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vonChristian Ihle 25.07.2014

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Samstag, 26.07.

Kir Royal, B3, 20.15



Kir-Royal-Bingewatching auf Bayern 3. Helmut Dietls legendäre Münchener Medienserie mit Franz Xaver Kroetz wird in Ihrer Gänze am Samstag und Sonntag abend ausgestrahlt. Das Drehbuch schrieb Patrick „Das Parfüm“ Süsskind und mehr 80er-Relevanz kann man in gute sechs Stunden Gesamtlaufzeit nicht packen.


Sonntag, 27.07.

The Tournament, Pro7, 0.15


[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=uA-b4T85Z9w[/youtube]


Ein überraschend gelungener Actionfilm mit einer nicht allzu originellen Prämisse: Das Töten, es ist alles nur ein großes Spiel. Hier: die besten Profikiller der Welt treten gegeneinander an und ermitteln den Besten der Besten. Robert Carlyle als versoffener Priester gerät zwischen die Fronten und weil The Tournament aus England stammt, fehlt auch die selbstironische Distanz nicht, die eine größere Humortiefe als der klassische Action-One-Liner der Marke Sylvester Stallone aufweist.


Montag, 28.07.

Good Night, and Good Luck, WDR, 22.45





Wer hätte vor 15 Jahren gedacht, dass der Fernseharzt George Clooney einmal der große Lichtblick für Cineasten sowie das personifizierte politische Gewissen Hollywoods sein könnte? Nicht nur, dass er in Stephen Gaghans „Syriana“ eine hervorragende Darstellerriege in einem der besten Filme über den Nahost-Konflikt anführte, nein, seine eigene Regiearbeit über die Hexenjagd im Amerika der McCarthy-Ära war elegant, stilsicher und agitatorisch brillant ausgeführt. Clooney hat sich in der Zwischenzeit zu dem vielleicht besten Schauspieler und Player unter all den gut aussehenden Männern Hollywoods gemausert. Wann dreht Sascha Hehn nun sein lang erwartetes Holocaust-Drama?

Dienstag, 29.07.


Der Banker – Master Of The Universe, ARD, 22.45


[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=9C5psMb1uy0[/youtube]


Ein Investmentbanker erzählt aus dem Herz des Irrsinns-Systems: Bankocalypse Now. Die von Marc Bauder gedrehte Dokumentation lief 2013 in den Kinos und gewann beim Filmfestival in Locarno sogar den Hauptpreis der Jury.



Mittwoch, 30.07.

Berlin Chamissoplatz, RBB, 22.40


[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=lRYpIn74aOA[/youtube]


Eine Zeitreise ins Kreuzberg von 1980 – und doch bleiben die Probleme die Gleichen: Rudolf Thomes Gentrifizierungsballade über die Liebe einer Anti-Luxussanierungs-Aktivistin zu einem Architekten könnte themengleich auch im Kreuzberg des Jahres 2014 spielen. Die Zeit schrieb 1980: „„Berlin Chamissoplatz“ ist ein Film von einer zarten Radikalität. Er wendet sich ab von den Konventionen des Bedeutsamen. Er erzählt eine Geschichte, die man unzumutbar banal finden kann, aber er bewahrt in seinen Formen eine allseitige Sehnsucht, über die nur lächeln kann, wer sich schon aufgegeben hat.“



Donnerstag, 31.07.

The Killing – letzte Folge, arte, 20.15


[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=lNzhxoDl07k[/youtube]


Dass die dänische Produktion „The Killing“ (oder wie das ZDF leider darauf besteht sie zu nennen: „Kommissarin Lund“) die beste europäische Krimiserie des letzten Jahrzehnts ist, sollte sich bereits herumgesprochen haben. In den ersten beiden Staffeln konnte allerdings die letzte Folge nicht ganz die Erwartungen der Serie einlösen, doch Staffel 3, der wohl endgültig letzten Killing-Season, entschädigt dafür umso mehr. Dass das Quasi-Staatsfernsehen ZDF und Arte diese letzte Episode ausstrahlt, kann man fast nicht glauben – und ist, womöglich unabsichtlich, nichts anderes als suversiv, denn:
War das öffentlich-rechtliche Fernsehen jemals nihilistischer, düsterer, verzweifelter als in diesen 60 Minuten?
Hat man zuvor schon einmal so deutlich allen Schichten der Gesellschaft den moralischen Totalbankrott attestiert?
Dass sich “The Killing” nun mit dieser großen Leere verabschiedet, mit diesen in die Welt hinausgeschrieenen Zweifeln an allen, wirklich allen Institutionen und ihrer Moral, ist womögilch für viele schwer zu ertragen, aber vielleicht die einzige Möglichkeit, diese Serie mit einer ihr gebührenden Intensität enden zu lassen – was in Staffeln 1 und 2 eben nicht gelang. Doch die Welt von “The Killing III” endet nicht mit einem whisper, sondern einem bang.

(eine ausführliche Betrachtung, warum The Killing so sehenswert ist, findet sich hier)


Freitag, 01.08.

Robo Cop, ARD, 1.15



Das Paul Verhoeven – Original von 1987. Das gerade im Kino gelaufene Remake vom brasilianischen „Elite Squad“- Regisseur und Berlinale-Gewinner José Padilha hat zwar nicht die Intensität des Originals erreicht, war aber dafür verhältnismäßig intelligent und auf seine Weise gelungen. Doch auch der Robo Cop von 1987 ist nicht nur ein Meilenstein des Actionkinos der 80er, sondern auch besser als sein durch die beiden Fortsetzungen lädierter Ruf – ein Schicksal, das sich Robo Cop mit dem ebenfalls oft unterschätzten ersten Teil der Rambo-Reihe („First Blood“) teilt. Tricktechnisch natürlich nicht mit heutigen Maßstäben zu messen.

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kommentare

  • Mitnichten. „Monarchie & Alltag“ ist eine Verneigung vor dem gleichnamigen Debütalbum der Fehlfarben, das hier als Krone der hiesigen Musik betrachtet wird.

  • Hallo, überlege gerade, ob ich den Blog regelmäßig lesen werde. Deshalb stellen sich mir zwei Fragen: Wo erfahre ich, warum der Blog etwas mit Monarchie heißt? Nirgendwo? Finden Sie vielleicht Monarchien so prima? Gegenteilig?

    Fragen über Fragen, nicht eilig, schönen Sommertag wünsche ich.

  • Die Filmrezensionen in der taz finde ich praktisch, auch wenn ich abends oft nicht zum Fernsehen komme. Sie geben mir Orientierung in Richtungen, die mir gefallen und die Reinfälle vorbeugen. Zu oft war ich während und nach Fernsehfilmen enttäuscht. Mal wieder auf die narkotisierende Wirkung von Bewegung im Fernsehen nach einem körperlich anstrengenden Arbeitstag reingefallen, denke ich mir danach und frage mich, warum ich darauf reingefallen bin.

    Wäre mein Fernseher weg, würde ich, glaube ich, automatisch das nächst entspannendere Unterhaltungsmedium in Greifnähe heranziehen. Funzt leider nicht, wenn ich mir einzureden versuche, dass das eine der schönen und spannenden Reportagen in der taz sind. Die lese ich gedruckt lieber morgens und tagsüber unterwegs. Oder wenn kein Fernsehr und kein www-Zugang (Internetseiten und Newsletter) da sind. Fernseher aus dem Fenster werfen? Wäre ich schlechter informiert, denke ich. Über die Regionalsender, Videotexte (im Web finde ich die weniger handlich), Nachrichtensender wie tagesschau24 und Dokumentationen bekomme ich interessante Infos.

    Was stimmt an dem Titel „A Movie A Day Keeps The Doctor Away“? Ohne Sche*, daran bin ich interessiert. Den Spruch „An apple a day keeps the doctor abway“ nur als reine Schablone zum Lenken auf die Rezensionen hier zu verwenden, dafür kenne ich die taz zu gut. Auch wenn mich einige wiederkehrende Sprachschablonen in der Zeitung in den vergangenen Jahren reichlich anödeten. Wie, dass eine Zeit dauernd irgendein Geschehen „rockte“ (Rock-Musik ist nur ein Teil der Musikrichtungen, die ich mag, wie wär’s mal mit HipHop, Funk, Jazz usw. ?), dass als Anlass für Artikel dauernd „warum eigentlich?“ eingangs hingeschrieben wird, dass einige Journalistinnen (Hallo Silke Burmester und Maragete Stokowski!) auch nach guten Argumenten aus der Leserschaft „dämlich“ (von Dame abgeleitet, soll das emanzipiert wirken?) weiterschreiben und dauernd etwas „XYZ geht anders.“; Ordnung, Stadt, Politik was weiß ich. So viel zu Sprachschablonen, die mich vom Lesen der gemeinten Artikelinhalte ablenken.

    Ich vermute, dass Sie mit dem Titel mehr meinen und der Hintergrund interessiert mich.

    Ich kenne die teils kathartische, entspannende, motivierende Wirkung von sehr guten Filmen. Die Fiktion der Sendungen/Ausleihen bannt mich vor den Bildschirm und die Nachwirkung des Films hält ungefähr fünf Stunden später noch an. Sehe ich eine gut gemachte Kung-Fu-Geschichte mit vielen Kampfsportszenen, bewege ich mich anschließend eine Weile schneller und aufmerksamer. Sehe ich einen realitätsnahen Horrorfilm, laufe ich anschließend nachts ein paar Stunden ängstlicher draußen durch die Straßen. Werde ich zu Weihnachten quasi familiär gezwungen, der chaotischen Chriswold-Familie aus Hollywoods Studios beim Feiern zuzusehen, verstehe ich anschließend eine Weile meinen Vater besser, der bis zur Verbissenheit lieber etwas kaputtrepariert, als in Ruhe mit Abstand dranzubleiben um, sagen wir, das Anschalten eines bestimmten Musikgeräts zu verstehen und es anzuschalten.

    Ist es wirklich empfehlenswert, täglich im Sinne von Katharsis, Entspannung und Ähnliches eine lohnenswerte Sendung spätnachmittags/abends anzusehen? Genug Auswahl gibt es ja, besonders in Zeiten digitaler Sender und Filmstreaming-Verleihs.

    Was sind all die Gründe, warum ein Teil der Gesellschaft keine Fernseher zuhause hat und das für besser hält? Mehr Zeit zum Lesen von Literatur? Mehr Zeit für Gespräche in der Familie? Mehr Zeit zum Reflektieren des erlebten Geschehens vom Tag? Weniger Werbemüll? Mehr Zeit zum Rausgehen? Für Kinobesuche? Für den individuellen Lebensstil? Über die Beweggründe würde ich wirklich sehr gern in der taz irgendwann mehr lesen.

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