Q1: Der Posh Teckel ist in der Zwischenzeit eine Institution der Berliner Kneipenszene. Das Besondere am Teckel: er nennt sich zurecht „die Manchester-Bar in Berlin“. Woher kommt gerade diese Manchester-Connection?
Bernd Ehnes (Wirt & Mitgründer des Posh Teckel): Die Manchester-Connection im Posh Teckel verdanken wir Judith Schmitt. Sie ist ein echtes Manchester-Girl und war schon 1988 zum ersten Mal auf einer Convention von The Smiths. Die Stadt, ihr Lebensgefühl und ihre Musik haben sie immer begeistert. Judith hatte die Idee, Manchester, Punk und Post-Punk zum musikalischen Schwerpunkt unserer Kneipe zu machen. Kurz gesagt: Judith brachte die Musik, Bernd den Dackel.
Q2: Ihr feiert am 10.10. euren 12. Geburtstag. Was sind die besten Geschichten, die schönsten Anekdoten aus einem Dutzend Teckeljahren?
Da gibt es Stoff für ein ganzes Buch. Musikalisch werde ich das Konzert von 2016 mit Budgie – Drummer der Slits und Siouxsie & The Banshees – Mark Plati und Knox Chandler nie vergessen. Und dann waren da all die Aftershowpartys – nach Konzerten eines der Gallagher-Brüder und von Morrissey, oder gemeinsam mit dem Karrera Klub diesen Sommer nach Pulp.
Eine meiner liebsten Geschichten stammt von der Fußball-EM 2024. Bei einem Englandspiel hatten wir eine große Gruppe aus Leeds und Manchester im Laden. Plötzlich kam Mark Burgess, der Sänger der Chameleons, durch die Tür. Man sah den Leuten an, wie sie überlegten: „Ist das wirklich Mark Burgess? Was macht der denn hier?“ Wir sagten: „Ja, er ist mit uns befreundet.“
Eine halbe Stunde später kam J Mascis von Dinosaur Jr. vorbei – mit seinem unverwechselbaren Haar, Käppi und Brille. Wieder dieselben Blicke: „Ist das J Mascis? Was macht der hier?“ Nun ja, wenn er in Berlin ist, wohnt er bei uns um die Ecke. Irgendwann schauten die Leute zwischen den beiden hin und her und fragten: „Was zur Hölle ist das hier für ein Laden?“
Solche Begegnungen machen den Posh Teckel aus. Hier kommen Menschen zusammen, die ähnlich ticken und Musik lieben. Die Geschichten aus zwölf Jahren würden locker ein Buch füllen. Einen Titel hätten wir schon: Tales from the Teckel.
Q3: Ernest Hemingway spielte 1944 in einem Brief an Colonel Charles Lanham mit der Frage, welche Persönlichkeiten der Geschichte er zu einem imaginären Dinner einladen würde.
Wenn Du mal kurz den Hemingway für mich geben könntest: wen würdest du am liebsten einmal gemeinsam am Teckel-Tresen sehen und warum?
Mozart. Mozart war der Punk des 18. Jahrhunderts, war frech, zotig, lustig und hat mit allen Konventionen gebrochen. Ich glaube, das wäre ein äußerst lustiger Abend inklusive Zeitreise.
Q4: Ihr seid nun auch für einen neuen GEMA-Award namens „Musikkneipe des Jahres“ nominiert. Was macht euch hier einen besonders guten Anwärter?
Ich glaube, wir sind ein guter Anwärter, weil Musik von Anfang an zur DNA des Posh Teckel gehörte. Wir sind mit einer gewissen Nerdigkeit an die Sache herangegangen: mit unserem Musikquiz und Themenabenden für Leute, die bei Indie-Musik genauso tief einsteigen wollen wie wir. Besonders schön waren zum Beispiel die Abende mit John Robb aus Manchester.
Wir geben immer wieder jungen, noch unbekannten Bands eine Bühne. Und natürlich freuen wir uns genauso, wenn plötzlich einer unserer musikalischen Helden durch die Tür kommt. Der Posh Teckel atmet in jeder Pore Musik, Kultur und Subkultur. Deshalb nehmen wir die Nominierung mit Freude an.
Ob wir den Preis am Ende gewinnen, weiß ich nicht. Ich denke, jede nominierte Kneipe hat ihn verdient. Wir freuen uns wahnsinnig, dabei zu sein, und geben alles, um vielleicht sogar zu gewinnen.
Q5: Ein ständiges Thema ist das Überleben der Subkultur in Berlin. Was würdest du dir von Stadt & Politik wünschen, um kulturellen Orten der Gemeinschaft eine Zukunft zu geben?
In diesen zwölf Jahren hat sich Berlin sehr verändert. Als wir aufgemacht haben, gab es noch viele Kneipen mit einem kleinen Hinterraum, in dem Konzerte, DJ-Abende und andere Ideen Platz hatten. Mit unserer kleinen Live-Bühne und diesem Mischkonzept sind wir heute fast schon Dinosaurier.
Gleichzeitig sind Konflikte um Lautstärke und Nachbarschaft schwieriger geworden. Ich wünsche mir von der Politik einen fairen Ausgleich und mehr Rückhalt für Menschen, die ein Gewerbe aufbauen und sich kulturell engagieren. Manchmal hat man das Gefühl, dass eine einzige Beschwerde einen ganzen Betrieb ausbremsen kann. Für solche Orte braucht es verlässliche Rahmenbedingungen.
Ich hoffe, dass uns das neue Berliner Gaststättengesetz künftig auch beim Betrieb draußen hilft. Ob das bei uns tatsächlich ankommt, wird sich zeigen. Wir sind eindeutig eine Herbst-, Winter- und Frühlingsbar, und dieser Sommer war wirtschaftlich der schlechteste unserer zwölf Jahre. Umso mehr freue ich mich jetzt auf den Herbst, auf schöne Veranstaltungen und auf viele Menschen, die diesen Ort weiterhin zu schätzen wissen.
Mehr:
* Informationen zum Award der GEMA inklusive Voting-Möglichkeit finden sich hier
* am 10.10. feiert der Posh Teckel seinen 12. Geburtstag, unter anderem Spencer vom Karrera Klub und der Popblog selbst (DJ Christian Krach) werden an diesem Abend auflegen