vonSchröder & Kalender 17.08.2022

Schröder & Kalender

Seit 2006 bloggen Schröder und Kalender nach dem Motto: Eine Ansicht, die nicht befremdet, ist falsch.

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Der Bär flattert in westlicher Richtung.
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Sonntag, den 14. August 2022

Den ganzen Morgen sang ich den Ohrwurm von Britta: „Wer geht putzen und wer wird Millionär?«

 

 

Am Sonntag trafen Karin Schwenker und ich ziemlich früh im Sommerbad des Olympiastadions ein.

 

Neben den Umkleidekabinen hängt dieses alte Werbeplakat.

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Nach dem Umziehen schwammen wir unsere Bahnen und beobachten währenddesssen alle, die vom Zehn-Meter-Turm sprangen. Manche machten einen Salto rückwärts oder vorwärts, es gab viele Kopfsprünge und noch mehr Arschbomben.  Am nächsten Morgen erfuhr ich, dass es abends zu einem Polizeieinsatz kam, weil etwa 50 Jugendliche im Olympiabad den Sprungturm besetzen wollten.


 

Montag, den 15. August 2022

Die ersten  Titel des Herbstprogramms trafen ein. Für mich ein großer Moment, die vier neuen Bücher auszupacken, denn ich mache auch die Cover. Die MÄRZ-Klassiker erscheinen so, wie Jörg Schröder sie entworfen hat. Die Novitäten soll man gleich erkennen. Seit einem Jahr arbeiten Richard Stoiber und ich zusammen mit guten Resultaten: Dies ist unser zweites Programm, zehn Titel sind lieferbar.


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Bei Quins ›Passagen‹ schlug ich zufällig Seite 55 auf: »Mädchen, Jungen stehen auf, ihre Körper tiefdunkelbraun. Sie gehen hinunter zum Strand, kommen wieder herauf, Lachen, offensichtlich aus keinem anderen Grund, als weil sie den Klang ihres eigenen Gelächters lieben. Lachen, das sich in Singen verwandelt. Gott weiß, ich beneide sie um ihre Leichtigkeit. Ihre Verzweiflung: eine bestimmte Art von Verzweiflung, die nur die Jungen kennen: irrational, unbeständig.«

Erst danach las ich das Vorwort von Claire-Louise Bennett, das so endet: »Neugier. Das ist es. Passagen haben in mir eine bestimmte Art von Neugier geweckt, wie ich sie schon lange nicht mehr empfunden hatte. Sie ist schwer zu beschreiben. Sie ähnelt der furchtlosen Neugier der Heranwachsenden, sie ist sexuell, solipsistisch, melancholisch, heftig, gierig, schmachtend – und grenzenlos.« (Aus dem Englischen von Eva Bonné)

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Wegen des heftigen Gewitterschauers drängten sich etwa zehn Menschen dicht an dicht unter das Vordach einer Tür und ich auch. Es regnete heftig, nach einer Weile hörte jemand aus Langeweile laut Lieder, und plötzlich tanzten wir alle dazu. Dit is nu Berlin!

Dienstag, den 16. August 2022

Richard Stoiber und Hendrik Otremba besuchten mich in meiner Wohnung, wir bereiteten den Presseversand vor.

Hendrik Otremba signiert seinen neuen Roman. Foto: Richard Stoiber.

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Später las er aus seinem Buch, und Richard nahm die Session auf. Ein Stativ fehlte, aber es ging auch so, dank der Propyläen Kunstgeschichte in 18 Bänden.

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Zitat aus Benito: »In gemächlichen Zügen teilten meine Arme das Wasser, ließen mich weiter schwerelos nach vorne gleiten, ganz langsam, ohne Wellen zu schlagen und auch ohne Ziel, wie auf einem Spiegel. Die Badeanstalt in Berlin-Charlottenburg, als deren einziger Gast ich in diesen frühen Morgenstunden meine Züge tat, war sehr alt, gewiss älter als das Schwimmbad, in dem man mir in meiner Heimatstadt im Ruhrgebiet einst das Schwimmen beizubringen versucht hatte. Ich war untergetaucht, aus der Öffentlichkeit verschwunden. Zurück in den Appenin-Zustand. Keine Kontaktaufnahme, stattdessen den Routinen folgen, ein unaufgeregtes Leben führen, nicht oder überhaupt nur in Ausnahmefällen das Telefon benutzen, den Wunden weiter Heilung schenken, keine Termine, keine Verabredungen, keine neuen Aufgaben annehmen, den Nerven Ruhe gewähren.«

 

Mittwoch, den 17. August 2022

Nach getaner Arbeit werde ich heute Abend wieder mit meiner Freundin Karin schwimmen gehen, dieses Mal zum Tegeler See.

Alle übrigen Fotos: Barbara Kalender

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(BK)

 

 

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