vonFabian Schaar 05.06.2021

other society

Wie ist der Sprung in eine sozialere, gerechtere Zukunft möglich? Ein junger Mensch stellt sich Fragen.

Mehr über diesen Blog

Laut Medienberichten von Spiegel bis Tagesschau habe das deutsche Gesundheitsministerium unter Jens Spahn vorgehabt, „Hunderte Millionen nutzlose [d.h. nicht den EU-Vorschriften genügende] Masken aus China“ (Spiegel.de), die zuvor für „schätzungsweise eine[r] Milliarde Euro“ eingekauft wurden, an Hartz-IV-Empfänger, Menschen mit Behinderung und Obdachlose zu verteilen.

Ganz ehrlich, Herr Spahn, mit Verlaub: Sind Sie noch ganz bei Sinnen? Die Coronapandemie hat sicherlich alle Bevölkerungsschichten getroffen, doch klar ist: Während einige Superreiche ihren Reichtum noch steigern konnten, litten gerade die ohnehin sozial Schwachen und Schwächsten am stärksten. Doch Schluss erst einmal mit der persönlichen Ansprache an Herrn Spahn, zurück zur massiven Problematik.

Die drei bisherigen, von Wissenschaftler*innen vorhergesehenen Covid-19-Wellen, die fast 90 000 Verstorbenen und mehrere Debakel etwa bei der Impfstoffbeschaffung oder jüngst bei den Covid-19-Testzentren sprechen, denke ich, für sich: Auch das deutsche Gesundheitsministerium sollte sich nach dem Krisenjahr 2020 nicht mit Ruhm schmücken.
Doch gerade nach diesem Krisenjahr kommt Spahns Ministerium auf die abgrundtief asoziale Idee, unbrauchbare Schutzmasken an nahezu, zu großen Teilen bzw. vollkommen Schutzlose in der heutigen Ellenbogengesellschaft zu verteilen?

Schutzmasken sollen, das sagt bereits ihr Name, Schutz bieten, Sicherheit schaffen, Verunsicherungen lösen. Die Vorhaben des Gesundheitsministers, der für diese zuletzt verantwortlich ist, bewirkt nicht nur das Gegenteil, sondern ist, ich glaube, das ist nicht nur meine Meinung, unfassbar menschenverachtend, asozial und pietätlos.

Sozial und gesellschaftlich Schwache, politisch unterrepräsentierte werden eindeutig als Menschen zweiter Klasse eingestuft anstatt sozial aufgefangen zu werden.
Nach dem vergangenen und dem andauernden Krisenjahr ist das besonders fatal:
Im Winter letzten Jahres mussten beispielsweise erste und zweite Hilfestellen für Menschen ohne Obdach schließen. Die jüngsten, oben benannten Pläne zeigen nicht nur die schwerwiegende soziale aber logischerweise auch gesundheitspolitische Inkompetenz des gelernten Bankkaufmanns Spahn, sondern erinnern auch schmerzlich an das Euthanasieprogramm im Dritten Reich, wie richtiger Weise auch auf Twitter angemerkt wurde:

Das CDU-Ministerium verdeutlicht einmal die Skrupellosigkeit und die zutiefst asozialen Verhaltensmuster, die eben nicht nur Lobby-korrumpierte geldgeile CDUler*innen in Masken- oder Aserbaidschan-Affairen an den Tag legen, sondern auch die höchsten Ministertiere, die die ach so „christliche“, „demokratische“ Union stellt.

Der aktuelle Skandal ist ein weiterer von sehr, sehr vielen Gründen, aber auch ein in sich ausreichender Grund, die CDU nicht nur bei der Wahl im Herbst diesen Jahres nicht erst ansatzweise in Betracht zu ziehen.

Die menschenverachtenden Vorhaben, die Jens Spahn für „Sonderaktionen“ plante sollten, nein müssen, auch Konsequenzen für Spahn selbst haben, sind sie doch so symptomatisch für die jetzige, von Corona noch weiter verschärfte und zweifelsfrei inakzeptable Gesellschaft der heutigen Zeit, in ihrer Form der asozialen Marktwirtschaft, in ihrer Struktur des strukturellen, wie auch oft individualisierten Ellenbogenkapitalismus.

#spahnruecktritt


https://www.spiegel.de/politik/deutschland/jens-spahn-nach-planen-zur-maskenvernichtung-in-der-kritik-a-78e50c40-a6e8-49b0-8d10-606605544fb0?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

https://www.tagesschau.de/inland/spahn-maskenplaene-101.html

(https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-so-will-jens-spahn-schrottmasken-im-wert-von-einer-milliarde-euro-loswerden-a-22872107-0002-0001-0000-000177779146)

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/society/jens-asozialer-gings-nicht-mehr-oder/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.