vonChristian Ihle 26.11.2021

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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„Mit Paradies wollen wir etwas Ausuferndes, Unkontrollierbares, uns Überforderndes schaffen. Wir wollen wie Klaus Kinski in Fitzcarraldo in einem untauglichen Versuch dieses riesige Schiff über diesen Berg im Amazonas ziehen. Ohne Sinn und Verstand.“

Nach vielen einzelnen Singles veröffentlicht die Berliner Noise-Avantgarde-Band Gewalt tatsächlich doch noch ihre Debüt-Langspielplatte, deren volle Dröhnung man nur auf Vinyl bekommt. Auf Spotify steht „Paradies“ mit seinen zehn neuen Songs nackig da, doch als Gesamtkonzept finden sich bei der Vinylveröffentlichung auch noch (fast) alle bisher veröffentlichten Singles auf einer zweiten Platte. Und 80 Minuten GEWALT sind genau, was der Bandname verspricht: schmerzhaft und manchmal schwer zu ertragen. Aber eben in seiner Sammlung von Welt- und Selbsthass wie Misanthropie und Verzweiflung über die Dinge und das Jetzt auch ein Statement, das nicht zu überhören ist.

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Insbesondere die zweite Hälfte der neuen Platte von „Manchmal wage ich mich unter Leute“ („Wir sind zerbrechlich / Wir sind nur Dinge unter Dingen“) über „Die Wand“ („Wir bauen eine Wand / Wir stellen uns davor / Und lassen uns erschießen“) bis „Stumpfer werden“ („Du mußt Alles verbergen / Du mußt stumpfer werden / Du mußt dich verstecken, verkriechen / Du mußt dicht machen / Dass nichts zu dir / Nichts aus dir dringt“) – ist von einer Intensität, die den Atem raubt. Dass Wagner nach diesem langen Blick in den Abgrund nicht selbst zum Abgrund wird, sondern mit einer gespenstisch versöhnlichen Hoffnung in „3.35 Uhr“ endet, erschüttert dann fast noch mehr:

„6Uhr35
Der Tag erwacht
Meine Hand auf deinem Rücken
Ich liebe Dich.“

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