vonChristian Ihle 16.04.2021

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Dem „ENDE“ wohnt ein Anfang inne: mehr als eine Dekade nach ihrem letzten Album kehren die damals jungen Bilderstürmer um Anton Spielmann zurück. Bevor in der Folge mit Gruppen wie Messer, Die Nerven oder Isolation Berlin ein neues goldenes Zeitalter heimischer Bands anbrach, waren 1000 Robota einsame Streiter: die jungen Wilden, die Hamburg brennen sehen wollten und Thees Uhlmann in Songform beleidigten.

Das zweite Album „UFO“ (2010 auf Platz 4 unserer Jahrescharts) hatte nicht mehr ganz die Dringlichkeit des Debüt-Postpunkwirbels, aber dafür geschickt überraschende Krautrockelemente eingebaut. Diesen Weg bestreitet auch das erste neue Lebenszeichen der Band:

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Die Pressemitteilung der Band wirft in schönen Worten einen Blick zurück auf die wilden Tage und den folgenden Burn Out:

„Absurderweise ging ja alles für uns in England los. Bevor in Deutschland überhaupt irgendwer von uns wusste. Der NME wurde via Myspace auf uns aufmerksam und schrieb einen Artikel. Kurz darauf fuhren wir rüber, spielten unsere überhaupt ersten und bereits im Vorfeld ausverkauften Shows in London. Deutsche Kritiker*innen und Intellektuelle wurden daraufhin auch aufmerksam und fingen an, uns zu mögen, zu kritisieren, ja sogar zu hassen. Gut besprochen, polarisierten wir wie keine andere Band, so sagte man uns. Artikel erschienen in Zeitungen und Magazinen, von denen wir damals, als die Teenager, die wir ja noch waren, noch nie gehört hatten. Dieser Spagat und das Jonglieren zwischen Pop, Trash und (Hoch-)Kultur, selten und dennoch möglich, fühlte sich divers und richtig an. Sogar Stefan Raab wollte uns auf seine Couch holen. Haben wir damals aber nicht gemacht.

Rückblickend kann man sagen: Wir saßen mit unserer eigenen und leichtfüßigen Art und unserem hungrigen Blick auf die Welt zwischen den Stühlen. Doch was auf Dauer weh tat und uns so befremdlich schien, war die humorlose Ernsthaftigkeit der Anfeindung von außen, die vermehrt Themenschwerpunkt wurde und unser Schaffen und unsere Entwicklung als Musiker und Künstler einengte. Klar, so etwas ist keine Einbahnstraße. Doch für uns bedeutet Pop und Punk eben: Wild und angreifbar, pur und wahrhaftig, intuitiv und selbst gemacht zu bleiben. Dazu kam ein Aspekt, den wenige kannten, da Anton ihn aus Scham versteckte: seine Herkunft und die schweren Jahre, die seine Eltern hier in Deutschland, als sie aus Russland emigrierten, erfahren hatten. Den Rest könnt ihr googlen. Oder uns zum Gespräch einladen, Interviews und so. Das geht jetzt wieder. Man hat uns nämlich wieder vergessen. Alles auf Null. Das ist sehr beruhigend irgendwie.

Wir sind keine Dienstleister, kein Service und haben auch keinen Support, bei dem du dich 24h beschweren kannst. Brauchen wir auch nicht. Wir sind Künstler und diese Künstler haben eine Band. Die Band heißt 1000 Robota:
DEUTSCHLANDS WAHRHAFTIGSTE ENTTÄUSCHER.“

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https://blogs.taz.de/popblog/2021/04/16/song-der-woche-1000-robota-ende/

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