vonChristian Ihle 17.04.2026

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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The Drama (2026, Kristoffer Borgli)
Im Kino

Eine bitterböse Rom-Com, die zwar standesgemäß bei Meet-Cute startet und der Hochzeit endet, aber auf dem Weg die heftigsten Stolperfallen baut. Was zunächst noch wie eine nur etwas ehrlichere Version des Verliebtwerdens wirkt – mit einer Lüge über ein Buch ins erste Date schwindeln and so on – wird bei knapp der Mitte des Films in einer betrunkenen Selbstoffenbarung zu einem geraden Weg ins Desaster und zur nicht mehr aufhaltbaren Eskalation bis am Ende jemand mit gebrochener Nase und/oder nassem Hochzeitskleid einsam in einem Diner sitzt.

Kristoffer Borgli ist auch in seinem neusten Film ein großer Zweifler dem Guten im Menschen gegenüber und legt eine innere Schwäche nach der nächsten frei. War er in seiner Satire „Sick Of Myself“ stark in Ruben-Östlund-Terrain unterwegs, so fühlt sich „The Drama“ mehr wie eine realistisch grundierte Laminthos-Komödie an.
Sein dritter Hit in Folge.

Vier minus drei (2026, Adrian Goiginger)
Im Kino

Harter Stoff im neuen Film des „Rickerl“-Regisseurs Adrian Goiginger: zwei tote Kleinkinder, eine zerstörte Lebenspartnerschaft und eine Ehefrau im Survivor-Modus, die irgendwie versucht, dieses unendlich tiefe Loch in ihr zu stopfen.

Sie versucht es mit Erinnern, mit Flirten, mit Heulen, mit Lebenbejahen, mit Zusammenbrechen, mit Feiern und letztlich mit dem immer verzweifelter werdenden Versuch, ein weiteres Kind zu bekommen. Lou Reed hatte schon recht in „Like A Possum“: „I got a hole in my heart the size of a truck / It won’t be filled by a one-night fuck“. Valerie Pachner wirft sich ganz in diese Rolle und ohne ihre beinah sture Weiterkämpferei würde dieser Film nicht so viele Schläge (im besten Sinn) landen. (7/10)

Blue Moon (2025, Richard Linklater)
Im Kino

Ein Kammerspiel an der Theke einer Bar. Ethan Hawke spielt herrlich effeminiert seinen Star-Lyriker auf dem Karriereweg nach unten, der die Premierenfeier des neuesten Stückes seines alten Schreibpartners nervös, ängstlich, aufgeregt, hibbelig und vor sich hin schimpfend erwartet.

Ein sehr ‚geschriebener‘ Film, mit Dialogen (oder in Hawkes Fall auch oft einfach nur Monologen), die natürlich kein echter Mensch als solch druckreife Aphorismussammlung nach dem dritten Bourbon auf die Theke knallen würde, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Mehr eine kleine Fingerübung in der Linklater-Filmographie, aber wunderbar leichtfüßig. (7/10)

Good Luck, Have Fun, Don’t Die (2025, Gore Verbinski)
Im Kino

Sam Rockwell als Penner aus der Zukunft reist in die Gegenwart, um in einem Diner eine Kampfestruppe gegen die Vernichtung der kommenden Welt durch Handys, KI, Teenager oder whatever zusammenzustellen (so genau weiss das der Film auch nicht, jedenfalls GEGEN DIE MODERNE WELT!).

„Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ schafft es zugleich, ein origineller Weirdo-Trip zu sein, das aber doch immer auf die plattest denkbare Weise. Wie das Internet-Meme, das gestern der letzte Schrei war und morgen von deinem unlustigen Kollegen in der Arbeits-WhatsApp-Gruppe geteilt wird. Das ist sehr oft sehr nervig, ganz selten ein bisschen lustig, zugegebenermassen zwischendurch auch ein wenig originell, aber am Ende auch nicht mitreissender als die letzte schlechte Stephen-King-Verfilmung.

How do you do, fellow kids?
¯\_(ツ)_/¯
(4/10)

The Testament of Ann Lee (2025, Mona Fastvold)
Im Kino

Von Manchester nach Amerika. Das Leben ist trist, die Tiefschläge hart, doch die religiöse Ekstase bleibt.

Mona Fastvold, die gemeinsam mit Bradley Corbet das Drehbuch sowohl für „The Testament Of Ann Lee“ als auch für „Der Brutalist“ geschrieben hat, erzählt die Lebensgeschichte der Gründerin des religiösen Shaker-Movements, einer christlichen Freikirche, die sich vor allem durch in die Ekstase gesteigerte Gottesdienste auszeichnete.

Die große Stärke des etwas überlangen Films sind genau diese Szenen der reinen Ekstase, die in unendlichen, hackeligen Rundbewegungen fantastisch choreographiert und noch besser musikalisch instrumentiert sind. Daniel Blumberg (of YUCK*-Fame), Oscar-Gewinner für „Brutalist“, transformiert die simplen Shaker-Lieder in hymnische Klatsch-und-Schrei-Orgien, die wie ferale Versionen des Arcade-Fire-Debüts klingen. Jede dieser Szenen ist ergreifend, mitreissend, ja eben: ekstatisch! Bitte gleich noch einen zweiten Oscar hinterher für Blumberg!

Leider ist aber die zwischen diesen Momenten stattfindende Lebenserzählung der Ann Lee das Gegenteil von wild. Ein Biopic von Wiege zu Wiege, das brav alle wichtigen Stationen abhakt, aber nur von Amanda Seyfrieds großen Augen lebt, in denen sich so viel mehr abspielt als die Leinwand zu zeigen vermag. (5/10)

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