vonChristian Ihle 25.10.2013

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Freitag, 25.10.

Yella, 3sat, 23.30

Wer endlich einmal verstehen will, warum Christian Petzold im Ausland der wohl am höchsten angesehene deutsche Regisseur seiner Generation ist, sollte mit “Yella” beginnen. Hier findet man all die klassischen Petzold-Versatzstücke (Kühle, Kälte, Stringenz, Nina Hoss), aber dazu noch mit einer ganz eigenen Grundstimmung, einem Unbehagen, das einen den ganzen Film über nicht verlässt. Am Ende weiß man auch warum.


Alterntive: Carrie, RTL2, 3.30


Kurz bevor das unvermeidliche Remake ins Kino kommt, läuft auf RTL2 tief in der Nacht das Original von Brian De Palma, möglicherweise nach „Shining“ die berühmteste Verfilmung eines Stephen-King-Romans überhaupt.
Nach dem mauen Start des Remakes in den USA letzte Woche dürfte sich an dieser exponierten Stellung der De-Palma-Version auch nichts ändern und so von der Neuverfilmung in erster Linie diese gut gemachte, virale Werbekampagne in Erinnerung bleiben:


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=VlOxlSOr3_M[/youtube]


Samstag, 26.10.

The Chaser, ServusTV, 0.25





“The Chaser” ist ein weiteres Beispiel für den Aufschwung, den das koreanische Kino in den letzten 10 Jahren genommen hat. Neben Chan-Wook Park und Kim-Ki Duk (letzterer mehr für die Uber-Arthouse-Fraktion) war dieser Serienkiller-Film von Hong-jin Na bemerkenswert. Wie so häufig im koreanischen Kino gelingt es auch hier, einen Genre-Film mit erheblich mehr Bedeutung aufzuladen, in diesem Fall mit den Fragen nach staatlicher Kontrolle und individueller Freiheit.


Alternative: Cannonball, ARD, 4.00


Ein Klassiker des 70er Jahre „Actionfilms“: eine wilde Verfolgungsjagd, ein Autorennen mit David Carradine, Martin Scorsese, Roger Corman, Sylvester Stallone, you name it.



Sonntag, 27.10.

Shadow Of The Vampire, Arte, 22.45


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=uAn5uLNMmjk[/youtube]


Eine bizarre Idee liegt diesem Film zugrunde: Was, wenn Max Schreck – der Darsteller des Nosferatu aus F.W. Murnaus gleichnamigem Horrorklassiker – gar kein Schauspieler, sondern tatsächlich Vampir gewesen wäre? Was folgt, ist eine Liebeserklärung an „Nosferatu“, an den auch heute noch beeindruckenden Max Schreck, natürlich an Murnau und letzten Endes an das Kino an sich. Dass Willem Dafoe hier auf Augenhöhe mit Schrecks damaliger Meisterleistung ist, kann man gar nicht hoch genug bewerten. Dafoe spielt Schreck spielt Nosferatu darf man – neben seiner Rolle als Bobby Peru in Wild At Heart – als schausspielerischen Höhepunkt der Dafoe’schen Karriere sehen.



Alternative: Durst, Arte, 0.15

Park Chan-Wook ist spätestens mit Oldboy sowie dem Abschluß seiner “Rache-Trilogie”, Lady Vengeance, zum aufsehenerregendsten Regisseur Asiens geworden. Natürlich kann ein Regisseur mit der handwerklichen Brillanz Parks keinen schlechten Film abliefern, dazu sind viel zu viele Bilder, kleine Ideen und Anekdoten, die er in Thirst verpackt, zu bestechend. Aber dennoch leidet Thirst wie bereits der bezaubernde Vorgänger “I’m A Cyborg But That’s OK” an einem ähnlichen Grundproblem: bei aller visuellen Stärke, bei all den guten kleinen Szenen bekommt Park dennoch das Drehbuch nicht so in den Griff, dass er die Geschichte stringent erzählen könnte. Ein faszinierender, wunderschön anzusehender Film, der auf sehr hohem Niveau scheitert.

Montag, 28.10.

Lammbock, NDR, 23.15


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Dass es sowas gibt: eine gelungene (!) Kiffer-Komödie aus Deutschland (!), die mit der gebotenen Lässigkeit eine Art Comic-Tarantino gibt. Marie Zielcke war die Entdeckung des Films und auch Moritz Bleibtreu stört in der Rolle des schlagfertigen Amateur-Dealers und Profi-Kiffers nicht.


Alternative: Thomas Crown ist nicht zu fassen, MDR, 23.45

So stellt man sich das 60er Jahre Kino im Idealfall vor: flott, stylish ohne Ende, intelligent und mit Steve McQueen in der Hauptrolle.

Dienstag, 29.10.

Vampire Nation, Tele 5, 23.50



[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=U_4_ZMc0prU[/youtube]


Ein postapokalyptischer Vampir-Film über ein untergegangenes Amerika. Seine stärksten Momente hat “Vampire Nation”, wenn er das amerikanische Hinterland als von Gott und Mensch verlassenen Landstrich zeigt – wer “Winter’s Bone” gesehen hat, weiß, dass es durchaus jetzt schon Gegenden in den Staaten gibt, die aussehen, als wäre die Endzeit über uns gekommen. Schwächen zeigt “Vampire Nation” eher dann, wenn er Genrekonventionen erfüllen will und die Action-Kämpfe mit den Untoten atmosphärisch nicht zum deprimierenden Roadmovie des Restfilms passen wollen. Somit ist „Vampire Nation“ ein leidlich gelungener Vampirfilm, aber eine durchaus erfolgreiche Meditation über ein von allen guten Geistern verlassenes, dem Untergang geweihtes Land.



Alternative: Airplane!, ProSiebenMaxx, 20.15


Der große Durchbruch für das Zucker-Abrahams-Zucker-Team: eine Parodie auf die Katastrophenfilme der 70er, herrlich absurd! Später drehten ZAZ mit „Top Secret“ und der „Nackte Kanone“-Reihe einige der besten Komödien der 80er Jahre und lassen uns wehmütig auf diese Zeit zurückblicken, als Quatschkomödien noch mehr Dada als Kacka waren.



Mittwoch, 30.10.

Drei, ARD, 22.45


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=tAzTlo7ZM70[/youtube]


“Drei” war der Versuch Tom Tykwers, nach seinem Scheitern im Großprojekt “Das Parfüm” wieder zu seinen Wurzeln zurückzukehren und eine Geschichte im Kleinen zu erzählen. Tykwer entwirft hier die Utopie einer Liebe, die sich nicht an die strikten Regeln der Gesellschaft hält und der Kernfamilie ein anderes, polyamores Modell entgegenstellt. Die hervorragenden Darsteller (vor allem Sophie Rois und David Striesow) und die Unverkrampftheit der Liebes- und Sexszenen sind bemerkenswert.



Alternative: Dogtown & Z-Boys, EinsFestival, 0.30


Eine preisgekrönte Doku über die Anfänge der Skater-Kultur im Kalifornien der 70er von Stacy Peralta, der selbst Mitglied der “Z-Boys” war. Sozusagen das real ding zur imaginierten DDR-Skater-Doku “This Ain’t California” & die laufende-Bilder-Version des “Dads are the original Hipsters” – Tumblr.


Donnerstag, 28.03.

Donnie Darko, 3sat, 22.25


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Es gibt offenbar nicht nur in der Musikwelt das sogenannte One-Hit-Wonder. Zumindest konnte nichts, was Regisseur Richard Kelly nach seinem Debüt ablieferte, mit „Donnie Darko“ aufnehmen. Das Ende der Welt wurde in Filmen schon oft prophezeit, aber noch nie von einem Wesen im Hasenkostüm, das sich Frank nennt und den Untergang bis auf die Sekunde genau vorhersagen kann. Der Hase erscheint einem 16jährigen Jungen zum ersten Mal, um einen Flugzeugabsturz anzukündigen, und zwar genau über Donnies Haus. Weil dies auch wirklich passiert, gehorcht Donnie von da an Franks nicht immer sehr menschenfreundlichen Anweisungen.
Die Diskussionen in Filmforen haben durchaus David-Lynch-Charakter: Hat Donnie Darko eine Zeitreise unternommen, hat er einen sehr intensiven Albtraum oder ist er einfach nur tablettenmäßig nicht korrekt eingestellt? Der Regisseur selbst bietet auf der offiziellen Filmseite die Variante des „Tangentenuniversums“ an, in das Donnie durch den Flugzeugabsturz geschleudert worden ist.


Alternative 1: NEO Magazin mit Jan Böhmermann, ZDFneo, 23.00


Nach dem traurigen Ende von „Roche & Böhmermann“ ist nun also Jan Böhmermann wieder alleine auf dem Schirm. Tagesaktuelle Themen sollen diskutiert werden – dürfen wir vage auf eine deutsche Jon-Stewart-Variante hoffen?


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=YNYtMWwaqyE[/youtube]



Alternative 2: The Walking Dead , RTL2, 23.15


Start der dritten Staffel der US-Zombie-Serie. Wir halten The Walking Dead ja eher für eine quatschige (und unspannende) Soap-Opera mit hohen Gore-Anteil und sind da ganz beim Fanzine Schinken Omi:

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