vonChristian Ihle 26.03.2018

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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„We began in a fairytale and we came to life, but is this life reality? No. It is a film.“

…und was für ein Film. Es ist wohl keine Übertreibung, „The Holy Mountain“ von Alejandro Jodorowsky als einen der visuell bemerkenswertesten Filme aller Zeiten zu bezeichnen. Jedes verdammte Bild ist durchkomponiert, jede Szenerie sprüht vor kuriosen Einfällen, verwundert und verwirrt.

Die Geschichte, die uns Jodorowsky erzählt, ist entweder sehr simpel oder undurchdringlich – je nach Standpunkt und Interpretationsansatz. Vereinfacht gesagt handelt „The Holy Mountain“ von einem jesushaften Ganoven, der auf der Suche nach Gold im von Jodorowsky selbstgespielten „Alchemisten“ einen Mentor findet und mit ihm und acht weiteren von der Welt verdorbenen Jüngern (Waffenhändler, Bürokraten, Künstler) den Marsch zu einem mythischen heiligen Berg antritt, der Unsterblichkeit verspricht. Auf diesem Weg konfrontiert der Alchemist seine Jünger mit ihren Urängsten, setzt sie Verlockungen und anderen Erlösungsversprechen aus und führt sie letzten Endes zu jenem Holy Mountain, um dort die Weltenformel zu verkünden.

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Wie man an der Zusammenfassung von „The Holy Mountain“ ablesen kann, ist Jodorowskys großes Opus ein Kind der Counter Culture und der frühen 70er. Ein esoterikdurchtränkter Designwahnsinn gegen die kapitalistischen Umstände – aber, wie ich denke, mit mehr Selbstkritik, oder zumindest Selbstironie, den alternativen Heilversprechungen der Counter Culture gegenüber als auf den ersten Blick offensichtlich wird: So macht der von Jodorowsky gespielte Alchemist eben wortwörtlich aus Scheiße Gold.

Der Wille zur Absurdität und die im Kontrast zum visuellen Einfallsreichtum manchmal etwas platte Message hinter den Bildern macht „The Holy Mountain“ allerdings auch zu einem äußerst gewöhnungsbedürftigen Werk, das – trotz des im Nachhinein sichtbaren, übergreifenden Narrativs – während des Filmschauens allzu episodenhaft und random erzählt wirkt. Je nachdem, wie oft gebrochen man die Metamessage interpretiert, ist Jodorowskys „Holy Mountain“ entweder ein skurriler Esoterik-Irrsinn gegen die herrschende Ordnung oder eine kritische Abrechnung mit beiden Lagern und vielmehr eine Aufforderung, die Lösung der Welt nicht im Eskapismus in Kunst und alternativen Selbstgenügsamkeiten zu sehen, sondern stattdessen im Kampf in der realen Welt die Verbesserung des Alltäglichen anzustreben.

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