vonSchröder & Kalender 27.11.2020

Schröder & Kalender

Seit 2006 bloggen Schröder und Kalender nach dem Motto: Eine Ansicht, die nicht befremdet, ist falsch.

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Es ist dunkel, ich sehe nicht, wie der Bär flattert.
***Demarc: Lucy’s Lustbuch, (c) März Verlag

Alfred Demarc (d.i. Alfred von Meysenbug): ›Lucy’s Lustbuch‹. Grossformatiger Pappband, 80 Seiten mit farbigen Comics. Einbandgestaltung: Typografie von Jörg Schröder mit einem Bild von Alfred Demarc. MÄRZ Verlag, Frankfurt a.M. 197. (Der Titel ist nicht lieferbar)
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Dieser Comic erschien unter dem Pseudonym Alfred Demarc bei MÄRZ. 1971 ließ der Frankfurter Generalstaatsanwalt die Auflage bei unserer damaligen Frankfurter Auslieferung Franz Müller-Rodenberger beschlagnahmen, da sich Personen aus Politik, Presse, Gesellschaft und Sangesleben wiedererkannt hatten.

»Wie die Staatsanwaltschaft so schnell von diesem Titel Wind bekommen hatte«, schrieb Jörg Schröder, »weiß ich nicht. Mein Verteidiger durfte ›wegen Gefahr im Verzuge‹ die Akten nicht einsehen. Die gesamte Auflage von 10.000 Exemplaren wurde dann nach einem späteren Verfahren eingestampft. Es handelte sich um einen Deal. Meine Zustimmung zur Makulierung wurde mit der Einstellung aller laufenden Strafprozesse wegen ›Verbreitung unzüchtiger Schriften‹ belohnt. Es waren zwanzig Verfahren. Das bedeutet: Es gibt von diesem Titel nur zwanzig Exemplare bei Sammlern und im Antiquariat. Entsprechend teuer ist das Buch, je nach Zustand wird Lucys Lustbuch für 600 bis 800 Euro gehandelt.«

Mehr über die Entstehung des Buches kann man in ›Schröder erzählt: Unverbindliche Richtlinien‹ nachlesen (Februar 1993, 48 Seiten).

Nun hat in diesem Jahr ein Raubdrucker Lucys Lustbuch in Antiquariaten für 400 bis 500 Euro als Originalausgabe verkauft – mit Impressum: März Verlag 1971 Frankfurt am Main – , doch das wussten wir nicht. Im Sommer sah ich plötzlich im Katalog von Fröhlich & Kaufmann das MÄRZ-Cover leuchten, daneben stand: »legendärer Erotik-Comic aus dem MÄRZ Verlag …«

So flog der profitable Schwindel auf. Fröhlich & Kaufmann erwarb die Exemplare von einem Comic-Händler, der sich partout nicht mehr erinnern kann, wann und bei wem er die Bücher gekauft hat und keinerlei Belege vorweisen kann.

Eine profitable Sache für das Bürschchen: Herstellungspreis pro Exemplar 12 Euro (es fallen ja keine Autorenhonorare oder sonstige Kosten an) mal 10 Exemplare = 120 Euro Kosten. Im Antiquariat wird der Raubdruck als Originalausgabe verkauft, also 10 Exemplar x 400 Euro = 4.000 Euro für das Bürschchen. Der Käufer ist allerdings gelackmeiert!

Die Lucy-Raubdrucke sind übrigens deutlich von der Originalausgabe zu unterscheiden. Das vermag jeder, der Kenner von Comics und der echten Werke aus dem MÄRZ Verlag ist. Trotzdem werden sie weiter in Antiquariaten als Originale für teuer Geld gehandelt. Deshalb möchte ich Sammler warnen. Lasst Euch keine Falsifikate andrehen!“

 

Beispiel 1

Beispiel 2

Beispiel 3

Beispiel 4

Das ist nicht alles, es gibt noch mehr Falsifikate im Netz.

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AvM / BK / JS

 

 

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