vonSchröder & Kalender 11.10.2008

Schröder & Kalender

Seit 2006 bloggen Schröder und Kalender nach dem Motto: Eine Ansicht, die nicht befremdet, ist falsch.

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Der Bär flattert in nordöstlicher Richtung.

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Unser Freund, der Autor, Musiker und Journalist H.P. Daniels liest, singt und trinkt heute um 20 Uhr 30 im Leuchtturm, Crellestraße 41, Berlin-Schöneberg, Eintritt: 5 Euro.

Foto von Peter-M. Scheibner

Wir bringen aus diesem Anlaß eine kleine Geschichte aus seinem bisher unveröffentlichten Krankenhaus-Abenteuerroman ›Steins Reise‹:

Die Tür schlug auf: „Abendessen, die Herren!!“

– „Herr Jooh-ness!“ Er bekam sein Tablett.

– „Herr Fowinkel!“ Er bekam seins.

– „Und Herr Stein!“ Ich bekam meins.

Sie stellten sie vor uns auf den Tisch vorm Fenster. Drei Leute hatten hier gerade Platz zum Essen. Herr Mettke war noch nicht zurück mit seinem Bett. Was war mit Herrn Mettke?

Wir lüpften die Deckel unserer Teller:

– „Prima!“ sagte Herr Fowinkel „Volltreffer! Viel Wurst!“

– „Ouh!“ sagte Mr. Jones, während er seinen Teller betrachtete. Jede Menge Wurst für den Vegetarier: Leberwurst, Jagdwurst, Mortadella. Ratlosigkeit:

– „I cannot eat this! What am I going to do?“

Ich sah unter meinem Deckel nach:

– „Oh!“  Mortadella, Jagdwurst, aber da ist eine Scheibe Käse, mein Vegetarieressen.

– „Ouh!“ sagt Mr. Jones, während er auf meinen Teller schaut: „What are you going to do?“

– „I’ll give you my slice of cheese, if you want. And then I’ll just eat the rest. I don’t care. I’ll just eat and complain later!“

– „Ouh!“ sagt Mr. Jones, sieht mich ungläubig an und fragt, ob ich tatsächlich all diese Wurst essen wolle? Als Vegetarier? Ja, sage ich, dass mir das jetzt egal sei, und dass er trotzdem meinen Käse haben könne. Und dass ich denen sagen werde, dass wir in Zukunft gefälligst unser Vegetarieressen haben wollten!

– „Ouh!“ sagt Mr. Jones, „as true Englishmen we never complain!“

Ich sage ihm, die Deutschen meckern gern, wir sind nie mit etwas zufrieden, dafür seien wir Deutschen bekannt, und dass er mich ruhig mal machen lassen solle. Ich werde das schon regeln.

Als der Pfleger reinkommt zum Abräumen der Tabletts, ausgerechnet der frotzelig ruppige Pfleger:

– „Und? Hattet jeschmeckt? Habta schön uffjejessn allet?“

– „Von wegen!“ sage ich. „Was habt Ihr denn mit dem armen Mr. Jones gemacht? Der ist Vegetarier, und ihr bringt ihm tonnenweise Wurst? Nur Wurst!“

– „Nee“, sagt der Pfleger, „war doch och Brot un Butta dabei! Denn lässta ebnt die Wurscht weg, denn isset ooch vejetarisch, wa!“

Der Pfleger zwinkert mir zu und grinst mich forsch an im Vorbeigehen.

– „Ich bin übrigens auch Vegetarier!“ rufe ich ihm hinterher.

– „Ooch, ja?“ Und schon ist er weg.

(HPD / PMS / BK / JS)

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