, weiter putzt sie ihre Gegner runter, weiter verbreitet sie um sich herum eine Atmosphäre der Angst. Wenn Fürst mit wehendem Mantel ins Hartz-IV- oder Schuldner-Elend einfällt, um an den eigentlichen Hauptpersonen vorbei ihre Aufräumstrategie in die Kamera zu dozieren, dann sehen die Betroffenen nur noch blasser, lebensunfähiger und erbärmlicher aus als sie eigentlich sind. Voyeurismus-TV at its worst. (…) Ist Helena Fürst mit Kamerateam im Rücken im Anmarsch, gilt immer noch die Regel: Wohnung verbarrikadieren.

Tine Wittler: („Einsatz in 4 Wänden“)

Tine Wittler, die Mutter aller Einrichtungsshows, ist eine Art menschgewordener Ikea-Katalog. (…) Wie es den Eigenheimbesitzern dabei geht, ist ihr wurscht. Tine geht’s super. Am Ende müssen sich alle sehr freuen, sonst werden sie geknuddelt. Und danach können sie nie mehr einen Ikea-Katalog auch nur anheben.

Frauke Ludowig: („Exclusiv – Das Star-Magazin“)

Frauke Ludowig, 47, nutzt mehr als alle anderen die Mittel der Moral und Scheinmoral für ihre Moderationstechnik. Ihr Prinzip: Auf einen Sockel stellen – und dann anspucken. (…) Direkt gefragt wird selten, man will es sich ja nicht verscherzen mit den Stars. Lieber wird der Filmbeitrag hinterher hämisch betextet, mit dem Unterton: Also das geht nun wirklich nicht! Das wirkt wie eine verbitterte Variante der „Gala“ – wäre die Moderatorin doch selbst der viel bessere Star!“

(Christian Buß und Daniela Zinser bei Spiegel Online )

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