vonChristian Ihle 19.04.2013

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Samstag, 20.04.

Lemmy, Arte, 22.55





Das Leben von Mr Motörhead als Doku. Der personifizierte Rocknroll mit seinem schneller, härter, weiter, immer weiter – Lifestyle sollte wahrlich ein hervorragendes Sujet für eineinhalb Stunden Film sein!


Alternative: Severance, Pro7, 3.30


Eine schöne Horror-Satire, ein Fun-Splatter aus England, der hier für den Überlebenskampf Arbeitsleben metaphorisch deutliche Bilder findet. Gut.


Sonntag, 21.04.

The Last of England , ZDFkultur, 22.00





Im Rahmen der Maggie-Thatcher-Hysterie ist es eine gute Idee, sich Jarmans poetische Analyse eines verrottenden Englands unter der Regie der eisernen Lady zu Gemüte zu führen. Derek Jarman startete einst als Punk mit dem legendären „Jubilee“ (aus dem der ewige Satz „As Long As The Music’s Loud Enough, We Won’t Hear The World Falling Apart“ stammt) und entwickelte sich in den Folgejahren zum vielleicht bemerkenswertesten Kunstfilmer des Vereinigten Königreichs und einer der wichtigsten Figuren des schwulen Kinos überhaupt (Jarman ist im Übrigen auch Regisseur des „It’s A Sin“-Videos der Pet Shop Boys)



Alternative: Knowing, RTL, 20.15


Es wäre jetzt natürlich auch Quatsch, diesen Mystery-Film mit Nicolas Cage als Knaller zu bezeichnen, aber für recht lange Zeit funktioniert „Knowing“ erstaunlich gut und ist bei weitem besser als der üblichen Gurkensalat, den Nic Cage in den letzten Jahren in seiner Filmographie servierte. Gedreht wurde „Knowing“ ja auch vom einstigen Science-Fiction-Wunderkind Alex Proyas („Dark City“), der allerdings nie so wirklich an die frühen Vorschußlorbeeren anknüpfen konnte.

Montag, 22.04.

Die tödliche Maria, ZDF, 23.55





Tom Tykwers Debütfilm von 1994 war ein kleines, bizarres Kammerspiel, das durchaus von der Ankunft eines großen Talents kündete, aber noch bei weitem nicht so vollkommen war wie sein nächster Film „Winterschläfer“, den er, wenn man ehrlich ist, bis heute noch nicht übertreffen konnte.

Dienstag, 23.04.

Blade Runner, Tele 5, 20.15






Es gibt ja wohl hoffentlich keinen Leser, der Blade Runner tatsächlich noch nicht gesehen hat – aber auch wenn: einmal mehr kann nie schaden, ist Ridley Scotts Verfilmung von Philip K Dicks „Do androids dream of electric sheep?“ natürlich immer noch die Krone des Science-Fiction-Films, im Subgenre der Dystopien sicherlich der beste Film überhaupt. Phänomenale Bilder, die auch 31 Jahre später noch nichts von ihrer Kraft verloren haben – selbst wenn Blade Runner wie wohl kaum ein anderer Science-Fiction-Film (neben vielleicht „Alien“) in den folgenden drei Jahrzehnten hinsichtlich seiner visuellen Ideen geplündert wurde. Heute in der Kinofassung auf Tele 5 (also mit Off-Kommentar und den aus The Shining geklauten Filmmaterial am Ende).



Alternative: Muxmäuschenstill, 3sat, 2.20


Ach, war das ein wunderbar frecher kleiner DIY-Film damals! Eine deutsche Satire über das Bürgertum, Recht und Ordnung und die verwirrenden Abzweigungen, die man auf dem Weg zu einer besseren Welt nehmen kann…



Mittwoch, 24.04.

The Wrestler, Arte, 20.15


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=61-GFxjTyV0[/youtube]


The Wrestler ist untrennbar mit der tragischen Figur des Hauptdarstellers Mickey Rourke verbunden. So schwer es auch fällt, in dem titelgebenden Wrestler nicht Rourke, sondern eine Kunstfigur zu sehen und wie fantastisch, ungekünstelt, echt und rauh die Leistung von Rourke auch sein mag: Aronofsky ist darüber hinaus ein ungewöhnlich guter Film gelungen, der dank seiner Nähe und seiner Grobkörnigkeit, die sich jeder Rocky-esquen Hochglanzstilisierung verweigert, ein derart wuchtiges Bild eines gefallenen Mannes zeichnet, wie man das letztmals in den besten Momenten der dänischen Dogma-Bewegung sehen konnte.



Alternative: Man On A Wire, EinsFestival, 0.30


Eine faszinierende Dokumentation über eine komplett irre Idee: warum nicht mal heimlich, illegal zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers auf einem Drahtseil wandeln? Wie es zu der verrückten Idee und ihrer tatsächlichen Umsetzung kam, erzählt Man On A Wire krimigleich.


Donnerstag, 28.03.

Reykjavik – Rotterdam, 3sat, 22.25


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=30CxmO-wKCw[/youtube]


Der isländische Schmuggler-Thriller ist die Vorlage zum Mark-Wahlberg-Film „Contraband“, der letztes Jahr im Kino lief. Zwar sicher ordentlich, aber doch nicht so bemerkenswert, dass sich ein großes Remake gleich angeboten hätte.


Freitag, 26.04.

Das unsichtbare Mädchen, ZDFneo, 2.35





Dominik Graf nimmt sich einer wahren Geschichte an: in einem oberfränkischen Dorf ist ein Mädchen verschwunden, der angebliche Täter womögilch nur ein Bauernopfer.
Graf liegt es jedoch fern, eine straighte Whodunnit-Geschichte zu erzählen, sondern spielt mit vielen Genre-Versatzstücken (das Ende ist ganz klar der erste oberfränkische Western in High Noon – Tradition) und schreckt auch vor einer elliptischen Erzählweise nicht zurück. Ein selten gelungener Spagat aus Fernsehkrimi und Kunstambition.


Alterntive: 1 Mord für 2, ZDF, 0.35


Das von Kenneth Brannagh verfilmte Harold-Pinter-Drehbuch ist ein Kammerspiel für zwei: Michael Caine und Jude Law umschleichen sich wie zwei Panther, immer gierig auf den Fehler des anderen wartend. Fast mehr Theater als Kino, ein klarer Schauspielerfilm.

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