vonChristian Ihle 12.08.2015

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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In der zunehmend gesättigten Festivallandschaft wird es schwierig, noch ein tatsächlich originelles Konzept vorzustellen – doch der ersten Ausgabe des „Pop-Kultur Festivals: It Began In Berlin“ in Berlin ist das nun tatsächlich gelungen. Natürlich bringt allein die legendenumrankte Location des Berghain als Austragungsort einige Aufmerksamkeitspunkte, aber mehr noch ist es die innovative Struktur des Festivals, die tatsächlich an einem Kernproblem ansetzt. Festivals sind ja so etwas wie die Langspielplatten zu den 7-Inch-Singles der einzelnen Bandkonzerte: ein Bundle, eine Katze im Sack, die man mitkauft, weil man eben Interesse an einem oder mehreren bestimmten Acts hat. Sicherlich hat auch das seine Vorteile, denn über die eine oder andere Band wäre man vielleicht nicht gestolpert, hätte man sie nicht aus Überbrückungszwanggründen zwangsläufig auf einem Festival sehen müssen, aber oft genug ist das Nervpotential höher als die Entdeckungsfreude, gerade wenn man an Mehrtagesevents denkt.

Das Popkultur-Festival hat nun eine modulare Struktur aufgebaut, die wie Liederabende oder kleine Einzelkonzerte mit Vorbands funktioniert: der Besucher kann sich beispielsweise frei für das Modul der Band Messer (10€) entscheiden, ohne gleichzeitig einer Talkrunde mit Dieter Gorny und Alec Empire (5€) kostenpflichtig beiwohnen zu müssen. Trotzdem gibt es abends jeweils einen größeren Block, der mehrere Bands vereint und so doch wieder Entdeckungsmöglichkeiten bietet.


[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=ddsgVzKF0lY[/youtube]


Das Programm ist ambitioniert und setzt sich vielfältig aus Talkrunden, Lesungen (Tipp: Andreas Doraus mit Sven Regener), kleinen Modulen und den großen Abenden zusammen. Lobenswert ist außerdem anzumerken, dass Pop-Kultur so ziemlich jede aufsehenerregende junge deutsche Band der letzten zwei Jahre vereint: mit Messer, Schnipo Schranke, Die Nerven, Chuckamuck und Isolation Berlin findet sich ein Best Of unserer Jahrescharts auf der Bühne des Berghain wieder – ein Satz, den wir auch selten genug schreiben können.

Zudem hat Popkultur Berlin auch noch eine der spannendsten neuen Bands Amerikas verpflichtet, die kryptisch betitelten HO99O9 (sprich: Horror), die sich schön in der noisigen Nachbarschaft von Bad Brains und Death Grips einfinden:


[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=G4tr9zaueE0[/youtube]

Wo: Berghain Berlin
Wann: 26.8.-28.8.
Line Up: hier

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